Kategorie: Videoüberwachung / CCTV / BodyCams

Kameras überall!

Wir alle haben zumindest kurz über den KissCam-Vorfall beim Coldplay-Konzert in den USA gelacht oder geschmunzelt. Die Memes dazu sind auch durchaus lustig – aber es zeigt sich hier auch ein Aspekt allgegenwärtiger Kameras, verbunden mit den omnipräsenten Smartphones sowie der sofortigen Auswertung (oder sollte man besser von Ausschlachtung sprechen?) so mancher SocialMedia-Plattformen bzw. der diversen Accounts von fast jedem von uns.

Erfüllt das schon die Definition von Überwachung, schwierig. Auf jeden Fall zeigt es eine Art schrankenloser Sichtbarkeit und dem Verlust von beschränkt öffentlichen Orten, wie ein Stadion eines mal gewesen ist. Da alles immer online ist gibt es diese Art der Rückzugsräume nicht mehr wirklich, auch wenn man im Stadion nie so richtig privat war, aber eben anonym! Und das ist in der Öffentlichkeit ein Wert an sich, der nach und nach verloren zu gehen droht.

Sehen, gesehen werden – überwachen?

Was wir uns immer schon gedacht haben, das mit der Überwachung ist nicht so gut für uns, vielleicht sogar nicht für unser Gehirn und dessen Funktionen. Wenn immer ein zuguckt, dann verändert es sich. So beschreibt es der Autor dieses Artikels:

,The constant surveillance of modern life could worsen our brain function in ways we don’t fully understand, disturbing studies suggest, in Live Science, 11.5.2025, Autor. Simon Makin.

Aber ist es so einfach? Und was meint der Autor, wenn er von Überwachung (Surveillance) hier spricht und die vielen, sehr interessanten psychologischen Studien zitiert? Der Artikel fängt mit dem Panopticon an und von da an gerät vieles, was Überwachung angeht durcheinander, weswegen ich hier mal ein paar Argumente genauer anschaue um ein paar Dinge zurecht zurücken, die hier, aber auch in vielen populären, häufig medialen Diskursen, aber auch bei meinen Studis oft durcheinander gehen.

Wirken Bodycams? Schwer zu sagen!

Das Thema Bodycams wird immer mal wieder diskutiert, meistens dann, wenn es einen Vorfall mit der Polizei gab und die Dinger aus waren – und damit ein Vorfall undokumentiert geblieben ist. Zuletzt im Fall von Lorenz (NDR 9.5..2025) der in Oldenburg bei einem Einsatz von der Polizei erschossen wurde.

Solche Fälle sind tragisch und haben dann mit der Bodycam auch direkt nichts zu tun, zumindest nicht mit der Frage, ob diese effektiv in ihrer Wirkung sind und wie sie überhaupt wirken können. Die Dokumentationsfunktion ist dabei auf jeden Fall eine wichtige, aber erstmal eine ohne Wirkung, zumindest keine, die diskutiert wird. Damit eine Rechenschaft und Nachvollziehbarkeit von polizeilichen Einsätzen zu bekommen wäre durchaus wünschenswert, umso enttäuschender, wenn nicht einmal bei Schusswaffengebrauch Bilder entstehen. Das könnte durchaus automatisiert mit dem Ziehen der Waffe verbunden werden. Ob es das Ziehen der Waffe verhindern würde, ist damit noch nicht gesagt.

Eyecam – auch eine Zukunft der Überwachung

Es sieht etwas spooky aus, ist aber durchaus konsequent gedacht: die Eyecam.

Rethinking our relation with our digital world

The purpose of this project is to speculate on the past, present and future of technology. We are surrounded by sensing devices. From surveillance camera observing us in the street, Google or Alexa speakers listen to us or webcam in our laptop, constantly looking at us. They are becoming invisible, blending into our daily lives, up to a point where we are unaware of their presence and stop questioning how they looksense, and act. (von der Webseite)

Videoüberwachung reloaded

Mal wieder eine Diskussion zum alten, bisweilen etwas abgegriffenen Thema, Videoüberwachung, insbesondere wenn dabei die Frage im Raum steht „sind Sie für oder gegen Kameras“, „fühlen Sie sich sicher“. Das ist abgegriffen, wissenschaftlich unterkomplex und greift oft zu kurz.

Nun hatte mich der SWR am 8.1. zum Format Mixtalk eingeladen, zu genau diesem Thema mitzudiskutieren. Um es kurz zu machen: Es war wild. Für mich war es die Premiere auf Twitch, der Chat ging steil, dabei auch viele gute Kommentare, die Diskussion war teilweise heißt und kontrovers, insbesondere am Ende, als ich zwei Polizist:innen gegenüber saß, die so richtig nichts neues, dabei aber vieles eher normatives, anekdotisch-evidentes dazu beitrugen, bisweilen auch die Wissenschaft als solche nicht ganz ernst nahmen, u.a. als ich die Broken Windows-Theorie kritisiert habe… nun gut.

Hier gibt es das Video zum nachschauen.

Videoüberwachung, mal wieder

On reloaded oder nur mal wieder etwa zur alten, immer gleichen Debatten zu Videoüberwachung. Aus der Sendung quer, beim Bayrischen Rundfunk, vom 31.10.2024, ein Bericht zu Videoüberwachung mit einem einem spöttischen Unterton (und ein paar Kommentaren von mir): Pfeif’ auf Datenschutz: Bürger für mehr Videoüberwachung, Autor: Stefan Foag.

Und als wäre es abgesprochen, finde ich heute früh diese Nachricht in einem Newsletter: Chicago’s Expensive Camera Network Helps Solve Few Crimes, National Criminal Justice Association, 2.10.2024

Big Apple is watching you!!

Eine kleine Nachricht beim ZDF vom 17.9.2024, über einen neuen Trend in den USA.

In New York sind Selfies mit Überwachungskameras im Trend. Morry Kolman bündelt 900 Kameras auf einer Website, um die allgegenwärtige Überwachung zu verdeutlichen.

https://www.zdf.de/nachrichten/video/panorama-selfies-mit-ueberwachungskameras-100.html

Das Projekt könnt ihr hier sehen – allerdings ist es für unterwegs konzipiert, also für ein Smartphone, daher werdet ihr mit einem Desktoprechner oder Laptop nichts dabei. Aber die Übersicht könnt ihr so ansehen.

Scan or no scan?

Gesichtserkennung ist auf dem Vormarsch, nicht länger Science Fiction, sondern schon bei einfachen Videokameras im öffentlichen Raum Gang und Gebe. Ob das immer so funktioniert, wie gewünscht und ob nicht auch hier die Symbolhaftigkeit der Technologie bei der Verbreitung eine entscheidende Rolle mitspielt. Wie auch immer.

Meist ist die Polizei einer der Treiber dahinter (sehr häufig!), die damit fahnden und erkennen will oder das ganze auch international abgleichen möchte, um auch grenzüberschreitend zu fahnden.

Spätestens als das lang gesuchte RAF-Mitglied Daniela Klette damit gefunden wurde, hat das Bedürfnis nach solcher Art von Technologie noch einmal zugenommen. Hier bezogen auf das Internet, aber letztlich ist es unerheblich, welche Art der Bilder in den Blick genommen werden sollen.

Der Widerstand dagegen ist gering, die Aufmerksamkeit scheint nur bei wenigen Spezialisten zu liegen, wie die beiden verlinkten Artikel zeigen. Ob man hierzulande auch eine Ächtung dieser Technologie erreichen könnte, wie dieses eine New Yorker Initiative für ihre Stadt erreichen will, wage ich zu bezweifeln. Darüber zu sprechen könnte sich aber lohnen, denn die mehr oder weniger schleichende Einführung dieser Technologie sollte nicht einfach ohne Diskussion über diese Technologie, die Wünsche, Hoffnungen und ihre Bedeutung im Kontext einer inneren Sicherheit ablaufen. Dafür steht zu viel auf dem Spiel – diesseits von Science Fiction!!

Technik, Probleme, Sicherheit

Wenn Du glaubst, dass Technologie deine Probleme lösen wird, verstehst Du weder Technologie, noch Deine Probleme.

(Laurie Anderson im Zeit Magazin Nr. 35, 15.8.2024, S. 38.)

Die New Yorker Avantgarde-Künstlerin antwortet mit diesem Bonmot, in der Rubrik „was ich gern früher gewusst hätte“ auf eben diese Frage.

Ich finde das Zitat bringt auf den Punkt, was Forschenden von Technik vor allem im Bereich der Überwachung (aber auch anderswo) immer wieder entgegenspringt, nämlich die Verbindung von Technik (sehr bliebt: Videoüberwachung oder Biometrie, oder beides in einem, usw.) dem Phänomnen der Sicherheit, welches als Gefühlt bei den Bürger:innen gestört oder zumindest beeinträchtigt ist und der Lösung eines oft sozialen Problems, wie ein unspezifische Kriminalität, Verwahrlosung öffentlicher Orte, dergleichen halt.

Kameras und Bücher

Heute war die Vorstellung des Sammelbandes „Yes we’re open“ auf der BiblioCon 2024 in Hamburg. Ich habe zu dem Band, der sich mit dem Konzept der Open Libraries beschäftigt, einen Beitrag zum Thema Kameras in Büchereien beigesteuert.

N. Zurawski: Dritte Orte und ihre Überwachung. Ein kritischer Blick auf den Einsatz von Kameras in Bibliotheken. In Sabine Wolf (Hrsg.) „Yes we’re open“. Open Libraries innovativ und praxisnah umsetzen. 2024 Wiesbaden: b.i.t. Online.