Category: Internet/social media

American dystopia und Popkultur-Memes

Science Fiction und dytopische Literatur und Filme gibt es viele, einige davon epochal gut und wegweisen, nicht nur 1984. Dieser Skeet bei Bluesky zeigt mit ein paar Memes wie vergangene Vorstellungen über die Zukunft gerade in der Gegenwart ankommen, absurder, als man sich das hätte vorstellen können. Ich bin kein Literaturwissenschaftler, aber es scheint aus soziologischer Sicht, dass manches bereits angelegt war in der Gegenwart ihrer Entstehung, das nur extrapoliert, nicht neu erfunden werden musste, um dystopische Zukünfte zu erdenken. Schwierig nicht vollkommen den Kopf oder die Übersicht oder den Verstand (und die Zuversicht) zu verlieren.

Kameras überall!

Wir alle haben zumindest kurz über den KissCam-Vorfall beim Coldplay-Konzert in den USA gelacht oder geschmunzelt. Die Memes dazu sind auch durchaus lustig – aber es zeigt sich hier auch ein Aspekt allgegenwärtiger Kameras, verbunden mit den omnipräsenten Smartphones sowie der sofortigen Auswertung (oder sollte man besser von Ausschlachtung sprechen?) so mancher SocialMedia-Plattformen bzw. der diversen Accounts von fast jedem von uns.

Erfüllt das schon die Definition von Überwachung, schwierig. Auf jeden Fall zeigt es eine Art schrankenloser Sichtbarkeit und dem Verlust von beschränkt öffentlichen Orten, wie ein Stadion eines mal gewesen ist. Da alles immer online ist gibt es diese Art der Rückzugsräume nicht mehr wirklich, auch wenn man im Stadion nie so richtig privat war, aber eben anonym! Und das ist in der Öffentlichkeit ein Wert an sich, der nach und nach verloren zu gehen droht.

Wer sieht wie ich beobachte, wenn ich beobachte?

Mal wieder Zeit auf den Blog des Journals Surveillance & Society, mit einem Beitrag zu Anyone Who’s Watching Can See That You’re Watching, Too. Es geht um Livestreams, soziale Medien und die kostenlose Arbeit, die dahinter möglicherweise steht.

Writing that article piqued my curiosity; since social media posts have been considered “free labour,” I wondered if visible viewership could also be considered a form of free labour.

Silicon Valleys Techno-Faschisten

Das ist ein wichtiger Punkt, ob in diesem Artikel oder woanders – und an anderen Stellen (oder hier) habe ich diesen Punkt auch und immer schon mal hervorgehoben: Dass Silicon Valley erscheint liberal, coole Büros und irgendwie woke, aber das täuscht und jetzt wird es umso wichtiger darauf zu schauen, wenn es in den USA nicht gerade schon zu spät ist.

Headed for technofascism’: the rightwing roots of Silicon Valley (Guardian, 29.1.2025 von Becca Lewis)

An influential Silicon Valley publication runs a cover story lamenting the “pussification” of tech. A major tech CEO lambasts a Black civil rights leader’s calls for diversifying the tech workforce. Technologists rage against the “PC police”.

No, this isn’t Silicon Valley in the age of Maga. It’s the tech industry of the 1990s, when observers first raised concerns about the rightwing bend of Silicon Valley and the potential for “technofascism”. Despite the industry’s (often undeserved) reputation for liberalism, its reactionary foundations were baked in almost from the beginning. As Silicon Valley enters a second Trump administration, the gendered roots of its original reactionary movement offer insight into today’s rightward turn.

Digitale Medien und soziale Kontrolle

Der von mir sehr geschätzte Kollege Daniel Trottier (Erasmus Uni, Rotterdam), der auch bereits in der Vergangenheit mit Arbeiten zu digitalen Vigilanten interessante Gedanken präsentiert hat, hat nun mit zwei Kollegen aus Groningen eine interessantes Buch herausgebracht.

Digital Media, Denunciation and Shaming. The Court of Public Opinion. Autor:innen: Daniel Trottier, Qian Huang, Rashid Gabdulhakkov (https://doi.org/10.4324/9781003453017)

Und das ganze als Open Access, direkt zum Runterladen in verschiedenen Formaten.

Verwildert das Internet!!

Man könnte sich durchaus fragen, was dieses Thema und das im Aufsatz geforderte Verwildern des Internet mit Überwachung und Kontrolle zu tun hat. Eigentlich alles. Geht es doch um die Kontrolle des Netzes durch die Kommerzialisierung, den Drang eine kommodifizierte Ordnung zu errichten, mit der die großen Tech-Firmen (Giganten?), vor allem die Marktförmigkeit und somit ihren Profit garantieren wollen. So klar ausgesprochen würden wir Internetnutzer das ja nicht wollen, daher wird es als Konsumspaß verbrämt annehmbar gemacht – wie ich ausführlich in Überwachen und Konsumieren ausgeführt habe.

Phil Agre, wiederentdeckt

Auf einer Tagung zum Thema Sprachassistenten des Projektes B06 – Un/erbetene Beobachtung in Interaktion: „Intelligente Persönliche Assistenten“ (IPA) des SFB Medien der Kooperationen (lange Vorrede) verwies der Kollege Till Heilmann auf den Informatiker und Netzvordenker Phil Agre.

Von dem hatte ich lange nichts gehört, nicht zuletzt da er vor 10 Jahren wohl komplett von der Bildfläche verschwunden ist. Ich bin in den 1990er Jahren seinem Newsletter RedRockEater gefolgt und habe noch etliche der Ausgaben in meinem Email-Archiv.

Das habe ich als aber eine Gelegenheit ngenommen mal zu googlen, was an Texten noch verfügbar ist – denn die sind durchaus lohnenswert. Surveillance war auch da schon bei ihm ein Thema, was mich noch nicht so zentral interessierte damals. Ich war mehr auf die frühen Internetanalysen und Netzutopien fokussiert. Der englische Wikipedia-Eintrag gibt ein paar Informationen und reichliche Links zu seinen Texten. Seine eigene Seite an der UCLA, die bis 2004 aktuell ist, hat weitere Links und Texte.

Hervorheben will ich hier vor allem diesen Artikel:

Philip E. Agre (1994) Surveillance and capture: Two models of privacy, The Information Society, 10:2, 101-127, DOI: 10.1080/01972243.1994.9960162 – hier als pdf und reprint frei im Internet zu finden. https://djp3.westmont.edu/classes/2017_01_CS195/readings/CaptureModelOfSurveillance.pdf

Vielleicht habt ihr ja auch Spaß am (Wieder)Entdecken

Anonymität und personalisierte Subjekte

Die wunderbare Kollegin Renée Ridgeway hat eine Dissertation zum Thema The Personalised Subject vs. the Anonymous User vorgelegt, die frei abrufbar im Netz zum Download bereitsteht.

Renée war im weiteren Umfeld des Reconfiguring-Anonymity-Projektes und liefert mit dieser Arbeit weitere Einblicke und Erkenntnisse zum Thema Anonymität im Netz und in der digitalen Welt. Es geht um Google, TOR und eine Art von Autoethnographie im digitalen Raum. Lesenswert.

This thesis investigates how Google Search as a ‘media a priori’ organises (us)ers by first delving into how search worked in the past, engaging former European ‘address offices’ and human endeavours that attempted to ‘organise the world’s information’. It then explains how Google search developed during the last two decades, advancing an understanding that Re:search fuses two concepts: the Scientific Citation Index (SCI) for research, which in turn served as an inspiration for the PageRank of Google Search. Using my office at CBS as a site of data collection, I designed and carried out an ‘experiment in living’, searching with Google as the ‘Personalised Subject’ and with Tor as the ‘Anonymous User’, with the same set of chosen keywords. Whilst conducting ‘interviews’ with algorithms––invisible interlocutors––I collected data on myself and produced Re:search – Terms of Art. These ‘data visualisations as transcription’ reflect my search results based on ‘locative data’ (Google) or ‘off the map’ (Tor), and these ‘critical cartographies’ as practices of representation seek to intervene and give shape to the world by making invisible infrastructures more tangible. 

Online-Kurs zu Security und Desinformation

This interdisciplinary course, framed under the CRESCEnt project (Mind the Gap in media coverage and strategic communication in case of security threats), co-funded by the Erasmus+ Programme of the European Union, addresses the challenge of building awareness and developing resilience to disinformation, fake news, and hostile information influencing campaigns.

Ihr könnt euch hier anmelden und mehr über den MOOC-Kurs erfahren.