Category: Kultur/Kunst

Dystopie und Utopie – systemabhängig?

Auf Golem fragt sich Tim Reinboth, ob es nicht seltsam seie, “dass Science-Fiction-Klassiker aus dem kapitalistischen Westen meistens Dystopien sind, während sozialistische Autoren eher Utopien erträumten?”.

Wo die Utopien wachsen, Golem 27.12.2025

Und die Frage scheint bereichtigt, aber die Antwort nicht so klar, wie es scheinen möchte. Und weitergedacht ließe sich durchaus darüber nachdenken, was die gegenwärtige Welt einen für Zukunftsvorstellungen bereithalten lässt – angesichts der technofaschistischen Ideen und vermeintlichen Utopien von besseren Welten so ganz ohne Menschen bzw. diese nur als Bioware für die selbstdenkenden KI und ihre selbsternannten Herrscher. Utopie für die einen, Knechtschaft für alle anderen? Hatten wir alles schon, scheint aber weiterhin ansprechend zu sein, zumindest als hyperkapitalistische Idee.

Der Untertitel des erwähnten Beitrages “Die Zukunftsvisionen der Ost- und West-Science-Fiction waren vielseitiger als eine Geschichte von zwei Systemen.” kann so auch für die aktuelle Situation gelesen werden – es bleibt vielseitig (nicht nur komplex…..).

Aktenzeichen – die Suche nach der Devianz

Eine Doku zu der SendungAktenzeichen XY ungelöst, die viele Aspekte berührt, die wir hier im Blog auch immer mal wieder besprechen. Ich bin erst gerade drauf aufmerksam geworden, daher hier auch erst jetzt.

Dazu sei als Lesestoff diese beiden Texte von David Gugerli empfohlen

Beide Aufsätze hören waren vor seinem Buch “Suchmaschinen. Die Welt als Datenbank”, erschienen, in dem es auch ein Kapitel zur Sendung gibt. 2009, FfM: edition unseld SV. Die hier verlinkten Texte scheinen Vorstudien oder Ideen dazu gewesen zu sein. Auf jeden Fall eine Lektüre wert.

American dystopia und Popkultur-Memes

Science Fiction und dytopische Literatur und Filme gibt es viele, einige davon epochal gut und wegweisen, nicht nur 1984. Dieser Skeet bei Bluesky zeigt mit ein paar Memes wie vergangene Vorstellungen über die Zukunft gerade in der Gegenwart ankommen, absurder, als man sich das hätte vorstellen können. Ich bin kein Literaturwissenschaftler, aber es scheint aus soziologischer Sicht, dass manches bereits angelegt war in der Gegenwart ihrer Entstehung, das nur extrapoliert, nicht neu erfunden werden musste, um dystopische Zukünfte zu erdenken. Schwierig nicht vollkommen den Kopf oder die Übersicht oder den Verstand (und die Zuversicht) zu verlieren.

LSD, Hippies, Computer und die Welt von heute

We create tools, then we mould ourselves to our use of them” JZ Young zitiert* im Film The Net – the Unabomber, LSD and the Internet | Lutz Dammbeck [2003]

Der Film folgt den Spuren der Kybernetiker, den Hippies, dem Internet und warum Ted Kaczynski der Unabomber wurde. Hier liegen einige interessante Hintergründe für den Aufstieg der Ideen des Silicon Valleys… Ich bekam den Tipp von einem Zuschauer bei der Weizenbaum-Veranstaltung gestern, daher teile ich das hier gern. Es passt in das fortgeführte Bild und die Einträge zum Silicon Valley und der Technoelite, wie wir sie heute erleben….

*Zitiert von John Brockman, von dem inzwischen Verbindungen mit Jeffrey Epstein bekannt sind, die für dieses Zitat keine Rolle spielen. 

Palantir – Film und Analyse

Ein weiteres Posting aus der Abteilung Silicon Valleys Techno-Faschisten

Am 13.2. gab es im Weizenbaum-institut eine Vorführung des Films Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp von Regisseur Klaus Stern, der auch anwesend war. Ein kleiner Trailer als Appetiizer hier schon mal:

Klaus Stern: Watching You, 2024

Nach dem Film gab es auf der gut besuchten Veranstaltung eine Diskussion mit dem Regisseur, mit Constanze Kurz (CCC / netzpolitik.org, 3 Fragen an CK bei Weizenbaum), Lena Ulbricht (Weizenbaum-Institut / Universität Hildesheim) und Simon Egbert (Universität Bielefeld). Dass hier kein Fanclub von Palantir saß, war klar, das hatte das Publikum auch nicht erwartet und so gab es spannende Information zu den Hintergründen des Film, der Verfassungsklagen gegen die Nutzung der Software durch deutsche Polizeibehörden (wozu es auch schon ein erfreuliches Urteil gibt), sowie zu Forschungen zu dem Thema von Simon und Lena.

Stasi, Staat, Überwachung

Eher per Zufall bin ich in einer Buchhandlung in Greifswald auf dieses Buch hier gestoßen: Der Freund. Im Visier der Stasi, von Peter Volkmann. Ein Roman, halb autobiografisch, der sehr beklemmend die Geschichte der Repression, der Überwachung, der perfiden Macht des DDR-Regimes, der Stasi und der Vergiftung einer ganzen Gesellschaft beschreibt. Lesenswert, nicht immer angenehm.

Hier ein Interview mit dem Autor bei DeutschlandFunk Kultur vom 5.11.2024: Wenn der Freund ein Stasi-Spitzel ist.

Und dann noch: Nein!

und weil es gerade an der Zeit ist, nutze ich diesen Blog, der sonst eher sehr thematisch gehalten ist, für diese Botschaft: Sage nein! Das Video ist schon älter, der Song noch mal mehr, aber die Zeit ist eben nicht vorbei und momentan ist es wichtig und höchste Zeit!

Und letztlich hat auch Überwachung viel mit dem Faschismus zu tun, den wir in den USA gerade am Werke sehen und der auch hierzulande in die Hirne, Herzen und vor allem in die Parlamente kriecht. In diesem Sinne: Sage nein!!

50 Jahre: The Conversation

Filmfreaks und Surveillance-Nerds werden den Film kennen: The Conversation, deutsch: Der Dialog, von Francis Ford Coppola. Ein Film aus dem Herz Amerikas in Zeiten von Watergate und allgemeiner Paranoia. Zum 50. Jubiliäum gibt es dazu jetzt einen Roundtable mit Experten.

50 years after The Conversation: A Virtual Roundtable on a Watergate Thriller in the Age of Snowden

Das ganze findet statt am 14. Novmber um 0.00 Uhr deutscher Zeit, also in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (orig. 13th November at 5pm CST). Man muss sich anmelden, kann dem dann aber per ZOOM folgen. Ich werde dabei sein und freue mich schon drauf. Man muss sich anmelden!!

ps. In Enemy of State von 1998 (Tony Scott, mit Will Smith) wird eine der Schlüsselszenen fast bildgenau nachgestellt, für alle deren Filmherz bei so etwas jubelt…

Joseph Weizenbaum, Ausstellung

Ich bin gerade in Berlin als Fellow des Weizenbaum-Instituts. Aus diesem Anlass hier der Hinweis auf eine digitale Ausstellung zum Namensgeber.

Pionier, Skeptiker, Aktivist: Wendepunkte im Leben von Joseph Weizenbaum

Weizenbaum war aber nicht nur der Kritiker und Dissident der Informatik, als der er in seiner zweiten Lebenshälfte bekannt geworden ist. Er war auch ein Insider der Computerwissenschaft, der als Professor am MIT an einer der renommiertesten Universitäten der USA tätig war und mit ELIZA einen der ersten Chatbots entwickelt hat.

Fotos aus dem WI in Berlin, Fotos: © Nils Zurawski