Kategorie: Big Data

Palantir und kein Ende

Unter dem Titel „Palantir unter Druck – Europäische Alternativen rücken in den Fokus“ Heise fasst die Diskussion in Deutschland über die maximal umstrittende Software Palantir zusammen und diskutiert mögliche Alternativen. Zu Palantir, so möchte man meinen, ist bereits alles gesagt – doch es finden sich immer noch Perspektiven darauf. Hier eine kleine Sammlung, die es wert zu lesen ist (und wenn nur um meine Macke nach Vollständigkeit nachzukommen, vergeblich in diesem Fall…)

Es gibt darüber hinaus nicht erst seit kurzem eine Reihe von Beiträgen zur Einführung von Palantir bei Deutschen Polizeibehörden, z.B. bei Heise (24.3.2025) oder im Deutschlandfunk (9. 12. 2023 Breitband)

Palantir und das Überwachungsimperium

Der Titel hat es schon in sich, da konnte ich nicht dran vorbeisehen. Dass der Artikel wieder Mal mit einem Augen-Icon bebildert ist, passt hier vielleicht sogar besser als bei vielen anderen Artikeln zum Thema.

Das Überwachungsimperium. Wie sich die deutsche Polizei von Peter Thiels Palantir-Software abhängig macht, Autorin Sonja Peteranderl in Blätter für deutsche und internationale Politik, August 2025.

Ob alle deutschen Polizei- und Innenbehörden sich dem verschließen, also diese Software nicht installieren und nutzen, bleibt abzuwarten. Einige tun es, einige nicht. Die Informationslage zur Software und den Hintergründen ihres Miteigentümers Peter Thiel ist nicht zu übersehen. Das aber hat die Securokraten noch nie abgehalten, unsinnige und gefährliche Dinge zu kaufen oder umzusetzen.

Digitale Zwillinge und Simulationen der Wirklichkeit

Das Journal New Media & Society hat ein Special Issue zu Digital Twinning publiziert. New Media & Society, Volume 27, Issue 8: Special Issue: Digital Twinning, Aug 2025.

Es geht nicht vordergründig um Überwachung, aber um Simulation der Wirklichkeit, große Mengen an Daten und irgendwie auch um Überwachung, vor allem aber um Kontrolle und Übersicht. Ein Blick lohnt sich. (Fast) alles open access!

… und immer wieder Palantir

Es wird gegenwärtig viel geschrieben, analysiert und gewarnt über, zu und vor Palantir. Bevor ich eine Liste der Artikel und Beiträge dazu mache, verlinke ich erstmal den Film „Watching You“ von Klaus Stern zu Alex Karp, den es gerade in der ARD-Mediathek zu sehen gibt.

Ich habe den Film im Februar bei einer Vorführung im Weizenbaum-Institut gesehen, Klaus Stern war da vor Ort. Dazu hatte ich schon mal einen Eintrag gemacht mit Hintergrundinfos, immer noch lesenswert, da die Infos sehr gute wissenschaftliche Analysen sehr geschätzter Kolleg:innen sind.

Und Herbst habe ich Klaus Stern nach Hamburg eingeladen, ich zeige den Film als Teil der Ringvorlesung Friedensbildung, und hier wird der Regisseur dann dabei sein für Fragen und Diskussion.

KI, dicke Dollars und Halluziationen

Dieser Text von Constanze Kurz und Stefan Ullrich ist eine echte Empfehlung. Vor allem, weil er eine sehr schöne Illustration zur symbolischen Bedeutung von KI in vielen gegenwärtigen Diskursen ist – was wollen wir sehen, worauf springen wir, die Wirtschaft, all die „Gläubigen“ an, die sich von KI das Heil erhoffen. Technologie als Symbol, vor allem aber als Marketing-Hype. Das Zitat aus dem Text bringt es auf den Punkt.

Wir müssen dringend kurz noch über diese „Halluzinationen“ sprechen. Es wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Maschine halluziniert. Es sind aber tatsächlich die Menschen, die Täuschungen unterliegen und die LLM-Ergebnisse schlicht überinterpretieren. Es ist ein bisschen so, wie wir Figuren in den Wolken zu erkennen glauben.

Palantir – Film und Analyse

Ein weiteres Posting aus der Abteilung Silicon Valleys Techno-Faschisten

Am 13.2. gab es im Weizenbaum-institut eine Vorführung des Films Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp von Regisseur Klaus Stern, der auch anwesend war. Ein kleiner Trailer als Appetiizer hier schon mal:

Klaus Stern: Watching You, 2024

Nach dem Film gab es auf der gut besuchten Veranstaltung eine Diskussion mit dem Regisseur, mit Constanze Kurz (CCC / netzpolitik.org, 3 Fragen an CK bei Weizenbaum), Lena Ulbricht (Weizenbaum-Institut / Universität Hildesheim) und Simon Egbert (Universität Bielefeld). Dass hier kein Fanclub von Palantir saß, war klar, das hatte das Publikum auch nicht erwartet und so gab es spannende Information zu den Hintergründen des Film, der Verfassungsklagen gegen die Nutzung der Software durch deutsche Polizeibehörden (wozu es auch schon ein erfreuliches Urteil gibt), sowie zu Forschungen zu dem Thema von Simon und Lena.

Silicon Valleys Techno-Faschisten

Das ist ein wichtiger Punkt, ob in diesem Artikel oder woanders – und an anderen Stellen (oder hier) habe ich diesen Punkt auch und immer schon mal hervorgehoben: Dass Silicon Valley erscheint liberal, coole Büros und irgendwie woke, aber das täuscht und jetzt wird es umso wichtiger darauf zu schauen, wenn es in den USA nicht gerade schon zu spät ist.

Headed for technofascism’: the rightwing roots of Silicon Valley (Guardian, 29.1.2025 von Becca Lewis)

An influential Silicon Valley publication runs a cover story lamenting the “pussification” of tech. A major tech CEO lambasts a Black civil rights leader’s calls for diversifying the tech workforce. Technologists rage against the “PC police”.

No, this isn’t Silicon Valley in the age of Maga. It’s the tech industry of the 1990s, when observers first raised concerns about the rightwing bend of Silicon Valley and the potential for “technofascism”. Despite the industry’s (often undeserved) reputation for liberalism, its reactionary foundations were baked in almost from the beginning. As Silicon Valley enters a second Trump administration, the gendered roots of its original reactionary movement offer insight into today’s rightward turn.

Die Welt von Palantir

Eine Veranstaltung am Weizenbaum-Institut am 13. Februar, Film und Diskussion.

Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp, 13.2.2025, 18-21 Uhr

Im Anschluss an den Film diskutiert Regisseur Klaus Stern mit Lena Ulbricht (Weizenbaum-Institut und Universität Hildesheim), Constanze Kurz (Chaos Computer Club und netzpolitik.org) und Simon Egbert (Universität Bielefeld) über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Überwachungstechnologien und Big Data.

Ethnografie in Polizei-Daten

„Data are constructed, not found (Gitelman, 2013Kitchin and Lauriault, 2014)“ Der Satz mag die Leserschaft dieses Blogs nicht überraschen, komisch klingen tut er dennoch. Worum geht es? Um einen sehr empfehlenswerten Aufsatz zur Konstruktion von Daten durch Polizei in und durch ihre Arbeit: …“the term “datafication” implies that something is made into data’ (Mejias and Couldry, 2019: 1). In this study, the ‘something’ concerns the street-level cognitions at the Netherlands Police.“

Donatz-Fest, I. (2024). The ‘doings’ behind data: An ethnography of police data construction. Big Data & Society, 11(3). https://doi.org/10.1177/20539517241270695

Was hat das mit Überwachung zu tun? Nichts und alles. Da es um Kategorien geht, um Einpassungen, Entscheidungen und oft, wie hier auch, die Technik, mit und in der dieses geschieht. Hier ist es die Eingabemaske des polizeilichen Systems, in dem Informationen, Daten, festgehalten werden.

Besser werden – Selbstoptimierung

Das Thema war schon einige Male Thema – und heute auch beim Deutschlandfunk. Das Audio der Sensung Bin ich gut genug? Der Drang zur Selbstoptimierung ist nachhörbar und lohnt sich wie ich finde. U.a. mit dabei ist der Soziologe Hartmut Rosa.

Und ich nutze die Gelegenheit zur schamlosen Selbstbewerbung eines im letzten Jahr publizierten Textes von mir: N. Zurawski: Zählen, messen, kontrollieren. Über eine ambivalente Technik der (Post)Moderne oder: wie aus persönlichem Geltungsdrang ein gesellschaftliches Problem werden kann, Zeitschrift für Semiotik, Vol 45, Heft 3-4, 2023. (erschienen 09/2024, online leider noch nicht frei zugänglich, aber ihr könnt mich fragen… )

Biodaten, Überwachung, „Rasse“

Die Story bekommt man so in aller Kürze gar nicht zusammengefasst: ‘Race science’ group say they accessed sensitive UK health data (Guardian 17.10.2024). Sie zeigt aber warum diese abstruse Geschichte auch für ein Blog wie diesen hier interessant ist.

Wie überkommene, falsche, absurde, aber immer weiterlebende „Rasse„-Theorien (race kllingt zwar weicher und wird im englischen Sprachraum zwangloser benutzt, dadurch wird das Konzept dahinter aber nicht besser) benutzt werden, um Menschen zu kategorisieren hat gerade wegen der Kategorisierungen eben auch mit Überwachung zu tun. David Lyon nennt es Social Sorting, wobei er nicht nur vermeintlich ethnische Merkmale (was immer diese sein könnten) mein, sondern allgemein soziale Aspekte, die sich klassifizieren lassen.

Dass es in dem Artikel auch um DNA-Daten von britischen Bürgern in der UK-Biobank geht, ist dann der weitere Link zu den Themen des Blogs. Datenschutz, biometrische Daten, Datensammlungen und vor allem ihre Auswertung für zweifelhafte Forschungen und Zwecke, wie der Artikel es nahelegt – immerhin geht es um „race science“ eingedeutscht etwa „Rassenkunde“.