Category: Forschung/Theorie

Überwachung und Kontrolle im Computerspiel

Die Online-Zeitschrift PAIDIA. Zeitschrift für Computerspielforschung, hg. an der LMU München, hat (schon im Juli 2020) eine Sonderausgabe veröffentlicht: Überwachung und Kontrolle im Computerspiel. Die Beiträge untersuchen Computerspielplattformen als panoptische Systeme, das Computerspiel als Kontrolldispositiv, die Simulation datenbasierter Überwachung in zeitgenössischen Games, u.a. mehr.

Aus der Einleitung:

Ein Sammelband zu Überwachung und Kontrolle im Computerspiel ermöglicht eine doppelte Perspektivierung des Untersuchungsfeldes: Computerspiele können einerseits – im weiteren Sinn motivgeschichtlich betrachtet – an die Darstellung und Verhandlung von Überwachung und Kontrolle in anderen medialen Formen wie bspw. dem Film, der Serie oder natürlich insbesondere auch dem Roman anschließen. Andererseits kann das Thema unter besonderer Berücksichtigung des spezifischen Handlungsdispositivs des Computerspiels und seiner medialen Verfasstheit untersucht werden.

Überwachungskapitalismus als Film

das Projekt New Organs beschreibt seine Arbeit selbst so:

The New Organs is a project to gather, archive and investigate the theories and realities of corporate surveillance. Over the past year we’ve collected stories about weird online ads — ads that seem to know too much, as well as your theories of why you might be seeing them. Using these stories as a starting point, we’ve investigated the details of how internet companies monitor, exploit and manipulate us in an attempt to understand how surveillance capitalism operates.

Verdacht und die Domestiken des Alltags

Was wie ein verlockener Titel eines Aufsatzes klingt, ist in Wahrheit der Versuch einer zusammenfassenden Überschrift um auf zwei Aufsätze von mir aufmerksam zu machen.

Kürzlich erschienen sind von mir diese beiden Aufsätze (konträr zu dem, was die Heftnummern vermuten lassen).

  • N. Zurawski: Der totale Unterhaltungsstaat. Überwachung im digitalen Zeitalter. Über Konsum, KI und nicht nur digitale Domestiken, in Zeitschrift für Semiotik, Band 40/2018 (erschienen im Mai 2020)
  • N. Zurawski: Verdacht und Muster. Geheimdienstliche Logik und Überwachung im digitalen Alltag. In: Spitzel, Spione, Geheimdienste. Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2019, Heft 04 (erschienen im Mai 2020)

Da beide nicht online zu finden sind, zumindest nicht so ohne Weiteres oder komplett, könnt ihr euch gern an mich wenden, wenn ihr da mal reinlesen wollt. Ich schicke euch die Aufsätze gern zu.

Die Anatomie eines KI-Systems

Der Aufsatz Anatomy of an AI von Kate Crawford and Vladan Joler aus dem Jahr 2018 ist nicht zuletzt wegen der absoluten faszinierenden Karte lesenswert.

Ihre Analyse ausgehend von Amazons Echo zieht im Stile einer Latour’schen Actor-Netzwerk-Analyse die Verbindungen von einer simplen Bestellung über das smart device auf dem heimischen Wohnzimmertisch hin zu den Minen der Rohstoffe, die die digitale Welt so dringend benötigt um zu funktionieren – und die hinter dem Anschein intelligenter, autonomer Geräte, mit denen wir unseren Alltag gestalten und organisieren, sowohl Komplexität vortäuschen, als diese gleichzeitig verbergen. Der Untertitel des Aufsatzes ist dabei schon bezeichnend:

Online-Kurs zu Security und Desinformation

This interdisciplinary course, framed under the CRESCEnt project (Mind the Gap in media coverage and strategic communication in case of security threats), co-funded by the Erasmus+ Programme of the European Union, addresses the challenge of building awareness and developing resilience to disinformation, fake news, and hostile information influencing campaigns.

Ihr könnt euch hier anmelden und mehr über den MOOC-Kurs erfahren.

Pandemie und Raum

Gedanken und Texte

Die Bilder unten zeigen meinen lokalen Supermarkt im Kassenbereich. Auf dem Foto sieht es gar nicht so beeindruckend aus, aber vor Ort hatte ich dort, und auch in anderen Geschäften, den Eindruck, ich befinde mich im Sicherheitsbereich eines Flughafens. Es mag am Material gelegen haben, oder an der ungewohnten Gesamtoptik – klar ist aber, dass die Corona-Pandemie, oder genauer die verfügten Maßnahmen und was wir daraus machen, Raum und die Nutzung sowie die Gestaltung des Raums verändern. Ob nachhaltig bleibt abzuwarten (siehe auch den Text zu den Einkaufsorten hier).

Dark Matters

On the Surveillance of Blackness

Beim Project MUSE, eine Art Repositorium für wissenschaftliche Texte und Bücher, ist nun auch das Buch Dark Matters: On the Surveillance of Blackness von Simone Brown zu finden. Ein Buch, dass auch hier im Blog bereits besprochen wurde.

Es sind leider nicht alle Texte für alle zugänglich, es hängt etwas an den Berechtigungen der Unis, über die man möglicherweise zu MUSE gelangt. einfach mal ausprobieren.

Nachdenken über Corona: Surveillance Studies

Blink, der Blog des Journals Surveillance & Society, hat gerade eine neue Serie mit Beiträgen zu Corona gestartet. Den Auftakt macht Marina Levina, u.a. Autorin von  Pandemics and the Media (2015) mit ihrem Beitrag zu Living and Thinking through a Pandemic.

I have argued before and I will argue again that a pandemic gives us an intense and unflinching focus on that which always has always been true — a problem of health is determined by meaning we, as a society, attach to what it means to live in an infected and/or diseased body, be it a national, a global, or an individual one. The current debate about vulnerability and sacrifice is fully dependent on already established norms the society holds of “pre-existing” conditions as wholly the fault and responsibility of individuals as supposed environmental, sociopolitical, and economic factors.

Überwachung, Pandemien und Sicherheit

Gedanken und Texte in Corona-Zeiten

© 2020 TU Wien / dwh
© 2020 TU Wien / dwh

Nach den ersten Wochen des Kontaktverbots und der Empfehlung besser zu Hause zu bleiben, der Sorge um Eltern und Kinder, um Freunde und andere Nahestehende, in der ich versuche so viel wie möglich an Informationen zu verarbeiten wie es geht, kann ich leider nur sagen: Es wird da draußen eher unübersichtlicher als klarer. Aber das ist vielleicht der Kern einer Krise.

Kommentare und Einschätzungen zur Krise, zur Zukunft der Gesellschaft gibt es derzeit reichlich. Aus allen klugen und wirren Ecken. Ich möchte mich hier gar nicht einreihen in das Spiel und mitspekulieren, sondern ein paar Ressourcen teilen, die sich aus meiner Sicht eher generell mit verschiedenen Aspekten der Krise auseinandersetzen, denen das tagesaktuelle Geschwirre ein wenig fehlt. Das gelingt nicht immer, aber ich hoffe zu einem Teil. Dazu gehört in diesem Blog selbstverständlich zu allererst der Aspekt der Überwachung und Kontrolle, namentlich die Diskussion zu Tracking sowie die Angst vor dem autoritären Staat, der jetzt die Krise nutzt und alles umkrempeln will. Bei letzterem bin ich ob der Analyse vorsichtig, aber eine gute Chronologie zur innneren Sicherheit liefert Cilip – zu den Tracking Apps habe ich selbst etwas gesagt, …

Armin Nassehi und die Digitalisierung

Es muss in Zeiten von Corona auch andere Dinge zu berichten geben, wobei die Ideen, die Armin Nassehi zu Mustern und dem Erkennen von Gesellschaft ausführt, können auch viel von dem Erklären wie wir mit den Zahlen, Mustern und Regelmäßigkeiten in der Krise zur Bewältigung derselben umgehen. Eben nicht mehr dem Schicksal ergeben, sondern aktiv dabei, dem Virus auf der Spur, mit einer gehörigen Portion Digitalität und digitaler Technologie. Dass dabei nicht immer alles zum Einsatz kommen kann oder muss, was so geht, sieht man an der Diskussion über die Nutzung der GPS- und Standortdaten der Mobilfunk-Nutzer, die zumindest in Deutschland momentan keine Option zu sein scheint.

Hier sind 2 Videos von Vorträgen Armin Nassehis, in denen er seine durchaus charmante Idee der digitalen Gesellschaft und ihrer Muster ausführt.