Category: Stadt/Urbanismus/Architektur

PARCITYPATE – Künstlerische Interventionen und urbaner Raum

Das Symposium “PARCITYPATE – Künstlerische Interventionen und urbaner Raum” könnte auch im Kontext von Ãœberwachung interessant sein.

ParCITYpate eröffnet einen Diskurs über urbane Möglichkeitsräume, Praktiken städtischer Innovationen und neue interdisziplinäre Schnittstellen. Ziel des Symposiums ist es, künstlerische Strategien der Aneignung von urbanem Raum und daraus resultierende Formen der Partizipation und Stadtentwicklung zu untersuchen.

Besonders interessant finde ich eine Diskussion am Samstag (die auf der Webseite irgendwie nicht zu finden ist…. ) von 11.12.30 Uhr, u.a. mit Martina Löw (“Raumsoziologie”) und Edward Soja (“Postmodern Geographies”).  Stargast der Veranstaltung ist Daniel Liebeskind, der  Architekt.

Mannheim: Kameras werden abgebaut

Es passiert selten, aber es passiert: Videokameras im öffentlichen Raum werden abgebaut, weil der Ort nicht mehr als Kriminalitätssschwerpunkt gilt. Die Diskussion, die in Mannheim jetzt allerdings losgeht, offenbart die wahren Gründe für die Begeisterung der Kameras, zumindest bei den Einzelhändlern, die mit dem Element Sicherheit Geschäfte machen wollen.

Die Werbegemeinschaft City findet das “gar nicht gut”, wie Vorsitzender Lutz Pauels beklagt. Generell verstehe er Bedenken gegen eine überzogene staatliche Ãœberwachung. “Aber in der Innenstadt sind die Kameras notwendig und sinnvoll, hier haben sie sich bewährt”, betont Pauels. Die Sicherheit sei ein “enorm wichtiges Argument für den Einzelhandelsstandort”, hebt er hervor. “Stadt und Polizei hatten das bisher gut im Griff, jetzt besteht die Gefahr, dass alles wieder losgeht. Darauf sollte man nicht warten”, fordert Pauels ebenso wie der Bürger- und Gewerbeverein östliche Innenstadt. Beim “MM”-Bürgerbarometer 2002 befürworteten 84 Prozent der Befragten die Kameras.

Sicherheit vor wem ist dann die Frage – vor denen, die nichts kaufen und die anderen Kunden verschrecken, vor den Unliebsamen, den Pennern, Bettlern, Junkies, Jugendlichen, Skatern usw…. oder vor den Ladendieben und Kleinkriminellen, die die Kunden bedrohen. Die Polizei sieht das herzerfrischend pragmatisch und tut was sie gesagt hat: Kein Kriminalitätsschwerpunkt mehr – die Kameras kommen ab! Wie es weitergeht warten wir dann mal ab. Eine Innenstadt aber nur wegen des Einzelhandels zur Sicherheitszone zu erklären, wäre dann doch etwas zu viel des Guten und zum Glück hier nicht so einfach durchsetzbar. Aber auch da wird dem Vorbild England nachgeeifert und es werden so genannte Business Improvement Districts (IHK infosWikipedia-Eintrag, sieht nach IHK aus – Wikipedia engl. ) implementiert. Damit wird aber öffentlicher Raum zunehmend privatisiert und dann bedarf es auch irgendwann nicht mehr der Zustimmung der Polizei, ob Kameras hängen dürfen oder nicht. –>> Zum Phänomen der BIDs hier noch ein kritischer Beitrag von Georg Glasze.

Schön ist natürlich zu sehen, wie andernorts dann gleichzeitig, offenbar ohne Würdigung der Erkenntnisse der Kollegen Videoüberwachung ausgebaut wird – mit dem Zusatz “…. hofft bei der Verbrechensbekämpfung…. ” – das ist doch ganz schön vage für so harte Innenpolitiker.

Die Sicherheit in den Städten

Das hier ist nicht wirlich eine Ankündigung für die Konferenz/Messe, aber als Aspekt von Forschung ist es doch sehenswert, was es noch so alles gibt. Die Messe Public Private Security am 23/24. Januar 2008 in Hannover, ist eine Show für mehr Sicherheit, auf der auch viele der üblichen Verdächtigen sich gegenseitig bestärken, wie gefährlich alles ist und wie viel schlimmer es noch sein wird. Mittenmang die Industrie, die sich so sehr um unser Wohlergehen sorgt und natürlich ein paar Produkte im Koffer hat…

Sicherheit und Ordnung als wesentlicher Standortfaktor gewinnt für Städte und Gemeinden immer mehr an Bedeutung.
Gemeinsam mit Partnern aus Öffentlicher Hand wie dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie aus privatem Sicherheitsgewerbe wie dem Bundesverband Deutscher Wach- und Sicherheitsunternehmen schafft die PPS viel Raum zum konkreten Austausch zwischen kommunalen Zielgruppen und privatem Sicherheitsgewerbe.
Der thematische Schwerpunkt der PPS ist die gesamtstaatliche, flexible und effiziente Sicherheitsstruktur, die durch alle Akteure der inneren Sicherheit weiterzuentwickeln ist.

na dann, eine Veranstaltung zur Videoüberwachung wird es auch geben… …. ah ja – die Messe findet zeitgleich mit der Messe Public Infrastructure statt, eine Messehalle weiter, woran sich zeigt, das Ãœberwachung, Kontrolle und Raum ein wichtiger Themenkomplex ist, der auch in der Forschung zunehmend Beachtung findet. Hier bietet sich ein äußerst praktisches Feld für ein paar Betrachtungen.

Anti-Ãœberwachungsdemo am 22.09.

Gerade bei Meike gesehen:

Anti-Ãœberachungs-Demo

Berlin, 22.9.2007, 14:00 Uhr

Am 22.9.2007, 14:30 Uhr startet vor dem Brandenburger Tor in Berlin die große Demonstration gegen den Überwachungswahn. “Freiheit statt Angst” lautet der Titel. Der FoeBuD mobilisiert dazu zusammen mit vielen weiteren Organisationen, die sich im “Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung” zusammengeschlossen haben.

Mit der Vorratsspeicherung der Telekommunikation und Online-Durchsuchungen von Computern stehen weiter verschärfte Sicherheits- und Überwachungsbefugnisse auf der unersättlichen politischen Agenda. Dabei bewirkt die zunehmende elektronische Erfassung und Überwachung der gesamten Bevölkerung keinen verbesserten Schutz vor Kriminalität, kostet Millionen von Euro und gefährdet die Privatsphäre Unschuldiger. Wo Angst und Aktionismus regieren, bleiben gezielte und nachhaltige Maßnahmen zur Stärkung der Sicherheit ebenso auf der Strecke wie ein Angehen der wirklichen, alltäglichen Probleme der Menschen (z.B. Arbeitslosigkeit und Armut).

Hinzu kommt: Wer sich ständig überwacht und beobachtet fühlt, kann sich nicht mehr unbefangen und mutig für seine Rechte und eine gerechte Gesellschaft einsetzen. Es entsteht allmählich eine unkritische Konsumgesellschaft von Menschen, die “nichts zu
verbergen” haben und dem Staat gegenüber – zur vermeintlichen Gewährleistung totaler Sicherheit – ihre Freiheitsrechte aufgeben. Eine solche Gesellschaft wollen wir nicht!

Um gegen Sicherheitswahn und die ausufernde Ãœberwachung zu protestieren, gehen wir am Samstag, den 22. September 2007 in Berlin unter dem Motto “Freiheit statt Angst – Stoppt den Ãœberwachungswahn!” auf die Straße. Treffpunkt ist der Pariser Platz (Brandenburger Tor) um 14.30 Uhr. Der Protestmarsch durch die Stadt wird unter anderem über den Alexanderplatz führen, bevor er mit einer großen Abschlusskundgebung vor dem Brandenburger Tor enden wird.

Weitere Infos unter www.FreiheitStattAngst.de

Videoreportage zu Ãœberwachung bei Zeit.de

Stephan und Christoph Hartmann haben für die Zeit Online eine Videoreportage zu Thema Überwachung gedreht. Titel: Die sichere Stadt. Wie tragen Festungsbau und Überwachungskameras zu unserer Sicherheit bei.

Es ist wohl der erste Teil einer Reihe zu dem Thema. Ich bin gespannt… (ja, auch weil ich ebenfalls darin vorkomme.. . ;-) )

Karten und die private Ãœberwachung auf der Biennale

Real Time Rome nennt sich das Projekt des MIT, welches als Teil der Biennale vorgestellt wird. Da sich darin auch Überwachungsaspekte finden lassen, wollte ich es nicht vorenthalten (von 2006 deshalb, weil es sich um den Architektur-Teil der diesjährigen Biennale handelt).

Real Time Rome is the MIT SENSEable City Lab’s contribution to the 2006 Venice Biennale, directed by professor Richard Burdett. The project aggregated data from cell phones (obtained using Telecom Italia’s innovative Lochness platform), buses and taxis in Rome to better understand urban dynamics in real time. By revealing the pulse of the city, the project aims to show how technology can help individuals make more informed decisions about their environment. In the long run, will it be possible to reduce the inefficiencies of present day urban systems and open the way to a more sustainable urban future?
IMG_5597.jpg Detail from Software 2. The yellow lines represent buses in real time and the red corresponds to density of people. Sep 2006

Es handelt sich dabei offensichtlich um Karten, mit denen eine Orientierung entlang ausgesuchter Faktoren erleichtert werden soll. Ob das schon Ãœberwachung ist, mag bezweifelt werden – sicher ist aber das solche Technologien sich sehr gut eignen, um zielgerichtet im Konsumbereich oder aber auch in der Kontrolle von Menschen bzw. Gruppen von Menschen gentutzt zu werden. Die Visualisierung über Karten schafft entsprechende Ãœbersichten und damit neue Wirklichkeiten durch Komplexistätsreduzierung – der Mensch als Datenbruchstück, in diesem Fall in der Rolle als Handybenutzer. Schön deutlich wird hier, wie über Karten Zeit und Raum verdichtet und in neue Zusammenhänge gesetzt werden kann und somit unsere Sicht auf die Welt beeinflussen und steuern kann.

Wieder mal die sprechenden Kameras….

Auch wenn es schon hinlänglich bekannt ist: In Großbritannien gibt es sprechende Kameras. Nun hat auch tagesschau.de dazu einen schönen Beitrag veröffentlicht – von einem Korrespondenten – mit dem Titel: Wenn Kameras mit dir sprechen….

Schön ist allerdings was Martin Zagatta (der Autor des Beitrages) noch so berichtet:

Vier von fünf Briten geben Umfragen zufolge Innenminister John Reid Recht, der die Kontrolle per Bildschirm befürwortet und solch “sprechende” Kameras nun an möglichst vielen Orten aufstellen will. “Das ist keine Geheimüberwachung, sondern ein öffentliches, interaktives System und so erfolgreich, dass eine Vielzahl von Kommunen im ganzen Land das nun auch einführen will – und wir fördern das mit Zuschüssen”, so der Innenminister. Und die britische Regierung feilt schon an Weiterentwicklungen. In London soll bereits ein Modellversuch laufen, mit Kameras, die mit Richtmikrophonen ausgestattet sind und Gespräche aus einiger Entfernung belauschen können. Forscher arbeiten an einem System, das Lippen lesen kann – und in Liverpool ist die Polizei dabei, bewegliche Ãœberwachungskameras auszuprobieren, die nahezu lautlos aus großer Höhe arbeiten, wie Miniatur-Hubschrauber aussehen und per Fernsteuerung gelenkt werden.

Das ist doch mal eine Perspektive, bei der man sich fragt wohin das noch gehen kann – der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt (siehe auch die fliegenden Kameras in Mailand). Hoffen wir, dass hierzulande zumindest die Gesetzte diesen Begehrlichkeiten noch ein wenig Stand halten.

Hörspiel: Fake City Inc.

Am 3. Juni um 21.05 Uhr gibt es bei NDR Info das Hörspiel “Fake City Inc.” über Gated Communitites und die Privatisierung des öffentlichen Raums. Aus der Beschreibung:

Von New York bis München stehen die Städte vor dem Bankrott. Private Investoren gestalten nun die renditeträchtigen Innenstädte neu und verwandeln sie in Shopping-Malls und Business-Center. Der “New Urbanism”, der schon in Amerika für klinisch saubere “Gated-Communities” gesorgt hat, ist auch in der deutschen Hauptstadt angekommen. Doch in all dem neoliberalen Stadtumbau gibt es auch Bürger und Initiativen, die sich die Wiederaneignung des städtischen Raums als Lebenswelt zum Ziel gesetzt haben.