Category: Konsum

Über KI, Domestiken und das digitale Leben

Manchmal kommen mehrere Dinge zusammen, aus ganz unterschiedlichen Richtungen und ergeben dann einen Sinn, einen möglichen Zusammenhang. In diesem Fall war es die Lektüre sehr unterschiedlicher Texte am Wochenende, deren innere Zusammenhänge ich hiermal kurz beleuchten möchte. Angefangen hat es eigentlich mit der Strafe, die Facebook für seine Datenschutzverletzungen zahlen muss. Genauer mit der Berichterstattung.

Wie alle festgestellt haben, sind $5 Mrd. zwar viel Geld sind, aber nicht so richtig viel für Facebook. Die Fixierung vieler Berichte auf Datenschutz und die Verletzungen durch Facebook & Co sind mir schon lange nicht mehr genug, um zu beschreiben, warum es sich lohnt mit den Unternehmen und ihren Strategien auseinanderzusetzen. Auch wenn es ein “Aufreger” ist, was so an Daten über Personen gespeichert wird, ist es nicht der eigentliche Aspekt, der im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sollte. Vielmehr geht es doch darum, welche Rolle und Bedeutung diese Unternehmen, das Digitale schlechthin im Leben von Menschen, in ihrem Alltag und für eine gesellschaftliche Existenz bereits eingenommen hat. Und inwiefern von dort aus weitergedacht wird, wie Gesellschaft sein könnte, sein müsste, oder wo man einen entsprechenden Einfluss üben sollte.

Dazu bot folgende Lektüre Anreize, das einmal zu konkretisieren.

Alexa als totalitäre Technologie?

Adrian Lobe denkt in der NZZ darüber nach, ob Alexas Stimmenerkennung nicht zu totalitären Ergebnissen führen könnte. Lesenswerter Kommentar zu einer immer alltäglicheren Technologie.

Sprachgesteuerte Computer: An meiner Stimme merkt Alexa bald, dass ich krank bin, bevor ich selber es weiss (NZZ 10.4.2019)

Eine Gesellschaft, in der Kommunikation und letztlich auch Mitsprache nur noch biologisch vermittelt ist, ist totalitär. Womöglich müsste man sich angesichts der Ubiquität der Sprachsteuerung Gedanken über eine Verschlüsselung seiner Stimme oder eine künstliche Taubheit von Maschinen machen, um seine Identität und Souveränität zu wahren. Wenn künftig Maschinen unser innerstes Seelenleben offenlegen und den binären Code Sagen/Nichtsagen zu einer Aussagepflicht umcodieren, dann droht das Kommunikationssystem einzustürzen. Und die freie Gesellschaft, die darauf aufbaut, auch.

Ungeklärt oder wenig beschrieben sind nach wie vor die individuellen und gesellschaftlichen Bedürfnisse, die hinter den Wünschen stehen solche Gimmicks zu haben und zu nutzen – aber was tut man nicht alles um modern zu sein oder zu wirken.

Plattformen und die zukünftigen Gesellschaften

Fahrdienste mit oder irgendwann mal ohne Fahrer sind ja gerade der letzte Schrei. Ich nehme mal den kurzen Nachrichten-Beitrag von NDR Info als Anlass um über ein paar Dinge nachzudenken, inbsbesondere den Grund, warum es möglicherweise lohnt einen kritischen Blick zu riskieren.

Überwachung und Klima, Forts.

Gewissermaßen als Fortsetzung des Beitrages zu Überwachung und Klimaschutz (Pol. Feuill. bei Dradio), hat Adrian Lobe jetzt eine Antwort darauf in seiner Kolumne Lobes Digitalfabrik geschrieben (Spektrum der Wissenschaft, 13.3.2019):

Mit Überwachung das Klima retten?

Und er hat ein gewichtiges Argument, dass die Lösung Digitalisierung wohlmöglich in ein anderes Licht setzt – an dem wir aber auch nicht vorbeikommen:

Big Data verbraucht selbst jede Menge Energie. Laut einem Bericht von »Climate Home News« könnte die Datenproduktion bis 2025 20 Prozent des weltweiten Strombedarfs ausmachen. Bis 2040 könnte die Kommunikations- und Informationstechnologie sogar für 14 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sein

Die digitale Zukunft und mit ihr die Überwachungsfantasien der Smart Cities und anderer Pläne wären somit auch schädlich fürs Klima – die alleinige Lösung scheint das also nicht zu sein, wie aber dann?

Daten, Klima und Überwachung

Ein politisches Feuilleton zum Thema Notwendigkeit von Überwachung (möglicherweise) mit dem Titel: Big Data fürs Gemeinwohl Her mit der Daten-Genossenschaft! bei Deutschlandfunk Kultur (20.2.2019)

Es geht um mögliche Dilemmata zwischen Daten, Überwachung und wie diese in die Entwicklung einer nachhaltigen Zukunft mit reinspielen können.

Wirklichkeitstechnologien der Kontrolle

Unter dem Titel Tech-Konzerne formatieren die Wirklichkeit (19.12.2018, SZ Online) hat der von mir sehr geschätzte Journalist Adrian Lobe sich Gedanken zur Entwicklung der Zukunft unter den Bedingungen digitalter Technologien gemacht, vor allem wenn diese durch quasi monopolhafte Unternehmen vertreten bzw in unsere Welt gebracht (und entsprechend kontrolliert) werden.

Eine seiner Thesen dabei ist, dass

während Maschinen immer mehr wie Menschen reden, [kommuniziert] der Mensch zunehmend in Maschinencode kommuninziert.

Zu den ohnehin schon guten Gedanken, noch ein paar weitere von mir, inspriert durch den Artikel.

Whatsapp und smartes Altern

Das Forschungsprojekt Anthropology of Smartphones and Smart Ageing (ASSA) betriebt einen sehr interessantes Blog, in der die Forscher von ihrer Arbeit berichten.

Das Thema als solches ist hier insofern interessant, als es sich um eine anthropologische Technikforschung handelt, initiiert von dem von mir hochgeschätzen Daniel Miller. Von Überwachung und Kontrolle ist wenig die Rede, dafür gibt es Einblick in die Techniknutzung von Menschen in sehr unterschiedlichen Bereichen. Das ist insofern wichtig, als das eine mögliche Überwachung genau hier ansetzt – bei der Nutzung der Technologien, der Programme und Geräte. Insofern lohnt ein Blick auf diese Perspektive allemal und auf dieses Projekt im Besonderen.

Z.B. hier: Nurse navigators and WhatsApp: an example of smartness from below von Alfonso Otaegui (8.12.2018).

Überwachungskapitalismus

Im Freitag gibt es ein Spezial zum Buch der Woche, welches Shoshana Zuboffs “Überwachungskapitalismus” ist!

Die Menschheit steht am Scheideweg, sagt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Bekommt die Politik die wachsende Macht der High-Tech-Giganten in den Griff? Oder überlassen wir uns der verborgenen Logik des Überwachungskapitalismus? Wie reagieren wir auf die neuen Methoden der Verhaltensauswertung und -manipulation, die unsere Autonomie bedrohen?

Die Thesen sind lohnenswert und ich hatte ihren gleichnamigen Artikel bereits mehrfach hier verlinkt. Ob es nun noch 600+ Seiten braucht, um das Argument unter die Leute zu bringen, werden wir in Kürze hier in einer Rezension erörtern.

Internet-Ökonomie: Es geht nicht um Privacy

Ein Artikel aus der New York Times zur Diskussion zu Privatsphäre (privacy) und warum eine Konzentration darauf nicht der richtige Punkt ist. Ähnliches gilt in Deutschland für die Datenschutz-Debatte, da nicht zuletzt die DGSVO weniger unsere Daten schützt, als dass damit erklärt wird, wie Daten benutzt werden.

What is at stake here isn’t privacy, the right not to be observed. It’s how companies can use our data to invisibly shunt us in directions that may benefit them more than us.

Just Don’t Call It Privacy, New York Times, 22.9.2018

Buch des Lebens – Google und der Wissensdurst

Beängstigende Zukunftsvision, radikaler Denkanstoß? Die Meinungen über das Video “The Selfish Ledger” von Google gehen auseinander.

Sicher ist, dass die Idee verstört, ein Protokoll des ganzen Lebens in all seinen Verästelungen würde dort erstellt und vorgehalten. Für wen? Unklar. Auch warum das gut sein soll ist nicht offensichtlich. Für das “gute Leben”, das dann von den Maschinen gelesen, gesteuert und bewertet wird? Die SZ und FAZ haben dem Video längere Texte gewidmet: