Category: Datenschutz

Neues Buch: Jenseits von 1984

Nach ein paar Wochen Urlaub geht es auch im Blog weiter.

Gerade landet bei mir auf dem Schreibtisch das neue Buch von Sandro Gaycken: Jenseits von 1984. Datenschutz und Ãœberwachung in der fortgeschrittenen Informationsgesellschaft. Eine Versachlichung. Es ist einerseits eine Fortsetzung des früheren 1984.exe – aber auch eine Weiterentwicklung – eben ein Versuch die Debatte zu versachlichen. Schaut selbst rein – in aller Bescheidenheit habe ich auch einen Beitrag dazu beigesteuert.

Peter Schaar kritisiert Videoüberwachungsdiskussionen

“Der Datenschützer kritisierte auch die aktuelle Debatte über Video-Ãœberwachung nach dem Anschlag auf den Marathonlauf in Boston. Es gebe bereits jetzt ein hohes Niveau an Videoüberwachung und entsprechende gesetzliche Voraussetzungen dafür. An welchen Orten die Videoüberwachung bei Anwesenheit vieler Menschen zum Einsatz komme, sei eine Frage der Polizeitaktik. “Eine flächendeckende Videoüberwachung sollte es nicht geben”, so Schaar, weil diese in das informationelle Selbstbestimmungsrecht eingreife.”

(Quelle)

Privatsphäre und Bewegung

In dieser Studie, die bei Nature vorgestellt wurde und die im Internet weit disktutiert (gigaom.com) wird, geht es um die Möglichkeiten Bewegungsdaten nachzuvollziehen. Unique in the Crowd: The privacy bounds of human mobility. Und wie es scheint ist allein aus den Mustern auf bestimmte Peronen zu schließen – also nicht die Daten bestimmter Personen sind interessant, sondern die gespeicherten Daten können zu den Profilen von Personen führen.

We study fifteen months of human mobility data for one and a half million individuals and find that human mobility traces are highly unique. In fact, in a dataset where the location of an individual is specified hourly, and with a spatial resolution equal to that given by the carrier’s antennas, four spatio-temporal points are enough to uniquely identify 95% of the individuals.

Era of the digital mercenaries

Die Reporter ohne Grenzen haben einen Text veröffentlicht, der sich dem Thema der Überwachung des digitalen Verkehrs annimmt: Era of the digital mercenaries

Online surveillance is a growing danger for journalists, bloggers, citizen-journalists and human rights defenders. The Spyfiles that WikiLeaks released in 2012 showed the extent of the surveillance market, its worth (more than 5 billion dollars) and the sophistication of its products.

Lesenswert!

Kameras gefährden unsere Menschenrechte

Dieser Standpunkt ist nicht neu – aber nun kommt er offiziell vom Surveillance Commissioner Großbritanniens, der die technische Entwicklung für den Grund hält, dass Kameras nicht mehr zu kontrollieren noch zu regulieren sind. Der Besen ist aus der Box und macht was er will. Wie gesagt nichts neues – aber ein interessantes Interview, das zeigt, wie weit fortgeschritten der Ãœberwachungsalltag in VereingtenKönigreich bereits ist – ganz ohne Zukunftsblicke und abgefahrende Visionen.

–>> CCTV Technology has ‘Overtaken Ability to regulate it. (Wall Street Journal/ Independent fürs Interview)

Ob dagegen das Kartieren von Kameras sei dahin gestellt – aber ein schöne Idee ist es trotzdem. Was nicht so alles geht mit Technik – zum einen oder anderen Zweck: Crowdmapping Denmark’s CCTV cameras.

Das menschliche Anlitz der Daten

Eine neue App für Smartphones verspricht ihren Nutzern, “digitale Doppelgänger” auf der Welt ausfinding zu machen.

The Human Face of Big Data is a globally crowd-sourced media project focusing on humanity’s new ability to collect, analyze, triangulate and visualize vast amounts of data in real time.

Download the free mobile app and learn about yourself, how you compare to others and what your phone can tell you about your life. Compare answers about yourself, your family, trust, sleep, sex, dating and dreams, with millions of others around the world.

Dafür stellt sie Fragen über Lifestyle und persönliche Meinungen, misst zurückgelegene Wege, stellt den Standort fest usw. Diese Seite gibt (angeblich) Antworten und Daten von Nutzern weltweit in Echtzeit aus.

Hinter dem Projekt stehen der Hardwarehersteller EMC und der Fotograf Rick Smolan.

Auch Polizei stellt Videos bei Youtube ein

Viel Hoffnung haben Protestierende in die Möglichkeiten der Gegenüberwachung gesetzt, um bspw. Polizeigewalt aufzudecken. Spektakuläre Fälle, wie der von Rodney King in Los Angeles oder der Vorfall auf der Freiheit-Statt-Angst-Demonstration in Berlin 2009 nährten die Erwartungen in die “accountability 2.0” (Eijkmann 2011). Dieser Logik folgt immer öfter auch die Polizei. Verschiedene Polizeibehörden in den USA, so ein ausführlicher AP-Bericht, stellen vermehrt Videos auf Youtube ein, um ihre Seite der Geschichte zu erzählen.  Es geht ihnen dabei oft um das Vorfeld der von Protestierenden gezeigten Polizeiübergriffe oder auch darum im Fall von offensichtlichem Fehlverhalten zu beteuern, dass dieses auch zur Entlassung des polizeilichen Gewalttäters geführt hat. Der Artikel stelt keinerlei kritische Fragen darüber, was es bedeutet, wenn nun noch mehr Instanzen Bilder von Demonstrationsteilnehmer/innen veröffentlichen.

Datensammeln über Protestteilnehmer/innen

Gegen die geplanten Blockaden der EZB in Frankfurt im Rahmen eines europaweiten Aktionstages gehen Stadt und Polizei mit ungewohnter Härte vor. Sämtliche Demonstrationen und Aktionen wurden zunächst verboten und aufgrund umfangreicher Datensammlungen im Verlauf vorheriger Proteste konnte die Polizei hunderte Aufenthaltsverbotsverfügungen verschicken.  Die Protestierenden und Bürgerrechtler/innen sind empört. Zumindest die Aufenthaltsverbote wurde inzwischen zurückgenommen. Für die Daten wird sich wohl trotzdem wieder eine Verwendung finden.