Category: Buch-Tipp/Veröffentlichung

Verdacht und die Domestiken des Alltags

Was wie ein verlockener Titel eines Aufsatzes klingt, ist in Wahrheit der Versuch einer zusammenfassenden Überschrift um auf zwei Aufsätze von mir aufmerksam zu machen.

Kürzlich erschienen sind von mir diese beiden Aufsätze (konträr zu dem, was die Heftnummern vermuten lassen).

  • N. Zurawski: Der totale Unterhaltungsstaat. Überwachung im digitalen Zeitalter. Über Konsum, KI und nicht nur digitale Domestiken, in Zeitschrift für Semiotik, Band 40/2018 (erschienen im Mai 2020)
  • N. Zurawski: Verdacht und Muster. Geheimdienstliche Logik und Überwachung im digitalen Alltag. In: Spitzel, Spione, Geheimdienste. Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2019, Heft 04 (erschienen im Mai 2020)

Da beide nicht online zu finden sind, zumindest nicht so ohne Weiteres oder komplett, könnt ihr euch gern an mich wenden, wenn ihr da mal reinlesen wollt. Ich schicke euch die Aufsätze gern zu.

Die Anatomie eines KI-Systems

Der Aufsatz Anatomy of an AI von Kate Crawford and Vladan Joler aus dem Jahr 2018 ist nicht zuletzt wegen der absoluten faszinierenden Karte lesenswert.

Ihre Analyse ausgehend von Amazons Echo zieht im Stile einer Latour’schen Actor-Netzwerk-Analyse die Verbindungen von einer simplen Bestellung über das smart device auf dem heimischen Wohnzimmertisch hin zu den Minen der Rohstoffe, die die digitale Welt so dringend benötigt um zu funktionieren – und die hinter dem Anschein intelligenter, autonomer Geräte, mit denen wir unseren Alltag gestalten und organisieren, sowohl Komplexität vortäuschen, als diese gleichzeitig verbergen. Der Untertitel des Aufsatzes ist dabei schon bezeichnend:

Dark Matters

On the Surveillance of Blackness

Beim Project MUSE, eine Art Repositorium für wissenschaftliche Texte und Bücher, ist nun auch das Buch Dark Matters: On the Surveillance of Blackness von Simone Brown zu finden. Ein Buch, dass auch hier im Blog bereits besprochen wurde.

Es sind leider nicht alle Texte für alle zugänglich, es hängt etwas an den Berechtigungen der Unis, über die man möglicherweise zu MUSE gelangt. einfach mal ausprobieren.

Leipziger Kamera: Kontrollverluste

Die Leipziger Kamera war eine sehr aktive Gruppe von klugen Leuten, die sich mit Überwachung beschäftigt haben. 10 Jahre nach  dem ursprünglichen Erscheinen eines von der Gruppe zusammengestellten Sammelbandes ist dieser nun offen und für alle verfügbar im Netz.

Mit Beiträgen vertreten sind u.a. W.D. Narr (+), Andreas Fisahn, Klaus Ronneberger, Peter Ullrich, Peer Stolle/Tobias Singelnstein, Andrej Holm, Anne Roth, Volker Eick, LIGNA, Surveillance Camera Players u.v.m.

Interview mit Gary T. Marx

Gary Marx ist bestimmt einer der einfallsreichsten Forscher, wenn es um Überwachung geht, anderen ist er vor allem durch seine Arbeiten zu Polizei bekannt (siehe z.B. Rezension von Windows into the Soul). Womit auch immer er auf sich aufmerksam gemacht hat, er kann gut erzählen und ist, soweit ich das von meinen Begegnungen mit ihm sagen kann, ein großartiger Mensch und Kollege.

Warum Künstliche Intelligenz?

Wie kam es von der Idee eines “complex information processing” zum Begriff der Künstlichen Intelligenz? Und was hat das mit ihrer Kontrolle zu tun?

Eine Rezension des Buches Human Compatible: Artificial Intelligence and the Problem of Control von Stuart Russell Viking (2019) in Nature gibt dazu ein paar Einblicke.

David Leslie: Raging robots, hapless humans: the AI dystopia (2.Okt. 2019, Nature)

Journal: Visibilities and New Models of Policing

Die neuese Ausgabe des Journals Surveillance & Society widmet sich der Polizei: Visibilities and New Models of Policing, Vol 17 No 3/4 (2019).

This special issue, guest edited by Keith Spiller and Xavier L’Hoiry, investigates the blurring of boundaries between police and publics, particularly with respect to citizen-based policing schemes. In addition to an editorial introduction and nine curated articles, the issue includes nine regular articles and a number of book reviews.

Die Artikel reichen von BodyCams zu protest policing, von der Rolle sozialer Medien für vigilante Nachbarschaftswachen, bis hin zur Idee einer Ordnung ohne Polizei und einige mehr.

Richard Sennett “Die offene Stadt”

Für Soziopolis habe ich eine Rezension von Richards Sennets Buch “Die offene Stadt” geschrieben.

Im Buch gibt es auch Anschlussmöglichkeiten für die Themen Kontrolle und moderne Stadt, wie ich in der Rezension auch festhalte:

Um Sennetts These einmal konkret nachzuvollziehen, möchte ich hier auf das meines Erachtens gelungenste Kapitel eingehen – Kapitel 6: Tocqueville in Technopolis. Für seine Gegenüberstellung von offener und geschlossener Stadt wählt er das Beispiel der so genannten Smart City. Diese Städte der Zukunft werden maßgeblich von digitaler Technologie mitbestimmt, die in ihre Infrastruktur eingewoben sein wird und auf diese Weise steuern oder gar bevormundend eingreifen kann. Sennett beschreibt die Möglichkeiten zur Nutzung der Smart City als koordinierend oder vorschreibend. Die erste Variante ergänzt sich Sennett zufolge ideal mit dem Konzept einer offenen Stadt(entwicklung) und symbolisiert diese, während die zweite, vorschreibende Variante eine geschlossene Stadt nach sich zieht. Als Beispiel für Letzteres führt der Autor das Googleplex in New York an, ein geschlossener Ort, den Sennett als eine Art Ghetto bezeichnet. Innerhalb dieses Komplexes sollen die Angestellten möglichst wenig mit den Profanitäten des täglichen Lebens in Berührung kommen, sie sollen sich auf die Arbeit konzentrieren, möglichst rund um die Uhr.