Kategorie: Fernseh/Radio/Medien-Tipp

KI als Kolonialismus

Und einen Tipp noch heute, auch wenn ich zu doof bin, das Video aus der ARD-Mediathek dazu einzubinden, hier also per Link: NANO Talk: Neuer Kolonialismus – Kampf um Macht in neuen Sphären

Der Kolonialismus von heute wütet auch im Internet, in der Tiefsee und im Weltall. Wie dabei dieselben Mechanismen wie früher greifen, darüber diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.

U.a. als Gäste dabei, Lena Ulbricht, Rainer Mühlhoff und andere. Eine lohnenswerte Diskussionsrunde, mit echtem Mehrwert.

Faschismus, Überwachung und die KI

Nicht schon wieder, möchte man fast sagen bei diesem Thema. Es ist doch schon alles gesagt dazu. Ja und nein.

Rainer Mühlhoff, Philosoph und Mathemater aus Osnabrück mit einem sehr interessanten Intervie beim Deutschlandfunk: KI – Gefahr eines digitalen Faschismus? 22.3.2026. Er bringt die aktuell diskutierten Aspekte rund um diese Themen sehr schön auf den Punkt. Und auch wenn vieles davon nicht neu ist, so kann es nicht oft genug gesagt werden.

Neben den aktuellen Fragen allerdings, sollte (und muss) man sich auch damit beschäftigen, worum es denn jenseits der Technik eigentlich geht. Was macht die KI (vor allem ja momentan die LLMs) so beliebt, so attraktiv? Welche Sehnsüchte werden damit befriedigt, welche Träume scheinbar erfüllt?

Und schaut man sich nicht nur die Begehrlichkeiten der Tech-Unternehmen an, sondern auch die der Staaten und anderer Akteure, dann wird klar, dass der Wunsch nach Überwachung ungebrochen, ja gerade zu größenwahnsinnig ist. Das Vertrauen in die Bürger:innen ist gering – angesichts von Terror, Krieg und dem Versuch der Einflussnahme von autoritären Staaten wie klassischerweise Russland oder China, aber neuerdings auch den USA und anderen, ist manch eine Vorsichtsmaßnahme auch nachvollziehbar. Die Frage aber ist, ob der Wunsch der Abwehr nicht auch dazu genutzt wird, noch mehr Kontrolle über das Volk, die unbekannte Größe zu erlangen. Die Narrative der Rechten, dies- und jenseits der Technik lassen das stark vermuten. Und dann wieder sehen wir nichts neues, sondern das ewig alte Spiel.

Mir ist es aber wichtig darauf hinzuweisen, den bei allem Fokus auf die neue Technik geht verloren, dass die damit verfolgten Wünsche so neu dann doch nicht sind.

Der Zustand der urbanen Sicherheit

Im ständig fortgeschriebenen Dossier „Innere Sicherheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde im Dezember 2025 ein Beitrag zur Urbanen Sicherheit veröffentlicht. Autor ist der Wuppertaler Kollege Tim Lukas.

Dass das Dossier mit dem obligaten Bild einer Überwachungskamera versehen ist, ist nicht unbedingt zwingend, aber so wird dieses Thema eben auch gesehen. Die Beiträge darin sind dann allerdings doch sehr vielfältig zu Polizei, Kriminalität, Sicherheitsbegriff und vieles dazwischen und daneben.

ps. Videoüberwachung kommt als eigener Beitrag übrigens nur in einem älteren Text von 2012 vor, in dem es dann hauptsächlich um TKÜ geht, nicht um Kameras.

Aktenzeichen – die Suche nach der Devianz

Eine Doku zu der SendungAktenzeichen XY ungelöst, die viele Aspekte berührt, die wir hier im Blog auch immer mal wieder besprechen. Ich bin erst gerade drauf aufmerksam geworden, daher hier auch erst jetzt.

Dazu sei als Lesestoff diese beiden Texte von David Gugerli empfohlen

Beide Aufsätze hören waren vor seinem Buch „Suchmaschinen. Die Welt als Datenbank“, erschienen, in dem es auch ein Kapitel zur Sendung gibt. 2009, FfM: edition unseld SV. Die hier verlinkten Texte scheinen Vorstudien oder Ideen dazu gewesen zu sein. Auf jeden Fall eine Lektüre wert.

… und immer wieder Palantir

Es wird gegenwärtig viel geschrieben, analysiert und gewarnt über, zu und vor Palantir. Bevor ich eine Liste der Artikel und Beiträge dazu mache, verlinke ich erstmal den Film „Watching You“ von Klaus Stern zu Alex Karp, den es gerade in der ARD-Mediathek zu sehen gibt.

Ich habe den Film im Februar bei einer Vorführung im Weizenbaum-Institut gesehen, Klaus Stern war da vor Ort. Dazu hatte ich schon mal einen Eintrag gemacht mit Hintergrundinfos, immer noch lesenswert, da die Infos sehr gute wissenschaftliche Analysen sehr geschätzter Kolleg:innen sind.

Und Herbst habe ich Klaus Stern nach Hamburg eingeladen, ich zeige den Film als Teil der Ringvorlesung Friedensbildung, und hier wird der Regisseur dann dabei sein für Fragen und Diskussion.

Tech Bro Topia

Unter der Überschrift „Mit der roten Pille zur Macht“ beginnt die 1ste Folge des Podcasts bei Deutschlandfunk zu den Tech Bros, ein derzeit sehr angesagtes Thema, auch ich habe im Blog schon den einen oder anderen Beitrag dazu gepostet. Daher hier der Tipp: Tech Bro Topia, ein 6-teiliger Podcast bei DLF

Sommer 2025: Die USA vollziehen den Schwenk zum Autoritarismus. Mittendrin die Tech-Bros aus dem Silicon Valley. Sie wollen den Staat abschaffen und den Weltraum kolonisieren. Aber wie kommen sie auf solche Ideen?

Der Podcast beleuchte die Geschichte des Silicon Valley, von den Ideen der Hippies bis zu den Tech Bros, den Individuen, die mit ihrer Macht mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft ausüben, als das einmal vorstellbar war, auch und gerade weil sie etwas herstellen oder anbieten oder besitzen, das unser Leben auf dem Globus entscheidend mitprägt. Ob das Digitale auch der Weg raus aus dem Dilemma sein wird, wenn man z.B. an die Klimakrise denkt, dass muss sich erst noch erweisen. Momentan verbraucht der AI-Hype vor allem jede Menge Wasser und Energie.

KI als Religion

Über die symbolischen Bedeutungen von KI denke ich schon länger nach und je mehr ich lese was alles mit KI gemacht und dann vor allem besser sein soll, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass zu wenig über den symbolischen Gehalt von Technik nachgedacht wird, nicht unbedingt in der Wissenschaft, aber auch hier. Über das „wie“ wird viel nachgedacht, u.a. in der Ethik, aber über das „warum“ eher weniger. Und ich frage mich auch, welche (unerfüllten?) Bedürfnisse möglicherweise KI befriedigt, die in der Gesellschaft vorhanden sind. Da liegt es nicht weit auch einmal über KI als Religion nachzudenken.

Hier tut das Claudia Paganini beim Deutschlandfunk und ich fand das durchaus hörenswert.