Category: Big Data

Armin Nassehi und die Digitalisierung

Es muss in Zeiten von Corona auch andere Dinge zu berichten geben, wobei die Ideen, die Armin Nassehi zu Mustern und dem Erkennen von Gesellschaft ausführt, können auch viel von dem Erklären wie wir mit den Zahlen, Mustern und Regelmäßigkeiten in der Krise zur Bewältigung derselben umgehen. Eben nicht mehr dem Schicksal ergeben, sondern aktiv dabei, dem Virus auf der Spur, mit einer gehörigen Portion Digitalität und digitaler Technologie. Dass dabei nicht immer alles zum Einsatz kommen kann oder muss, was so geht, sieht man an der Diskussion über die Nutzung der GPS- und Standortdaten der Mobilfunk-Nutzer, die zumindest in Deutschland momentan keine Option zu sein scheint.

Hier sind 2 Videos von Vorträgen Armin Nassehis, in denen er seine durchaus charmante Idee der digitalen Gesellschaft und ihrer Muster ausführt.

Utopien des Sozialen – Demokratie als Risikofaktor

In einem Artikel vom 18.12.2019 schreibt Adrian Lobe über Prognose-Dystopie: Demokratie als Risikofaktor (SZ).

Im wesentlichen geht es um die tieferen Implikationen und Konsequenzen von Vorhersagen, wie sie verbunden mit den Begriffen KI Algorithmen sowie Big Data gegenwärtig sehr en vogue sind. Die Vorausschau als Bedürfnis von Regierungen, die mit den neuen Technologien nun endlich, so meinen viele ihrer Vertreter, das Mittel gefunden haben die Zukunft zu kontrollieren (vgl. dazu auch meinen Aufsatz in der APuZ, 25.4.2014).

In dem Artikel von Adrian Lobe kommen eine Reihe von interessanten Beobachtungen vor, u.a. diese:

Die Maschinen zähmen….

Die Vorlesungreihe “Taming the Machines” an der Uni Hamburg ist in diesem Wintersemester ein echter Tipp. Das Programm verspricht viele interessante und wirklich spannende Vorträge rund um die Themen, KI, Algorithmen, Überwachung, Daten. Außerdem wird die Preisverleihung des Surveillance-Studies-Preises 2020 auch in diesem Rahmen stattfinden.

Die Surveilance Studies-Lecture wird gehalten von Dr. Pak-Hang Wong, Universität Hamburg zum Thema: Three Arguments for “Responsible Users”. AI Ethics for Ordinary People. 

Filmreihe: Zukunft, Gesellschaft, Technologien

Die Filmreihe Zukunft, Gesellschaft, Technologien bringt im Wintersemester ein interessantes Programm ins Abaton-Kino, jeweils begleitet durch eine anschließende Diskussion mit Experten, Wissenschaftlern u.a. Ich selbst bin am 19.11. mit dabei, gezeigt wird dann der Film “Anon”.

Die Veranstaltung wird von den Projekten „SciFiVisions“ und „tekethics“ der Hamburg Open Online University organisiert und dort auch digital begleitet.

Hierzu können Interessierte online die Themen vertiefen und ergänzende Texte mittels Annotation diskutieren.

Die digitale, technische Welt, in der wir leben, ist voller Herausforderungen, Chancen und Risiken für uns alle. Für viele ist sie aber auch eine Welt vieler Mysterien: intelligente Maschinen, Biotechnologie, das Internet der Dinge, Globalisierung, Roboter, Drohnen, Social Media und soziale Kreditsysteme: Was bedeutet das alles? Und vor allem, wie gehen wir damit um?

“Dritte Welt” als Versuchskaninchen der Überwachung?

Warum sollte moderne Überwachungstechnologie Halt vor Weltgegenden machen, die, so könnte man meinen, andere Probleme haben. Aber Authentifizierung und Identifizierung spielen zum einen in vielen Zusammenhängen eine wichtige Rolle:

Immer wieder werden in verwüsteten Gegenden Hilfsprogramme missbraucht, und die Stärksten bereichern sich. Das WFP argumentiert, nur mit biometrischen Prüfungen könnten die Hilfsgüter die wirklich Bedürftigen sicher erreichen. Sonst fließe das Geld an Kriegsparteien, das könne man als humanitärer Helfer nicht zulassen. Doch das Misstrauen gegen die internationale Organisation ist groß, und einmal mehr stößt der Einsatz biometrischer Systeme auf Widerstand.

Gespräch zur Gesichtserkennung

© Die ZEIT 2019Im aktuellen Zeit-Podcast WIRD DAS WAS? / GESICHTSERKENNUNG unterhalte ich mich mit  Lisa Hegemann und Dirk Peitz über Gesichtserkennung, die Bedeutung von Technik für die Zukunftsgestaltung von Gesellschaft, insbesondere dann, wenn Technik vor allem eine Projektionsfläche für Hoffnungen und Vorstellen zukünftiger Gesellschaften ist und über die Wahrhaftigkeit von Bildern.

Das geht über eine Stunde lang, also bringt Zeit mit zum Hören.

 

Künstliche Intelligenz als mythische Erzählung

Ich ahnte ja schon so etwas und würde nach dem Genuss des Buches “Am Anfang war die information. Digitalisierung als Religion” von Robert Feustel (2019 und sehr empfehlenswert!!) auch sagen, dass es eine Kultur der KI gibt, sie also eingebettet ist in Hoffnungen, Wünsche und Projektionen, wie so viele Technologien vor ihr. Die heilsbringerischen Erwartungen, zumal oft mit wirtschaftlichen Träumen auf das “nächste dicke Ding” verbunden, lassen mich vorsichtig sein. Eine alleinige ethische Bewertung, wie sie landauf, landab in Projekten und Kommissionen gefordert und geleistet wird, kann nicht genug sein, auch weil damit lediglich der Gebrauch reguliert, nicht aber darüber nachgedacht wird, worum es sich eigentlich handelt. Das Gerede von der KI allein reicht dann schon aus, um alles Denken auszuschalten – und die Fantasie spielen zu lassen.

Daher ist dieser kleine Text zur Kultur der Künstlichen Intelligenz lesenswert:

The relevance of culture in the age of AI

Alexa als totalitäre Technologie?

Adrian Lobe denkt in der NZZ darüber nach, ob Alexas Stimmenerkennung nicht zu totalitären Ergebnissen führen könnte. Lesenswerter Kommentar zu einer immer alltäglicheren Technologie.

Sprachgesteuerte Computer: An meiner Stimme merkt Alexa bald, dass ich krank bin, bevor ich selber es weiss (NZZ 10.4.2019)

Eine Gesellschaft, in der Kommunikation und letztlich auch Mitsprache nur noch biologisch vermittelt ist, ist totalitär. Womöglich müsste man sich angesichts der Ubiquität der Sprachsteuerung Gedanken über eine Verschlüsselung seiner Stimme oder eine künstliche Taubheit von Maschinen machen, um seine Identität und Souveränität zu wahren. Wenn künftig Maschinen unser innerstes Seelenleben offenlegen und den binären Code Sagen/Nichtsagen zu einer Aussagepflicht umcodieren, dann droht das Kommunikationssystem einzustürzen. Und die freie Gesellschaft, die darauf aufbaut, auch.

Ungeklärt oder wenig beschrieben sind nach wie vor die individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse, die hinter den Wünschen stehen solche Gimmicks zu haben und zu nutzen – aber was tut man nicht alles um modern zu sein oder zu wirken.