Category: Polizei/Militär/Geheimdienst

Kommentar: Polizei und Vertrauen

Ich habe für Deutschlandfunk Kultur am 15.8.2019 ein Politisches Feuilleton zu Polizei und Vertrauen gemacht. Der Umstand, dass vieles bei der Polizei darauf hindeutet, dass die Polizei dem Bürger nicht vertraut, sich aber umgekehrt darüber beschwert, dass der Bürger Transparenz möchte, um das Vertrauen zwischen beiden zu verbessern, hat mich beschäftigt.

“Dritte Welt” als Versuchskaninchen der Überwachung?

Warum sollte moderne Überwachungstechnologie Halt vor Weltgegenden machen, die, so könnte man meinen, andere Probleme haben. Aber Authentifizierung und Identifizierung spielen zum einen in vielen Zusammenhängen eine wichtige Rolle:

Immer wieder werden in verwüsteten Gegenden Hilfsprogramme missbraucht, und die Stärksten bereichern sich. Das WFP argumentiert, nur mit biometrischen Prüfungen könnten die Hilfsgüter die wirklich Bedürftigen sicher erreichen. Sonst fließe das Geld an Kriegsparteien, das könne man als humanitärer Helfer nicht zulassen. Doch das Misstrauen gegen die internationale Organisation ist groß, und einmal mehr stößt der Einsatz biometrischer Systeme auf Widerstand.

Gespräch zur Gesichtserkennung

© Die ZEIT 2019Im aktuellen Zeit-Podcast WIRD DAS WAS? / GESICHTSERKENNUNG unterhalte ich mich mit  Lisa Hegemann und Dirk Peitz über Gesichtserkennung, die Bedeutung von Technik für die Zukunftsgestaltung von Gesellschaft, insbesondere dann, wenn Technik vor allem eine Projektionsfläche für Hoffnungen und Vorstellen zukünftiger Gesellschaften ist und über die Wahrhaftigkeit von Bildern.

Das geht über eine Stunde lang, also bringt Zeit mit zum Hören.

 

Über Polizeigewalt

Recht passend zu der aktuellen Folge der Berichte aus Panoptopia zur flanierenden Polizeiarbeit, ist dieser aktuelle Podcast aus der Redaktion der Zeit zum Thema Polizeigewalt.

©Die ZEIT 2019

Podcast: Verbrechen / Polizeigewalt

Immer wieder werden Menschen Opfer gewalttätiger Polizisten. Wenn Beamte überreagieren oder ihre Autorität mit Zwang retten wollen, kommt es mitunter zu Katastrophen, von Sabine Rückert und Andreas Sentker

Dazu passt auch dieses Feature von Deutschlandfunk Kultur, welches am 13.4.2019 gelaufen ist:

Polizeigewalt in DeutschlandTäter in Uniform, von Marie von Kuck

Polizeikennzeichnung: eine lange Geschichte

Nicht nur ist die Geschichte der Polizeikennzeichnung bzw. die Geschichte der Forderungen, des Kampfes dafür und dagegen absurf und zäh, sondern auch lang, wie dieser Artikel der wunderbaren Webseite Geschichte der Gegenwart zeigt. Da es dabei auch im Kern um Kontrolle geht, hier der Artikel als Lesetipp.

Nummern für die Polizei! Geschichte und Gegen­wart einer alten Forde­rung

 

Interview zu Big Data Policing

Interview mit Andrew Ferguson, Autor von The Rise of Big Data Policing: Surveillance, Race, and the Future of Law Enforcement (hier eine Rezension in diesem Blog).

Chris Richardson spricht mit Ferguson über sein Buch und das Thema Predictive Policing in einem Wissenschaftspodcast “This is not a Pipe Podcast.”

28.3.2019

Secrecy and the U.S. Security State

Secrecy and the U.S. Security State

Secrecy is a fundamental aspect of the U.S. security state. According to Joseph Masco, the logics and dynamics of official secrecy do more than prevent the release of information; they also have profound effects on U.S. society. What Masco calls the security/threat matrix can be traced back to the effort to withhold information about the about the atomic bomb.

An den Grenzen…

Überwachung hat auch (nicht immer) mit Grenzen zu tun, Grenzen fast immer mit ihrer Kontrolle auf die eine oder andere Weise. Im Guardian fand ich dieses großartige Bild, welches auch zeigt, warum Überwachung stattfindet und welche Auswirkungen sie haben kann.

US aerial view of the US-Mexico border fence seen from Tijuana. Photograph: Guillermo Arias/AFP/Getty Images

The Guardian,15.1.2019: What is life really like in border country, where Trump wants his wall?

The Guardian travelled to five locations on the US-Mexico border to discover how Trump’s rhetoric jars with the reality on the ground

Tagung zu empirischer Polizeiforschung

Herausforderung empirische Polizeiforschung: Methodische und forschungsethische Perspektiven auf ein polarisiertes Forschungsfeld

Roundtable mit Christiane Howe (Humboldt-Universität zu Berlin), Fabien Jobard (CESDIP, Paris), Lars Ostermeier (Freie Universität Berlin), Peter Ullrich (Technische Universität Berlin)

Moderation: Andrea Kretschmann

25.01.2019, 17:00 – 18:30 Uhr, Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, 10117 Berlin, Georg-Simmel-Saal (3. Stock)

Gegenwartsbezogene empirische Polizeiforschung ist eine Herausforderung – mit vielfältigen erkenntnistheoretischen Implikationen. Die politische und soziale Bedeutung des Forschungsgegenstandes für die Gesellschaft, die öffentlichen Auseinandersetzungen um das Auftreten der Polizeien, die wachsenden polizeilichen Anstrengungen proaktiver Medienarbeit, polizeiliche Geheimhaltungsbedürfnisse und anderes mehr bilden eine schwierige Gemengelage, durch die Forschende navigieren und in der sie sich wissenschaftlich positionieren müssen.

Bericht von Tagung zu Protest und Polizei

Bericht zum Track “Einheit und Varianz im polizeilichen Umgang mit Gipfelprotesten” der ipb-Jahrestagung “Der Kontext lokaler Proteste”

von Bernadette Hof, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie

Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 führte zu heftigen öffentlichen Debatten, wobei der Fokus der Diskussion vor allem auf den gewaltförmigen Eskalationen zwischen Protestteilnehmenden und der Polizei während der Protestwoche lag. Im Zuge der Suche nach Erklärungen wurde die Legitimität einiger Protestformen in Frage gestellt, doch gerade auch die polizeilichen Vorgehensweisen standen in der Kritik. Kritisiert wurden sowohl vorbereitende Einsatzentscheidungen wie die Einrichtung einer großflächigen Protestverbotszone, die Verhinderung von Protestcamps oder die Ankündigung einer Null-Toleranz-Strategie gegenüber „Störern“ als auch die Durchführung des Einsatzes selbst, was sich unter anderem in Verweisen auf illegale Polizeigewalt ausdrückt. Solche Vorgehensweisen und Ereignisse im Rahmen von Gipfelprotesten sind nicht neu, sie treten jedoch auch nicht zwangsläufig auf. Verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen widmen sich der Frage nach den sozialen Bedingungen, welche den polizeilichen Umgang mit Protesten formieren.

Zum Tod von Horst Herold

Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf auf Horst Herold geschrieben, den Erfinder der Rasterfahndung. Unter dem Titel Staatsdiener und Staatsdenker würdigt Prantl einen Mann, der zum Feind aller Linken wurde, auch und gerade weil er den Computer in die Polizeiarbeit brachte und Ideen hatte, die erst heute tatsächlich Gestalt annehmen.

Dass Prantl den Artikel schreibt, macht ihn umso lesenswerter. Man muss Herold und seine Ideen nicht mögen, aber es scheint, als wenn dort ein Mann weiter schauen konnte, auch kritisch, als viele Polizeibürokraten heute in der Lage wären.

Dazu passend sei hier auch auf das wunderbare Buch von David Gugerli hingewiesen: Suchmachinen. Die Welt als Datenbank, (2009) in dem auch Horst Herold ein Kapitel bekommen hat.