Category: Konsum

Die Linke, Technologie und ihre Fantasien

Der Artikel The humanist left must challenge the rise of cyborg socialism. (New Statesman, April 2018) bietet ein interessantes Lese- und Denkvergnügen und eine Kritik an neuen Techno-sozialen Konzepten, die verbunden mit einer Begeisterung für neue Technologien an der Überwindung des Menschen arbeiten. Wie und warum die Linke darin eine unklare Stellung hat. Der Autor Jon Cruddas sieht dadurch elementare Werte und Konzepte einer liberalen Demokratie gefährdet.

A new “accelerationist” movement, defined by its embrace of technological determinism, represents a threat to the ethical socialist tradition and liberal democracy.

Der Skandal um Cambridge Analytica

Anstatt eines Kommentars zu Cambridge Analytica, hier ein sehr treffender Artikel mit dem treffenen Titel: Cambridge Analytica: the outrage is the real story. Bereits Karl Krauss wusste, das der Skandal dann beginnt, wenn die Polizei ihm ein Ende bereitet.

But what did we really think would happen when the worst aspects of Silicon Valley, a cynical Etonian establishment, reactionary Anglo-American nationalism and hedge-fund capital found each other? As Mark Fisher once said, “Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.”
“Many of what we call ‘conspiracies’ are the ruling class showing class solidarity.” […] Perhaps a more important question to ask is: why do we carry on being shocked when social media’s centrality in our attention and emotional lives doesn’t go well for us?

Die Frage allerdings finde ich auch nicht so überraschend. Der Analyse folge ich, für eine Antwort hätte ich das Stichwort vom Konsum der Überwachung bereit (hier im Blog bereits einige Male angesprochen).

Aktuell dazu ein Interview beim Deutschlandfunk in Kultur Heute (2.4.2018): Überwachung als Fürsorge (trifft es auch, aber nicht ganz)

 

Der digitale Hilfssheriff

Wie viele Daten sollen IT-Konzerne wie Google herausgeben, um den Behörden bei der Strafverfolgung zu helfen?

ein kluger Artikel von Adrian Lobe (FAZ, 22.6.2017) über die Macht der Maschinen, mit denen wir uns umgeben und den wir vertrauen als wären sie gute Bekannte….

Das Herrschaftswissen, das die Tech-Giganten mit ihren Maschinen aggregieren, könnte sich schon bald gegen ihre Nutzer wenden.

Ich würde argumentieren, der Wunsch nach den digitalen Domestiken und nach Distinktion, dem Zwang der Hypermoderne anzugehören, führt zu einem Trend in der ÜBerwachung (wenn auch nicht so genannt) zum Lifestyle wird. Ich werde dazu in Kürze nochmal ein paar Ausführungen machen.

Was wäre wenn schlaue Geräte Zeugen wären?

Der Künstler Luke Munn spielt mit der Idee, was wäre wenn Alexa oder ein ähnliches Ding tatsächlich als Zeuge für Geschehnisse zugelassen wäre, ein Blick in unsere digitale Zukunft des “guten Leben” wie es sich die Nerds aus dem Silicon Valley vorstellen. http://lukemunn.com/monitor/

© Luke Munn, Work: Monitor

Recently police in Arkansas issued a warrant for Amazon Alexa data in connection with a suspected homicide. Though the request was denied, this artwork acts as if it was accepted, using ‘smart home’ notifications to extrapolate from the evening’s events: a few friends, a few drinks, a floating body. In doing so, it explores the data these objects might possess and anticipates some of the ways it might be both used and abused.

Kleidung gegen Überwachung

Mode kann Trendsetter sein, aber auch eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Beispiele in der Geschichte der Bekleidung sind vielfältig, vom Minirock, zur Krawatte, zu den Baggy-Jeans der Hiphopper (und der kleinen Jungs, die fast immer damit stolpern…). Also warum nicht auch Kleidung gegen die omnipräsente öffentliche Überwachung. Bei der BBC gab es dazu einen schönen kleinen Bericht mit Beispielen: How what you wear can help you avoid surveillance (21.4.2017).

The HyperFace print range features patterns suggesting eyes, noses and mouths to confuse facial recognition algorithms (Credit: Adam Harvey)

 

 

 

 

 

 

 

 

10 Jahre iphone und Überwachung

“Es ist nicht die Technik, vor der wir Angst haben” – ein Gespräch mit Shoshana Zuboff, Autorin von Surveillance Capitalism*.

Interessantes Gespräch zum 10-jährigen Jubiläum des iphones:

Sie warne nicht vor der Technologie als solcher, sagt Zuboff, emeritierte Harvard-Professorin. Ihr gehe es um den Kapitalismus, der dahinter stehe. Sie sei davon überzeugt, dass jede Anwendung, die für Überwachung und Kontrolle genutzt werden könne, auch als solche eingesetzt werde – wenn es keine funktionierenden Kontrollen gebe.

*Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information 
Civilization in Journal of Information Technology (2015) 30, 75–89.

Die Überwachung der Konsumenten

Ich finde die Artikel von Sami Coll immer eine Bereicherung für die Diskussion. Sein Ausgangspunkt sind Kundenkartensysteme, aber er nutzt seine Forschung weit darüber hinaus um in theoretische Überlegungen zu Überwachung einzusteigen. Aktuell gibt es eine historische Perspektive.

Sami Coll (2016) Discipline and Reward: The Surveillance of Consumers through Loyalty Cards, Geschichte und Gesellschaft 42(1)

This article focuses on the most predominant modality of contemporary  surveillance—the surveillance of consumers, which tends to be hidden behind state surveillance. It presents empirical research done on the four major retail stores in Switzerland and their loyalty systems.