Autor: Dietmar Kammerer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Insitut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Veröffentlichungen: "Bilder der Überwachung", Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008.

Film: Meine Daten und ich

Bei Good Movies ist ein Film von Philipp Eichholtz zum Thema Datenschutz erschienen: Meine Daten und ich.

Der fiktive Filmemacher Axel Ranisch sucht nach Antworten bei unterschiedlichen Politikern (Wolfgang Bosbach,Wolfgang Wieland) und Gruppierungen — und stößt mehr und mehr beruflich wie privat an seine Grenzen. Ein witzige und geistreiche Untersuchung über schleichende Veränderungen in unserer Gesellschaft, über hilflos hingenommene Skandale und über die Frage:Wie weit darf der Staat eigentlich gehen?

Mehr Infos auf der Homepage des Films.

Spiel den Überwacher!

Auf der Website des französischen Video- und Digitalkünstlers Martin Le Chevallier können Gamer sich Vigilance 1.0 herunterladen. Der Spieler ist ein Überwacher, verhindert werden sollen Prostitution, Vermüllung, Schmiereien, Ladendiebstahl, ansonsten, so die Anleitung, „stürzt die Bevölkerung in Chaos und moralische Verworfenheit“. Ein durch und durch konsequentes Szenario also, bis auf eine kleine Ausnahme: Verdächigt der Spieler/Überwacher eine Person zu Unrecht, gibt’s Punkteabzug.

Lesetipp: „Wir“ von Jewgenij Samjatin

Der Roman „Wir“ (1920) von Jewgenij Samjatin gilt als der erste Roman, der eine völlig überwachte Gesellschaft beschreibt.

Wir spielt im „Einzigen Staat“, einem Gebilde, das nach einem 200-jährigen Krieg und der „allerletzten Revolution“ entstand. Dieser Staat besteht aus einer von einer Mauer geschützten Stadt, die Häuser dieser Stadt besitzen Wände aus Glas. Heerscharen von „Beschützern“ wachen über das „Wohl“ der Einwohner, deren Leben bis zum kleinsten Handgriff reglementiert ist, über allen steht ein übermächtiger „Wohltäter“. „Nummern“ – gemeint sind Menschen –, die sich gegen diese „Fürsorge“ wehren, werden öffentlich hingerichtet. Der Einzelne zählt nicht, was zählt, ist das Kollektiv. Im Laufe des Buches wird unter anderem eine Gehirnoperation entdeckt, die das Fantasiezentrum im Menschen entfernt und somit Gedanken des Widerstandes unmöglich macht. (wikipedia.de)

Der Roman ist als Volltext im Internet (hier und hier)  erhältlich und, wer lieber Gedrucktes mag, in mehreren Übersetzungen auch als Taschenbuch.

David Gugerli: Suchmaschinen

Gelesen hab ich’s noch nicht, der Klappentext klingt aber spannend und der Band sollte in jedem Fall auch für diesen Blog interessant sein:

David Gugerli: Suchmaschinen. Die Welt als Datenbank. Frankfurt am Main: Suhrkamp 2009.

Der Autor, Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich, zeigt anhand von vier Fallstudien

die Entwicklung der Suchmaschine auf, von den frühen Fernseh-Ratespielen, von Robert Lembkes Unterhaltungsshow »Was bin ich?«, über Eduard Zimmermanns Fahndungssendung »Aktenzeichen XY« und Horst Herolds »Kybernetik der Polizei« bis zu der von Ted Codd ausgehenden Entwicklung der relationalen Datenbank.

Filmtrailer: Echelon Conspiracy

Der Trailer für einen neuen High-Tech-Paranoia-Thriller ist online verfügbar. In „Echelon Conspiracy“ geht es offenbar um ein Handy im iPhone-Style, das alles weiß und alles kann. Wer es besitzt, knackt im Casino den Jackpot, vermeidet Flugzeugabstürze und kriegt die gutaussehenden Frauen. Der Nachteil: Man wird ständig beschossen, verfolgt, von U-Bahnen überfahren. Und eifersüchtig ist das Mobiltelefon auch noch. Schaltet man es ab, droht es mit freundlicher Stimme damit, einen umzubringen.

House of Lords legt Surveillance-Report vor

Das Constitution Committee des britischen House of Lords hat seinen Bericht zur staatlichen Überwachung vorgelegt: Surveillance: Citizens and the State.

Der erste Paragraph erklärt, in wünschenswerter Deutlichkeit:

1. Surveillance is an inescapable part of life in the UK. Every time we make a telephone call, send an email, browse the internet, or even walk down our local high street, our actions may be monitored and recorded. To respond to crime, combat the threat of terrorism, and improve administrative efficiency, successive UK governments have gradually constructed one of the most extensive and technologically advanced surveillance systems in the world.

Danach behandelt der Bericht vor allem rechtliche Aspekte staatlicher Überwachung, von Videokameras bis DNA-Datenbanken. David Wood hat in seinem Blog den umfangreichen Bericht kommentiert und analysiert. Für ihn ist der Bericht

probably the best parliamentary report on surveillance I have ever read, and if only half of the recommendations are given any attention by the government, then Britain will be a much better place.

Also lesen!

Neue Ausgabe von „Surveillance & Society“

Der Relaunch ist vollbracht: Die neugestaltete Ausgabe von „Surveillance & Society“ ist online. Revisiting Video Surveillance

not only revisits one of the key contemporary technologies of surveillance, CCTV, by placing it in deeper historical context, but also reconsiders the past, present and future of Surveillance Studies. There are also 15 reviews of recent books in the area of surveillance

Oscarnominierung für Überwachungsfilm

Die Nominierungen für die 81. Verleihung des Academy Award of Merit, besser bekannt als „Oscar“, sind bekannt gegeben worden. Einer der Anwärter in der Kategorie Bester Kurzfilm ist Auf der Strecke (On the Line) des Schweizer Filmemachers Reto Caffi. In dem 30minütigen Film, der schon zahlreiche Preise auf Filmfestivals abgeräumt hat, hat ein Warenhausdetektiv heimlich ein (elektronisches) Auge auf eine Verkäuferin geworfen und beobachtet sie mit Hilfe des hauseigenen Videoüberwachungssystems. Den Trailer gibt es hier zu sehen.

Videoüberwachung in San Francisco

Das Center for Information Technology Research in the Interest of Society (CITRIS) hat eine aktuelle Studie zu Videoüberwachung in San Francisco veröffentlicht. Dort wurden seit Ende 2005 im Rahmen des San Francisco’s Community Safety Camera Program mehr als siebzig Kameras an so genannten Kriminalitätsschwerpunkten installiert. Die zentralen Ergebnisse in Kürze: Keine Auswirkungen auf Gewaltkriminalität; signifikanter Rückgang von Eigentumskriminalität (property crime); keinerlei Auswirkung auf Drogenkriminalität, Prostitution, Vandalismus.

Der ausführliche Bericht hier. Heise meldet ebenfalls.

Ausstellung: Embedded Art

Vom 24. Januar bis 22. März zeigt die Akademie der Künste in Berlin in Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe Beobachter der Bediener von Maschinen die Ausstellung Embedded Art – Kunst im Namen der Sicherheit.

EMBEDDED ART beschäftigt sich mit den Bedrohungen eines freien öffentlichen Lebens nach den Anschlägen von 9/11, Madrid, Moskau und London. Fragen der Sicherheit haben den Alltag von Millionen von Menschen im 21. Jahrhundert verändert. […] Im Dienst einer allumfassenden Gewährleistung körperlicher, politischer und staatlicher Unversehrtheit ist Sicherheit zu einer neuen Ideologie, zum „Mantra“ der zivilen Gesellschaft geworden.

Im Rahmenprogramm gibt es jeden Freitag in der „Bar zur Inneren Sicherheit“ Künstlervorträge. Das Berliner Zeughauskino begleitet die Ausstellung mit einer Filmreihe, kuratiert von Florian Wüst. Und noch vieles mehr. Unbedingt hingehen!