Category: Kommentar

Was ist eigentlich diese Digitalisierung?

Diese Recherche und Analyse von Bianca Kastl hat sie die Webseiten der Ministerien und Behörden durchforstet, die sich mit Digitalisierung auf Landes- bzw. Bundesebene befassen. Die Analyse zeigt, u.a. mit sehr anschaulichen Bildern der Bubbles (wörtlich und bildlich zu verstehen), worüber da so genau gesprochen wird. Es ist ja immerhin ein Zukunftsthema, auch wenn die Zukunft seit 25 Jahren begonnen hat (wenn man großzügig rechnet, sonst länger), aber manches in der Politik und vor allem in der Verwaltung braucht halt länger.

Die Recherche sind auch ohne großen Kommentar so gut und bemerkenswert, dass ich hier nicht auf den Hinweis verzichten wollte.

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Verwildert das Internet!!

Man könnte sich durchaus fragen, was dieses Thema und das im Aufsatz geforderte Verwildern des Internet mit Überwachung und Kontrolle zu tun hat. Eigentlich alles. Geht es doch um die Kontrolle des Netzes durch die Kommerzialisierung, den Drang eine kommodifizierte Ordnung zu errichten, mit der die großen Tech-Firmen (Giganten?), vor allem die Marktförmigkeit und somit ihren Profit garantieren wollen. So klar ausgesprochen würden wir Internetnutzer das ja nicht wollen, daher wird es als Konsumspaß verbrämt annehmbar gemacht – wie ich ausführlich in Überwachen und Konsumieren ausgeführt habe.

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Das Gehirn als Vorhersageinstrument

In dem Artikel “Is the Human Brain a Prediction Machine?” aus der März-Ausgabe des Magazins Reason, ein US-amerkanisches libertäres Journal, werden die Thesen des Philosophen Andy Clark vorgestellt und ein wenig darüber nachgedacht. Der Autor Brian L. Keeley, ebenfalls Philosoph, kann der Idee einiges abgewinnen, insgesamt für ihn eine “aktualisierte Version einer theory of mind.

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Der Nicht-Skandal des Doping

Seit dem 17. Januar 2024 ist der bereits 2019 erschienene Sammelband “Kritik des Anti-Doping” als open access verfügbar. Sind die da versammelten Beiträge denn immer noch relevant, habe ich mich vor dem Schritt gefragt. Und ja, sind sie. Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung kam der Fall der Läuferin Sara Benfares (DLF, 4.2.2024, relativ umfangreicher Bericht, mit einer Suche lassen sich aber viele Berichte seit Januar und zu ihrer Person auch davor finden). an die mediale Oberfläche. Eine A-Probe war positiv, sie wurde gesperrt, die Medien berichteten, ziemlich unfangreich. Das übliche Geraune, Beteuerungen, Gegendarstellungen, Sperren, moralisierende Statements. Soweit, so üblich. Ein Skandal – oder eigentlich nicht, den das Kontrollsystem hatte seine Arbeit gemacht, eine Sünderin ausgemacht und nun geht es nach den Regeln der NADA und der Verbände weiter. Warum also darüber noch mehr Worte verschwenden. Sie hat doch Schuld, oder?

Keine Auskunft für Wissenschaftler:innen

Kriminologische For­sche­r:in­nen haben in der Regel ein Zeugnisverweigerungsrecht über ihre Gespräche mit Straftäter:innen. Das entschied jetzt das Bundesverfassungsgericht und verwies auf die Wissenschaftsfreiheit.

taz, 20.10.2023, siehe auch tagesschau.de

Nichts sagen zu dürfen oder gar zu müssen, ist das Privileg einiger Berufgruppen, u.a. von Journalist:innen. Und jetzt auch für Wissenschaftler:innen – zumindest vom Prinzip her, wenn auch nicht im Gesetz so festgeschrieben.

Nichts sagen zu müssen, ist auch eine Möglichkeit sich der Überwachung zu entziehen bzw. diese als illegal zu kennzeichnen. Das ist gut so.

Und es sollte nicht nur für Kriminolog:innen gelten, wie im diesem Fall, sondern generell für alle – auch wenn es nicht für alle wichtig ist in ihrer Forschung, aber auch jeden Fall für mehr Leute als nur Kriminolog:innen, die in Gefängnissen forschen und dann auch noch mit dem IS zu tun haben. Es ist generell gut, denn gerade für qualitative Forscher ist es wichtig in prekären Bereichen den Gesprächspartnern diese Zusicherung machen zu können, neben den ohnehin vorgesehenen eigenen Vorkehrungen der Datensicherung und Anonymisierung, die für die Forschung gelten und eingehalten werden sollten.

Urbane Utopien, private Städte

Die Artikel des sehr geschätzten Kollegen Adrian Lobe, heute zumeist in der taz, sind immer wieder lesenswert und für diesen Blog fast immer auch eine Erwähnung wert. Ist ja auch kein Zufall, dass er vor ein paar Jahren den Journalistenpreis hier gewonnen hat.

Der letzte Artikel von ihm mit dem Titel “Die Superreichen proben den Auszug” regt im Zusammenhang mit Überwachung, Überwachungs/Digital-Kapitalismus sowie den Goldgräbern des digitalen Zeitalters (oder könnte man sie auch “Digital Robber Barons nennen?) zum Nachdenken an. In Überwachen und Konsumieren habe ich zur Idee einer Stadt und ihren Möglichkeiten der totalen Kontrolle des Alltags dazu ein paar Bemerkungen gemacht. Man könnte und sollte das auf jeden Fall weiterdenken und vor allem raum- und stadtsoziologisch näher betrachten.

Die Verdachtsmachine

Die bekannten Vorwürfe gegen Algorithmen und KI, dass sie aufgrund ihrer Trainingsdaten die Einstellungen und Kategorisierungen vornehmen würden (und so rassistisch oder anders diskriminierend sein können, vgl. “Can a machine be racist?” The Conversation 6.3.2023), die auch die sie umgebende Gesellschaft hat und lebt, werden in den Artikeln und Berichten zu dem Thema immer wieder erzählt. Das ist, wenn man sich viel damit beschäftigt, etwas langweilig, aber nie unbedeutend.

Wired hat eine sehr schönen Zugang dazu gefunden, neben einer ästhetisch charmanten Webseite. Der Bericht Inside the Suspicion Machine betrachtet die Kategorisierungen unter dem Aspekt des Verdachts – einem Aspekt sozialem Phänomen, das viel zu wenig thematisiert wird. Wir sprechen immer von den Werbewirkungen, die Kategorisierungen und anhängenden Diskriminierungen, aber selten vom Verdacht. Ich finde zu Unrecht, denn die Figur des Verdachts kann die Argumente nochmal anders einordnen und bewusst machen, worum es bei den Kategorien auch gehen kann und welche Vorstellungen und hierarchischen Vorstellungen möglicherweise hinter KI steht – die alles andere als neutral ist, sondern ja gerade ein Symbol und eine Projektionsfläche für Utopien und Wünsche (auch krude) ist.

Inside the Suspicion Machine. Obscure government algorithms are making life-changing decisions about millions of people around the world. Here, for the first time, we reveal how one of these systems works. Wired, 6.3.2023

Digitaler Konsum, reale Ausbeutung

Dass Lieferdienste aus arbeitsrechtlichen Gesichtspunkten und gewerkschaftlicher Perspektive nicht ideal sind, ist bekannt. Dass sie App-gesteuert auch Teil der Plattformen und somit eines digitalen Kapitalismus oder Überwachungskapitalismus sind, nicht neu. Sowohl hier in Deutschland als auch in anderen Ländern wird gestreikt, gestritten und berichtet, z.B. Deutschlandfunk, 22.4.2022: Gorillas, Lieferando und Co.Neue Arbeitswelt, altes Arbeitsrecht.

Die Washington Post hat bereits im Mai 2023 einen Bericht gebracht, in dem die Journalisten geschaut haben, was wo bei wem und wieviel hängen bleibt in der Kapitalkette: We ordered over $100 of delivery. Here’s how much the restaurants, drivers and apps made.

Nicht erstaunlich, bleibt am Ende dieser Subunternehmer-Kaskade nicht viel übrig. Am Ende erhalten die Plattformen Geld für fast nichts, während Restaurants sowie die Rider und andere Kuriere hart für wenig arbeiten müssen. Zusätzlich werden sie überwacht – auch das Teil der Strategie, genauso wie das Abgreifen der Kundendaten über die Apps.

Wie Lieferdienste als Wirtschaftsfeld funktionieren, lässt sich in einer Folge von Ist das eine Blase dem Wirtschaftspodcast bei Zeit.de nachhören. Nicht viel Neues, aber mit der Beteiligung von Verantwortlichen solcher Lieferdienste hier in Deutschland.

Dem Überwachungskapitalismus trotzen

Markus Beckedahl hat bei NDR Kultur bereits Ende Januar ein kleines Essay in der Reihe Gedanken zur Zeit veröffentlicht, mit dem Titel: Wie man Elon Musk und dem Überwachungs-Kapitalismus trotzt.

Da ist für Leser:innen dieses Blogs nicht so viel überraschendes drin, aber für die Hörer von NDR Kultur wohl doch das eine oder andere. Interessant finde ich vor allem seine Bemerkung zum Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk und seiner Rolle in diesem System und für die Zukunft:

  • Auch stellt sich die Frage, ob die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten im Fediverse eine größere und staatsferne Rolle spielen könnten. Eine Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Mitte des 21. Jahrhunderts sollte auch darin bestehen, gemeinwohlorientierte Medieninfrastrukturen zu finanzieren und zu betreiben, die gerade nicht dem Überwachungskapitalismus unterliegen. Damit wir demokratischere Öffentlichkeiten schaffen, die anders funktionieren.

McLuhan und Überwachung

Das folgende Video ist ein Fundstück, das mir auf Twitter begegnete. Es enthält ein paar interessante Gedanken zum Thema Überwachung und Identität. Wenn man die vielleicht zeitgenössisch gefärbten und nicht von einem Anthropologenm gemachten Bemerkungen zu “tribal societies” als solche betrachtet, ist der Rest überraschend aktuell.

Man könnte “tribal” auch anders lesen, als er es gemeint zu haben scheint, nämlich also den Drang zu essentialisieren, hin zu identiärer Politik, zu Engstirnigkeit, die (eine kulturelle?) Identität als das einzig Verbindende und wichtige betrachtet. Das hat mit der Organisation von einst als “Stammesgesellschaften” benannten segmentären, akephalen Gesellschaften nichts im Sinne eines Kerns von Identität zu tun. Daher hier nicht so genau hinhören…..

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Surveillance Studies-Preis macht Pause

Interessierte haben es wahrscheinlich schon bemerkt: Es gibt noch keine Ausschreibung für den Surveillance Studies-Preis für 2023. Der einfache Grund dafür ist, das wir eine Pause machen, aber nicht aufhören werden.

Nicht zuletzt Corona hat vor allem mir, der ich für die Organisation des Preises verantwortlich bin, mehr oder weniger allein – also Auschreibung, Jury finden, Beiträge sichten und ordnen, die Jury organisieren und letztlich dann auch die entsprechende Korrespondenz führen – meine Grenzen aufgezeigt. So wie der Preis aufgestellt ist, wollte ich es nicht weitermachen. Es muss sich etwas ändern, damit er bleiben kann.