Category: Big Data

Parkraumüberwachung

Normalerweise bedeutet die Parkraumüberwachung in Hamburg, aber auch anderswo, dass Personal der Stadt oder Kommune rumlaufen und Falschparker aufschreiben. Das kann man gut finden oder sportlich sehen und mit Tricks versuchen sich dagegen zu wehren oder aber dagegen meutern und das für Abzocke halten.

Städte sind überfüllt, das Auto dominiert den öffentlichen Raum und sollte im Rahmen neuer Mobilitätskonzepte zurückgeschraubt werden, für mehr Demokratie im öffentlichen Raum, was dessen Verteilung und Nutzung angeht. Dass das nicht ohne Auseinandersetzungen und Verhandlungen darüber vonstatten gehen würde, wem der Raum, wann, wie und wozu gehört ist auch klar. Ob aber das Hamburger Konzept des Anwohnerparkens wie es gerade umgesetzt wird, der ideale Weg ist, muss bezweifelt werden. Und es sind nicht nur die mangelnden Regelungen für ortsansässige Handwerksbetriebe oder die Besucher (auch, aber nicht nur) älterer Menschen.

Problematisch ist auch, was beim NDR mit einer kurzen Nachricht bedacht wurde und mit der Technologie Scan Cars umgesetzt werden soll.

Projekt: Beyond Big Data

Die kanadischen Kollegen vom Surveillance Studies Centre um David Lyon haben zu ihrem Projekt Beyond Big Data Surveillance einen Bericht und ein paar Videos erstellt, die ihr hier euch ansehen könnt.

Beyond Big Data Surveillance: Freedom and Fairness, Surveillance Studies Centre

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Die anderen Videos findet ihr auf der Webseite. Das hier nur für den Einstieg.

Luxury Surveillance

Auf der SSN Konferenz in Rotterdam habe ich den Begriff “Luxury Surveillance” zum ersten Mal gehört. Ein weiterer schöner Begriff, um mit wenigen Worten die Welt auf den Punkt zu bringen, die Shoshana Zuboff mit ihrem Überwachungskapitalismus versucht hat zu beschreiben.

Und letzter war in vielen Beiträgen auf der Tagung in Rotterdam sehr präsent. Aber auch hier in Deutschland kommt mir Zuboffs Konzept immer öfter unter, insbesondere bei Studierenden und dem Nachwuchs. Das scheint einiges an Attraktivität bereitszustellen. Nun gut, darum soll es hier aber nciht gehen. Sondern vielmehr um das Konzept der “Luxury Surveillance”, das, so könnte ich mir gut vorstellen, zu einem stehenden Begriff werden könnte. Was steckt dahinter?

Die beiden Autoren Chris Gilliard und David Golumbia haben das Konzept in einem Artikel im Reallife-Magazin am 6. Juli 2021 vorgestellt: Luxury Surveillance: People pay a premium for tracking technologies that get imposed unwillingly on others.

Consumers of luxury surveillance see themselves as powerful and sovereign, even immune from unwelcome monitoring and control

Anonymität und personalisierte Subjekte

Die wunderbare Kollegin Renée Ridgeway hat eine Dissertation zum Thema The Personalised Subject vs. the Anonymous User vorgelegt, die frei abrufbar im Netz zum Download bereitsteht.

Renée war im weiteren Umfeld des Reconfiguring-Anonymity-Projektes und liefert mit dieser Arbeit weitere Einblicke und Erkenntnisse zum Thema Anonymität im Netz und in der digitalen Welt. Es geht um Google, TOR und eine Art von Autoethnographie im digitalen Raum. Lesenswert.

This thesis investigates how Google Search as a ‘media a priori’ organises (us)ers by first delving into how search worked in the past, engaging former European ‘address offices’ and human endeavours that attempted to ‘organise the world’s information’. It then explains how Google search developed during the last two decades, advancing an understanding that Re:search fuses two concepts: the Scientific Citation Index (SCI) for research, which in turn served as an inspiration for the PageRank of Google Search. Using my office at CBS as a site of data collection, I designed and carried out an ‘experiment in living’, searching with Google as the ‘Personalised Subject’ and with Tor as the ‘Anonymous User’, with the same set of chosen keywords. Whilst conducting ‘interviews’ with algorithms––invisible interlocutors––I collected data on myself and produced Re:search – Terms of Art. These ‘data visualisations as transcription’ reflect my search results based on ‘locative data’ (Google) or ‘off the map’ (Tor), and these ‘critical cartographies’ as practices of representation seek to intervene and give shape to the world by making invisible infrastructures more tangible. 

Big Tech und der Körper

Das sehr produktive Autor_innen-Duo Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschewski haben (mehr oder weniger) gerade einen interessanten Aufsatz veröffentlich – den ich noch in Ruhe ganz lesen muss – mit dem Titel:

Überwachungskapitalistische Biopolitik: Big Tech und die Regierung der Körper, erschienen in Zeitschrift für Politikwissenschaft (online: 1.2.2022, und frei zum Download, https://doi.org/10.1007/s41358-021-00309-9)

Die Überwachung der Gesundheit

Public Health, die öffentliche Gesundheitsfürsorge muss notwendigerweise auch Mittel der Überwachung, Kontrolle oder Supervision haben, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Das wurde bei Corona sehr deutlich, wo spezielle Formen auf diesen Fall und Virus nur teilweise vorhanden waren und erst nachträglich, teilweise mehr schlecht als recht geschaffen wurden. Big Data war kaum ein Thema dabei.

Nun gut, die Überwachung der Gesundheit bzw. Gesundheit als eine Geschäftsmodell hat aber auch noch andere Dimensionen, die in dieser Doku bei Arte sehr gut beleuchtet werden. Sehenswerter Film, der eine weitere Dimension zu den ohnehin schon erschreckenden Mitteln und Möglichkeiten von Facebook hinzufügt.

Praxis Dr. Zuckerberg – Gesund mit Algorithmen?

Die Stiftung von Mark Zuckerberg will bis zum Ende des Jahrhunderts „alle Krankheiten ausrotten“. Der Chef von Apple behauptet, Apples wichtigster Beitrag für die Menschheit werde die Gesundheit sein. Den Fortschrittsdenkern aus dem Silicon Valley stehen zwar schier grenzenlose finanzielle Mittel zur Verfügung. Doch kann die Technologie in Zukunft wirklich den Arzt ersetzen? Wie verändert die Auswertung medizinischer Daten mit Hilfe künstlicher Intelligenz die Medizin? Und was für Auswirkungen hat die digitale Medizin auf die Rolle der Ärzte? (aus dem Begleittext bei ARTE)

Eugenik als Form der Überwachung

Die Geschichte der Eugenik ist länger als man gemeinhin denken mag. Die Verbindung sind Nazi-Deutschland und der Holocaust. Die Auswahl von Menschen, die Idee man könne sie züchten oder eine bessere Auswahl irgendwie gestalten und vorhersehen, kontrollieren um Gesellschaft zu steuern endet nicht dort. Mit der Digitalisierung kommen diese Ideen wieder hervor – wenn sie es nicht bereits vorher schon durch eine Verbindung von Mensch und Maschine waren, Cyborgs, der vernetzte Mensch, nun nicht mehr nur das Internet der Dinge, sondern das Internet der Sinne, wenn man etwas holprig einen Vergleich anstellen möchte.

Transhumanismus ist eines der Stichwörter hier. Bevor darüber zu reden sein wird, lohnt sich ein Blick in die Ideenwelt der Eugenik und die erschreckende Aktualität , wenn auch noch kleiben, der Begeisterung für diese Ideen. Der Artikel gibt einen guten Einstieg und stellt wichtige Fragen. Und ja, in diesem Sinn ist Eugenik eine Form der Überwachung, der Kontrolle und da sind wir noch gar nicht beim Thema der Körperdaten oder Gen-Informationen angekommen. Und nein, mit vermeintlich geimpften Chips hat das alles nicht zu tun!

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Automating Banishment

The Stop LAPD Spying Coalition is a community group rooted in the Skid Row community on Tongva/Gabrielino land, stolen territory known as Los Angeles. Over the past decade, we have been working to build power to abolish LAPD surveillance.

Mit diesem Zitat, welches auf der Website mit dem Untertitel The Surveillance and Looting of looted land. steht, ist schon fast alles dazu gesagt. Es fehlt noch der Hinweis, dass die Informationen reichlich sind, super aufgearbeitet, mit Karten, Texten und Bildern. Es geht um Data-driven policing, also auch im predictive policing, um Rassismus und amerikanische (Kolonial-)Geschichte in L.A.

Bild von der Webseite https://automatingbanishment.org

Smart City und langsame Vernetzung

Über die Smart City war in diesem Blog ja schon öfter die Rede – und das Thema ist ja auch eng verbunden mit Überwachung, Kontrolle, mit den Utopien über zukünftiges Leben in Städten (und wohl auch darüber hinaus). Dass dazu eine digitale Vernetzung nötig ist, ist klar. Wie die aber aussieht und wo sie an Grenzen gerät, ist häufig weniger glamourös und bedeutet in die Niederungen des Alltages zu gehen. Das haben Kollegen von der TU Berlin getan, der DeutschlandFunk berichtet darüber.

Wird Berlin eine Smart City? Die praktische Umsetzung der digitalen Vernetzung. DLF 20.1.2022

Das dazugehörige Projekt scheint mit dieses hier zu sein, angesiedelt in der Planungs- und Architektursoziologie bei Martina Löw: Smart Cities. Everyday Life in Digitalized Spaces, welches wiederum wohl ein Teil (so genau kann man das nicht auf den Webseiten sehen) eines Sonderforschungsbereiches zur Re-Figuration von Räumen ist.

Daten und Wissensproduktion

Wissen und Überwachung gehören seit jeher zusammen und ein nachdenken darüber wie Wissen produziert wird. Ich bin erst jetzt auf eine schon vor 2 Jahren erschienene Ausgabe von Big Data and Society aufmerksam geworden, die ich für sehr lesenswert halte. Der Titel ist so simpel wie aussagekräftig: Knowledge Production

Datafied knowledge production: practices, mechanisms and imaginaries at work in big data analyses.

Data(fication) is increasingly incorporated in syllabi and research programmes as a mot du jour across almost all fields concerned with the social – from the humanities and law to business and political science. Yet most struggle to pinpoint the exact nature of this transformation in more concrete terms. This special issue seeks to contribute to the ongoing process of conceptual clarification by tending to the fundamental, but somewhat overlooked transformations incurred by big data analytics focusing on processes of data collection, visualization, representation, narrativization and infrastructuration. 

aus dem Editorial des Journals

Alle Artikel sind frei zugänglich, was ich sehr löblich finde.

Überwachung am Arbeitsplatz

Auch wenn diese Story weithin Aufmerksamkeit in der Presse hatte, so verlinke ich die verschiedenen Beiträge hier dennoch einmal, da ich zum einen die Recherchen gut finde, aber vor allem begrüße, dass dieser Bereich einmal intensiver beleuchtet wird.

Neu ist das alles ja nicht – die Kontrolle der Arbeit am Arbeitsplatz ist alt und hat sich mit immer neuen Mitteln und Möglichkeiten technologisch weiterentwickelt bzw. den veränderten Arbeirtsplätzen angepasst – von dem Aufseher der Fabrikarbeiter, wie sie in der frühen Industrialisierung und wahrscheinlich zuvor in Arbeitshäusern und Manufakturen stattgefunden hat, bis hin zur Überwachung im Home Office mit ganz eigenen Dynamiken und politischen Dimensionen, da hier die Trennung von Privat und Arbeit weitgehend eingerissen wird, so wie sie mit der Durchdringung mobiler Kommunikation bereits vorher löchrig geworden war.

Macht im digitalen Zeitalter

Weil Diskussionen zu Überwachung auch einen theoretischen Unterbau brauchen, hier ein Hinweis auf die neueste Ausgabe des Behemoth

Futures of Critique. Theorising Governmentality and Power in the Digital Age, hg. von Janosik Herder, Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff

Bereits in der Einleitung stellen die Herausgeber:innen dabei diese Frage, die sichso oder anders formuliert immer wieder stellt, wenn es um das Digitale und die Möglichkeiten der Computer geht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich vielleicht mehr denn je die Frage, ob wissenschaftliche Hypothesen und theoretische Reflektionen – wie auch jene von Anderson selbst – in einer Gegenwart ubiquitären Dataminings und automatisierter algorithmischer Auswertung (vgl. Rouvroy 2013) zu bloßen Wiederholungs- bzw. kybernetischen Feedbackschleifen einer umfassenden, evidenzbasierten Echtzeitanalyse degradiert oder – im Sinne eines „end of theory“ – sogar einfach überflüssig geworden sind.[

Ob das so ist, können die Leser:innen herausfinden in den sieben Aufsätzen, die die Ausgabe versammelt hat.