Category: Sport/Olympia/Fußball-WM

Siegerfilme der Tübinale 2019

Passend zur neuesten Ausgabe der Berichte aus Panoptopia, stehen auch die Siegerfilme der Tübinale 2019 online. Als bester Film wurde ausgezeichnet “Mary had a little lamb” und die beste Kamera bekam der Film “Kontrollverlust”. Der ist deshalb hier relevant, weil er sich mit der Überwachung durch Dopingkontrollen beschäftigt und neben dem Thema auch handwerklich sehenswert ist.

Kritik an den Dopingkontrollen

Bereits vor zwei Wochen war ich beim Deutschlandfunk im Interview zum Thema Doping, anlässlich der Veröffentlichung unseres Bandes “Kritik des Anti-Doping” und konnte ausführlich und zugespitzt unser Hauptanliegen erläutern und unsere Thesen einmal deutlich machen.

„Warum gelten Bürgerrechte nicht für Athletinnen?“ (12.5.2019)

Doping, Kontrollen und Privatsphäre

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat entschieden, dass das Wherabouts-System zur Kontrolle der Athleten nicht gegen Article 8 der Konvention verstößt.

Doping control: whereabouts requirement does not breach Convention
In today’s Chamber judgment1 in the case of Fédération Nationale des Syndicats Sportifs (FNASS) and Others v. France (application no. 48151/11  and 77769/13) the European Court of Human Rights held, unanimously, that there had been: no violation of Article 8 (right to respect for private and family life) of the European Convention on Human Rights. aus dem Urteil und Begründung als pdf

Dazu ein paar Worte.

Doping, Sport und Überwachung

Seit gut 5 Jahren forschen wir nun zu Dopingkontrollen und Privatsphäre, oft wurden wir dabei kritisch beäugt, vor allem von den Dopingschützern und den Leuten, die kritisch zu Doping berichten. Die Privatsphäre spielte oft keine große Rolle, Dopingkontollen als Überwachung zu sehen, war eher hinderlich im Kampf gegen und der Entrüstung wegen Doping. Spätestens seit dem Hack des ADAMS durch russische Hacker ist aber klar, dass die dort vorgehaltenen Daten unsicher sind, – z.B. Auch Daten deutscher Athleten gehackt (DLF, 15.9.2016).

Darüber, dass die Sportler überwacht werden, dass das System nicht perfekt ist und die gesammelten Daten zum Nachteil der Sportler sein könnten, darüber regen sich erstaunlich wenig Leute auf. Der Aufreger ist, dass nun rauskommt, was viele ahnten oder wussten: Sportler dopen legal. Besser: Sie nutzen Ausnahmegenehmigungen für auf der Dopingliste stehende Mittel. Nichts Neues, aber nun ein Aufreger.

Doping, Moral und Kontrollen

Die Nachricht, dass Maria Sharapowa positiv getestet wurde, ist weder ein Schock, noch eine Sensation (Infos bei Zeit oder tagesschau.de). Sportler nehmen Mittel ein, um besser zu werden, um schneller zu regenierieren, um zu gewinnen. Und manchmal ist das Doping, so wie im Fall von Sharapowa, wo das Mittel Melodonium erst seit dem 1.1.2016 auf der WADA-Liste steht. Was bedeutet das jetzt? Die Kontrollen wirken?

Doping und social sorting

David Lyons Konzept von Überwachung als Maßnahme der sozialen Auslese (social sorting) ist in der Szene ja hinlänglich bekannt – in dem folgenden Artikel über Claudia Pechstein wird sehr schön deutlich, warum und wie auch Dopingkontrollen als Form dieser Auslese zu sehen sein können. Ein Argument, dass ich bereits letztes Jahr auf der ISA Tagung in Yokohama für meinen Vortrag dort genutzt habe. Ich finde die Aussage von Pechstein zum Verhältnis von Doping, Person und Risiko sehr interessant.

‘We are now no longer in class-or world-class athletes, but only in risk groups’, wrote Pechstein in a second Facebook post yesterday. ‘It’s really unbelievable!’ Pechstein wrote that as NADA is financed by the taxpayer, they need to put pressure on it to answer two important questions for athletes: who sets the risk group and on what basis, and how does an athlete ‘qualify’ to become part of a risk group. ‘The longer I am involved with it, the more sick and inept the entire system turns out to be’, writes Pechstein. aus: The Sports Integrity Initative, 1. Dec. 2015