Category: Algorithmen

Predictive Policing, Immigration und Silicon Valley

Über Predictive Policing, die vorausschauende Polizeiarbeit wird derzeit viel geredet. Geht das, geht das nicht? Was heißt Vorhersagen, was passiert da und wie sicher sind diese Algorithmen. U.a. hat Simon Egbert dazu einen sehr schönen Vortrag in der Ringvorlesung Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft gehalten (am 8.1.2018).

Die Software hinter vielen Programmen dieser Art digitaler, post-moderner und zukünftiger Polizeiarbeit sollte dabei nicht nur im Hinblick auf die Algorithmen betrachtet werden, sondern auch hinsichtlich sonstiger Nutzung und der mit ihnen verbundenen ökonomischen und politischen Macht.

Mehrere Geschichten haben im letzten Jahr die Zusammenhänge zwischen Palantir, der Firma von Peter Thiel, welche die Daten für viele der Anwendungen bereit stellt, dem Migrationsprogramm Donald Trumps und der Polizei thematisiert. Hier einen Blick drauf zu werfen lohnt sich sehr.

The Verge: Künstliche Intelligenz befeuert Überwachung

Lesenswerter Artikel: Artificial intelligence is going to supercharge surveillance (The Verge. 23.1.2018)

What happens when governments can track huge numbers of people using CCTV? When police can digitally tail you around a city just by uploading your mugshot into a database? Or when a biased algorithm is running on the cameras in your local mall, pinging the cops because it doesn’t like the look of a particular group of teens?

Wie immer gilt: Man darf die Behauptungen der Tech-Industrie (oder jeder anderen…) nicht allzu wörtlich nehmen; schönerweise lässt der Artikel ja auch Skeptiker- und Kritikerinnen zu Wort kommen.

Big Data, Bots und Algorithmen

An der Universität Hamburg gibt es in diesem Wintersemester 3 Vorlesungsreihen im Allg. Vorlesungswesen, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Big Data beschäftigen.

Die Reihe Mathematik trifft Daten beschäftigt sich mit der mathematischen Seite des Themas.

Die Rache der Bots. Demokratische Integrität und automatisierte Meinung will vor allem den Herausforderungen nachgehen, die vom Einsatz digitaler
Manipulationstechniken für die Integrität demokratischer Meinungsbildung und Entscheidungsfindung ausgeht.

Und schließlich, die auch (hier bereits angekündigte) Reihe Daten, Algorithmen, Kontrolle der Zukunft: Big Data in der digitalen Gesellschaft – Anwendungen und Zweifel.

An diesem Thema Interessierte finden dazu also in diesem Winter reichhaltige Kost!

Big Data und die Polizei

Da dieser Artikel heute in der FAZ besprochen wurde, sollte er hier auch Erwähnung finden.

Sarah Brayne: Big Data Surveillance: The Case of Policing. American Sociological Review, vol 82, no 5, 2017.

Aus der Conclusion:

Focusing on the interplay between surveillance practices, law, and technology offers new insights into social control and inequality. I argued that big data participates in and reflects existing social structures. Far from eliminating human discretion and bias, big data represents a new form of capital that is both a social product and a social resource.

Interessant auf jeden Fall.

Film: Nothing to hide

Gut gemachter Film, mit der leider so bekannten Konzentration auf das Wer-was-von-mir-wissen-kann-Narrativ und wie man sich besser schützt in der digitalen Welt. Als wenn diese ein extra zu uns und unseren Gesellschaften ist und nicht ein Teil davon, verwoben mit allem (zumindest vielem), was wir tun und wie wir Soziales und Politisches organisieren.

Publikumswirksam und -tauglich, informativ, aber für eine akademische Debatte wenig neue Ideen und Gedanken. Es treten in dem Film aber mal andere Gesichter und Denker auf, das ist in der Tat erfrischend.

Aber die 90 Minuten ist es auf jeden Fall wert.

Trailer: Pre-Crime

Da, wo der Film CITIZENFOUR aufhört, geht PRE-CRIME einen Schritt weiter. Die Regisseure Monika Hielscher und Matthias Heeder stellen einige der brennendsten Fragen unserer Zeit: Wie viel Freiheit sind wir bereit aufzugeben für das Versprechen absoluter Sicherheit? Und können wir uns auf das Urteil von Computern und Algorithmen wirklich verlassen?

Ja, aber …

Der digitale Hilfssheriff

Wie viele Daten sollen IT-Konzerne wie Google herausgeben, um den Behörden bei der Strafverfolgung zu helfen?

ein kluger Artikel von Adrian Lobe (FAZ, 22.6.2017) über die Macht der Maschinen, mit denen wir uns umgeben und den wir vertrauen als wären sie gute Bekannte….

Das Herrschaftswissen, das die Tech-Giganten mit ihren Maschinen aggregieren, könnte sich schon bald gegen ihre Nutzer wenden.

Ich würde argumentieren, der Wunsch nach den digitalen Domestiken und nach Distinktion, dem Zwang der Hypermoderne anzugehören, führt zu einem Trend in der ÜBerwachung (wenn auch nicht so genannt) zum Lifestyle wird. Ich werde dazu in Kürze nochmal ein paar Ausführungen machen.