Category: Algorithmen

Eugenik als Form der Überwachung

Die Geschichte der Eugenik ist länger als man gemeinhin denken mag. Die Verbindung sind Nazi-Deutschland und der Holocaust. Die Auswahl von Menschen, die Idee man könne sie züchten oder eine bessere Auswahl irgendwie gestalten und vorhersehen, kontrollieren um Gesellschaft zu steuern endet nicht dort. Mit der Digitalisierung kommen diese Ideen wieder hervor – wenn sie es nicht bereits vorher schon durch eine Verbindung von Mensch und Maschine waren, Cyborgs, der vernetzte Mensch, nun nicht mehr nur das Internet der Dinge, sondern das Internet der Sinne, wenn man etwas holprig einen Vergleich anstellen möchte.

Transhumanismus ist eines der Stichwörter hier. Bevor darüber zu reden sein wird, lohnt sich ein Blick in die Ideenwelt der Eugenik und die erschreckende Aktualität , wenn auch noch kleiben, der Begeisterung für diese Ideen. Der Artikel gibt einen guten Einstieg und stellt wichtige Fragen. Und ja, in diesem Sinn ist Eugenik eine Form der Überwachung, der Kontrolle und da sind wir noch gar nicht beim Thema der Körperdaten oder Gen-Informationen angekommen. Und nein, mit vermeintlich geimpften Chips hat das alles nicht zu tun!

https://www.newstatesman.com/culture/books/2022/02/the-sinister-return-of-eugenics

Daten und Wissensproduktion

Wissen und Überwachung gehören seit jeher zusammen und ein nachdenken darüber wie Wissen produziert wird. Ich bin erst jetzt auf eine schon vor 2 Jahren erschienene Ausgabe von Big Data and Society aufmerksam geworden, die ich für sehr lesenswert halte. Der Titel ist so simpel wie aussagekräftig: Knowledge Production

Datafied knowledge production: practices, mechanisms and imaginaries at work in big data analyses.

Data(fication) is increasingly incorporated in syllabi and research programmes as a mot du jour across almost all fields concerned with the social – from the humanities and law to business and political science. Yet most struggle to pinpoint the exact nature of this transformation in more concrete terms. This special issue seeks to contribute to the ongoing process of conceptual clarification by tending to the fundamental, but somewhat overlooked transformations incurred by big data analytics focusing on processes of data collection, visualization, representation, narrativization and infrastructuration. 

aus dem Editorial des Journals

Alle Artikel sind frei zugänglich, was ich sehr löblich finde.

Die Welt von morgen – vor 50 Jahren

“heute ist morgen vorüber, morgen ist heute vorbei” – ich erinnere mich an einen Songtext, der so oder ähnlich ging, mit dem Refrain “auf der Reise”, leider finde ich den Song nicht mehr. Das Video aber gibt einen solchen Einblick, aus einer Zukunft, die vor 50 Jahren erdacht wurde und seit 20 Jahren vorüber ist. Ein vergnüglicher Einblick, der viel auch über 1972, aber auch über heute aussagt. Auch heute stellen wir uns die Zukunft vor, wollen sie vorhersagen, vorhersehen und meinen technisch endlich in der Lage zu sein.

Klar ist aber, dass Vorhersagen über die Zukunft mehr über uns heute aussagen, als einen Blick nach morgen ermöglichen – und, dass sie auch das heute (im Sinne einer unmittelbaren Gegenwart) verändern.

Optionsmaschinen

Ein kleiner Vorgeschmack auf mein neues Buch, das Ende März bei transcript erscheinen wird findet sich hier: Optionsmaschinen und die Formatierung der Welt, bei Telepolis, 16.1.2021.

Die Gesellschaft der Singularitäten als freie Psychopathologie in einer digital erzeugten, vermittelten und beherrschten Überwachungsgesellschaft, deren innere Logik Unterhaltung, Distinktion und der widersprüchliche Wunsch einer Zugehörigkeit zu einem individualisierten Kollektiv ausmacht? Darüber gilt es in Zukunft nachzudenken.

Podcast: Surveillance and the City

Ich bin gerade über diesen Podcast gestolpert im Netz: Surveillance and the City. Die neueste Folge dreht sich um die Firma Palantir, eine Software-Firma, die hoch kontrovers diskutiert wird, u.a. weil sie enge Beziehungen zu Polizei und anderen Sicherheitsagenturen in den USA unterhält: One Palantir To Rule Them All. Es geht hierin um predictive policing und andere Überwachungsmaßnahmen im urbanen Raum.

Die Anatomie eines KI-Systems

Der Aufsatz Anatomy of an AI von Kate Crawford and Vladan Joler aus dem Jahr 2018 ist nicht zuletzt wegen der absoluten faszinierenden Karte lesenswert.

Ihre Analyse ausgehend von Amazons Echo zieht im Stile einer Latour’schen Actor-Netzwerk-Analyse die Verbindungen von einer simplen Bestellung über das smart device auf dem heimischen Wohnzimmertisch hin zu den Minen der Rohstoffe, die die digitale Welt so dringend benötigt um zu funktionieren – und die hinter dem Anschein intelligenter, autonomer Geräte, mit denen wir unseren Alltag gestalten und organisieren, sowohl Komplexität vortäuschen, als diese gleichzeitig verbergen. Der Untertitel des Aufsatzes ist dabei schon bezeichnend:

Überwachung, Körper und Corona

Gedanken zu Tracing-Apps, Volksgesundheit und biologistischen Vergleichen

Es sind viele verschiedene Aspekte, die von dem berührt werden, was wir derzeit als Corona-Krise irgendwie in seiner Totalität zu fassen versuchen. Über Raum habe ich schon etwas geschrieben. Über den Körper aber findet man auch einen Zugang um die Situation oder einige Aspekte der Situation zu betrachten. Das betrifft insbesondere den Aspekt der Überwachung des Viruses, so muss man es wohl reichlich prosaisch, aber dennoch unzureichend schreiben. Denn nicht der Virus wird überwacht, sondern dessen Träger, die Menschen. Das bringt in Bezug auf die Räume bereits Probleme. Mehr noch allerdings wenn man auf die Körper schaut und eben diese als Gefahr erkennt und ebenso behandelt.

Armin Nassehi und die Digitalisierung

Es muss in Zeiten von Corona auch andere Dinge zu berichten geben, wobei die Ideen, die Armin Nassehi zu Mustern und dem Erkennen von Gesellschaft ausführt, können auch viel von dem Erklären wie wir mit den Zahlen, Mustern und Regelmäßigkeiten in der Krise zur Bewältigung derselben umgehen. Eben nicht mehr dem Schicksal ergeben, sondern aktiv dabei, dem Virus auf der Spur, mit einer gehörigen Portion Digitalität und digitaler Technologie. Dass dabei nicht immer alles zum Einsatz kommen kann oder muss, was so geht, sieht man an der Diskussion über die Nutzung der GPS- und Standortdaten der Mobilfunk-Nutzer, die zumindest in Deutschland momentan keine Option zu sein scheint.

Hier sind 2 Videos von Vorträgen Armin Nassehis, in denen er seine durchaus charmante Idee der digitalen Gesellschaft und ihrer Muster ausführt.