Category: Forschung/Theorie

Macht im digitalen Zeitalter

Weil Diskussionen zu Überwachung auch einen theoretischen Unterbau brauchen, hier ein Hinweis auf die neueste Ausgabe des Behemoth

Futures of Critique. Theorising Governmentality and Power in the Digital Age, hg. von Janosik Herder, Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff

Bereits in der Einleitung stellen die Herausgeber:innen dabei diese Frage, die sichso oder anders formuliert immer wieder stellt, wenn es um das Digitale und die Möglichkeiten der Computer geht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich vielleicht mehr denn je die Frage, ob wissenschaftliche Hypothesen und theoretische Reflektionen – wie auch jene von Anderson selbst – in einer Gegenwart ubiquitären Dataminings und automatisierter algorithmischer Auswertung (vgl. Rouvroy 2013) zu bloßen Wiederholungs- bzw. kybernetischen Feedbackschleifen einer umfassenden, evidenzbasierten Echtzeitanalyse degradiert oder – im Sinne eines „end of theory“ – sogar einfach überflüssig geworden sind.[

Ob das so ist, können die Leser:innen herausfinden in den sieben Aufsätzen, die die Ausgabe versammelt hat.

Surveillance im globalen Süden

Das bereits vor einiger Zeit gegründete Netzwerk Surveillance in the Global South hat jetzt neben ihrer Mailing-Liste auch eine Webseite: https://surveillance-global-south.net. Die Initiatorin ist die Geografin Azadeh Akbari.

Auf der Seite finden sich einige Texte und mehrere Calls für Workshops und Beiträge. Neben den verschiedenen Netzwerken zu Suveillance finde ich das eine sehr gute Ergänzung mit einem besonderen Fokus, denn der globale Süden ist in verschiedener Hinsicht nicht besonders gut vertreten in dieser Community (was wohl für viele Wissenschaften und Disziplinen gelten dürfte).

Plattformen und die materielle Welt

Wie formen Plattformen unsere Umwelt? – gemeint sind digitale Plattformen wie Uber oder AirBnB etc. Dieser Frage geht ein Forschungsprojekt des geschätzten Kollegen Torin Monahan nach.

Mit Mediating Plattforms untersucht er mit seinem Team die Folgen dieser dominaten Spielart eines digitalen Überwachungskapitalismus.

This research project, funded by the US National Science Foundation, explores empirically what happens when large-scale digital platforms collide with the built world. It attends specifically to the mediating effects of existing organizational forms, material infrastructures, and cultural practices on platforms in cities.

Besonders interessant finde ich dabei die Karten, mit denen sie die Konzentration und die Übersprungeffekte von AirBnB-Vermietungen sichtbar machen. Vorsicht: Man braucht eine Weile, die Karten zu lesen und zu verstehen.

Anthropologie der Überwachung

Ein neues Forschungsprojekt an der LMU in München und dem King’s College London hat gerade seine Arbeit aufgenommen. Titel: Moral Surveillance and Community. Die Leiterin ist Vita Peacock.

Ich freue mich sehr im Advisory Board des Projekts zu sitzen, mit einigen von mir sehr geschätzten Kolleg:innen.

This collaborative study, funded by the European Research Council, investigates how and why people are voluntarily using monitoring technologies to advance projects they value. Using the perspectives and methods of anthropology, the team seeks to understand the role these technologies are now playing in the domains of care, health, safety, and citizenship.

Neues Buch: Überwachen und konsumieren

Überwachen und Konsumieren. Kontrolle, Normen und soziale Beziehungen in der digitalen Gesellschaft. 114 Seiten, Transcript Verlag

Die Digitalisierung unserer Lebenswelten ist allgegenwärtig und ermöglicht die Überwachung unseres Alltages in bisher ungekannten Formen. Warum aber gibt es dagegen so wenig Widerstand, obwohl Datenschützer immerzu warnen und Whistleblower wie Edward Snowden das ganze Ausmaß der Massenüberwachung öffentlich machen?

Es ist open access und kann im Netz frei als pdf heruntergeladen werden.

Neu: The Book of Anonymity

Lang ersehnt, noch länger dran gearbeitet, nun ist es raus: The Book of Anonymity. Der Abschlussband des Forschungsprojektes Re-configuring Anonymity (an dem ich auch beteiligt war).

Mein Beitrag zum Buch sind drei Artikel zum Thema Polizei.

Das Buch kann als gedruckte Version erworben oder frei heruntergeladen werden.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von punctumbooks.com zu laden.

Inhalt laden

Optionsmaschinen

Ein kleiner Vorgeschmack auf mein neues Buch, das Ende März bei transcript erscheinen wird findet sich hier: Optionsmaschinen und die Formatierung der Welt, bei Telepolis, 16.1.2021.

Die Gesellschaft der Singularitäten als freie Psychopathologie in einer digital erzeugten, vermittelten und beherrschten Überwachungsgesellschaft, deren innere Logik Unterhaltung, Distinktion und der widersprüchliche Wunsch einer Zugehörigkeit zu einem individualisierten Kollektiv ausmacht? Darüber gilt es in Zukunft nachzudenken.

2ter KivaPol-Bericht

Das Projekt “Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamt*innen” der Ruhr-Uni in Bochum hat seinen 2ten Zwischenbericht vorgelegt, der Schwerpunkt hier liegt auf dem Thema: „Rassismus und Diskriminierungserfahrungen im Kontext polizeilicher Gewaltausübung“

Die Auswertung macht Tendenzen im Hinblick auf Diskriminierungserfahrungen von Personen mit Migrationshintergrund und PoC bei Kontakten mit der Polizei sichtbar. Diese Erkenntnisse sind jedoch weder umfassend noch abschließend. Vielmehr können sie nur als Ausgangspunkt für weitere Forschung dienen, die dringend erforderlich ist.

Aufmerksame Zuschauer

So muss man übersetzt wohl die Vigilant Audiences nennen, wie sie im Titel dieses Buches vorkommen. Aber so richtig trifft es das nicht. Denn vigilant ist mehr als nur aufmerksam, die Konnation von Überwachung udn Kontrolle ist nciht weiter, vor allem von Angelegenheiten, die diese Zuschauer so gar nichts angehen.

Das Buch ist als openacess frei im Netz erhältlich.