Kategorie: Forschung/Theorie

UN-Studie zu Chilling Effects online

Ich habe über die so genanten chilling effects von Überwachung hier und da schon mal geschrieben. Hier kommt jetzt eine von der UN initiierte Studie, die von den Kolleg:innen Pete Fussey, Gina Romero und Daragh Murray. Gelesen habe ich sie noch nicht, werde das aber nochmal tun. Onilne und als pdf zum Runterladen, mit dem etwas sehr langen Titel:

„Pushed into the Shadows“: Evidencing Digital Surveillance Chilling Effects and the Erosion of the Rights to Freedom of Assembly and of Association.

Die Studie ist erschienen im Bereich der The United Nations Special Rapporteur on the Rights to Freedom of peaceful assembly and of association, was ich hier nicht übersetze, ist mir zu lang..

Die dunkle Welt der Aufklärer

Das Autorenpaar Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff, letzerte gerade überall in den Medien mit ihrem Buch Kybernetik und Kritik, welches beworben wird, wie etwas für die breite Masse, aber wohl eigentlich etwas für den akademischen Diskurs zum Thema Technik, Herrschaft, dem Digitalen und den Entwicklungen des Silicon Valley (meine sehr grobe Inhaltsangabe hier) ist. Die Theorie der Regierungskunst, so der Untertitel, ist ein massives Werk politischer Philosophie, in dem auch der Aspekt der Überwachung eine Rolle spielt.

Ich habe über die Tech-Bros und die Ideologie des Silicon-Valley, welches einem Evangelikalismus nicht nur zufällig nicht unähnlich ist, schon öfter geschrieben oder kluge Gedanken dazu verlinkt. Hier ist ein weiterer, dieses Mal von den beiden.

Willkommen in der Welt der «Dunklen Aufklärer» in dem schweizer Journal „Republik“, vom 9.5.2026. Sie beleuchten die ideologisch-philosopisch-theoretischen Grundlagen dieser Denkrichtungen, historisch und ideengeschichtlich, in für Leser:innen leichter verdaulichen Format, dennoch ebenso gehaltvoll.

Kameras, KI und ob’s was hilft

Im Interview bei netzpolik.org beantworten die Kollegen Philipp Knopp und Fabian de Hair Fragen zu ihren Ergebnissen aus dem Projekt zu den KI-gestützten Kameras am Hamburger Hansaplatz, in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofes. Nicht verwunderlich finde ich, dass der Effekt der Kameras, also Prävention oder gar direktes Einschreiten eher gering ist, dafür das Material sehr gut zum Trainieren der KI eingesetzt werden kann und offensichtlich auch wird. Die erst kommende Überwachung und der ewige Traum von der Polizei-Technologie zur Beherrschung des öffentlichen Raums. Kameras können, sollen, machen … wenig davon hat empirische Evidenz, auch wenn die selbstgemachten Evaluationen immer ein positives Ergebnis bescheinigen. Ein Link in den (teilweise dürftigen) Kommentaren verweist auf interessante Einschätzungen https://marx.wtf/2024/12/24/der-hansaplatz-versuch-war-kein-erfolg/

Öffentliche Daten, private Profit

Ich gebe zu, dass ich momentan zwar viele interessante Dinge zum Nachdenken im Netz finde, aber nicht nachkomme, darüber hier zu schreiben. Hier ist heute mal ein Artikel darüber wie öffentliche Daten von privaten Nutzern zum eigenen finanziellen Nutzen ausgebeutet werden.

Baykurt, B. (2025). Gov-tech as capture: public infrastructures under data capitalism. Information, Communication & Society28(15), 2795–2810. https://doi.org/10.1080/1369118X.2025.2479788

The study identifies three mechanisms of capture: grabbing and aggregating public datasets (data capture), reconfiguring public services into computable units (value capture), and transforming public data into market assets (regulatory capture). Drawing on insights from critical data studies and political economy, the paper demonstrates how gov-tech firms redefine state capacity and public accountability while examining the broader implications of embedding private interests in public governance under data capitalism.

Leider hinter einer Paywall, aber eine direkte Mail an mich und ich kann u.U. helfen... ;-)

Digitaler Faschismus

Über die gefährlichen Ideologien der Tech-Blase und ihre Auswirkungen schreibt Rainer Mühlhoff bei Wissenschaft & Frieden. Das Thema ist nicht neu in diesem Blog, aber Rainer Mühlhoff ein interessanter Kollege und die Publikation wichtig und wichtiger denn je in diese Zeiten, wo Krieg zum neuen normal wird und Frieden geradezu subversiv wirkt – auch wenn jeder Krieg selbstverständlich nur dem Frieden dient wenn wir den Putins und seinen Kollgen auf der Welt Glauben schenken würden

Der Zustand der urbanen Sicherheit

Im ständig fortgeschriebenen Dossier „Innere Sicherheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde im Dezember 2025 ein Beitrag zur Urbanen Sicherheit veröffentlicht. Autor ist der Wuppertaler Kollege Tim Lukas.

Dass das Dossier mit dem obligaten Bild einer Überwachungskamera versehen ist, ist nicht unbedingt zwingend, aber so wird dieses Thema eben auch gesehen. Die Beiträge darin sind dann allerdings doch sehr vielfältig zu Polizei, Kriminalität, Sicherheitsbegriff und vieles dazwischen und daneben.

ps. Videoüberwachung kommt als eigener Beitrag übrigens nur in einem älteren Text von 2012 vor, in dem es dann hauptsächlich um TKÜ geht, nicht um Kameras.

Surveillance Assemblage revisited

Die aktuelle Ausgabe von Surveillance & Society hat einen Debattenteil zum Konzept der „Surveillance Assemblage“ (Haggerty & Ericson 2000), wo auch die Autoren selbst nochmal zu Wort kommen.

Vol. 23 No. 4 (2025): Global Futures of Digital Confinement, mit der Debattenrubrik zu „Revisiting the “Surveillant Assemblage”“

Editorial zur Dialogue-Rubrik „Revisiting the “Surveillant Assemblage” von Bryce Newell & Lizzie Hughes

Schriftenreihe zu Sicherheit

Die Schriftenreihe ist jetzt nicht ganz neu, aber nach einiger Zeit gibt es jetzt eine neue Publikation, an der auch mein sehr geschätzter Kollege Lars Gerhold beteiligt war:

Gerhold, L., Sterl, S., Glunz, E., Stelzmann, D., Karge, J. (Hrsg.): Psychosoziale Lage im Bevölkerungsschutz – Grundlagen, Daten und technische Umsetzung : Ergebnisse aus dem Forschungsverbund PsychoKat.

Das spezielle Thema hat erstmal nicht so viel mit Überwachung zu tun, aber für die Themen des Blogs, zu denen auch Sicherheit gehört, ist diese Schriftenreihe und auch die neueste Veröffentlichung, eine exzellente Quelle mit interessanten Themen.

Digitaler Raum und Autoritarismus

Die Sonderausgabe von Dialogues on Digital Society „Authoritarianism in the digital age“ versammelt eine große zweistellige Zahl (66) von Artikeln zu dem Thema.

Soweit ich das sehen kann, sind alle open access. Das Editorial von Jarret, Kitchin, Steele, gibt einen ersten Überblick.

Authoritarianism is far from being a new phenomenon, but, as the papers in this edition describe, its contemporary form is being reshaped, facilitated, and potentially challenged by the ready availability of diverse digital technologies and infrastructures. From smart, state systems that mediate citizenship and manage populations; to social media and its capacity to spread information both supportive and hostile to political regimes; to biometric, datafied, surveillance systems weaponised against foreign and internal ‘enemies’, the digital is firmly rooted in the contemporary realisation of autocratic and illiberal politics and how human rights and social and economic relations are being recast around the world.