Kategorie: Künstliche Intelligenz

Datenopfer und ein dritter Weg zur KI?

Womit ich schon bei einem aktuellen Beispiel bin, wiederum AI, jetzt mit lokalem Kontext und dem Vorschlag eine „third way“ –was das genau ist, muss ich erst noch rausfinden. Der Autor ist jedoch ein sehr netter Kollege, daher hier der Tipp:

Knopp, P. Data sacrifices and the ‘third way’ toward AI: justification and critique in local conflicts over automated surveillance. AI & Soc (2026). https://doi.org/10.1007/s00146-026-03075-w

Kolonisierung der Zukunft, Steuerung der Imagination.

Dieses im Titel sehr verkürzte Zitat aus einem Text von Felix Stalder klingt nicht nur verlockend für eine Überschrift, sondern bringt verschiedene Problematiken von KI auf den Punkt. Er führt das in dem unten verlinkten Artikel genauer aus – lesenswert. Warum ein Eintrag hier im Blog? Weil Überwachung nicht nur das Beobachten, nicht ausschließlich über das Aufzeichnen von Daten und Nachverfolgbarkeit von Handlungen, Aktionen etc. stattfindet, sondern auch über Steuerungsprozesse. Die Überwachung vor dem Fakt, die Prädiktion, die Vorhersage ist Teil der Überwachung, z.B. um bestimmtes Verhalten gleich von vornherein auszuschließen. Die Abweichung wird vermieden, bevor sie passiert (vgl. dazu u.a. Zurawski: Welt ohne Abweichung? Soziale Kontrolle, Konsum und der digitalisierte Alltag. In Soziale Probleme, Nr. 2/2023, Bd 34.)

Das vollständige Zitat lautet dann auch wie folgt:

Die politische Wirkung dieser Bilder im öffentlichen Diskurs ist die Kolonisierung der Zukunft durch die Steuerung der Imagination.

Religion, Überwachung und auch KI

Die Kollegin Anna-Verena Nosthoff hat in einem taz-Artikel vom 17.6., also vor wenigen Wochen etwas zur Religiosität von KI geschrieben: Willkommen in der KI-rche?. Die Verbindung von Technik und Religion ist nicht neu, die Kritik daran deutlich und sehr elaboriert, umso erstaunlicher, dass die Narrative, die diese Verbindungen immer wieder evozieren immer wiederkommen bzw nie ganz weg sind – auch hier im Blog habe ich dazu schonmal ein paar Quellen und Kommentare zusammengetragen.

Die Verheißungen von Technologie, die goldene Zukunft sind nicht nur PR-Sprech von Politiker:innen, sondern technischen Entwicklungen, insbesondere informatischen inherent und begleiten diese seit jeher. Anna-Verena Nosthoff arbeitet das ganz gut heraus, wenn sie aufzeigt, wie diese Versprechungen, gepaart mit apokalyptischen Zukünften immer wieder im Rauschen der sozialen Medien rausgehauen werden.

Konsum, KI und J.G. Ballard

Es war ein LinkedIn-Beitrag von Adrienne Fichter, einer Schweizer Journalistin, die mich drauf gebracht hat. In dem Beitrag ging es um eine weitere Kollegin und ihren Beitrag auf der re:publica, in dem diese sagt, dass KI unsere Probleme nicht lösen wird. Ein Zitat von Fichter ist mir dabei aufgefallen:

„Und: Hao zeigt auf: Technologiegestaltung ist immer eine Folge von Entscheidungen, von Individuen, von Gruppen, von Konflikten, von Machtkämpfen und Machtspielen…“

Kameras, KI und ob’s was hilft

Im Interview bei netzpolik.org beantworten die Kollegen Philipp Knopp und Fabian de Hair Fragen zu ihren Ergebnissen aus dem Projekt zu den KI-gestützten Kameras am Hamburger Hansaplatz, in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofes. Nicht verwunderlich finde ich, dass der Effekt der Kameras, also Prävention oder gar direktes Einschreiten eher gering ist, dafür das Material sehr gut zum Trainieren der KI eingesetzt werden kann und offensichtlich auch wird. Die erst kommende Überwachung und der ewige Traum von der Polizei-Technologie zur Beherrschung des öffentlichen Raums. Kameras können, sollen, machen … wenig davon hat empirische Evidenz, auch wenn die selbstgemachten Evaluationen immer ein positives Ergebnis bescheinigen. Ein Link in den (teilweise dürftigen) Kommentaren verweist auf interessante Einschätzungen https://marx.wtf/2024/12/24/der-hansaplatz-versuch-war-kein-erfolg/

Menschen, die für KI arbeiten

KI nimmt die Arbeitsplätze weg – es scheint viel eher so zu sein, dass KI jede Menge Menschen braucht um zu lernen, zu funktionieren und künstliche zu erscheinen, wie dieser Artikel bei Brand Eins mutmaßt.

Die unsichtbare Belegschaft (2026). Die KI, die angeblich unsere Jobs übernimmt, braucht Millionen von Menschen, die für sie arbeiten. Und die meisten davon wissen es nicht einmal.

Das ist jetzt nicht superneu und es gibt dazu eine Menge an Berichten, da ich aber gerade von Berit Glanz Rman „Automaton“ geschrieben habe, erschien es mir doch passend, das hier auch zu verlinken. Die Clickworker sind ja auch schon Thema von Filmen geworden, unser dazu tun, der KI zu helfen ist ebenfalls gut beschrieben. Dazu passt auch der Artikel von Wolf Lotter aus der taz vom 1.4.2026. Er beschreibt dort die „künstliche Intelligenz“ als ein Trick der Extraklasse – Digital Erwachsen: Die digitale Transformation ist ein Werkzeug zum Machterhalt und zum Diebstahl von Kreativität, meint Wolf Lotter. Eigentlich zieht die alte Industriewelt in den Computer um. Zeit für Emanzipation.

Klar, die Technologie ist schon beeindruckend, ihre Folgen gewaltig, aber dennoch ist der Hype, die Hoffnungen und die symbolischen Bedeutungen eben auch immer einen Blick wert. Das versprochene Paradies und die pubertäre Weltherrschaftsfantasien der Tech-Bros liegen eben nach beieinander, wobei letztere vor allem an dem Geld, weniger an der Innovation interssiert sind, wie Karl Bode in dem sehr hörenswerten Podcast „Tech won’t safe us“ in der Folge vom 23.4.2026 sehr kenntnisreich ausführt.

Das Eliza-Project

Eliza hieß bekanntlich der erste Chatbot, entwickelt von Joseph Weizenbaum. Auf der Mailing-Liste AOIR-L haben ein paar der Nutzer dort verschiedene Links dazu gepostet, ein eher nerdiges Thema, das aber auch hier einen guten Blogeintrag macht: Das Eliza-Project

Bild: https://sites.google.com/view/elizaarchaeology/home

Die in dem Thread ebenfalls erwähnten Klone von Eliza sind hier zu finden: https://sites.google.com/view/elizagen-org/eliza-clones. Das alles hat viel mit der Geschichte des Internet zu tun, die eben nicht nur technisch zu sehen ist. Ein in dem Thread erwähnter ARtikel kann hierzu Auskunft geben.

Jones, Steve, & Latzko-Toth, Guillaume. (2017). Out from the PLATO cave: uncovering the pre-Internet history of social computing. Internet Histories, 1(1–2), 60–69. https://doi.org/10.1080/24701475.2017.1307544 (wenn ihr nicht dran kommt, gern eine Email an mich)

Um den ganzen Verlauf des Gespräches zu lesen, müsst ihr ins Archiv der Mailingliste gehen, Adresse oben, erstes Posting war am 29.4.2026) Viel Spaß

KI als Kolonialismus

Und einen Tipp noch heute, auch wenn ich zu doof bin, das Video aus der ARD-Mediathek dazu einzubinden, hier also per Link: NANO Talk: Neuer Kolonialismus – Kampf um Macht in neuen Sphären

Der Kolonialismus von heute wütet auch im Internet, in der Tiefsee und im Weltall. Wie dabei dieselben Mechanismen wie früher greifen, darüber diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.

U.a. als Gäste dabei, Lena Ulbricht, Rainer Mühlhoff und andere. Eine lohnenswerte Diskussionsrunde, mit echtem Mehrwert.

Palantir als Weltmacht?

Palantir ist in aller Munde. Dabei sind seine Software und die Absichten schon länger bekannt. Aber seit einem Jahr oder sogeht es steilt, auch und nicht zuletzt, weil es immer weniger verhüllt, welche kruden Ideen sich bei den Lenkern finden lassen. Was so klingt wie aus Science-Fiction-Heftchen und Blockbustern dystopischer Omnipräsenzfantasien zusammengesponnen, ist real und bei der Power, die dahinter steht, auch eine reale Bedrohung. Heise hat dazu einen kleinen Artikel veröffentlicht, in dem gefragt wird, ob und wie sich Palantir anschickt anstelle eines Staates agieren zu wollen.

Es ist eher kein Zufall, dass mich das an die Tyrell Corporation aus Blade Runner erinnert. Unternehmen als Staat. Technologie als Staatsräson: Was Palantir mit seinem Manifest bezweckt, 26.4.2026. Dazu passt auch der Text von Markus Beckedahl zur Entkernung der Demokratie in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Die Entkernung der Demokratie. Wie wir die digitale Öffentlichkeit vor den Oligarchen retten können, 9/2025.

Anmerken möchte ich, dass dieses Thema eher nichts mit KI zu tun hat. Aber es dennoch der zweite Themenbereich ist, in dem Überwachung zunehmen zu finden ist. KI ist der andere. Über den Wandel der Diskurse und wie und was Überwachung eigentlich ist und welche öffentliche Rahmung des hat, denke ich gerade nach und schreibe in Kürze hier auch mal etwas dazu…