Category: Internet

Was die anderen Ländern so machen

Die Financial Times Deutschland listet passend zur Urteilssprechung des Verfassungsgerichtes mal schön auf, wie die anderen Länder so mit den Überwachungsmaßnahmen umgehen, was in Frankreich oder Skandinavien so Usus ist und zitiert Jörg Ziercke, den Chef des Bundeskriminalamtes zu den Zuständen im Vereinten Königreich.

Das Ausmaß der Videoüberwachung entspräche allerdings nicht Zierckes “Vorstellung von einem demokratischen Rechtsstaat”, hatte der BKA-Chef einmal dem Wochenmagazin “Stern” gesagt.

Zum Urteil empfehle ich die einschlägigen Quellen – Zeit tagesschau.deSpiegel

Dass Schäuble trotzdem so tut las wäre nichts gewesen und die Onlinedurchsuchungen jetzt doch durchsetzen will – wie vieles andere auch, überrascht nicht. Bleibt die Frage, worum es eigentlich wirklich geht? Um eine Demonstration staatlicher Macht? Um die Paranoia eines einzelnen Mannes (die allerdings auch Otto Schily bereits teilte)? Oder um die Erzeugung von Angst, mit der sich bekanntlich besser regieren lässt? Ich finde das schon lange jedes Maß in der allgemeinen Diskussion um Sicherheit, Terrorismus und die entsprechenden Gegenmaßnahmen verloren gegangen sind.

Handys organisieren den Alltag

Wenn man einmal nicht daran denkt, was die tollen Fähigkeiten der Handys noch so alles ermöglichen, dann ist das in der Tat eine super Sache. Ein Jubelbericht in der Computerwoche zu dem was Handys alles leisten in unserem Alltag – was ihre Technologien letztlich auch so erfolgreich machen dürfte und die Hemmschwelle diese Dienste und andere Datenkraken zu nutzen so niedrig.

Eine neuartige metergenaue W-Lan-Lokalisierung, die das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) entwickelt hat, soll zudem die Navigation in Städten verbessern, die zuweilen durch Aussetzer des satellitengestützten GPS in der Nähe von hohen Gebäuden und in Straßenschluchten unterbrochen wird. Zusammen mit dem Telefonbuch Verlag Hans Müller wollen die Fraunhofer-Forscher die Technik Anfang des Jahres in einer lokalen Suche mit den “Gelben Seiten” präsentieren. Dann können Nutzer, ohne zu wissen wo sie sich genau befinden, ein Taxi rufen oder sich via Handy zu einer Werkstatt lotsen lassen – und zwar ohne langatmig Straßennamen eingeben zu müssen.

Wow, das klingt klasse – da bleiben auch für Ãœberwacher keine Fragen mehr offen…

Bildbearbeitung, kollektives Gedächtnis und Überwachung

Dieser kleine Film zeigt, was alles möglich sein kann – die Vorstellung wie diese Technologie mit Ãœberwachungskameras genutzt werden kann ist eindrucksvoll und beängstigend zugleich. Da bleibt dann nichts mehr ungesehen – für niemanden mehr. Die Vorstellung einer übergeordneten Kontrollinstanz gehört dann endgültig der Vergangenheit an, denn diese Technologie verbindet die “kollektive Erinnerung” von Photos und Filmen um sie allen zur Verfügung zu stellen… die Konsequenzen müssen noch diskutiert werden…
Film:
Photosynth Prototype
What a horrible time to be blind

.. und hier gibt es mehr Informationen zu der Software – bei Microsoft – Microsoft Research Lab – wen wundert es?!

Online-Durchsuchung und das Netz

DAs Netz ist böse – denn es wird von Terroristen benutzt. Zu dieser Argumentationi ist nicht viel zu sagen, auch wenn sie von den Sekurokraten gern bemüht wird. Der Zeit-Artikel Staubsauger im Netz zeigt, was die Behörden jetzt schon können – und damit wohl auch andere Mitspieler im weltweiten Datengeschäft.

Ãœberhaupt wird ein bisschen zu viel Wind um die Online-Durchsuchung gemacht. Das ist nicht die Totalausspähung der Bürger, dazu ist das Verfahren zu kompliziert und fehleranfällig. Es ist die mehr und mehr um sich greifende Denkweise der totalen Beherrschbarkeit aller Risiken, der scheinbar notwendigen Aufteilung der Bevölkerung zu deren Ãœberwachung und die generelle Geringachtung von Bürgerrechten und Freiheit durch den Staat (die Wirtschaft geht hier subtiler vor). Ich würde mir mehr Diskussionen in diese Richtung wünschen – auch unter den Kritikern.

Widerstand im Netz

tagesschau.de hat einen Artikel zu den verschiedenen Aktionen gegen Schäubles Ãœberwachungspolitik im Netz veröffentlicht – Kreative Ãœberwachungsgegner im Netz. Der Kollege Fiete Stegers macht damit auch die Blogger und anderen Aktivisten über die üblichen Kanäle hinaus bekannt. Gut für uns! Unter anderem mit dabei – die Erfinder des Stasi 2.0 Graffitis.

Noch ein Special: Gefahren aus dem Internet

Tagesschau.de hat ein Special zu Datenschutz, Internet und den darin befindlichen Gefahren zusammengestellt – “Gefahren aus dem Internet” . Ob man so ein Angebot dermaßen kulturpessimistisch betiteln muss, sei dahin gestellt – aber es lohnt sich auch darein zu schauen. Passt auch prima zu dem Aufsatz von Theo Röhle zu Suchmaschienen und Marketing (sie ein paar Einträge weiter unten).

Veröffentlichung: Online-Suche und Marketing

„Think of it first as an advertising system“: Personalisierte Online-Suche
als Datenlieferant des Marketings von Theo Röhle bei “Kommunikation und Gesellschaft”. Gerade erschienen und sicherlich für die Surveillance Studies und alle Interessierten lesenswert.

Suchmaschinen gehören seit langem zu den wichtigsten Werbeträgern im Netz und es wird mittlerweile offen zugestanden, dass die gezielte Vermarktung von Werbeplätzen sich zur Kernaufgabe der Suchmaschinenbetreiber entwickelt hat. Um dem Ruf nach relevanteren Suchergebnissen nachkommen zu können, binden neue Formen der personalisierten Suche immer weitere Bereiche des Nutzerverhaltens in den Suchprozess ein, gleichzeitig schaffen die gesammelten Daten aber auch die Grundlage für eine noch engere Verzahnung ökonomischer Interessen mit dem persönlichen Nutzungskontext. Mit Bezug auf aktuelle Theoriebildung aus den „Surveillance studies“ diskutiert der Beitrag die Rolle der personalisierten Suche als Bindeglied zwischen Nutzer und Werbung.