Kategorie: Forschung/Theorie

Call for Papers: Kultur – Technik – Überwachung

Kultur – Technik – Überwachung
Alltagspraktiken und Überwachung – Überwachungspraxen im Alltag

Eine Tagung am Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie der Universität Hamburg,
Forschungskolleg Kulturwissenschaftliche Technikforschung

Zeit: 9. und 10. Oktober 2009

Mehr Informationen gibt es auf den Seiten des Projektes Kultur(kontroll)technologien.

Konferenz: Prosumer Revisited

Ende März findet in Frankfurt die Tagung Prosumer revisited statt. Die von Ebay geförderte Konferenz bietet eine interessante Mischung aus Marktforschung, Forschung zu Marktforschung und sozialwissenschaftlichen Ansätzen, die sich rund um das Phänomen des Prosumers – auch des Produsers (Bruns) – drehen. Ich bin mit einem Vortrag zu Konsum und Überwachung dabei.

Ein Bericht wird es also im April geben. Viel zu Überwachung ist nicht dabei – aber unter diesem Aspekt ist auch die Marktingforschung usw. interessant.

25c3 – Nothing to Hide – aber eine Menge zu verlieren

Danke an Marco für die Eindrücke vom CCC Kongress. Die vorgestellten Thesen sind in der Tat etwas, dass meinen Kommentar herausfordert. Schwierig ist, dass ich den Vortrag nicht gehört habe und endgültig wohl warten muss, bis er online verfügbar ist, dennoch hier ein paar Bemerkungen.

Zum einen sind die Thesen so neu nun auch wieder nicht. Und der Privacy-Aktivist John Gilmore hat es in seiner Eröffnungsrede ja auch gesagt – es sind die Thesen von David Brins Transparent Society, die dieser bereits vor 10 Jahren aufgestellt hat. Ein schwieriges Buch. Der Ansatz ist klasse – mehr Transparenz. Wenn der Staat von uns so viel erfahren will, dann soll er im Gegenzug auch von sich alles preisgeben. Der Schluss dann alles öffentlich und einsehbar zu machen ist allerdings falsch, bestenfalls problematisch – denn diese Gleichung kann es zwischen dem Staat und seinen Bürgern nicht geben. Der Staat darf diese Rechte nicht von seinem Bürger einfordern, während der Bürger sehr wohl auf ein mehr an Transparenz Anspruch haben sollte.

Die totale Offenheit, die in den Thesen mitschwingt, ist der Tod von Gesellschaft – ein Blick in Heinrich Popitz‘ „Über die Präventivwirkung des Nichtwissens“ ist da hilfreich und sehr lohnend (in ders. Soziale Normen, FfM 2006).

Licht für Berlin

In dem Buch des Kollegen Dietmar Kammerer „Bilder der Überwachung“ beginnt gleich das erste Kapitel mit einem Abriss über die Straßenlaternen und der Idee der Kontrolle und Überwachung, im Sinne einer Sichtbarmachung des im Dunkel verborgen gebliebenen. Da auch heute noch immer viel darüber diskutiert wird, ob eine Mehr an Straßenbeleuchtung auch zu einem Mehr an Sicherheit (oder einem besseren Sicherheitgefühl) führen kann, ist die gerade in Berlin stattfindende Ausstellung „Berlin im Licht“ zur Geschichte der Berliner Straßenbeleuchtung sicherlich interessant.

Mit Bezügen zur Vorgeschichte der Beleuchtung und Exkursen zur heutigen urbanen Berliner Lichtlandschaft zeichnet die Ausstellung ein breit angelegtes kultur- und zeithistorisches Berlin-Panorama. Sie verdeutlicht auch, dass Berlin stets Ort permanenter lichttechnologischer Innovation war und bis heute ist. Daneben umfasst die Ausstellung Lichtkunstinstallationen, gestaltet von Christina Kubisch und anderen renommierten Künstlern, die das Museum im Jubiläumsjahr innen und außen neu ins Licht setzen. (Stiftung Stadtmuseum Berlin zur Ausstellung)

Die FAZ Sonntagszeitung hatte dazu einen großen Artikel im Wissenschaftsteil am Sonntag 14.12.2008 (online nur für Abonnenten). Wie der Autor des Artikel schreibt, wurde die Beleuchtung in ihren Anfängen besonders von der Kirche als „Eingriff in die Ordnung Gottes“ angesehen oder als für „schwachleibiger und zarnterviger Personen“ gefährlich. Die Vorstellung in einer Stadt kein Licht zu haben ist für uns sicherlich befremdlich und wäre auch gar nicht mehr durchsetzbar.

Überlegungen zur Historie der Stadtbeleuchtung unter dem Aspekt der Sicherheit sind aber lohnenswert und auch in der heutigen Diskussion um Sicherheit und Sicherheitsgefühl durchaus aktuell.

Meine Privatsphäre ist auch deine

Die New York Times fragt in einem sehr guten Bericht nach der Kollektivität von Privatsphäre – denn was jemand über mich weiß, dass weiß er auch über andere, wann und wo, mit wem und warum ich mich dort oder hier oder anderswo aufgehalten habe – vorrausgesetzt ich geben ihm bestimmte Einblicke in meine Leben – und das meiner Freunde, Partner, Verwandten oder auch nur zufälligen Bekanntschaften und Kontakten. Manches holen sich die Data-Mining-Agenten auch selbst….

You’re Leaving a Digital Trail. What About Privacy?

Propelled by new technologies and the Internet’s steady incursion into every nook and cranny of life, collective intelligence offers powerful capabilities, from improving the efficiency of advertising to giving community groups new ways to organize.

But even its practitioners acknowledge that, if misused, collective intelligence tools could create an Orwellian future on a level Big Brother could only dream of.

(Danke an Elia Zureik für den Hinweis)

US-Geheimdienste: Global Trends 2025

tagesschau.de hat darüber berichtet: Die US-Geheimdienste haben ihren neuesten Bericht zur Zukunft der Welt veröffentlicht – ein (oder mehrere) Zukunftsszenarien. Nicht überraschend geht es zukünftig vermehrt um Konflikte um Resourcen, um Wasser und Energie.

Der Bericht wurde vom National Intelligence Council erstellt und gibt sehr detailliert Auskunft über die Ideen und Strategien aus Sicht der USA und ihrer Sicherheitsbedürfnisse. (Bericht als pdf).

Das Thema Überwachung kommt als solches benannt nur zweimal in dem Bericht vor. Zum einen in der Analyse es Terrorismus der Zukunft und den geeigneten Gegenmaßnahmen:

Some governments will likely respond to increasing terrorism and internal threats by expanding domestic security forces, surveillance capabilities, and the employment of special operations-type forces. Counterterrorism and counterinsurgency missions increasingly will involve urban operations as a result of greater urbanization.  Governments, citing the need for enhanced internal security and their desire to control the influx of unwanted refugees and immigrants, may increasingly erect barricades and fences around their territories to inhibit access.

Zum anderen bei der Zukunft der Kriegsführung und der Bedeutung von Informationen:

The Increasing Importance of Information.  Advances in information technologies are enabling new warfighting synergies through combinations of advanced precision weaponry, improving target and surveillance capabilities, enhanced command and control, and the expanding use of artificial intelligence and robotics.  Future proliferation of long-range precision weapons will permit a growing number of states to threaten rapid destruction of an adversary’s critical economic, energy, political, and military and information infrastructures.  The growing importance of information technologies as an enabler of modern warfighting capabilities will make information itself a primary target in future conflicts.

Der Bericht liest sich wie eine neutrale, nüchterne Bestandsaufnahme – zwischen den Zeilen und wenn man bedenkt wer die Verfasser sind, dann wird klar, worum es auch in Zukunft gehen wird und was uns noch alles erwarten wird. Viel ist auch vom Terrorismus die Rede. Der Begriff und auch wer damit so gemeint sein könnte, bleibt vage – und das ist wohl auch beabsichtigt. Also für alle Interessierten an dem Thema ist das eine gute Quelle und durchaus wichtig.

Seminar zur Sicherheitsarchitektur

Einladung zum Seminar:
DIE NEUE SICHERHEITSARCHITEKTUR‚ UND IHRE FOLGEN FÜR DIE BÜRGERRECHTE
AM 29.11. UND 30.11.2008
HUMBOLDT-UNIVERSITÄT
SA.: BEBELPLATZ 1, RAUM E 42
SO.: HAUPTGEBÄUDE, RAUM 2014A

veranstaltet vom Institut für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit e.V. und dem Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen an der HU Berlin

Buch zum e-Pass

Als pdf online abrufbar ist das Buch „e-Pass der neue biometrische Reisepass“ von Jöran Beel & Béla Gipp. Laut Webseite ist,

„das Buch „ePass – der neue biometrische Reisepass“ ist das Standardwerk zum ePass. Fachzeitschriften sowie Kritiker und Befürworter des ePasses nutzen es für ihre Arbeiten über den ePass. So beispielsweise der Heise Verlag auf Heise Online und in der ix; der Deutsche Bundestag im Literaturtipp zum ePass und der Übersicht zum ePass; der Chaos Computer Club in der „Datenschleuder“; und das FIDIS Konsortium in ihrer Budapest-Erklärung zu maschinenlesbaren Ausweis-Dokumenten.

Dass ich darin keinen Verweis auf den Kollegen Gerrit Hornung lese, wundert mich angesichts dieser Eigenwerbung schon ein wenig. Dessen Buch „Die digitale Identität“ ist ebenfalls online als Volltext im pdf-Format erhältlich und sicherlich ein wichtiges Buch auf diese Gebiet – wenn auch ein juristisch-wissenschaftlicher Text, aber das ist ja nicht immer verkehrt.