Category: Biometrie

Die bunte Welt der Biometrie

Eigentlich wollte ich einen Bericht von einer wirklich interessanten Konferenz zum Thema Biometrie in Potsdam schreiben. Aber für einen ausführlichen Kommentar reicht die Zeit nicht. Die Mischung aus Technikern und Entwicklern, deren Ideen und auch ihren Einschätzungen wofür man die Verfahren nutzen kann, wie gut und sicher sie sind – und den Philosophen, Kulturwissenschaftlern, Psychologen und Soziologen mit ihren zumeist kritischen Beiträgen war gelungen. Ich habe zumindest etwas gelernt darüber, wie Kinder Gesichter wahrnehmen und vor allem wiedererkennen und in welchen Zusammenhängen biometrische Verfahren in der Geschichte standen. Hier haben vor allem Mitblogger Dietmar Kammerer und Susanne Regener sehr gute Vorträge gehalten.

Bei den Philosophen hat mich Lambert Wiesing davon überzeugt mehr auf den Unterschied von Eigenschaften und Funktionen bei Dingen zu achten. Eine Unterscheidung, die bei der analytischen Betrachtung von Dingen und Zusammenhängen besonders des Technischen von elementarer Bedeutung sind. Begeistert haben mich wie viele die Bilder von Christian Mahler in seinem Projekt Eigenface. Wobei die Begeisterung sich mit montröser Faszination mischte, denn die gemittelten Bilder sehen halt aus wie Zombies. Wenn das die Zukunft der Biometrie ist…. und die Frage stellt sich hier: ist das noch ein Bild und wenn ja, welches Phantom ist darauf zu sehen und was heißt das eigentlich für unser Verständnis von Bild, Abbild und die darauf beruhende Ãœberwachung und Kontrolle, die sich z.B. bei der Videoüberwachung so sehr auf die Authentizität von Bildern verlässt.

Die Zukunft kann aber auch ganz anders aussehen und nicht Gesichtserkennung heißen, sondern viel eher DNA, woraus sich dann eventuell auch Gesichter erkennen lassen – zumindest die Zeit hatte noch rechtzeitig für meinen Vortrag in Potsdam einen Artikel zu Verfahren wie Fahnder das Aussehen von Verdächtigen mit DNA bestimmen können. Die Implikationen solcher Verfahren sind noch nicht bis zum Ende gedacht – vielmehr ist es ein Graubereich, sowohl rechtlich als auch was die Konsequenzen solcher Verfahren für die betroffenen im Speziellen und alle anderen im Besondern angeht.

Freie oder dopingfreie Gesellschaft?

Offensichtlich geht nicht beides. Die FAZ berichtet über das Dilemma der Dopingfahnder, die nach dem neuen WADA-Code sich selbst ad absurdum führen könnten, denn was darin festgehalten ist, ist die lückenlose Totalüberwachung mit ausgesprochenem Generalverdacht der betreffenden Sportler. Videoüberwachung und die Vorratsdatenspeicherung sind bezogen auf die Gruppe der betroffenen Sportler so als ob ein Mutter ab und zu in den Hof den Kindern zuruft “seid ihr alle da? Macht ja keinen Unsinn!”

Die Kritik der Sportler ist berechtigt, die der Datenschützer und Juristen ebenfalls. Dass aber Radsportler in Belgien klagen und sich deutsche Mitglieder der Regierung sich aber ausgerechnet zu Wort und Bedenken anmelden, ist schon bizarr. Die Regierung hatte bisher wenig Probleme damit auch noch jedes Grundrecht einzuschränken oder zumindest den Versuch zu machen. Und Doping ist kein Einzelfall, sondern systematisch und Teil des Profisports, mit seinen Sponsoren, den Fördermitteln des Bundes, dem chauvinistischen Geheul bei Olympia und einem vielen Heuchlern, die gern im Glanze der Sportler stehen und diese nur beschränkt unterstützen und so tun, als gäbe es das alles nicht. Es bleibt aber die Frage nach den Möglichkeiten ein Dopingkontrollsystem der Fairness zuliebe zu schaffen, welches gleichzeitig die Bürgerrechte und die Privatsspäre weitgehend achtet. Was wäre zu tun?

Ein wie ich finde sehr interessantes Thema, was hier nicht zum letzten Mal (oder ersten Mal) auftauchen soll. Und sicherlich auch ein ergiebiges Feld der Forschung. Ich freue mich auf Anregungen und Kommentare.

Tarnkappe gegen Videoüberwachung

Eine einigermaßen schräge Idee kommt aus den Laboratorien von HP – dort wurde eine Art Schutz vor Kameras entwickelt, vor der man sich allerdings registrieren muss, damit man dann auch geschützt ist…. Der Standard hat dazu einen Artikel, in dem er der – gutwillig gesagt – grotesken Idee tatsächlich mit Ernsthaftigkeit begegnet und auch Datenschützer und andere Kritiker zu Wort kommen lässt. Das ist richtig, versteht mich nicht falsch, aber der Ansatz von HP ist so absurd, dass jede weitere Diskussion sich eigentlich von allein erledigt.

PhantomGesichter – Ausstellung zu Biometrie

Die Europäischen Medienwissenschaften an der FH Potsdam veranstalten im März (12-14.3.2009) die Tagung und Ausstellung PhantomGesichter. Eine öffentliche Tagung und Ausstellung zu biometrischen Bildern, Schaufenster der FH Potsdam. Die vorläufige Liste der Künstler und Referenten klingt interessant (und ich freue mich dabei sein zu dürfen)

1. Prof. Christoph Busch: Stand und Perspektiven der Gesichtserkennung
2. Dipl-Ing. Helmut Seibert: Verarbeitung von 3D-Rekonstruktionsdaten zur Gesichtserkennung
3. Dipl.-Ing. Christian Benderoth: GFM- Biometric Face Scanner- 3D Gesichtserkennung.
4. Prof. Natascha Adamowsky: Surveillance & Entertainment – Computerspiele, Medienkunst und die Frage allgegenwärtiger Überwachung
5. Dr. Jörg Sternagel: Phänomenologie des (Film-) Gesichts
6. Roland Meyer: Gesichter des Erkennungsdienstes
7. Prof. Lambert Wiesing: Photogramme, Phantome und Spuren.
8. Dr. Uli Richtmeyer: Die unscharfe Allgemeinheit des Bildes. Konvergenzen und Divergenzen in optischen und mathematischen Kompositbildern.
9. Dr. Nils Zurawski: “Schau mir auf die Augen” – Warum Biometrie erkennen, aber nicht verstehen kann. Gedanken zur inneren Außenwelt
von Identifizierungstechnologien.
10. Dr. Dietmar Kammerer: “Selbstmörder, Bettler und aufgegebene Pakete. Von den Politiken der Systeme der Bilderkennung”
11. Eric Töpfer: “Lean Policing” und die Ubiquität der Videoüberwachung
12. Kate Burgener: chic-o-mat, an interactive system for diversity research, 2009.
13. Dr. Claudia Freitag: “Gesichter – ein besonderer Reiz. Ergebnisse aus der aktuellen psychologischen Forschung zur Gesichtserkennung”
14. Dr. Michael Könnecke: Das biometrische Dokumenten-Foto
15.Prof. Susanne Regener: Identitätsmaschinen. Zur Vorgeschichte biometrischer Fotografie
16. Christian Mahler: interconnected pictures
17. Prof. Niels Gottschalk-Mazouz: Werkzeug, Maschine, System. Bemerkungen zur Biometrie aus technikphilosophischer Sicht.
18. Jeroen van Beek: ePass reloaded
19. Raul Gschrey: künstlerische Arbeiten aus dem Projekt “Contemporary Closed Circuits – Subversive Dialoge”

BKA und Architekten

Das BKA braucht die Hilfe von Architekten, denn die Gesichtserkennungssoftware der Polizei funktioniert nur dann richtig, wenn die Kameras gut Licht haben und richtig angebracht werden. Und deshalb bitte ihre ̦rtliche BKA-Dienststelle und Mithilfe Рmit einem Aufruf im Deutschen Architektenblatt.

Das BKA klagt nun zu den Bildern von draußen: „Diese (Video-)Aufnahmen sind häufig aufgrund der ungenügenden Bildqualität für derartige Recherchen nicht oder nur bedingt geeignet. Auf diese Situation können jedoch Architekten Einfluss nehmen“ – vor allem durch richtige Kamerastandorte oder Leerrohre dafür und durch angemessenes Licht.

Buch zum e-Pass

Als pdf online abrufbar ist das Buch “e-Pass der neue biometrische Reisepass” von Jöran Beel & Béla Gipp. Laut Webseite ist,

“das Buch “ePass – der neue biometrische Reisepass” ist das Standardwerk zum ePass. Fachzeitschriften sowie Kritiker und Befürworter des ePasses nutzen es für ihre Arbeiten über den ePass. So beispielsweise der Heise Verlag auf Heise Online und in der ix; der Deutsche Bundestag im Literaturtipp zum ePass und der Ãœbersicht zum ePass; der Chaos Computer Club in der “Datenschleuder”; und das FIDIS Konsortium in ihrer Budapest-Erklärung zu maschinenlesbaren Ausweis-Dokumenten.

Dass ich darin keinen Verweis auf den Kollegen Gerrit Hornung lese, wundert mich angesichts dieser Eigenwerbung schon ein wenig. Dessen Buch “Die digitale Identität” ist ebenfalls online als Volltext im pdf-Format erhältlich und sicherlich ein wichtiges Buch auf diese Gebiet – wenn auch ein juristisch-wissenschaftlicher Text, aber das ist ja nicht immer verkehrt.

Verbrecher von Geburt an?

Die Idee, dass Menschen als Verbrecher geboren sind war lange Teil des kriminalistischen Allgemeingutes – Von Lambrosio bis an das Ende des Dritten Reiches. Danach waren solche Thesen nicht wohl gelitten – ganz zu recht. Mit den Errungenschaften der Gentechnik und Analyse allerdings treten diese Theorien in neuem Gewand wieder auf den Plan und irritieren die Diskussion. “Gibt es den geborenen Verbrecher?” fragt die Süddeutsche Zeitung und bringt in einem guten Diskussionsartikel alle Argumente für und gegen die Annahme und eine Ãœbersicht über den aktuellen Stand von Forschung und Debatte.

Die DNA Analyse und die Gentechnik werden auch weiterhin und mehr als bisher wahrgenommen zu den Kernbereichen der Überwachungsregime werden. Zeit sich mehr und disziplinär verschränkter damit zu beschäftigen.

150 Jahre Fingerabdruck

Ob es ein Grund zum Feiern ist, sein dahingestellt – aber es ist ein Jubiläum, dass Aufmerksamkeit verdient. Außer der Welt am Sonntag scheint niemand es wahrgenommen zu haben: Der Fingerabdruck als kriminalistisches Mittel wird 150 Jahre alt. Ursprünglich war es eine Methode der Identifizierung von Individuen anstatt einer Unterschrift, wurde aber im 19. Jahrhundert neben anderen Methoden das Mittel der Kriminalistik bis heute.

Als geflügeltes Wort ist es heute als “genetischer Fingerabdruck” bekannt, wobei dieser wenig damit zu tun hat, außer der Möglichkeit der Identifizierung. Zu diesen anderen Methoden gehöre auch die Bertillonage – eine von Alfons Bertillon entwickelte Methode zur Vermessung von Menschen (auch in Deutsch).

Der hier im Blog schreibende Kollege Dietmar Kammerer hat zu diesem Thema einen schönen Aufsatz geschrieben in dem Band “Sicherheitsdiskurse” (Lang Verlag).

Billboards that look back.

The International Herald Tribune has an article about the latest in consumer research technology: Billboards that look back.

You thought you were looking at an advertisement, but in fact it is looking at you and scanning you for age, sex by way of biometric analysis – and race will be introduced as a feature soon

The goal, these companies say, is to tailor a digital display to the person standing in front of it – to show one advertisement to a middle-aged white woman, for example, and a different one to a teenage Asian boy.
“Everything we do is completely anonymous,” said Paolo Prandoni, the founder and chief scientific officer of Quividi, a two-year-old company based in Paris that is gearing up billboards here and abroad. Quividi and its competitors specifically target digital billboards, which tend to play short videos as advertisements

That is now, but what possibilities does that open – the Minority Report does ring a bell here.

Lügendetektoren gegen Leistungsmissbrauch!

Und woher kommt es? – Aus Großbritannien, wo all die schrägen Ideen eines wachenden und überfürsorglichen Staates herkommen. So auch diese: Lügendetektor gegen falsche Krankmeldungen. So absurd es auch klingt – der Glaube daran schein echt zu sein. Und so soll es funktionieren

Inzwischen scheint sich allerdings ein Revival der Idee vom Lügendetektor am Telefon anzubahnen, das auf einer Verfeinerung des ursprünglichen Stresskonzepts durch die Firma Nemesyco basiert. Deren patentierte Technik namens ” Layered Voice” sucht nicht mehr nach Änderungen in der Stimmlage, sie analysiert vielmehr den Sprachfluss. Insbesondere vom menschlichen Gehör nicht wahrnehmbare Stockungen und Pausen sollen dabei Lügner entlarven, da diese ihre Aussagen nicht einfach aus der Erinnerung abrufen.

Der Glaube an Technik allein scheint die herrlichsten Blüten bezüglich Überwachung zu treiben. Gefährlich nur, wenn solche Verfahren die Norm werden und das simple Telefonat nicht nur gespeichert, sondern der Inhalt auch gleich analysiert wird. Und wer hat nicht schon wirres Zeug geredet am Telefon gerade weil er krank war oder aus etlichen anderen Gründen. Ich hoffe solch ein Unsinn kommt nicht auch hier in Mode, aber wer weiß das schon.

EU-Umfrage zu RFID

Die Freunde vom Foebud rufen zur Teilnahme an den Konsultationen zum Thema RFID auf.

Aufruf zur Teilnahme an EU-Umfrage zu RFID

Erneut gibt es eine öffentliche EU-Konsultation zum Thema RFID, in der
besonders auf die Fragen der Risiken für Privatsphäre, Datenschutz und
Sicherheit eingegangen wird.

Weitere Informationen zur Umfrage und den Aktivitäten des Foebud mit reichlich Material zur letzen EU Umfrage und anderem.

Hunde zur Überwachungsschnüffelei

Nun kommen auch die Briten drauf – man kann Menschen mit ihrem Geruch überwachen. Wir hatten das ja schon in den olfaktorischen Sammelstellen der DDR und jüngst im letzten Jahr im Vorwege zum G8 Gipfel, nun auch die Briten…

Smells suspicious
Dogs have long been used by police forces to detect drugs and explosives. But now animals and machines are being trained and developed to sniff out a person’s potential for aggression, if they are feeling guilty – even their race. Amber Marks reports