Archiv für Forschung/Theorie

Feminismus und Überwachung

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein Dossier zum Thema “Feminismus und Überwachung. Intersektionale Perspektiven” herausgegeben.

Auch Frauen*, Schwarze Menschen oder Menschen of Color müssen mit stärkeren Eingriffen in die (körperliche) Privatsphäre rechnen. Sei es beim Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung oder hinsichtlich der Bewegungsfreiheit, Stichwort Racial Profiling. Überwachung, ob staatlich oder privatwirtschaftlich, betrifft großflächig uns alle, wenn auch nicht im gleichen Maße. Trotzdem scheint sich kaum jemand betroffen, eingeschränkt oder gar eingeschüchtert zu fühlen. Woran liegt das?

Dass sie auch ein (pinkes) Kamerabild zur Illustration genommen haben, war wohl nicht zu vermeiden, auch wenn diese mit dem Thema wenig zu tun haben…. auf jeden Fall aber lesenswert!

Der automatisierte Mensch

Ich hatte ja neulich gesagt, dass ich mich frage, ob es noch wirkliches Neues in der Forschung zu Überwachung gibt – Theorien, Felder Anwendungen? Ich bin mir manchmal nicht sicher. Das Feld der Vorhersage, momentan vor allem im Hinblick auf polizeiliche Ermittlungen disktutiert, ist so ein Feld, das mir in den Sinn kommt.

Seit einiger Zeit macht die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff mit ihrem Überwachungskapitalismus von sich reden (Eine Kritik des Buches folgt hier im März). Dabei ist vor allem ihr Gedanke zur Automatisierung des Menschen ganz interessant.

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Wirklichkeitstechnologien der Kontrolle

Unter dem Titel Tech-Konzerne formatieren die Wirklichkeit (19.12.2018, SZ Online) hat der von mir sehr geschätzte Journalist Adrian Lobe sich Gedanken zur Entwicklung der Zukunft unter den Bedingungen digitalter Technologien gemacht, vor allem wenn diese durch quasi monopolhafte Unternehmen vertreten bzw in unsere Welt gebracht (und entsprechend kontrolliert) werden.

Eine seiner Thesen dabei ist, dass

während Maschinen immer mehr wie Menschen reden, [kommuniziert] der Mensch zunehmend in Maschinencode kommuninziert.

Zu den ohnehin schon guten Gedanken, noch ein paar weitere von mir, inspriert durch den Artikel.

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Whatsapp und smartes Altern

Das Forschungsprojekt Anthropology of Smartphones and Smart Ageing (ASSA) betriebt einen sehr interessantes Blog, in der die Forscher von ihrer Arbeit berichten.

Das Thema als solches ist hier insofern interessant, als es sich um eine anthropologische Technikforschung handelt, initiiert von dem von mir hochgeschätzen Daniel Miller. Von Überwachung und Kontrolle ist wenig die Rede, dafür gibt es Einblick in die Techniknutzung von Menschen in sehr unterschiedlichen Bereichen. Das ist insofern wichtig, als das eine mögliche Überwachung genau hier ansetzt – bei der Nutzung der Technologien, der Programme und Geräte. Insofern lohnt ein Blick auf diese Perspektive allemal und auf dieses Projekt im Besonderen.

Z.B. hier: Nurse navigators and WhatsApp: an example of smartness from below von Alfonso Otaegui (8.12.2018).

Tagung zu empirischer Polizeiforschung

Herausforderung empirische Polizeiforschung: Methodische und forschungsethische Perspektiven auf ein polarisiertes Forschungsfeld

Roundtable mit Christiane Howe (Humboldt-Universität zu Berlin), Fabien Jobard (CESDIP, Paris), Lars Ostermeier (Freie Universität Berlin), Peter Ullrich (Technische Universität Berlin)

Moderation: Andrea Kretschmann

25.01.2019, 17:00 – 18:30 Uhr, Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, 10117 Berlin, Georg-Simmel-Saal (3. Stock)

Gegenwartsbezogene empirische Polizeiforschung ist eine Herausforderung – mit vielfältigen erkenntnistheoretischen Implikationen. Die politische und soziale Bedeutung des Forschungsgegenstandes für die Gesellschaft, die öffentlichen Auseinandersetzungen um das Auftreten der Polizeien, die wachsenden polizeilichen Anstrengungen proaktiver Medienarbeit, polizeiliche Geheimhaltungsbedürfnisse und anderes mehr bilden eine schwierige Gemengelage, durch die Forschende navigieren und in der sie sich wissenschaftlich positionieren müssen.

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Bericht von Tagung zu Protest und Polizei

Bericht zum Track “Einheit und Varianz im polizeilichen Umgang mit Gipfelprotesten” der ipb-Jahrestagung “Der Kontext lokaler Proteste”

von Bernadette Hof, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie

Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 führte zu heftigen öffentlichen Debatten, wobei der Fokus der Diskussion vor allem auf den gewaltförmigen Eskalationen zwischen Protestteilnehmenden und der Polizei während der Protestwoche lag. Im Zuge der Suche nach Erklärungen wurde die Legitimität einiger Protestformen in Frage gestellt, doch gerade auch die polizeilichen Vorgehensweisen standen in der Kritik. Kritisiert wurden sowohl vorbereitende Einsatzentscheidungen wie die Einrichtung einer großflächigen Protestverbotszone, die Verhinderung von Protestcamps oder die Ankündigung einer Null-Toleranz-Strategie gegenüber „Störern“ als auch die Durchführung des Einsatzes selbst, was sich unter anderem in Verweisen auf illegale Polizeigewalt ausdrückt. Solche Vorgehensweisen und Ereignisse im Rahmen von Gipfelprotesten sind nicht neu, sie treten jedoch auch nicht zwangsläufig auf. Verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen widmen sich der Frage nach den sozialen Bedingungen, welche den polizeilichen Umgang mit Protesten formieren.

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Zum Tod von Horst Herold

Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf auf Horst Herold geschrieben, den Erfinder der Rasterfahndung. Unter dem Titel Staatsdiener und Staatsdenker würdigt Prantl einen Mann, der zum Feind aller Linken wurde, auch und gerade weil er den Computer in die Polizeiarbeit brachte und Ideen hatte, die erst heute tatsächlich Gestalt annehmen.

Dass Prantl den Artikel schreibt, macht ihn umso lesenswerter. Man muss Herold und seine Ideen nicht mögen, aber es scheint, als wenn dort ein Mann weiter schauen konnte, auch kritisch, als viele Polizeibürokraten heute in der Lage wären.

Dazu passend sei hier auch auf das wunderbare Buch von David Gugerli hingewiesen: Suchmachinen. Die Welt als Datenbank, (2009) in dem auch Horst Herold ein Kapitel bekommen hat.

(H)acktivismus und Partizipation

Das Thema ist am Rande auch für dieses Blog hier interessant, daher der Hinweise. Eine Sonderausgabe des Journals Kommunikation@Gesellschaft zu:

(H)acktivismus und Partizipation? Zur politischen Dimension des Digitalen.

Gast-Herausgeberinnen: Barbara Frischling und Marion Näser-Lather.

Neues Buch: Bodies as Evidence

Bodies as Evidence. Security, Knowledge, and Power.

Herausgegeben habe ich den Sammelband zusammen mit Mark Maguire (Monooth, Irland) und Ursula Rao (Leipzig).

Erschienen ist er bei Duke University Press 2018.

Die Einleitung kann online gelesen werden.

Buchpreis: History of Consumer Surveillance

Das Surveillance Studies Network (SSN) hat seinen diesjährigen Buchpreis an folgendes interessante Werk vergeben:

Creditworthy: A History of Consumer Surveillance and Financial Identity in America by Josh Lauer, Columbia University Press

 

Neues Buch: Der Alltag der (Un-)Sicherheit

Der Sammelband “Der Alltag der (Un-)Sicherheit” ist im Panama-Verlag erschienen.

DER ALLTAG DER (UN-)SICHERHEIT

Darin von mir: “Imaginäre Geographien, Sicherheitsreflexe und Freiheitsversprechen”, über Freiheit, Überwachung, die Hamburger Gefahrengebiete, europäische Grenzen und eine europäische Sicherheitspolitik, die auf Abwehr des Fremden setzt.

Analyse: Eskalation bei G20-Gipfel 2018

Eskalation beim G20-Gipfel in Hamburg:
Forschungsbericht, interaktive Webseite und öffentliche Podien

Die Eskalation der Gewalt im Rahmen der Proteste gegen den G20-Gipfel ist auch mehr als ein Jahr später noch präsent. Forscher*innen u.a. vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), dem HIS und der TU Berlin (ZTG, Forschungsbereich “Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte”) haben in einem großen Kooperationsprojekt untersucht, warum sich die Proteste so entwickelten und welche Rolle dabei die Polizei und die Medien spielten. Sie analysieren insbesondere die situative Verkettung von Interaktionen und Deutungen, die eine Eskalationsspirale begründeten.

Öffentliche Veranstaltungen am 18. (Berlin) sowie 21. Oktober (Hamburg).

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