Category: Videoüberwachung / CCTV / BodyCams

Gesichtserkennung doch mit Bias?

Die Vermtung, dass Gesichtserkennung diskriminierend wirkt, ist so alt, wie die Technik. Jetzt hat der geschätzte Kollege Pete Fussey (der “Expert” in dem Artikel) der MET Police widersprochen, dass eine Studie mit dieser Annahme aufräumen soll: Expert rejects Met police claim that study backs bias-free live facial recognition use, Guardian 23.8.2025

Vor allem geht es bei der Kritik um die Größe des Samples in der besagten Studie – ein nicht seltenes Problem bei Evaluationen, auch, aber nicht nur bei der Polizei. Was hier vor allem diskutiert wird, ist die Sicht auf wissenschaftliche Ergebnisse, bei denen Statistiken eine Rolle spielen, aber eben auch Wünsche und Hoffnungen an Technik, die letztlich auch Wundermittel sein sollen, um meistens soziale Problem zu lösen.

Überwachung zum Wohle aller

Das ist ja kein ganz neues Versprechen, aber einer der Tech-Millardäre glaubt halt auch jetzt und wieder dran. Zu Recht? Eher nein, auch wenn aus seiner Sicht das ganz bestimmt Sinn ergibt.

Larry Ellison predicts rise of the modern surveillance state where ‘citizens will be on their best behavior’. (Fortune 17.9.2024) Ob man immer darauf hören soll, was diese Menschen so voraussehen – ich denke nicht, aber Geld und damit verbundene Macht suggeriert nicht nur jetzt Weisheit, auf die es zu hören gelte. Was ein Unsinn. Auch wenn diese Leute mit ihrem Geld leider in der Lage sind, die technologischen Voraussetzungen für solche Systeme zu schaffen – und dann auch noch Geld daran verdienen.

Die Polizei und der Überwachungsstaat

Das neue Bundespolizeigesetz enthält eigentlich nicht viel Neues. Es vereint viele Vorstellungen der letzten Jahre, was zumindest die technischen Möglichkeiten angeht, die nun auch rechtlich abgesichert werden, um eingesetzt zu werden. Ich hoffe, da wird dann doch noch einiges vor Gerichten gestoppt, aber wenn ich mir die letzten 25 Jahre so anschaue, dann hat der feuchte Traum der Sekurokraten sich davon nicht aufhalten lassen.

Auch wenn es nicht beruhigend ist, wenn wir damit nicht allein sind, hier ein Beispiel wie Überwachungstechnologien an den Grenzen (The American Prospect, 5.8.2025) getestet werden – gegen die Migranten, die vermeintliche Bedrohung aller heimischen Ordnung – langsam und stetig nach innen kriechen. Auch das ist hierzulande zu sehen und keine Seltenheit. Nichts was mal getestet wird, verschwindet so einfach, egal ob es wirksam ist oder nicht.

Kameras überall!

Wir alle haben zumindest kurz über den KissCam-Vorfall beim Coldplay-Konzert in den USA gelacht oder geschmunzelt. Die Memes dazu sind auch durchaus lustig – aber es zeigt sich hier auch ein Aspekt allgegenwärtiger Kameras, verbunden mit den omnipräsenten Smartphones sowie der sofortigen Auswertung (oder sollte man besser von Ausschlachtung sprechen?) so mancher SocialMedia-Plattformen bzw. der diversen Accounts von fast jedem von uns.

Erfüllt das schon die Definition von Überwachung, schwierig. Auf jeden Fall zeigt es eine Art schrankenloser Sichtbarkeit und dem Verlust von beschränkt öffentlichen Orten, wie ein Stadion eines mal gewesen ist. Da alles immer online ist gibt es diese Art der Rückzugsräume nicht mehr wirklich, auch wenn man im Stadion nie so richtig privat war, aber eben anonym! Und das ist in der Öffentlichkeit ein Wert an sich, der nach und nach verloren zu gehen droht.

Sehen, gesehen werden – überwachen?

Was wir uns immer schon gedacht haben, das mit der Überwachung ist nicht so gut für uns, vielleicht sogar nicht für unser Gehirn und dessen Funktionen. Wenn immer ein zuguckt, dann verändert es sich. So beschreibt es der Autor dieses Artikels:

,The constant surveillance of modern life could worsen our brain function in ways we don’t fully understand, disturbing studies suggest, in Live Science, 11.5.2025, Autor. Simon Makin.

Aber ist es so einfach? Und was meint der Autor, wenn er von Überwachung (Surveillance) hier spricht und die vielen, sehr interessanten psychologischen Studien zitiert? Der Artikel fängt mit dem Panopticon an und von da an gerät vieles, was Überwachung angeht durcheinander, weswegen ich hier mal ein paar Argumente genauer anschaue um ein paar Dinge zurecht zurücken, die hier, aber auch in vielen populären, häufig medialen Diskursen, aber auch bei meinen Studis oft durcheinander gehen.

Wirken Bodycams? Schwer zu sagen!

Das Thema Bodycams wird immer mal wieder diskutiert, meistens dann, wenn es einen Vorfall mit der Polizei gab und die Dinger aus waren – und damit ein Vorfall undokumentiert geblieben ist. Zuletzt im Fall von Lorenz (NDR 9.5..2025) der in Oldenburg bei einem Einsatz von der Polizei erschossen wurde.

Solche Fälle sind tragisch und haben dann mit der Bodycam auch direkt nichts zu tun, zumindest nicht mit der Frage, ob diese effektiv in ihrer Wirkung sind und wie sie überhaupt wirken können. Die Dokumentationsfunktion ist dabei auf jeden Fall eine wichtige, aber erstmal eine ohne Wirkung, zumindest keine, die diskutiert wird. Damit eine Rechenschaft und Nachvollziehbarkeit von polizeilichen Einsätzen zu bekommen wäre durchaus wünschenswert, umso enttäuschender, wenn nicht einmal bei Schusswaffengebrauch Bilder entstehen. Das könnte durchaus automatisiert mit dem Ziehen der Waffe verbunden werden. Ob es das Ziehen der Waffe verhindern würde, ist damit noch nicht gesagt.

Eyecam – auch eine Zukunft der Überwachung

Es sieht etwas spooky aus, ist aber durchaus konsequent gedacht: die Eyecam.

Rethinking our relation with our digital world

The purpose of this project is to speculate on the past, present and future of technology. We are surrounded by sensing devices. From surveillance camera observing us in the street, Google or Alexa speakers listen to us or webcam in our laptop, constantly looking at us. They are becoming invisible, blending into our daily lives, up to a point where we are unaware of their presence and stop questioning how they looksense, and act. (von der Webseite)

Videoüberwachung reloaded

Mal wieder eine Diskussion zum alten, bisweilen etwas abgegriffenen Thema, Videoüberwachung, insbesondere wenn dabei die Frage im Raum steht “sind Sie für oder gegen Kameras”, “fühlen Sie sich sicher”. Das ist abgegriffen, wissenschaftlich unterkomplex und greift oft zu kurz.

Nun hatte mich der SWR am 8.1. zum Format Mixtalk eingeladen, zu genau diesem Thema mitzudiskutieren. Um es kurz zu machen: Es war wild. Für mich war es die Premiere auf Twitch, der Chat ging steil, dabei auch viele gute Kommentare, die Diskussion war teilweise heißt und kontrovers, insbesondere am Ende, als ich zwei Polizist:innen gegenüber saß, die so richtig nichts neues, dabei aber vieles eher normatives, anekdotisch-evidentes dazu beitrugen, bisweilen auch die Wissenschaft als solche nicht ganz ernst nahmen, u.a. als ich die Broken Windows-Theorie kritisiert habe… nun gut.

Hier gibt es das Video zum nachschauen.

Videoüberwachung, mal wieder

On reloaded oder nur mal wieder etwa zur alten, immer gleichen Debatten zu Videoüberwachung. Aus der Sendung quer, beim Bayrischen Rundfunk, vom 31.10.2024, ein Bericht zu Videoüberwachung mit einem einem spöttischen Unterton (und ein paar Kommentaren von mir): Pfeif’ auf Datenschutz: Bürger für mehr Videoüberwachung, Autor: Stefan Foag.

Und als wäre es abgesprochen, finde ich heute früh diese Nachricht in einem Newsletter: Chicago’s Expensive Camera Network Helps Solve Few Crimes, National Criminal Justice Association, 2.10.2024