Kategorie: Buch-Tipp/Veröffentlichung

Gesetz für mehr polizeiliche Ermittlungsbefugnisse

Richtig heißt das geplante Gesetz „Gesetz zur Stärkung digitaler Ermittlungsbefugnisse in der Polizeiarbeit“  und ist derzeit noch in der Beratug. Die AG Kritis hat bereits im April dazu ihre Einschätzung gegeben, hier im Zitat und als langer Text auf deren Seite.

Die Zusammenschau der drei zentralen Regelungskomplexe (automatisierte Datenanalyse, biometrischer Internetabgleich, Testen und trainieren) ergibt das Bild einer digitalen Überwachungsarchitektur, die weit über anlassbezogene Einzelfallermittlung hinausgeht und systematisch eine datengetriebene Beobachtungslogik gegenüber der gesamten Bevölkerung etabliert.

Die Zukunft der Gesichtserkennung

Ich wollte schon längst ein paar Eindrücke von der letzten Surveillance-and-Society-Konferenz geschrieben haben, die im Juni in Lille stattgefunden hat. Ein immer wiedre sehr schönes Treffen mit tollen Kolleg:innen, die ich zum Teil schon seit über 20 Jahren kenne und vielen neuen Kolleg:innen und Wissenschaftler:innen, die vielversprechende neue Themen oder neue Perspektiven auf ältere Themen haben, wie z.B. die automatische Gesichtserkennung. Ich schaue mal, dass ich ein paar der Themen, die mich dort begeistert haben, hier nach und nach vorstelle.

Dieses Jahr lag der Schwerpunkt auf der „Planetary Surveillance“, ein weiterer Konferenztitel, der alles und nichts bedeuten kann. Ein paar Vorträge nahmen sich dem aber wirklich an, dazu später mehr.

Konsum, KI und J.G. Ballard

Es war ein LinkedIn-Beitrag von Adrienne Fichter, einer Schweizer Journalistin, die mich drauf gebracht hat. In dem Beitrag ging es um eine weitere Kollegin und ihren Beitrag auf der re:publica, in dem diese sagt, dass KI unsere Probleme nicht lösen wird. Ein Zitat von Fichter ist mir dabei aufgefallen:

„Und: Hao zeigt auf: Technologiegestaltung ist immer eine Folge von Entscheidungen, von Individuen, von Gruppen, von Konflikten, von Machtkämpfen und Machtspielen…“

Öffentliche Daten, private Profit

Ich gebe zu, dass ich momentan zwar viele interessante Dinge zum Nachdenken im Netz finde, aber nicht nachkomme, darüber hier zu schreiben. Hier ist heute mal ein Artikel darüber wie öffentliche Daten von privaten Nutzern zum eigenen finanziellen Nutzen ausgebeutet werden.

Baykurt, B. (2025). Gov-tech as capture: public infrastructures under data capitalism. Information, Communication & Society, 28(15), 2795–2810. https://doi.org/10.1080/1369118X.2025.2479788

The study identifies three mechanisms of capture: grabbing and aggregating public datasets (data capture), reconfiguring public services into computable units (value capture), and transforming public data into market assets (regulatory capture). Drawing on insights from critical data studies and political economy, the paper demonstrates how gov-tech firms redefine state capacity and public accountability while examining the broader implications of embedding private interests in public governance under data capitalism.

Leider hinter einer Paywall, aber eine direkte Mail an mich und ich kann u.U. helfen... ;-)

Der Zustand der urbanen Sicherheit

Im ständig fortgeschriebenen Dossier „Innere Sicherheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde im Dezember 2025 ein Beitrag zur Urbanen Sicherheit veröffentlicht. Autor ist der Wuppertaler Kollege Tim Lukas.

Dass das Dossier mit dem obligaten Bild einer Überwachungskamera versehen ist, ist nicht unbedingt zwingend, aber so wird dieses Thema eben auch gesehen. Die Beiträge darin sind dann allerdings doch sehr vielfältig zu Polizei, Kriminalität, Sicherheitsbegriff und vieles dazwischen und daneben.

ps. Videoüberwachung kommt als eigener Beitrag übrigens nur in einem älteren Text von 2012 vor, in dem es dann hauptsächlich um TKÜ geht, nicht um Kameras.

Surveillance Assemblage revisited

Die aktuelle Ausgabe von Surveillance & Society hat einen Debattenteil zum Konzept der „Surveillance Assemblage“ (Haggerty & Ericson 2000), wo auch die Autoren selbst nochmal zu Wort kommen.

Vol. 23 No. 4 (2025): Global Futures of Digital Confinement, mit der Debattenrubrik zu „Revisiting the “Surveillant Assemblage”“

Editorial zur Dialogue-Rubrik „Revisiting the “Surveillant Assemblage” von Bryce Newell & Lizzie Hughes

Schriftenreihe zu Sicherheit

Die Schriftenreihe ist jetzt nicht ganz neu, aber nach einiger Zeit gibt es jetzt eine neue Publikation, an der auch mein sehr geschätzter Kollege Lars Gerhold beteiligt war:

Gerhold, L., Sterl, S., Glunz, E., Stelzmann, D., Karge, J. (Hrsg.): Psychosoziale Lage im Bevölkerungsschutz – Grundlagen, Daten und technische Umsetzung : Ergebnisse aus dem Forschungsverbund PsychoKat.

Das spezielle Thema hat erstmal nicht so viel mit Überwachung zu tun, aber für die Themen des Blogs, zu denen auch Sicherheit gehört, ist diese Schriftenreihe und auch die neueste Veröffentlichung, eine exzellente Quelle mit interessanten Themen.

Digitaler Raum und Autoritarismus

Die Sonderausgabe von Dialogues on Digital Society „Authoritarianism in the digital age“ versammelt eine große zweistellige Zahl (66) von Artikeln zu dem Thema.

Soweit ich das sehen kann, sind alle open access. Das Editorial von Jarret, Kitchin, Steele, gibt einen ersten Überblick.

Authoritarianism is far from being a new phenomenon, but, as the papers in this edition describe, its contemporary form is being reshaped, facilitated, and potentially challenged by the ready availability of diverse digital technologies and infrastructures. From smart, state systems that mediate citizenship and manage populations; to social media and its capacity to spread information both supportive and hostile to political regimes; to biometric, datafied, surveillance systems weaponised against foreign and internal ‘enemies’, the digital is firmly rooted in the contemporary realisation of autocratic and illiberal politics and how human rights and social and economic relations are being recast around the world.

Digitale Zwillinge und Simulationen der Wirklichkeit

Das Journal New Media & Society hat ein Special Issue zu Digital Twinning publiziert. New Media & Society, Volume 27, Issue 8: Special Issue: Digital Twinning, Aug 2025.

Es geht nicht vordergründig um Überwachung, aber um Simulation der Wirklichkeit, große Mengen an Daten und irgendwie auch um Überwachung, vor allem aber um Kontrolle und Übersicht. Ein Blick lohnt sich. (Fast) alles open access!