Studie: Polizeigewalt

Zu der von der Uni Bochum durchgeführte Studie “Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte” wurde jetzt ein Zwischenbericht veröffentlicht. Dieser betrifft zunächst vor allem die statistischen Daten und erklärt die Dunkelfeldstruktur sowie die Erhebung selbst. Das ist alles sehr lesenswert. Mich persönlich interessiert allerdings die im Bericht avisierten Ergebnisse bzw. die Studieninhalte des 2ten Teils viel mehr, denn da geht es um die Eskalationsverläufe, und um eher qualitative Ergebnisse. Dennoch, der Zwischenbericht lohnt einen Blick.

Zwischenbericht.

In der Zeit gab es dazu eine ebenfalls lesenswerte Besprechung und Einordnung: Die falsche Staatsgewalt (17.9.2019)

Die vielen Seiten des Gesichts

Die Gesichtserkennung ist gerade das heiße Thema in vielen Medien, auch gestellt mit der unvermeidlichen (und leider sehr verkürzenden) Frage “Was macht das mit uns?”. Daphne Hruby von Ö1 hat sich des Themas einmal anders angekommen und die Bedeutung des Gesichtes in der Kultur angeschaut. In 4 Beiträgen erkundet sie die vielen Facetten des Themas von den Ideen des Johann Kaspar Lavater bis hin zum chinesischen Social Scoring-System, welches eben mit Gesichtserkennung arbeitet.

Eine Zehntelsekunde – nur so lange brauchen wir, um vom Gegenüber einen ersten Eindruck zu bekommen. Ist er attraktiv, ist sie sympathisch, ist der Mensch interessant oder gefährlich – gewonnen wird diese Information vor allem aus unserem Gesicht. Treue, Intelligenz, soziale Herkunft – die Palette, was Studien alles aus unserem Antlitz zu lesen glauben, ist breit.

High-Rise und das neue Wohnen in Hamburg

Über meine Beigeisterung des Buches High Rise von JG Ballard habe ich in den vergangenen Wochen ja schon öfter berichtet.

Bei einem Stadtspaziergang in der von mir koordinierten Sommerschule “Stadt und Konflikt” waren wir auch in der so genannten “(Neue) Mitte Altona” und beim Anblick einiger der neuen Häuser, war ich doch sehr an das Buch erinnert.

Vor allem die Balkone eines Bauabschnittes haben es mir dabei angetan.

Journal: Visibilities and New Models of Policing

Die neuese Ausgabe des Journals Surveillance & Society widmet sich der Polizei: Visibilities and New Models of Policing, Vol 17 No 3/4 (2019).

This special issue, guest edited by Keith Spiller and Xavier L’Hoiry, investigates the blurring of boundaries between police and publics, particularly with respect to citizen-based policing schemes. In addition to an editorial introduction and nine curated articles, the issue includes nine regular articles and a number of book reviews.

Die Artikel reichen von BodyCams zu protest policing, von der Rolle sozialer Medien für vigilante Nachbarschaftswachen, bis hin zur Idee einer Ordnung ohne Polizei und einige mehr.

Richard Sennett “Die offene Stadt”

Für Soziopolis habe ich eine Rezension von Richards Sennets Buch “Die offene Stadt” geschrieben.

Im Buch gibt es auch Anschlussmöglichkeiten für die Themen Kontrolle und moderne Stadt, wie ich in der Rezension auch festhalte:

Um Sennetts These einmal konkret nachzuvollziehen, möchte ich hier auf das meines Erachtens gelungenste Kapitel eingehen – Kapitel 6: Tocqueville in Technopolis. Für seine Gegenüberstellung von offener und geschlossener Stadt wählt er das Beispiel der so genannten Smart City. Diese Städte der Zukunft werden maßgeblich von digitaler Technologie mitbestimmt, die in ihre Infrastruktur eingewoben sein wird und auf diese Weise steuern oder gar bevormundend eingreifen kann. Sennett beschreibt die Möglichkeiten zur Nutzung der Smart City als koordinierend oder vorschreibend. Die erste Variante ergänzt sich Sennett zufolge ideal mit dem Konzept einer offenen Stadt(entwicklung) und symbolisiert diese, während die zweite, vorschreibende Variante eine geschlossene Stadt nach sich zieht. Als Beispiel für Letzteres führt der Autor das Googleplex in New York an, ein geschlossener Ort, den Sennett als eine Art Ghetto bezeichnet. Innerhalb dieses Komplexes sollen die Angestellten möglichst wenig mit den Profanitäten des täglichen Lebens in Berührung kommen, sie sollen sich auf die Arbeit konzentrieren, möglichst rund um die Uhr.

Kommentar: Polizei und Vertrauen

Ich habe für Deutschlandfunk Kultur am 15.8.2019 ein Politisches Feuilleton zu Polizei und Vertrauen gemacht. Der Umstand, dass vieles bei der Polizei darauf hindeutet, dass die Polizei dem Bürger nicht vertraut, sich aber umgekehrt darüber beschwert, dass der Bürger Transparenz möchte, um das Vertrauen zwischen beiden zu verbessern, hat mich beschäftigt.

“Dritte Welt” als Versuchskaninchen der Überwachung?

Warum sollte moderne Überwachungstechnologie Halt vor Weltgegenden machen, die, so könnte man meinen, andere Probleme haben. Aber Authentifizierung und Identifizierung spielen zum einen in vielen Zusammenhängen eine wichtige Rolle:

Immer wieder werden in verwüsteten Gegenden Hilfsprogramme missbraucht, und die Stärksten bereichern sich. Das WFP argumentiert, nur mit biometrischen Prüfungen könnten die Hilfsgüter die wirklich Bedürftigen sicher erreichen. Sonst fließe das Geld an Kriegsparteien, das könne man als humanitärer Helfer nicht zulassen. Doch das Misstrauen gegen die internationale Organisation ist groß, und einmal mehr stößt der Einsatz biometrischer Systeme auf Widerstand.

“We need to talk, AI”

©2019 https://weneedtotalk.ai

Comic-Seite aus: We need to talk AI.

Ein Comic zu Künstlicher Intelligenz – warum auch nicht.

Die beiden Autorinnen Julia Schneider und Lena Kadriye Ziyal haben mit  “We need to talk, AI”. A Critical Essay on Artificial Intelligence einen Erklär-Comic entworfen, der wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, die Technologie ohne Hype oder Angstmache verständlich machen würde.

Anschauen kann man sich den Comic online, er ist aber auch als Printausgabe erhältlich.

Aus der Begründung der Autorinnen für den Comic:

This pioneering comic essay on AI invites you on an illustrated journey through the dimensions and implications of the groundbreaking technology, discussing important opportunities and limitations. It is a creative stimulus for insiders of the subject as well as an invitation for newbies to get informed and join the debate.

Über KI, Domestiken und das digitale Leben

Manchmal kommen mehrere Dinge zusammen, aus ganz unterschiedlichen Richtungen und ergeben dann einen Sinn, einen möglichen Zusammenhang. In diesem Fall war es die Lektüre sehr unterschiedlicher Texte am Wochenende, deren innere Zusammenhänge ich hiermal kurz beleuchten möchte. Angefangen hat es eigentlich mit der Strafe, die Facebook für seine Datenschutzverletzungen zahlen muss. Genauer mit der Berichterstattung.

Wie alle festgestellt haben, sind $5 Mrd. zwar viel Geld sind, aber nicht so richtig viel für Facebook. Die Fixierung vieler Berichte auf Datenschutz und die Verletzungen durch Facebook & Co sind mir schon lange nicht mehr genug, um zu beschreiben, warum es sich lohnt mit den Unternehmen und ihren Strategien auseinanderzusetzen. Auch wenn es ein “Aufreger” ist, was so an Daten über Personen gespeichert wird, ist es nicht der eigentliche Aspekt, der im Mittelpunkt der Betrachtung stehen sollte. Vielmehr geht es doch darum, welche Rolle und Bedeutung diese Unternehmen, das Digitale schlechthin im Leben von Menschen, in ihrem Alltag und für eine gesellschaftliche Existenz bereits eingenommen hat. Und inwiefern von dort aus weitergedacht wird, wie Gesellschaft sein könnte, sein müsste, oder wo man einen entsprechenden Einfluss üben sollte.

Dazu bot folgende Lektüre Anreize, das einmal zu konkretisieren.

Gespräch zur Gesichtserkennung

© Die ZEIT 2019Im aktuellen Zeit-Podcast WIRD DAS WAS? / GESICHTSERKENNUNG unterhalte ich mich mit  Lisa Hegemann und Dirk Peitz über Gesichtserkennung, die Bedeutung von Technik für die Zukunftsgestaltung von Gesellschaft, insbesondere dann, wenn Technik vor allem eine Projektionsfläche für Hoffnungen und Vorstellen zukünftiger Gesellschaften ist und über die Wahrhaftigkeit von Bildern.

Das geht über eine Stunde lang, also bringt Zeit mit zum Hören.