Kategorie: Forschung/Theorie

Schriftenreihe zu Sicherheit

Die Schriftenreihe ist jetzt nicht ganz neu, aber nach einiger Zeit gibt es jetzt eine neue Publikation, an der auch mein sehr geschätzter Kollege Lars Gerhold beteiligt war:

Gerhold, L., Sterl, S., Glunz, E., Stelzmann, D., Karge, J. (Hrsg.): Psychosoziale Lage im Bevölkerungsschutz – Grundlagen, Daten und technische Umsetzung : Ergebnisse aus dem Forschungsverbund PsychoKat.

Das spezielle Thema hat erstmal nicht so viel mit Überwachung zu tun, aber für die Themen des Blogs, zu denen auch Sicherheit gehört, ist diese Schriftenreihe und auch die neueste Veröffentlichung, eine exzellente Quelle mit interessanten Themen.

Digitaler Raum und Autoritarismus

Die Sonderausgabe von Dialogues on Digital Society „Authoritarianism in the digital age“ versammelt eine große zweistellige Zahl (66) von Artikeln zu dem Thema.

Soweit ich das sehen kann, sind alle open access. Das Editorial von Jarret, Kitchin, Steele, gibt einen ersten Überblick.

Authoritarianism is far from being a new phenomenon, but, as the papers in this edition describe, its contemporary form is being reshaped, facilitated, and potentially challenged by the ready availability of diverse digital technologies and infrastructures. From smart, state systems that mediate citizenship and manage populations; to social media and its capacity to spread information both supportive and hostile to political regimes; to biometric, datafied, surveillance systems weaponised against foreign and internal ‘enemies’, the digital is firmly rooted in the contemporary realisation of autocratic and illiberal politics and how human rights and social and economic relations are being recast around the world.

Forschung zu Stasi und Rassismus

Rassismus in DDR-Volkspolizei und Stasi, MDR 10.10.2025

Online gibt es dazu einen kurzen Audio-Beitrag beim MDR, einen längeren Text, in dem es um die dem Beitrag zum Anlass genommene Studie LDA: Institutioneller Rassismus in den Sicherheitsbehörden der DDR am Beispiel der Bezirke Magdeburg und Halle, 1949 bis 1989/90 geht. Links und weitere Infos im Text beim MDR.

Die DDR betonte stets Antifaschismus und internationale Solidarität. Doch wie gingen Volkspolizei und Staatssicherheit mit Ausländern um? Gab es gar „institutionellen Rassismus“ in den Sicherheitsbehörden des SED-Staats? Die Ergebnisse eines umfassenden Forschungsprojekts des Instituts für Landesgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle bringen Licht ins Dunkel.

Aktenzeichen – die Suche nach der Devianz

Eine Doku zu der SendungAktenzeichen XY ungelöst, die viele Aspekte berührt, die wir hier im Blog auch immer mal wieder besprechen. Ich bin erst gerade drauf aufmerksam geworden, daher hier auch erst jetzt.

Dazu sei als Lesestoff diese beiden Texte von David Gugerli empfohlen

Beide Aufsätze hören waren vor seinem Buch „Suchmaschinen. Die Welt als Datenbank“, erschienen, in dem es auch ein Kapitel zur Sendung gibt. 2009, FfM: edition unseld SV. Die hier verlinkten Texte scheinen Vorstudien oder Ideen dazu gewesen zu sein. Auf jeden Fall eine Lektüre wert.

Gesichtserkennung doch mit Bias?

Die Vermtung, dass Gesichtserkennung diskriminierend wirkt, ist so alt, wie die Technik. Jetzt hat der geschätzte Kollege Pete Fussey (der „Expert“ in dem Artikel) der MET Police widersprochen, dass eine Studie mit dieser Annahme aufräumen soll: Expert rejects Met police claim that study backs bias-free live facial recognition use, Guardian 23.8.2025

Vor allem geht es bei der Kritik um die Größe des Samples in der besagten Studie – ein nicht seltenes Problem bei Evaluationen, auch, aber nicht nur bei der Polizei. Was hier vor allem diskutiert wird, ist die Sicht auf wissenschaftliche Ergebnisse, bei denen Statistiken eine Rolle spielen, aber eben auch Wünsche und Hoffnungen an Technik, die letztlich auch Wundermittel sein sollen, um meistens soziale Problem zu lösen.

Luxury Surveillance oder warum Konsum so gut funktioniert

Im Blog des Journals Surveillance & Society haben die Kolleg:innen Marc Shuilenburg and Yarin Eski nochmal über einen Artikel reflektiert, der in eben diesem Journal bereits erschienen ist:

Unter der Überschrift Swasticars, Surveillance, and the Seductive Trap of Smartness: How Tesla Became the Luxury Blueprint for Disciplinary Technology zeigen sie wie und warum Konsum nicht nur ein Einfallstor für Überwachung ist – also wie der Konsum überwacht wird. Sondern sie zeigen wie Konsum als ein Teil von Überwachung gesehen werden muss. Überwachung ist ein Konsumgut, so hatte ich das formuliert in Überwachen und Konsumieren (2021). In zwischen hat sich für dieses Verhältnis im Englischen der Begriff der Luxury Surveillance etabliert bzw. wird immer mal wieder angeführt.

And here’s the kicker, the dystopian twist. People pay for this, happily and eagerly so! Hands over wallets and eyes wide with techno-lust. We don’t just tolerate surveillance anymore but worse: we finance it! We trade our privacy for prestige, our data for dopamine, and our control over our freedom for convenience. Meaning, we buy into the very systems that discipline and control us, just because they’re fast, shiny, and whisper the promises of status and self-actualization. (Zitat aus dem Artikel)