Author: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Roboter und Überwachung

Über Roboter habe ich ja schon das eine oder andere geschrieben, es gibt auch eine Folge der Berichte aus Panoptopia dazu, und es ist immer wieder ein interessantes Thema, weil es sich vermischt mit Überwachung, KI, Algorithmen, aber eben auch gesellschaftlichen Fragen.

Hier ein Artikel zu Informationen, Überwachung und Robotern und wie sie der Polizei helfen und den öffentlichen Raum einnehmen. Vieles ist bekannt, aber hier noch mal gut zusammengefasst.

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McLuhan und Überwachung

Das folgende Video ist ein Fundstück, das mir auf Twitter begegnete. Es enthält ein paar interessante Gedanken zum Thema Überwachung und Identität. Wenn man die vielleicht zeitgenössisch gefärbten und nicht von einem Anthropologenm gemachten Bemerkungen zu “tribal societies” als solche betrachtet, ist der Rest überraschend aktuell.

Man könnte “tribal” auch anders lesen, als er es gemeint zu haben scheint, nämlich also den Drang zu essentialisieren, hin zu identiärer Politik, zu Engstirnigkeit, die (eine kulturelle?) Identität als das einzig Verbindende und wichtige betrachtet. Das hat mit der Organisation von einst als “Stammesgesellschaften” benannten segmentären, akephalen Gesellschaften nichts im Sinne eines Kerns von Identität zu tun. Daher hier nicht so genau hinhören…..

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Buch: Soziologie der Privatheit

Auch wenn Privatheit nicht die Kehrseite der Überwachung ist, wie häufig in eher populären (und vereinfachenden) Diskursen und Beiträgen gemutmaßt wird, so ist ein Buch zur Soziologie der Privatheit auf jeden Fall einen Tipp hier im Blog wert.

Eine Rezension muss folgen, wer also möchte, ich würde mich freuen.

Carsten Ochs: Informationelle Teilhabebeschränkung vom Reputation Management bis zum Recht auf Unberechenbarkeit. 2022, Weilerswist: Velbrück Wissenschaft. Veröffentlicht als Open Acess.

Trotz aller genealogischen Unschärfe und normativen Uneinigkeit hinsichtlich ihrer politischen Bewertung gilt die Praxis des Unterscheidenszwischen Privatem und Öffentlichem nicht nur als zentrales Strukturprinzip der Moderne, sondern ebenso als gegenwärtig soziodigital gefährdeter Strukturierungsmodus. Informationelle Privatheit, so scheint es, löst sich auf unter dem Ansturm von digital-vernetzter Selbst-Konstitution, allgegenwärtiger Datafizierung und den probabilistischen Vorhersageverfahren des maschinellen Lernens.

Surveillance Studies-Preis macht Pause

Interessierte haben es wahrscheinlich schon bemerkt: Es gibt noch keine Ausschreibung für den Surveillance Studies-Preis für 2023. Der einfache Grund dafür ist, das wir eine Pause machen, aber nicht aufhören werden.

Nicht zuletzt Corona hat vor allem mir, der ich für die Organisation des Preises verantwortlich bin, mehr oder weniger allein – also Auschreibung, Jury finden, Beiträge sichten und ordnen, die Jury organisieren und letztlich dann auch die entsprechende Korrespondenz führen – meine Grenzen aufgezeigt. So wie der Preis aufgestellt ist, wollte ich es nicht weitermachen. Es muss sich etwas ändern, damit er bleiben kann.

Regeln und Normbrüche

Wie Regelverstöße unsere Gesellschaft zusammenhalten, ein Feature beim Deutschlandfunk (Autor: Heiner Kiesel, 20.12.2022) erkundet die Grenzen der Regeln, die Wirksamkeit von Normbrüchen, und warum Polizei nicht für die Einhaltung der Normen notwendig ist – anders als Polizei gern glauben möchte.

Bei Rot über die Ampel gehen, illegal streamen: Gegen ein Gesetz hat man schnell verstoßen. Unsere Gesellschaft bricht trotzdem nicht zusammen. Im Gegenteil, sagen manche Wissenschaftler. Solch kleinen Übertretungen seien dem System sogar förderlich.

David Lyon: Surveillance

In Volume 11, Issue 4 der Internet Policy Review findet sich dieser Artikel von David Lyon, dem Nestor der Surveillance Forschung zum Stichwort: Surveillance, veröffentlicht am 29 November 2022, DOI: 10.14763/2022.4.1673, als Teil der Concepts of the digital society.

The concept of surveillance is vital for a digital era, especially considering that the term surveillance is several centuries old. […] Today, the ubiquitous use of smart phones – a key surveillance-enabling device – and the data-analysing capacities of large organisations, public and private, means that the concept has an ongoing life and impact.

(aus dem Abstract)

Was genau die Stoßrichtung ist, kann ich nicht sagen, werde mir den Artikel aber einmal durchlesen und eventuell hier was dazu sagen.

Responisble IA und PreCrime

Die Gruppe Responsible AI@ARIC lädt ein zu Filmvorführung und Diskussion zum Film PreCrime.

7. Dezember 2022, 19:00 Uhr im Alabama Kino auf Kampnagel (Jarrestr. 20) in Hamburg

Das Artificial Intelligence Center (ARIC) beschäftigt sich seit seiner Gründung unter dem Rubrum „responsible AI“ mit dem verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Datentechniken.
Mit der Filmvorführung will das ARIC einen Diskussions-Impuls dafür geben, wo und wie daten- und KI-gestützte Maßnahmen in der Polizeiarbeit eingesetzt werden. 

Berliner Polizeistudie

Berliner Polizeistudie: eine diskriminierungskritische und qualitative Untersuchung ausgewählter Dienstbereiche der Polizei Berlin.

So der vollständige Titel der Arbeit der Kolleg:innen aus Berlin.

Und hier geht es zum direkten Download des pdf.

Als ein Ergebnis zitiere ich mal aus der Zusammenfassung:

Als Ergebnis kann insgesamt festgehalten werden, dass auf der zivilgesellschaftlichen Seite die Wissenslücke hinsichtlich dessen, was Polizei darf und muss, mehr in den Blick gerückt werden müsste. Auf polizeilicher Seite sollten die kommunikativen Kompetenzen ausgebaut und professionalisiert werden. Ihre Einübung müsste genauso trainiert werden wie andere polizeiliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zudem bräuchte es mehr professionelle, alltagstaugliche und fortlaufende Reflexionsmöglichkeiten über die eigene Berufsrolle.

Das ist nicht so neu für alle, die zur Polizei forschen, warum also ist es so schwer das umzusetzen, wenn es doch immer wieder festgestellt wird?

Kundenmanagement mit Tür-Kamera

Die (wohl us-amerikanische) Organisation Data & Society hat zu einem interessanten Thema einen Bericht veröffentlicht: At the Digital Doorstep. How Customers Use Doorbell Cameras to Manage Delivery Workers, erschienen im Oktober 2022.

The doorstep has emerged as the new physical locale of consumption — the threshold at which purchased products become personal property. In this transformation, the porch has become a contested space: it is at once private property and, for delivery workers, their workplace. […]

Investigating the changing relationships between corporations, workers, and customers as a significant share of retail shifts from brick-and-mortar establishments to the doorstep, …

Vortrag: Femizid und Strafrecht

Die Vortragsreihe geht weiter am 15.2. mit einem Vortrag von Tina Krafczyk, MA Krim (Zeuginnen- und Zeugenbetreuung, LG Hamburg): Femizid – Bedeutung und Nutzen für die strafrechtliche Normgenese bei Gewalt gegen Frauen im sozialen Nahraum

Ort: HAW Hamburg, Alexanderstr. 1, Versammlungsstätte EG
Mehr Infos, siehe hier

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Anonymität und Forschung im digitalen Raum

Ich möchte gern auf diesen Artikel hier aufmerksam machen, der ein paar interessante Punkte aufgreift, die für die Forschung selbst wichtig sind. Wenn es auch nicht um Überwachung als Thema geht, so geht es um die Möglichkeiten von Erkennbarkeit, den Schutz von Forschungs- und Interviewpartnern und den qualitativen Forschungsprozess. Diese Aspekte werden in der Diskussion noch zu wenig berücksichtigt, wenn wir uns immer auf die anderen, auch wichtigen Arten und Formen der Überwachung konzentrieren. Lesenswert!

Traces of Interaction in Digital Space: On the Tension Between Public Accessibility and Anonymity in Qualitative Research Processes, von Susann Bischof, Franziska Lengerer & Frank Meyer, erschienen im Forum Qualitative Sozialforschung, 23(3), 23(3). https://doi.org/10.17169/fqs-23.3.3893