Kategorie: Kommentar

Eugenik und die Billionäre

Fragte ich in meinem Kommentar gerade nach den unterliegenden Fantasien hinter KI und ihren Protagonisten in den Tech-Unternehmen, dann unterstreicht dieser Artikel hier genau mein Argument, der gar nicht so neuen Träume von Allmacht, rechten Fantasien des neuen Menschen und ganz banaler menschlicher Hybris, die vor allem deshalb so gefährlich ist, weil sie mit unvorstellbar viel Geld daher kommt. Die Frage ob das Geld die Männer dahinter gaga macht oder sie es ohnehin schon waren und daher dank Tech ihre feuchten SciFi-Fantasien, die bisweilen wie Abklatsch aus billigen Comicheften aussehen, in die Wirklichkeite – oder was sie dafür halten – umsetzen können. The billionaires‘ eugenics project: how Epstein infiltrated Harvard, muzzled the humanities and preached master-race science. Virgina Hoffmann 13.2.2026, in thenerve.news.

Das folgende Zitat aus dem Artikel bringt es beängstigend auf den Punkt:

Billionaires really like thinkers who see their exploitation of the weak as a good and natural thing

Faschismus, Überwachung und die KI

Nicht schon wieder, möchte man fast sagen bei diesem Thema. Es ist doch schon alles gesagt dazu. Ja und nein.

Rainer Mühlhoff, Philosoph und Mathemater aus Osnabrück mit einem sehr interessanten Intervie beim Deutschlandfunk: KI – Gefahr eines digitalen Faschismus? 22.3.2026. Er bringt die aktuell diskutierten Aspekte rund um diese Themen sehr schön auf den Punkt. Und auch wenn vieles davon nicht neu ist, so kann es nicht oft genug gesagt werden.

Neben den aktuellen Fragen allerdings, sollte (und muss) man sich auch damit beschäftigen, worum es denn jenseits der Technik eigentlich geht. Was macht die KI (vor allem ja momentan die LLMs) so beliebt, so attraktiv? Welche Sehnsüchte werden damit befriedigt, welche Träume scheinbar erfüllt?

Und schaut man sich nicht nur die Begehrlichkeiten der Tech-Unternehmen an, sondern auch die der Staaten und anderer Akteure, dann wird klar, dass der Wunsch nach Überwachung ungebrochen, ja gerade zu größenwahnsinnig ist. Das Vertrauen in die Bürger:innen ist gering – angesichts von Terror, Krieg und dem Versuch der Einflussnahme von autoritären Staaten wie klassischerweise Russland oder China, aber neuerdings auch den USA und anderen, ist manch eine Vorsichtsmaßnahme auch nachvollziehbar. Die Frage aber ist, ob der Wunsch der Abwehr nicht auch dazu genutzt wird, noch mehr Kontrolle über das Volk, die unbekannte Größe zu erlangen. Die Narrative der Rechten, dies- und jenseits der Technik lassen das stark vermuten. Und dann wieder sehen wir nichts neues, sondern das ewig alte Spiel.

Mir ist es aber wichtig darauf hinzuweisen, den bei allem Fokus auf die neue Technik geht verloren, dass die damit verfolgten Wünsche so neu dann doch nicht sind.

Wenn die KI mit der KI

Das Gerede über und um KI kann schon auch nerven, so wichtig das Thema in all seinen Facetten auch ist. Wenn es nicht gerade um das nächste Geschäftsmodell geht, oder die verpassten Chancen, wo KI um der KI Willen von Politikern und ihren Einflüsterern aus der Tech-Branche als der neueste und beste und überhaupt der lebensnotwendigste Schei…. angepriesen wird. Dass die KI nur so gut sein wird, wie die Energie, die sie antreibt und es eben dann doch keine lebenden Organismen sind, wird dabei leicht vergessen. Nun ja. Man sollte vielleicht weniger darauf schauen, was KI ethisch darf, als welche Kultur und Menschenbilder die KI umgeben und welche (und vor allem wessen) Sehnsüchte hier befriedigt werden.

Gut, so weit die kleine Einleitung zu einem Text vom geschätzten Adrian Lobe bei der taz vom 2.3.2026 mit dem Titel „Künstliche Intelligenz macht keine Impulskäufe“. Und da wären wir auch schon bei einem Problem, denn der Konsummarkt lebt genau davon. Das wollen die Anbieter von Konsumartikeln wirklich? Ich bezweifele das. Aber im Artikel geht es vor allem um die Entstehung von sozialen Normen durch KI, wenn sie miteinander agieren.

Digitaler Faschismus

Über die gefährlichen Ideologien der Tech-Blase und ihre Auswirkungen schreibt Rainer Mühlhoff bei Wissenschaft & Frieden. Das Thema ist nicht neu in diesem Blog, aber Rainer Mühlhoff ein interessanter Kollege und die Publikation wichtig und wichtiger denn je in diese Zeiten, wo Krieg zum neuen normal wird und Frieden geradezu subversiv wirkt – auch wenn jeder Krieg selbstverständlich nur dem Frieden dient wenn wir den Putins und seinen Kollgen auf der Welt Glauben schenken würden

Das Ende des freien Intenets?

Neben der Diskussion um Open Access in den Wissenschaften (dazu erscheint in Kürze eine Themenausgabe des Journal kommunikation@gesellschaft) tranportierte das Internet auch immer die Idee freie Informationen, insbsondere was Nachrichten angeht. Das Feld ist lange bereits umkämpft und mit dem Beginn der Kommerzialisierung des Netzes vor 25, vielleicht sogar 30 Jahren steht diese Idee immer schon zur Disposition, wenn sie nicht in Gefahr ist. Freie Zugänge und diese Idee werden im großen Maßstab u.a. von Wikipedia oder der Wayback Machine, dem Archiv des Internet, hoch gehalten. Letzteres scheint nun in Gefahr zu sein, wie The Conversation berichtet.

News sites are locking out the Internet Archive to stop AI crawling. Is the ‘open web’ closing? (5.2.2026)

Dass die freie Zugänglichkeit nicht ganz ohne Dilemmata ist, wird in dem Artikel klar. Ob aber die kommerzielle Schließung die Lösung sein wird, die dann die „freien“ sozialen Medien mit den vermeintlichen News für alle noch mehr zu den allverfügbaren Quellen von wenn schon nicht sklavisch „obhektiver“, vor allem aber faktenbasierter Berichterstattung machen würde, ist eine genauere Betrachtung wert. Muss es sein, die Ergebnisse dessen sieht man bereits jetzt.

Sehr passend dazu findet im September die Tagung Tagung „Utopien und Dystopien der digitalen Gesellschaft: 30 Jahre Forschung zu computervermittelter Kommunikation“ zusammen mit dem Weizenbaum-Institut statt.

Dystopie und Utopie – systemabhängig?

Auf Golem fragt sich Tim Reinboth, ob es nicht seltsam seie, „dass Science-Fiction-Klassiker aus dem kapitalistischen Westen meistens Dystopien sind, während sozialistische Autoren eher Utopien erträumten?“.

Wo die Utopien wachsen, Golem 27.12.2025

Und die Frage scheint bereichtigt, aber die Antwort nicht so klar, wie es scheinen möchte. Und weitergedacht ließe sich durchaus darüber nachdenken, was die gegenwärtige Welt einen für Zukunftsvorstellungen bereithalten lässt – angesichts der technofaschistischen Ideen und vermeintlichen Utopien von besseren Welten so ganz ohne Menschen bzw. diese nur als Bioware für die selbstdenkenden KI und ihre selbsternannten Herrscher. Utopie für die einen, Knechtschaft für alle anderen? Hatten wir alles schon, scheint aber weiterhin ansprechend zu sein, zumindest als hyperkapitalistische Idee.

Der Untertitel des erwähnten Beitrages „Die Zukunftsvisionen der Ost- und West-Science-Fiction waren vielseitiger als eine Geschichte von zwei Systemen.“ kann so auch für die aktuelle Situation gelesen werden – es bleibt vielseitig (nicht nur komplex…..).

Der Zustand der urbanen Sicherheit

Im ständig fortgeschriebenen Dossier „Innere Sicherheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde im Dezember 2025 ein Beitrag zur Urbanen Sicherheit veröffentlicht. Autor ist der Wuppertaler Kollege Tim Lukas.

Dass das Dossier mit dem obligaten Bild einer Überwachungskamera versehen ist, ist nicht unbedingt zwingend, aber so wird dieses Thema eben auch gesehen. Die Beiträge darin sind dann allerdings doch sehr vielfältig zu Polizei, Kriminalität, Sicherheitsbegriff und vieles dazwischen und daneben.

ps. Videoüberwachung kommt als eigener Beitrag übrigens nur in einem älteren Text von 2012 vor, in dem es dann hauptsächlich um TKÜ geht, nicht um Kameras.

AI is all around

Man und frau muss nicht technophob sein, um kritisch über AI nachzudenken. Gerade mit einem Faible für Technik scheint es mir, ist das genaue Hinsehen auf die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wichtiger denn je. Insbesondere, und hier vor allem meinem Interesse geschuldet, wenn es um die symbolischen Bedeutungen der Technologie(n) geht, die mit dem Kürzel KI/AI verbunden sind –und nicht selten einfach ein Verkaufsargument darstellen, denn irgendeinen Mehrwert in der Praxis für irgendwen oder gar die Gesellschaft als Ganzes haben. Der Begriff wird dann recht schnell recht leer und beliebig. Die Beschreibung, die mein geschätzter Kollege David Murakami Wood für AI, gefunden hat, finde ich dabei noch immer sehr auf den Punkt:

In other words, they produce patterns, which sometimes (increasingly frequently) appear good enough to fool pattern-recognizing brains like our own. 

Der Traum vom Übermenschen

Einen Post über die so genannten Enhanced Games, bei denen Doping frei gegeben ist und von den Tech-Bros auf ihrer Suche nach dem Übermenschen untersützt wird, wollte ich schon länger machen, jetzt komme ich dazu. Die Spiele sind zwar noch ein Jahr weit weg, aber momentan zumindest spricht keiner mehr darüber. Hier eine kleine Auswahl an Berichten und Einschätzungen dazu (weitere Artikel sind in den Beiträgen verlinkt):

Palantir und das Überwachungsimperium

Der Titel hat es schon in sich, da konnte ich nicht dran vorbeisehen. Dass der Artikel wieder Mal mit einem Augen-Icon bebildert ist, passt hier vielleicht sogar besser als bei vielen anderen Artikeln zum Thema.

Das Überwachungsimperium. Wie sich die deutsche Polizei von Peter Thiels Palantir-Software abhängig macht, Autorin Sonja Peteranderl in Blätter für deutsche und internationale Politik, August 2025.

Ob alle deutschen Polizei- und Innenbehörden sich dem verschließen, also diese Software nicht installieren und nutzen, bleibt abzuwarten. Einige tun es, einige nicht. Die Informationslage zur Software und den Hintergründen ihres Miteigentümers Peter Thiel ist nicht zu übersehen. Das aber hat die Securokraten noch nie abgehalten, unsinnige und gefährliche Dinge zu kaufen oder umzusetzen.