Category: Biometrie

Der neue Personalausweis

Es gibt wahrscheinlich jede Menge zum neuen “Perso”, der demnächst eingeführt wird – hier als Anfang einmal die technischen Hintergründe und Argumente bei der  c’t und  dem DeutschlandFunk. Die Kritik ist riesig und der tatsächliche Nutzen wird sich erst noch zeigen – auch und gerade im Hinblick auf die kommerziellen Anwendungen. Mehr dazu wenn es anfällt.

Öffentliche Vorlesungsreihe: Biometrie

An der Universität Hamburg gibt es in diesem Wintersemester eine öffentliche Ringvorlesung zum Thema Biometrie und Biopolitik mit interessanten Gästen. Aus der Ankündigung der Veranstalter:

Ein „polizeistaatlicher“ Zugriff auf digitale Technologien der biometrischen Datenspeicherung und -verarbeitung ist gegenwärtig in der öffentlichen Debatte zwar als Option präsent, die Aufmerksamkeit richtet sich dabei jedoch nur in geringem Maße auf die fortgeschrittene Anwendung solcher Informationstechnologien im Bereich der europäischen Grenzkontrolle. Wir möchten den Einsatz von biometrischen Grenztechnologien in der Rekonstitutierung des europäischen Grenzregimes interdisziplinär diskutieren und die Effekte neuartiger postnationaler und zugleich deterritorialisierter Konturen einer digitalisierten Form der Grenze untersuchen (Gesamtes Programm)

Beginn ist der 25.10.2010: Biometrie und Biopolitik. Eine Einführung von Thomas Lemke, Frankfurt a.M.

Maßgeschneiderte Werbung

Ist zwar schon zwei Wochen her, aber deshalb nicht irrelevant – ein Radioprogramm der BBC (bei ca. 27.00 Min), das sich mit Sky TV und deren Werbestrategien beschäftigt. In diesem Falle geht es um das, was man unter Geo-Marketing versteht:

“Sky already uses the information they hold about customers to determine the adverts they see when watching TV online but now they want to extend this to some of their TV channels. So what you get in an ad break will be determined by your post code, subscription package and other data they hold about you”.

in diesem Zusammenhang ist auch ein Bericht von n-tv interessant, der von Werbung berichtet, die erkennen kann, wer vorbei geht und sich entsprechend auf den Kunden dann einstellt – so eine Szene gab es auch in dem Spielberg Film “Minority Report”.  Hinter der Forschung steht in diesem Fall das Institut für Anthropomatik in Karlsruhe.

Conference: Risky profiles: Societal dimensions of forensic uses of DNA analysis

Goethe University Frankfurt am Main, 2-3 July 2010

Registration is free, but places are limited; please contact Barbara Prainsack at prainsack@soz.uni-frankfurt.de by 15 June 2010 at the latest.

Forensic uses of DNA technologies have become crucial elements of national systems of criminal justice. In addition, as a result of growing transnational mobility and the global use of information and communication technologies crime and crime prevention issues are increasingly addressed by agencies and policy actors beyond the national state. In the European context, the so-called Prüm regime obliges law enforcement authorities in all EU countries to render their forensic DNA databases searchable for other member states by 2011 (at a match/no match basis). This also means that countries which do not yet have centralized forensic DNA databases need to establish them by that date. In sum, the importance of forensic DNA databasing will continue to increase in the political and public arenas across Europe.

Biometrische Theaterinstallation

ID – Eine biometrische Theaterinstallation

Bewußt und unbewußt hinterlassen wir permanent Datenspuren und werden von elektronischen Systemen identifiziert. Die technischen Geräte werden dabei immer raffinierter. Gesichtserkennungssoftware, Fingerabdruck, Iris- und Nacktscanner erfassen die Merkmale, und Daten, die dem Prüfsystem beglaubigen sollen, daß wir nun wirklich die sind, die wir sind und darstellen. Lukas Bangerter versucht mit dem neuen PLASMA Projekt 13 formal die Überlagerung von Installation/Environment mit der klassischen Frontal-Bühne.

Premiere: 04.03.2010, Theaterhaus Zürich

Künstliche Aufregung – unsinnge Ãœberwachung?

Zeitungen und Fernsehen waren ganz nervös und witterten den nächsten großen Skandal – Funkkameras können angezapft werden! Ja, und? fragt sich der Bürger, Wissenschaftler oder Aktivist – davon reden wir seit Jahren – der Missbrauch lauert überall.

Ilka Kreutzträger hat es für die taz noch mal auf den Punkt gebracht. Ein Skandal ist nicht zu sehen – wohl aber jede Menge Dumm- und Frechheit.

Ähnlich kann man auch die Nutzung von Fingerabdruckscanner für die Anwesenheitskontrolle bei Gottesdiensten in einer polnischen Kirche sehen. Wenn es geht, wird es auch gemacht. Und wenn keine Regelungen gegen unsinnige und flächendeckende ANwendungen solcher Techiken existieren, kommen auch Kirchenleute auf komische Ideen – auch Gott sieht nicht alles, oder was ist die Ãœberlegung dahinter? Dabei sind die Kirchen ohnehin voll in  Polen, warum also diese Aufregeung? Es zeigt aber dass noch lange nicht alle Räume und Situationen überwacht werden, die man überwachen könnte.

Traum der Kontrolleure – Gedankenlesen

Auf das Zeit-Special zur Hirnforschung sei angesichts eines Artikels in der aktuellen Ausgabe der Zeitung hingewiesen. Unter dem Titel “Sind die Gedanken noch frei” diskutieren die Autoren, welche Träume von der Hirnforschung beflügelt werden und welche Auswirkungen das haben könnte – und auch was daran seriös ist und was nur absurde Kontrollphantasien…

Die einen träumen von »Gedankenlesemaschinen« oder neuen, hirnbasierten Marketingmethoden, andere fürchten eine Gedankenpolizei, wie sie die Romanautoren Philip Dick (Minority Report) oder George Orwell (1984) vor Jahrzehnten vorhergesagt haben. Tatsächlich wird in den USA inzwischen laut darüber nachgedacht, ob man Terrorverdächtige nicht einfach anhand ihrer Hirnaktivität überführen könne – noch bevor sie straffällig werden. In Deutschland dagegen bestimmte in den vergangenen Jahren der Streit zwischen Philosophen und Hirnforschern die Debatte.

Neue Artikel zu CCTV und anderem

In der neuesten Ausgabe des European Journal of Criminology (March 2009, Volume 6, No. 2) gibt es folgende Artikel, die sicherlich interessant für den einen oder anderen oder uns alle sind.

  • Benjamin J. Goold: Editorial: Making Sense of Surveillance in Europe
  • Ian Brown and Douwe KorffTerrorism and the Proportionality of Internet Surveillance
  • Daniel Neyland: Who’s Who?: The Biometric Future and the Politics of Identity
  • Leon Hempel and Eric Töpfer: The Surveillance Consensus: Reviewing the Politics of CCTV in Three European Countries
  • David Murakami Wood: The `Surveillance Society’: Questions of History, Place and Culture

Die Artikel sind wahrscheinlich nur über Anschlüsse von Universitäten frei verfügbar, ansonsten kostet der Zugang. Andererseits gibt es dieses Journal vielleicht auch in der Bibilothek.

Von den Tücken kriminalistischer Wunderwaffen

Viele werden sicherlich schon vom “Phantom von Heilbronn” gehört haben, einer Unbekannten, die verdächtigt wird, 2007 eine Polizistin in der gleichnamigen Stadt getötet zu haben. Nachdem im Laufe der letzten Jahre an mehr als 40 Tatorten anderer Straftaten DNA-Spuren der unbekannten Frau aufgetaucht waren, ging die Polizei davon aus, dass es sich um eine Serientäterin handelt. Zudem musste der Fall auch immer wieder dafür herhalten, Rufe der Kriminalisten-Lobby nach einer Ausweitung der strafprozessualen Vollmachten zur Erhebung und Speicherung von DNA-Profilen in der BKA-Datenbank zu rechtfertigen. Nun könnte sich die jahrelange Gespensterjagd allerdings als Farce herausstellen.

Wie Spiegel Online berichtete, prüfen die Ermittler inzwischen, ob vielleicht die zur Sicherung der Tatortspuren eingesetzen Wattestäbchen fremdverunreinigt waren. Skeptisch wurde man, als überraschenderweise bei der erkennungsdienstlichen Untersuchung der verbrannten Leiche eines 2002 verschwundenen Asylbewerbers die gleichen DNA-Spuren auftauchten.

Aber eine “Wunderwaffe” bleibt eine Wunderwaffe – gilt es doch nur sie richtig zu bedienen. Um Möglichkeit von Falschanalysen wegen Verunreinigungen auszuschließen, schlug ein Sprecher des Bundes Deutscher Kriminalbeamter in den Stuttgarter Nachrichten umgehend vor:

Die Hersteller sollten den Packungen DNA-Merkmale der beteiligten Mitarbeiter als Code beilegen. Damit könnte diese Spur gleich ausgeschlossen werden.

Mal sehen was die Betroffenen davon halten. In der Schweiz zumindest verweigern sich Polizisten, die ja ebenfalls Verursacher von Fremdverunreinigung sein könnten, bisher standhaft einer Erfassung.

Das die Tendenz zur Ausweitung der Ãœberwachung immer auch ihre Ausnahmen kennt, zeigt sich auch an der jüngst vom Europäischen Parlament abgesegneten Aufnahme und Speicherung biometrischer Merkmale in Visa und das korrespondierende Visa-Informationssystem (VIS). Zwar sollen sogar selbst Kinder ab 12 Jahren erfasst werden, Staatsoberhäupter und Angehörige von Königshäusern sind allerdings ausgenommen. Wie hieß es doch so schön in Orwells “Farm der Tiere”: “Some animals are more equal …”