Author: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Die Welt von morgen – vor 50 Jahren

“heute ist morgen vorüber, morgen ist heute vorbei” – ich erinnere mich an einen Songtext, der so oder ähnlich ging, mit dem Refrain “auf der Reise”, leider finde ich den Song nicht mehr. Das Video aber gibt einen solchen Einblick, aus einer Zukunft, die vor 50 Jahren erdacht wurde und seit 20 Jahren vorüber ist. Ein vergnüglicher Einblick, der viel auch über 1972, aber auch über heute aussagt. Auch heute stellen wir uns die Zukunft vor, wollen sie vorhersagen, vorhersehen und meinen technisch endlich in der Lage zu sein.

Klar ist aber, dass Vorhersagen über die Zukunft mehr über uns heute aussagen, als einen Blick nach morgen ermöglichen – und, dass sie auch das heute (im Sinne einer unmittelbaren Gegenwart) verändern.

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Überwachung am Arbeitsplatz

Auch wenn diese Story weithin Aufmerksamkeit in der Presse hatte, so verlinke ich die verschiedenen Beiträge hier dennoch einmal, da ich zum einen die Recherchen gut finde, aber vor allem begrüße, dass dieser Bereich einmal intensiver beleuchtet wird.

Neu ist das alles ja nicht – die Kontrolle der Arbeit am Arbeitsplatz ist alt und hat sich mit immer neuen Mitteln und Möglichkeiten technologisch weiterentwickelt bzw. den veränderten Arbeirtsplätzen angepasst – von dem Aufseher der Fabrikarbeiter, wie sie in der frühen Industrialisierung und wahrscheinlich zuvor in Arbeitshäusern und Manufakturen stattgefunden hat, bis hin zur Überwachung im Home Office mit ganz eigenen Dynamiken und politischen Dimensionen, da hier die Trennung von Privat und Arbeit weitgehend eingerissen wird, so wie sie mit der Durchdringung mobiler Kommunikation bereits vorher löchrig geworden war.

9/11 – Überwachung nach 20 Jahren

Vor 20 Jahren flogen zwei Flugzeuge in die Twin Towers in New York, ein weiteres ins Pentagon und noch eines zerbarst auf einem Feld in Pennsylvania. Mehr als 3.000 Menschen starben bei diesem multi-sited Terroranschlag. Die USA und mit ihr die Welt befand sich seither in einem Krieg gegen den Terror. George W. Bush wollte Rache und suchte Bin Laden in Afghanistan. Wie das ausgegangen ist, erleben wir gerade dieser Tage (ob der Einsatz so je sinnvoll war, ist eine andere Debatte und soll hier nicht geführt werden)

Der Islamische Terror ist seither ein Begleiter der Weltpolitik sowie nationaler, europäischer und globaler politischer Diskurse. Eine Steinzeitideologie, die seither weitere Zerstörung, Leid und Verzweiflung gebracht hat.

Rezension: Book of Anonymity

Rezension: zusammen mit 

Anon Collective: The Book of Anonymity. 2020 by punctum books, Earth, Milky Way

rezensiert von Gary T. Marx.

Eine Anmerkung zu dieser Rezension:

Dieses ist die längste Rezension, die hier im Blog jemals veröffentlicht wurde. Es ist eigentlich auch mehr als nur eine Besprechung des Buches. Der Autor hat anhand des Buches weitere Gedanken zu Anonymität, zu Identität, der Soziologie von Informationen und andere Aspekten entwickelt und  reflektiert. Das Ergebnis ist ein Artikel, der für sich steht. Gary T. Marx war Professor für Soziologie am MIT, hat zu Polizei, Anonymität und Überwachung geforscht und zählt für mich zu einem der kreativsten Soziologen auf diesen Gebieten. 

Wer solche Texte lieber anders lesen möchte, für den gibt es hier eine pdf-Ausgabe. 

Macht im digitalen Zeitalter

Weil Diskussionen zu Überwachung auch einen theoretischen Unterbau brauchen, hier ein Hinweis auf die neueste Ausgabe des Behemoth

Futures of Critique. Theorising Governmentality and Power in the Digital Age, hg. von Janosik Herder, Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff

Bereits in der Einleitung stellen die Herausgeber:innen dabei diese Frage, die sichso oder anders formuliert immer wieder stellt, wenn es um das Digitale und die Möglichkeiten der Computer geht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich vielleicht mehr denn je die Frage, ob wissenschaftliche Hypothesen und theoretische Reflektionen – wie auch jene von Anderson selbst – in einer Gegenwart ubiquitären Dataminings und automatisierter algorithmischer Auswertung (vgl. Rouvroy 2013) zu bloßen Wiederholungs- bzw. kybernetischen Feedbackschleifen einer umfassenden, evidenzbasierten Echtzeitanalyse degradiert oder – im Sinne eines „end of theory“ – sogar einfach überflüssig geworden sind.[

Ob das so ist, können die Leser:innen herausfinden in den sieben Aufsätzen, die die Ausgabe versammelt hat.

Alles ist 1, außer der 0

Ein Film zum Chaos Computer Club startet am 29.7. in den deutschen Kinos (was in diesen Tagen ein eher unsicheres Vergnügen bedeutet, vor allem für die Kinobetreiber).

Die Webseite des Films hat alle Informationen, der Werbung für den Film ist das hier zu entnehmen:

ALLES IST EINS. AUSSER DER 0. erzählt mit der Geschichte des CCC eine Geschichte digitaler Subversion: vom exklusiven Club zu einer Instanz, die heute bei allen Fragen der Netzpolitik zu Rate gezogen wird. Der Dokumentarfilm von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf setzt der bekanntesten deutschen Hackervereinigung ein stilsicheres, kraftvolles und würdiges Denkmal. Selten hat man ein so eindringliches Portrait über Zeitgeist-Pioniere gesehen, deren Weitblick für die Gegenwart so beeindruckend wie bereichernd ist. 

Preisträger im Feuilleton

Es ist immer schön zu sehen, dass die von uns ausgezeichneten auch sonst sicht- und in diesem Falle hörbar sind. In den letzten Wochen waren gleich zwei von uns ausgezeichnete Preisträger:innen bei Deutschlandfunk Kultur im POlitischen Feuilleton zu hören.

Am 15.7.2021 Adrian Lobe (Preisträger 2016) mit eine Stück zum entfesselten Datenkapitalismus: “Ein milliardenschwerer, undurchsichtiger Markt”.

Und bereits zwei Wochen (25.6.2021) vorher hat die diesjährige Preisträgerin des Publikationspreises für Nachwuchswissenschaflerinnen Anna-Verena Nosthoff über das Geschäft mit der Gesundheit kommentiert: Wie uns Apple und Co. auf den Leib rücken.

Preisträger halten Vortrag zu Wearables

Wer die beiden Preisträger:innen des Publikationspreises 2021 des Surveillance Studies Forschungsnetzwerkes hören will, hat dazu die Chance am 3. Juli, live beim Werkleitz-Medienfestival 2021. Sie sprechen zu folgendem Thema:

“We’ve mapped the world, now let’s map human health” – Platform economy and the mapping of bodies

Es gibt einen Livestream und ein vielfältiges Programm.

Preisträger:innen gekürt

In einer den derzeitigen Bedingungen geschuldeten Online-Preisverleihung, wurden gestern die Sieger:innen der Surveillance Studies-Preise 2021 verkündet. Alle Nominierten der beiden Shortlists waren anwesend sowie Teile der beiden Jurys, und so konnten nach einigen Vorreden die Gewinner:innen in beiden Kategorien gekürt werden.

Der Surveillance Studies-Preis für journalistische Texte geht in diesem Jahr an Christoph Giesen für seinen Text “Wir können Dich sehen”, erschienen in der SZ am 16./17. 5. 2020.

Der Publikationspreis für einen wissenschaftlichen Text geht 2021 an Anna-Verena Nosthoff und Felix Maschewski für den Aufsatz: Der plattformökonomische Infrastrukturwandel der Öffentlichkeit: Facebook und Cambridge Analytica revisited. Dieser wird erscheinen in einem Sonderband des Leviathan zum Thema “Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit?”.