Category: Forschung/Theorie

Bericht von Tagung zu Protest und Polizei

Bericht zum Track “Einheit und Varianz im polizeilichen Umgang mit Gipfelprotesten” der ipb-Jahrestagung “Der Kontext lokaler Proteste”

von Bernadette Hof, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie

Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 führte zu heftigen öffentlichen Debatten, wobei der Fokus der Diskussion vor allem auf den gewaltförmigen Eskalationen zwischen Protestteilnehmenden und der Polizei während der Protestwoche lag. Im Zuge der Suche nach Erklärungen wurde die Legitimität einiger Protestformen in Frage gestellt, doch gerade auch die polizeilichen Vorgehensweisen standen in der Kritik. Kritisiert wurden sowohl vorbereitende Einsatzentscheidungen wie die Einrichtung einer großflächigen Protestverbotszone, die Verhinderung von Protestcamps oder die Ankündigung einer Null-Toleranz-Strategie gegenüber „Störern“ als auch die Durchführung des Einsatzes selbst, was sich unter anderem in Verweisen auf illegale Polizeigewalt ausdrückt. Solche Vorgehensweisen und Ereignisse im Rahmen von Gipfelprotesten sind nicht neu, sie treten jedoch auch nicht zwangsläufig auf. Verschiedene sozialwissenschaftliche Disziplinen widmen sich der Frage nach den sozialen Bedingungen, welche den polizeilichen Umgang mit Protesten formieren.

Zum Tod von Horst Herold

Heribert Prantl hat in der Süddeutschen Zeitung einen Nachruf auf Horst Herold geschrieben, den Erfinder der Rasterfahndung. Unter dem Titel Staatsdiener und Staatsdenker würdigt Prantl einen Mann, der zum Feind aller Linken wurde, auch und gerade weil er den Computer in die Polizeiarbeit brachte und Ideen hatte, die erst heute tatsächlich Gestalt annehmen.

Dass Prantl den Artikel schreibt, macht ihn umso lesenswerter. Man muss Herold und seine Ideen nicht mögen, aber es scheint, als wenn dort ein Mann weiter schauen konnte, auch kritisch, als viele Polizeibürokraten heute in der Lage wären.

Dazu passend sei hier auch auf das wunderbare Buch von David Gugerli hingewiesen: Suchmachinen. Die Welt als Datenbank, (2009) in dem auch Horst Herold ein Kapitel bekommen hat.

Neues Buch: Der Alltag der (Un-)Sicherheit

Der Sammelband “Der Alltag der (Un-)Sicherheit” ist im Panama-Verlag erschienen.

DER ALLTAG DER (UN-)SICHERHEIT

Darin von mir: “Imaginäre Geographien, Sicherheitsreflexe und Freiheitsversprechen”, über Freiheit, Überwachung, die Hamburger Gefahrengebiete, europäische Grenzen und eine europäische Sicherheitspolitik, die auf Abwehr des Fremden setzt.

Analyse: Eskalation bei G20-Gipfel 2018

Eskalation beim G20-Gipfel in Hamburg:
Forschungsbericht, interaktive Webseite und öffentliche Podien

Die Eskalation der Gewalt im Rahmen der Proteste gegen den G20-Gipfel ist auch mehr als ein Jahr später noch präsent. Forscher*innen u.a. vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), dem HIS und der TU Berlin (ZTG, Forschungsbereich “Soziale Bewegungen, Technik, Konflikte”) haben in einem großen Kooperationsprojekt untersucht, warum sich die Proteste so entwickelten und welche Rolle dabei die Polizei und die Medien spielten. Sie analysieren insbesondere die situative Verkettung von Interaktionen und Deutungen, die eine Eskalationsspirale begründeten.

Öffentliche Veranstaltungen am 18. (Berlin) sowie 21. Oktober (Hamburg).

Überwachungskapitalismus

Im Freitag gibt es ein Spezial zum Buch der Woche, welches Shoshana Zuboffs “Überwachungskapitalismus” ist!

Die Menschheit steht am Scheideweg, sagt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Bekommt die Politik die wachsende Macht der High-Tech-Giganten in den Griff? Oder überlassen wir uns der verborgenen Logik des Überwachungskapitalismus? Wie reagieren wir auf die neuen Methoden der Verhaltensauswertung und -manipulation, die unsere Autonomie bedrohen?

Die Thesen sind lohnenswert und ich hatte ihren gleichnamigen Artikel bereits mehrfach hier verlinkt. Ob es nun noch 600+ Seiten braucht, um das Argument unter die Leute zu bringen, werden wir in Kürze hier in einer Rezension erörtern.

Neue Literatur: Predictive Policing

Für European Journal for Security Research haben Jens Hälterlein und Lars Ostermeier ein Special Issue zum Thema Predictive Policing zusammengestellt.

European Journal for Security Research, Volume 3, Issue 2, October 2018: Predictive Security Technologies

Als Autoren mit dabei: Simon Egbert, Dominik Gerstner, Lena Ulbrichtm, Robert Pelzer sowie Katharina A. Zweig, Georg Wenzelburger & Tobias D. Krafft.

Online frei verfügbar ist die Einleitung, alle weitere wohl über entsprechende Unizugänge oder gegen Geld.

Einen Bericht von einer Konferenz in Basel (Sept. 2018) zum selben Thema findet ihr auf dem Blog Rechtswirklichkeit. Das Blog des Berliner Arbeitskreises Rechtswirklichkeit.

KFN-Studie zu Videoüberwachung

Das KFN in Hannover hat eine Studie zur Wirksamkeit von Videoüberwachung veröffentlicht, genauer: Ergebnisse der Evaluation der polizeilichen Videobeobachtung in Nordrhein-Westfalen gema?ß § 15a PolG NRW.

Darin werden eine Menge von Studien zitiert, auch meine Ergebnisse von 2007 und andere. Die Ergebnisse sind kaum überwältigend, sondern bestätigen wie so oft, dass die Kameras im Ergebnis wenig bringen.

Der Freiheitsfoo hat ein paar Ergebnisse herausgearbeitet und kommentiert. Das ist sehr hilfreich, danke dafür.

Ich würde auch dieses Mal wieder behaupten, dass Kamerasüberwachung im öffentlichen Raum zur Kriminalitätsreduzierung ein politisches Mittel sind, auf das Hoffnungen eher projiziert werden, als Kriminelle abgeschreckt, wenn denn eine solche Gleichung so einfach möglich ist.

Mapping G20 – der Bericht

Das Prostestinstitut hat den Bericht zum Projekt Mapping G20 mit dem Titel Eskalation vorgestellt. Ganz egal wie man zu den Tagen im Juni 2017 steht, ein Blick lohnt sich auf jeden Fall.

Öffentliche Veranstaltung “Protest und Reaktion. Die Gewalteskalation um den G20-Gipfel 2017 aus sozialwissenschaftlicher Perspektive” | Vorstellung des Projektberichtes “Eskalation: Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017” Ort: Hamburger […]

Ein Wortprotokoll von der Sitzung am 4.7.2018, auf der ich selbst als Gutachter geladen war, findet sich auf den Seiten der Hamburger Bürgerschaft – nur um einen Eindruck zu bekommen, was und wie da so aufgearbeitet wurde. Alle anderen Protokolle kann man dort auch suchen und finden.