Kategorie: Videoüberwachung / CCTV / BodyCams

Kameras und die Sicherheit – mal wieder

Im Dezember fand ein Weizenbaum-Forum zum neuen ASOG in Berlin statt. Da eine der Neuerungen die intelligente Videoüberwachung ist – oder die Möglichkeit dazu – war es letztlich auch eine Diskussion über Kameras. Mit dabei mein lieber Kollege Dietmar Kammerer sowie Jonas Botta. Von jedem von uns gibt es ein einzelnes Video.

Danke an das Weizenbaum-Institut für die Zusammenschnitte und die Veranstaltung überhaupt.

Polizei und immer mehr Befugnisse

… und warum das keine gute Idee ist. In diesem Post auf Bluesky wird deutlich, was auch passieren kann, wenn Polizei oder andere staatliche Sicherheitskräfte zu viele Befugnisse und zu viel Technologie besitzen und diese entsprechend nutzen, auch entgegen ihrer ursprünglichen Intention.

Die Debatte über das Berliner Polizeigesetz (ASOG, hier verschiedene Artikel bei netzpolitik.org) ist genau deshalb wichtig. Wer weiß, welche Polizei wir einmal haben werden, bzw. wer diese für welche Zwecke missbraucht.

ICE has long used the latest spy tech to pursue immigrants — but now it’s also targeting anti-ICE protesters.

Brennan Center (@brennancenter.org) 2025-12-12T20:23:21.002Z

Gesichtserkennung doch mit Bias?

Die Vermtung, dass Gesichtserkennung diskriminierend wirkt, ist so alt, wie die Technik. Jetzt hat der geschätzte Kollege Pete Fussey (der „Expert“ in dem Artikel) der MET Police widersprochen, dass eine Studie mit dieser Annahme aufräumen soll: Expert rejects Met police claim that study backs bias-free live facial recognition use, Guardian 23.8.2025

Vor allem geht es bei der Kritik um die Größe des Samples in der besagten Studie – ein nicht seltenes Problem bei Evaluationen, auch, aber nicht nur bei der Polizei. Was hier vor allem diskutiert wird, ist die Sicht auf wissenschaftliche Ergebnisse, bei denen Statistiken eine Rolle spielen, aber eben auch Wünsche und Hoffnungen an Technik, die letztlich auch Wundermittel sein sollen, um meistens soziale Problem zu lösen.

Überwachung zum Wohle aller

Das ist ja kein ganz neues Versprechen, aber einer der Tech-Millardäre glaubt halt auch jetzt und wieder dran. Zu Recht? Eher nein, auch wenn aus seiner Sicht das ganz bestimmt Sinn ergibt.

Larry Ellison predicts rise of the modern surveillance state where ‘citizens will be on their best behavior’. (Fortune 17.9.2024) Ob man immer darauf hören soll, was diese Menschen so voraussehen – ich denke nicht, aber Geld und damit verbundene Macht suggeriert nicht nur jetzt Weisheit, auf die es zu hören gelte. Was ein Unsinn. Auch wenn diese Leute mit ihrem Geld leider in der Lage sind, die technologischen Voraussetzungen für solche Systeme zu schaffen – und dann auch noch Geld daran verdienen.

Die Polizei und der Überwachungsstaat

Das neue Bundespolizeigesetz enthält eigentlich nicht viel Neues. Es vereint viele Vorstellungen der letzten Jahre, was zumindest die technischen Möglichkeiten angeht, die nun auch rechtlich abgesichert werden, um eingesetzt zu werden. Ich hoffe, da wird dann doch noch einiges vor Gerichten gestoppt, aber wenn ich mir die letzten 25 Jahre so anschaue, dann hat der feuchte Traum der Sekurokraten sich davon nicht aufhalten lassen.

Auch wenn es nicht beruhigend ist, wenn wir damit nicht allein sind, hier ein Beispiel wie Überwachungstechnologien an den Grenzen (The American Prospect, 5.8.2025) getestet werden – gegen die Migranten, die vermeintliche Bedrohung aller heimischen Ordnung – langsam und stetig nach innen kriechen. Auch das ist hierzulande zu sehen und keine Seltenheit. Nichts was mal getestet wird, verschwindet so einfach, egal ob es wirksam ist oder nicht.

Kameras überall!

Wir alle haben zumindest kurz über den KissCam-Vorfall beim Coldplay-Konzert in den USA gelacht oder geschmunzelt. Die Memes dazu sind auch durchaus lustig – aber es zeigt sich hier auch ein Aspekt allgegenwärtiger Kameras, verbunden mit den omnipräsenten Smartphones sowie der sofortigen Auswertung (oder sollte man besser von Ausschlachtung sprechen?) so mancher SocialMedia-Plattformen bzw. der diversen Accounts von fast jedem von uns.

Erfüllt das schon die Definition von Überwachung, schwierig. Auf jeden Fall zeigt es eine Art schrankenloser Sichtbarkeit und dem Verlust von beschränkt öffentlichen Orten, wie ein Stadion eines mal gewesen ist. Da alles immer online ist gibt es diese Art der Rückzugsräume nicht mehr wirklich, auch wenn man im Stadion nie so richtig privat war, aber eben anonym! Und das ist in der Öffentlichkeit ein Wert an sich, der nach und nach verloren zu gehen droht.

Sehen, gesehen werden – überwachen?

Was wir uns immer schon gedacht haben, das mit der Überwachung ist nicht so gut für uns, vielleicht sogar nicht für unser Gehirn und dessen Funktionen. Wenn immer ein zuguckt, dann verändert es sich. So beschreibt es der Autor dieses Artikels:

,The constant surveillance of modern life could worsen our brain function in ways we don’t fully understand, disturbing studies suggest, in Live Science, 11.5.2025, Autor. Simon Makin.

Aber ist es so einfach? Und was meint der Autor, wenn er von Überwachung (Surveillance) hier spricht und die vielen, sehr interessanten psychologischen Studien zitiert? Der Artikel fängt mit dem Panopticon an und von da an gerät vieles, was Überwachung angeht durcheinander, weswegen ich hier mal ein paar Argumente genauer anschaue um ein paar Dinge zurecht zurücken, die hier, aber auch in vielen populären, häufig medialen Diskursen, aber auch bei meinen Studis oft durcheinander gehen.

Wirken Bodycams? Schwer zu sagen!

Das Thema Bodycams wird immer mal wieder diskutiert, meistens dann, wenn es einen Vorfall mit der Polizei gab und die Dinger aus waren – und damit ein Vorfall undokumentiert geblieben ist. Zuletzt im Fall von Lorenz (NDR 9.5..2025) der in Oldenburg bei einem Einsatz von der Polizei erschossen wurde.

Solche Fälle sind tragisch und haben dann mit der Bodycam auch direkt nichts zu tun, zumindest nicht mit der Frage, ob diese effektiv in ihrer Wirkung sind und wie sie überhaupt wirken können. Die Dokumentationsfunktion ist dabei auf jeden Fall eine wichtige, aber erstmal eine ohne Wirkung, zumindest keine, die diskutiert wird. Damit eine Rechenschaft und Nachvollziehbarkeit von polizeilichen Einsätzen zu bekommen wäre durchaus wünschenswert, umso enttäuschender, wenn nicht einmal bei Schusswaffengebrauch Bilder entstehen. Das könnte durchaus automatisiert mit dem Ziehen der Waffe verbunden werden. Ob es das Ziehen der Waffe verhindern würde, ist damit noch nicht gesagt.