Category: Forschung/Theorie

Die Maschinen zähmen….

Die Vorlesungreihe “Taming the Machines” an der Uni Hamburg ist in diesem Wintersemester ein echter Tipp. Das Programm verspricht viele interessante und wirklich spannende Vorträge rund um die Themen, KI, Algorithmen, Überwachung, Daten. Außerdem wird die Preisverleihung des Surveillance-Studies-Preises 2020 auch in diesem Rahmen stattfinden.

Die Surveilance Studies-Lecture wird gehalten von Dr. Pak-Hang Wong, Universität Hamburg zum Thema: Three Arguments for “Responsible Users”. AI Ethics for Ordinary People. 

Interview mit Gary T. Marx

Gary Marx ist bestimmt einer der einfallsreichsten Forscher, wenn es um Überwachung geht, anderen ist er vor allem durch seine Arbeiten zu Polizei bekannt (siehe z.B. Rezension von Windows into the Soul). Womit auch immer er auf sich aufmerksam gemacht hat, er kann gut erzählen und ist, soweit ich das von meinen Begegnungen mit ihm sagen kann, ein großartiger Mensch und Kollege.

Warum Künstliche Intelligenz?

Wie kam es von der Idee eines “complex information processing” zum Begriff der Künstlichen Intelligenz? Und was hat das mit ihrer Kontrolle zu tun?

Eine Rezension des Buches Human Compatible: Artificial Intelligence and the Problem of Control von Stuart Russell Viking (2019) in Nature gibt dazu ein paar Einblicke.

David Leslie: Raging robots, hapless humans: the AI dystopia (2.Okt. 2019, Nature)

cfp: Podcasts und die neue Audiokultur

Nur weil es inzwischen mit den Berichten aus Panoptopia auch einen Podcast der Surveillance Studies gibt, verlinke ich hier auch den folgenden Call for Papers für das Journal Kommunikation@Gesellschaft (und auch weil ich sowohl das Journal mitherausgebe, als auch für den Call mitverantwortlich bin).

cfp: “Senden, Hören, Teilen: Podcasts und digitale Audiokultur[en]”.

Einreichungsfrist für Abstracts ist der 15.11.2019

Kontrollverlust

Die Sendereihe Radiokolleg von Ö1 entwickelt sich zu einer Lieblingsserie. Neulich 4 Teile zum Gesicht, nun mehrere Teile zum Kontrollverlust mit dem Titel “Fäden in der Hand”. Autorin ist in diesem Fall Sarah Kriesche, u.a. Preisträgerin des Surveillance Studies-Journalistenpreises.

Was passiert, wenn man die Fäden in der Hand hat und alle Stricke reißen? Das Bedürfnis nach Kontrolle und Selbstbestimmung zählt zu den psychischen Grundbedürfnissen des Menschen. Sowohl für das individuelle, als auch das gesamtgesellschaftliche Wohlbefinden zählt nicht nur, Kontrolle zum Beispiel über eine Situation zu erlangen, sondern auch, Kontrolle abgeben zu können.
Doch inwieweit ist es in einer datengetriebenen Welt noch möglich, Situationen zu kontrollieren? Technische Hilfsmittel, wie zum Beispiel das Smartphone, sollen das Leben angenehmer gestalten; die wahren Absichten der Architektinnen und Architekten der Hard- und Software, scheinen oft im Verborgenen zu liegen.

Studie: Polizeigewalt

Zu der von der Uni Bochum durchgeführte Studie “Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte” wurde jetzt ein Zwischenbericht veröffentlicht. Dieser betrifft zunächst vor allem die statistischen Daten und erklärt die Dunkelfeldstruktur sowie die Erhebung selbst. Das ist alles sehr lesenswert. Mich persönlich interessiert allerdings die im Bericht avisierten Ergebnisse bzw. die Studieninhalte des 2ten Teils viel mehr, denn da geht es um die Eskalationsverläufe, und um eher qualitative Ergebnisse. Dennoch, der Zwischenbericht lohnt einen Blick.

Zwischenbericht.

In der Zeit gab es dazu eine ebenfalls lesenswerte Besprechung und Einordnung: Die falsche Staatsgewalt (17.9.2019)

Die vielen Seiten des Gesichts

Die Gesichtserkennung ist gerade das heiße Thema in vielen Medien, auch gestellt mit der unvermeidlichen (und leider sehr verkürzenden) Frage “Was macht das mit uns?”. Daphne Hruby von Ö1 hat sich des Themas einmal anders angekommen und die Bedeutung des Gesichtes in der Kultur angeschaut. In 4 Beiträgen erkundet sie die vielen Facetten des Themas von den Ideen des Johann Kaspar Lavater bis hin zum chinesischen Social Scoring-System, welches eben mit Gesichtserkennung arbeitet.

Eine Zehntelsekunde – nur so lange brauchen wir, um vom Gegenüber einen ersten Eindruck zu bekommen. Ist er attraktiv, ist sie sympathisch, ist der Mensch interessant oder gefährlich – gewonnen wird diese Information vor allem aus unserem Gesicht. Treue, Intelligenz, soziale Herkunft – die Palette, was Studien alles aus unserem Antlitz zu lesen glauben, ist breit.

Journal: Visibilities and New Models of Policing

Die neuese Ausgabe des Journals Surveillance & Society widmet sich der Polizei: Visibilities and New Models of Policing, Vol 17 No 3/4 (2019).

This special issue, guest edited by Keith Spiller and Xavier L’Hoiry, investigates the blurring of boundaries between police and publics, particularly with respect to citizen-based policing schemes. In addition to an editorial introduction and nine curated articles, the issue includes nine regular articles and a number of book reviews.

Die Artikel reichen von BodyCams zu protest policing, von der Rolle sozialer Medien für vigilante Nachbarschaftswachen, bis hin zur Idee einer Ordnung ohne Polizei und einige mehr.

Richard Sennett “Die offene Stadt”

Für Soziopolis habe ich eine Rezension von Richards Sennets Buch “Die offene Stadt” geschrieben.

Im Buch gibt es auch Anschlussmöglichkeiten für die Themen Kontrolle und moderne Stadt, wie ich in der Rezension auch festhalte:

Um Sennetts These einmal konkret nachzuvollziehen, möchte ich hier auf das meines Erachtens gelungenste Kapitel eingehen – Kapitel 6: Tocqueville in Technopolis. Für seine Gegenüberstellung von offener und geschlossener Stadt wählt er das Beispiel der so genannten Smart City. Diese Städte der Zukunft werden maßgeblich von digitaler Technologie mitbestimmt, die in ihre Infrastruktur eingewoben sein wird und auf diese Weise steuern oder gar bevormundend eingreifen kann. Sennett beschreibt die Möglichkeiten zur Nutzung der Smart City als koordinierend oder vorschreibend. Die erste Variante ergänzt sich Sennett zufolge ideal mit dem Konzept einer offenen Stadt(entwicklung) und symbolisiert diese, während die zweite, vorschreibende Variante eine geschlossene Stadt nach sich zieht. Als Beispiel für Letzteres führt der Autor das Googleplex in New York an, ein geschlossener Ort, den Sennett als eine Art Ghetto bezeichnet. Innerhalb dieses Komplexes sollen die Angestellten möglichst wenig mit den Profanitäten des täglichen Lebens in Berührung kommen, sie sollen sich auf die Arbeit konzentrieren, möglichst rund um die Uhr.

Surveillance 2.0 – Zwischen Kontrolle und Komfort

Ich hatte ja in den vergangenen Wochen schon öfter von der Tübinger Tagung berichtet und von dem Filmfestival Tübinale, u.a. anderem findet ihr die Filme in einigen der vergangenen Posts.

Nun gibt es einen Bericht von der Tagung von den Studierenden selbst. Und daher bin ich der Bitte der Organisatoren sehr gern nachgekommen, diesen hier auf den Seiten zu veröffentliche.

Kritik an der Metaphorik der Überwachung

In einem sehr erhellenden Artikel, eigentlich einer Rezension dreier Bücher, kommentiert der Historiker Quinn Slobodian die Verwendung von Methaphern, wie sie zur Beschreibung gegenwäriger, gesellschaftlicher Entwicklungen benutzt werden. Allen voran nimmt er sich Shoshana Zuboffs “Age of Surveillance Capitalism” vor (siehe auch Rezension hier im Blog).

The False Promise of Enlightenment, in Boston Review, 29.5.2019.

Und ich finde, er trifft den Nagel sehr gut auf den Kopf.