Category: Konsum

Mit Chip durch den Alltag

Was wäre es doch alles viel einfacher, wenn der Alltag sich uns anpassen würde, z.B. mit einem Chip, der Türen öffnet oder den Kopierer bedient. Den Vorstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Schwedische Arbeitnehmer lassen sich Chip implantieren – freiwillig, so berichtet die FAZ (25.2.2015).

Im Zuge der totalen Vernetzung ist dieser Schritt nur folgerichtig. Neu ist das alles nicht. Bereits 2009 testete ein Forscher, wie es sich so lebt mit einem Chip im Körper. Was wie ein hippes Experiment wirkt, hat durchaus Bedeutung für Fragen von Körper und Technologie, Autonomie, Freiheit und Kontrolle.

Mark Gasson hat dazu zumindest ein paar interessante Fragen aufgeworfen. Im Sinne eines Konsum der Überwachung wird deutlich, das die Kontrolle immer subtiler in unseren Alltag eingewebt sind und letztlich mit diesem verschmelzen, inkl. der dazugehörigen Technik.

Konsum, Geschenke, Überwachung

Über Konsum und Überwachung habe ich ja schon vermehrt geschrieben, hier ist ein neues Interview mit Sami Coll, dem verehrten Kollegen aus der Schweiz, der sich mit dem Thema intensiv beschäftigt.

(Kleine) Geschenke als Gegenleistung für Kundendaten

Es schien mir auch nicht, dass sie rational kalkulierten, wie das die Marketing-Experten den Konsumenten oft unterstellen, indem sie sagen, die Kunden seien bereit, für gewisse Vergünstigungen einen Teil ihres Privatlebens zu verkaufen. Man nennt dies die Theorie des Kompromisses oder “trade-off”, der schwierig zu verifizieren ist. Denn wie kann man die Privatsphäre tatsächlich messen? Es ist schwierig, zehn Gramm davon gegen einen Liter Milch einzutauschen, zum Beispiel.

Das dazugehörige Buch lohnt sich bestimmt – aber auch ander Sachen von Sami Coll (bei Interesse hätte ich die Aufsätze hier, ebenso diesen hier: Nils Zurawski: Consuming Surveillance: Mediating Control Practices Through Consumer Culture and Everyday Life, 2014)

Werbung als Überwachung

Überwachung als Konsum – darüber habe ich hier und an anderen Stellen bereits geschrieben. Sascha Lobo hat in seiner aktuellen Kolumne dazu ein paar nette Einlassungen gemacht, ausgehend von Bruce Schneier, der feststellte, dass Überwachung das Business Modell des Internet ist.

Die Argumente sind alle mehr oder weniger bekannt, oft eher technisch, und dass Werbung Teil der kapitalistischen Einlullungsmaschine sind ist auch schon gesagt worden – persönliche Daten im Tausch für Annehmlichkeiten, Service usw. Doch so kommen die Argumente auch zu einem großen Publikum, und das ist dann doch erfreulich.

Die schließende These von Lobo – “Wenn Überwachung als Geschäftsmodell des Internet akzeptiert wird, fällt die Ablehnung der Überwachung als Machtmodell viel schwerer” – ist es wert weiter diskutiert zu werden. Es steckt dahinter auch ein wenig die Enttäuschung, dass wir uns nicht mehr wehren. Die Frage ist aber, ob das so stimmt oder der Umgang mit Überwachung je nach Kontext doch differenzierter ist. Und letztlich hat Macht immer etwas mit Überwachung bzw. Kontrolle zu tun, uumgekehrt mag aber das Verhältnis komplizierter sein.

Panopticon Inn

Jail 01

Bild: http://www.miaojiaxin.com/pageviewer.html

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch eine Bemerkung oder zwei wert: Das One-Dollar-Hotel in New York, genauer in Brooklyn. Dort kann man in NYC für 1 $ übernachten, was für diese Stadt ein irrer Preis ist. Dazu muss man sich allerdings eine zeitlang überwachen und bei Facebook beobachten lassen.

Bei NDR Info/N-Joy (eine Impression auch hier) kann man in einer Reportage nachhören, was den Künstler Miao Jiaxin dazu bewegt, so ein Angebot zu machen. Interessant sind seine Einlassungen durchaus – denn letztlich formuliert er nur Benthams Ideen von innerer Einkehr, des Bei-sich-seins, von-der-Welt-entfernt-zu-sein neu. Das ist durchaus interessant.

Dass diese Art der Überwachung, die Kunst, Konsum und die Hotelpreise in NYC ausnutzt anschlussfähig ist, zeigen die Besucherzahlen. 1$ ist ein Schnäppchen, für das man in einem Kunstprojekt gern mal mitmacht und sich überwachen lässt. Wäre das nicht auch ein echtes Modell für die Zukunft – Konsum durch Überwachung, oder sind wir da längst und hier wird dieser Zusammenhang nur auf wunderbare und eher klaustrophobische Weise deutlich.

Die Lust an der Selbst-Überwachung

“Zeig mir wie fit du bist” – war bisher ein Satz, der unter Sportlern fiel, unter Kindern beim gegenseitigen Kräftemessen oder als ermutigende Aufforderung, ein Spiel, ein Spaß unter Freunden oder Konkurrenten. Dank Smartphones & Co ist daraus ein gesellschaftlicher Imperativ geworden – einer, der weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen kann.

in der FAZ Sonntagszeitung stand dazu ein lesenswerter Artikel gleichen Titels (zumindest in der Printversion), der über die Entwicklung und datenschutzrechtlichen Fallstricke der quantified self-Bewegung (oder international) berichtet.

Kosumentenüberwachung und Gender

Ich möchte auf eine kleine, feine Arbeit zum Thema Kundenkarten aufmerksam machen, die sich mit dem Thema Gender und Social Sorting im Konsumentenbereich beschäftigt.

The Price of Loyalty: A Gendered Analysis of Consumer Surveillance von Amelia Cheston, Absoventin an der Queens University in Kingston, Ontario. Gutachter der Arbeit war David Lyon.

Consumer surveillance, seen in the social sorting capabilities of loyalty marketing, is gendered. ….. ….  It is important to consider the role that gender plays in loyalty marketing in order to understand how being labelled a ‘man’ or a ‘woman’ can influence how one’s personal information is categorized and utilized by companies.

Kunden, Loyalität und Kontrolle

Wir steuert man Kunden und schafft es, dass sie wiederkommen? Alle Unternehmen stellen sich die Frage. Angesichts von Prism – auch hier oder hier besonders schön (oder Tempora)bekommen aber die Strategien, die möglichst viele Daten über sammeln wollen, damit wir gut versorgt werden können – und die Unternehmen mit unserem Geld eben auch – einen absurden Beigeschmack. So auch dieses Video hier, indem die Firma Loyalty Lab erklärt, was wichtig ist um Kunden zu steuern und zu kontrollieren, wo sie ihr Geld ausgeben. Schön gemacht, und es stellt sich die Frage wieso die Aufregung, wenn das der digitale Alltag der meisten Menschen ohnehin schon ist. Zugegeben nicht so direkt, nicht als Terrorabwehr, aber schon der Kontrolle wegen und damit wir umsorgt sind…

 

wer will das so genau wissen… ?

.. wann die Kleinsten  in die Windel machen. Ein herrliches Beispiel für function creep – die Ãœberwachung der Baby-Windel, damit Mama und Papa vor Entzücken in höchsten Tönen kreischen können, wenn Baby mal wieder in die Windel macht – was Babys so tun…