Kategorie: Forschung/Theorie

Technologie als Gesellschaftsmechanik

Zugegeben eine etwas sehr grobe, pauschalisierende Überschrift, mit der ich die letzten Posts fortsetzen möchte und damit auf die auch im Film vorkommende Macy-Konferenzen hinweisen möchte.

Auf dieser Serie von Zusammenkünften – 10 Konferenzen zwischen 1946 und 1953 – wurden die Grundlagen dessen gelegt, was unter dem Namen „Cybernetics“ bekannt wurde. Eine sehr amerikanische Veranstaltung, wo Menschen (hauptsächlich Männer) aus verschiedenen Disziplinen zusammenkamen und über den neuen Menschen mit neuen Technologien zu sprechen. Aus soziologischer Sicht kann man durchaus sagen, dass hier über eine neues Menschenbild nachgedacht wurde, welches auch auf Grundlage der damaligen technischen Möglichkeiten eine Hinwendung soziale Mechanik, zu menschlicher Beeinflussung – Psychologen waren ebenfalls anwesend – erkennen ließen. Die heutigen Tech-Bros, die Oligarchen, die schon länger unsere digitale Welt prägen, nehmen ihre häufig anti-demokratischen Ideen aus den dort gelegten Grundlagen.

As Hayles laments in “How We Became Posthuman,” the Macy conferences helped usher in a world where everything—including our subjectivity—could be reduced to flows of fungible information, information that can be commodified and manipulated. From this perspective, the Macy conferences were a first salvo in what Haraway would call the “Informatics of Domination,” (Haraway, 1991), in which, as Bateson later suggested, “control” was elevated over “communication” (Bateson, 1991). (vgl. Collins 2025*)

LSD, Hippies, Computer und die Welt von heute

We create tools, then we mould ourselves to our use of them“ JZ Young zitiert* im Film The Net – the Unabomber, LSD and the Internet | Lutz Dammbeck [2003]

Der Film folgt den Spuren der Kybernetiker, den Hippies, dem Internet und warum Ted Kaczynski der Unabomber wurde. Hier liegen einige interessante Hintergründe für den Aufstieg der Ideen des Silicon Valleys… Ich bekam den Tipp von einem Zuschauer bei der Weizenbaum-Veranstaltung gestern, daher teile ich das hier gern. Es passt in das fortgeführte Bild und die Einträge zum Silicon Valley und der Technoelite, wie wir sie heute erleben….

*Zitiert von John Brockman, von dem inzwischen Verbindungen mit Jeffrey Epstein bekannt sind, die für dieses Zitat keine Rolle spielen. 

Palantir – Film und Analyse

Ein weiteres Posting aus der Abteilung Silicon Valleys Techno-Faschisten

Am 13.2. gab es im Weizenbaum-institut eine Vorführung des Films Watching You – Die Welt von Palantir und Alex Karp von Regisseur Klaus Stern, der auch anwesend war. Ein kleiner Trailer als Appetiizer hier schon mal:

Klaus Stern: Watching You, 2024

Nach dem Film gab es auf der gut besuchten Veranstaltung eine Diskussion mit dem Regisseur, mit Constanze Kurz (CCC / netzpolitik.org, 3 Fragen an CK bei Weizenbaum), Lena Ulbricht (Weizenbaum-Institut / Universität Hildesheim) und Simon Egbert (Universität Bielefeld). Dass hier kein Fanclub von Palantir saß, war klar, das hatte das Publikum auch nicht erwartet und so gab es spannende Information zu den Hintergründen des Film, der Verfassungsklagen gegen die Nutzung der Software durch deutsche Polizeibehörden (wozu es auch schon ein erfreuliches Urteil gibt), sowie zu Forschungen zu dem Thema von Simon und Lena.

Machines that fail us

Ein Hinweis auf einen interessanten Podcast aus St. Gallen.

A podcast by the Media and Culture Research Group at the University of St. Gallen about the human rights implications of AI errors and failures and our future with artificial intelligence.

Machines that fail us

Gehören tut er wohl zum Human Error Project, https://thehumanerrorproject.ch, welches u.a. mit folgenden Gedanken die Hintergründe für seine Forschung bescheibt.

But are these machines objective and fair in judging us? Our answer is no. These technologies are often used to make the process of decision making more efficient and objective and to ‘avoid the human error’. Yet paradoxically they are filled with systemic ‘errors’, ‘biases’ and ‘inaccuracies’ when it comes to human profiling. 

Ethnografie in Polizei-Daten

„Data are constructed, not found (Gitelman, 2013Kitchin and Lauriault, 2014)“ Der Satz mag die Leserschaft dieses Blogs nicht überraschen, komisch klingen tut er dennoch. Worum geht es? Um einen sehr empfehlenswerten Aufsatz zur Konstruktion von Daten durch Polizei in und durch ihre Arbeit: …“the term “datafication” implies that something is made into data’ (Mejias and Couldry, 2019: 1). In this study, the ‘something’ concerns the street-level cognitions at the Netherlands Police.“

Donatz-Fest, I. (2024). The ‘doings’ behind data: An ethnography of police data construction. Big Data & Society, 11(3). https://doi.org/10.1177/20539517241270695

Was hat das mit Überwachung zu tun? Nichts und alles. Da es um Kategorien geht, um Einpassungen, Entscheidungen und oft, wie hier auch, die Technik, mit und in der dieses geschieht. Hier ist es die Eingabemaske des polizeilichen Systems, in dem Informationen, Daten, festgehalten werden.

Besser werden – Selbstoptimierung

Das Thema war schon einige Male Thema – und heute auch beim Deutschlandfunk. Das Audio der Sensung Bin ich gut genug? Der Drang zur Selbstoptimierung ist nachhörbar und lohnt sich wie ich finde. U.a. mit dabei ist der Soziologe Hartmut Rosa.

Und ich nutze die Gelegenheit zur schamlosen Selbstbewerbung eines im letzten Jahr publizierten Textes von mir: N. Zurawski: Zählen, messen, kontrollieren. Über eine ambivalente Technik der (Post)Moderne oder: wie aus persönlichem Geltungsdrang ein gesellschaftliches Problem werden kann, Zeitschrift für Semiotik, Vol 45, Heft 3-4, 2023. (erschienen 09/2024, online leider noch nicht frei zugänglich, aber ihr könnt mich fragen… )

Oscar Gandy, Oral History zum Panoptic Sort

Oscar Gandy gilt als einer Vordenker dessen, was man heute unter Surveillance Studies versteht. Mit dem von ihm entwickelten Konzept des Panoptic Sort hat der Professor emeritus der Annenberg School for Communication, der University of Pennsylvania, der Community ein wichtiges Stichwort gegeben.

In einem Oral History-Projekt der Annenberg School for Communication erzählt er in 4 Videosessions über sein Leben und seine Arbeit. Da er ein guter, kluger und interessanter Erzähler ist, lohnt es sich da mal reinzuhören. Es gibt auch Transkripte dazu, man kann das also auch mal für ein Zitat nutzen, ohne es selbst rauszuschreiben.

VR und die Simulation der Wirklichkeit?

Nachdem das Weizenbaum-Forum am 10.12.2024 recht erfolgreich lief (das Video dazu folgt in Kürze), habe ich noch ein paar Nachgedanken zu dem Thema VR, auch weil mich das besprochene Projekt neugierig auf mehr VR gemacht hat, nicht nur, aber vor allem auch in Bezug auf Training und Ausbildung der Polizei und anderer Sicherheitskräfte.

Das Projekt K3VR ist in der Tat recht interessant und kann m.E. nach eine gute Ergänzung im Trainingsbetrieb der Polizei im Umgang mit Eskalationen sein. Auch wenn es eine Vielzahl an Fragen gibt, bietet die VR-Technik echte Alternativen zu den oft ungeliebten Rollenspielen im Training. Ob die simulierte Wirklichkeit, die ja auch immer an bestimmte Parametern orientiert ist, dann Auswirkungen …

cfp: Open Access

Call for Abstracts für die Sonderausgabe „Open Access – kultur- und sozialwissenschaftlich gelesen“ der Zeitschrift kommunikation@gesellschaft

aus dem Call: „Es werden insbesondere Beiträge eingeladen, die reflektierend, analysierend und auch argumentierend auf den Gegenstandsbereich Open Access blicken. Die Sonderausgabe fragt nach dem Stand von Open Access in den Kultur- und Sozialwissenschaften und möchte neue Forschungsperspektiven und -ansätze dieser Disziplinen für Open Access und die Open-Access-Bewegung abbilden. Beiträge sind beispielsweise zu den folgenden Themen mit Schnittmenge zu Open Access möglich:“

Das ist zwar kein Beitrag strikt zu Überwachung o.ä., aber ein dennoch enorm wichtiges Thema für die Wissenschaft, daher dieser Eintrag. Einsendeschluss für die Abstracts: 31.12.2024

cfp: research on cybersecurity, privacy & more

Der Titel des cfp ist leider zu lang für eine Headline, daher hier der komplette:

cfp: The craft of interdisciplinary research and methods in public interest cybersecurity, privacy, and digital rights governance.

Calls poste ich hier eher selten, dieser aber scheint mir sehr interessant und relevant zu sein für das Blog, dass er eine Erwähnung bekommt. Es geht um ein Special Issue of Internet Policy Review. Da der Calltext ebenso lang ist, müsst ihr den selbst lesen. Die Intention zitiere ich aber hier:

This special issue aims to foster a rich dialogue among researchers, practitioners, policymakers, and civil society organizations, providing a platform for reflecting on the unique challenges and successes encountered in interdisciplinary and intersectoral work on public interest cybersecurity, privacy, and digital rights.

Einsendeschluss ist der 8.11.2024