Autor: Dietmar Kammerer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Insitut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Veröffentlichungen: "Bilder der Überwachung", Frankfurt am Main: Suhrkamp 2008.

Videoüberwachung zum Abstimmen

Die Stadtverwaltung von Buenos Aires bittet ihre Bürger, per Facebook oder Twitter über künftige Standorte von Überwachungskameras abzustimmen: Plan integral de seguridad.

Aktuell helfen uns mehr als tausend Kameras dabei, Verbrechen zu verhindern. Gegen Ende des Jahres 2011 werden  zweitausend aufgestellt sein. Stimmen Sie überdiejenigen Standorte ab, die Sie als wichtig für Ihre Sicherheit erachten, mit Hilfe von Twitter oder Facebook.

Polar #11: Sicherheit

Polar, die Zeitschrift für Politik, Theorie und Alltag, beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe mit dem Thema Sicherheit:

»Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt in der nichts sicher scheint« singen die Chart-Breaker Silbermond und treffen damit den Zeitgeist. Während früher »Wagnis« und »Risiko« die Zauberworte waren, so scheint es heute gerade der Schutz vor den Risiken der Welt zu sein, der schon die Jugend umtreibt. Vom Rest ganz zu schweigen. Entsprechend sehen etwa die Goldenen Zitronen in Silbermond »die unwidersprochene Speerspitze des popkulturell verhandelten Sicherheits-Dispositivs«. polar geht diesem neuen Sicherheitsbegehren in seiner neuen Ausgabe nach.

Mit Beiträgen u.a von Herfried Münkler zu Sicherheit und Freiheit, John T. Hamilton über den Mythos Sicherheit, Ulrich Bröckling zum Precautionary Principle und Kendra Briken zu den Ökonomien der Inneren Sicherheit.

Tagung: Britain Under Surveillance

Hinweis auf eine Tagung:

Is Big Brother (Still) Watching Us? Britain under Surveillance
Annual Conference of the Association for the Study of British Cultures

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
17.-19- November 2011

„Datavaillance,“ Facebook and CCTV – it sometimes seems that we live in a world of total observation. Whether walking the streets of London (or many other major cities) or navigating the virtual environment of the internet, most of our movements and actions are potentially open to inspection and evaluation by others. Perhaps the epithets „Orwellian“ and „panoptical“ – habitually applied to describe our experience of the present – are not entirely unwarranted.

Unter anderem werden Chris Williams, James Kneale und ich Vorträge halten. Ab sofort und bis zum 30.9. kann man sich auf der Website anmelden.

Michael Palm: Low Definition Control

Überwachung und Kontrolle hören nicht auf, für Filmemacher eine ästhetische und thematische Herausforderung zu sein: Demnächst erscheint Malfunctions #1: Low Definition Control des österreichischen Dokumentaristen und Experimentalfilmers Michael Palm.

Low Definition Control ist ein dokumentarischer Science/Fiction-Film über die Konstruktion von Wahrheit und Wissen durch bildgebende Systeme in der Sozialkontrolle und der Medizin. Dabei bilden Begriffspaare wie Sicherheit und Risiko, Prävention und Kontrolle, Normalität und Abweichung die Ausgangspunkte für eine filmische Reflexion über den Stellenwert technischer Bilder und deren mediale Einbettung in neoliberale Entwürfe von Subjektivität und Selbstführung.

Der Film kombiniert körnige Aufnahmen von Alltagssituationen mit Interviews verschiedenener Experten zum Thema, u.a. Adrian Dabrowski von quintessenz, Eric Töpfer, Leon Hempel, Reinhard Kreissl, Thomas Lemke (und mir).

Der Film wird über das österreischische Kurzfilmlabel sixpackfilm vertrieben.

Den Frosch verjagen!

Richtigstellung (I): Eine der beliebtesten und hartnäckigsten Redewendungen in der Diskussion um Datenschutz, Bürgerrechte, Überwachung usw. ist bekanntlich die vom Frosch, der im langsam erhitzten Kochtopf zu Tode kommt, ohne sich zu wehren (d.h. aus dem Topf zu springen). Damit soll irgendwie zum Ausdruck gebracht werden, dass quasi hinter unserem Rücken sich gewisse Vorgänge abspielen, miteinander verbinden und gegenseitig verstärken, die im Ganzen eines unschönen Morgens dazu führen, dass wir in einer Überwachungsgesellschaft aufwachen, in der eh alles schon zu spät ist.

Abgesehen davon, dass das Bild zur Beschreibung des heutigen Zustandes wenig taugt – Wohin denn würde ein datenschutzbewusster Frosch heute springen wollen? Wo liegt das sichere Jenseits der Überwachung? -, und wir uns das arme Tier eher in der Mitte eines kochenden Swimming Pools vorstellen müssten, ist es zoologisch schlicht Unsinn. In Wirklichkeit ergreift ein Frosch schon ab einer Temperatur von 40° C die Flucht – sofern ein Deckel ihn nicht daran hindert.

Eigentlich interessant ist die Frage, warum Datenschützer, die sich ja auch als Bürgerrechtler verstehen, die Bürgerin oder den Bürger offenbar zwanghaft mit Fröschen vergleichen (oder sogar gleichsetzen?), die auch noch dümmer sind als echte Frösche. Abgesehen davon, dass das Frosch-Bild offenbar aus der Welt der Management- und Finanzberatung stammt, ist ist diese Redeweise vor allem Indiz einer (uneingestandenen) Überheblichkeit der »wissenden« Datenschützer/Aktivisten gegenüber der »dämlichen« Bevölkerung. Dieser Frosch sollte schleunigst aus unserer Diskussion verschwinden.

Sechs Monate im Leben des Malte S.

Totaltransparenz im Dienste des Datenschutzes: Um einmal anschaulich zu machen, welche Einblicke die Vorratdsdatenspeicherung in das Leben, Handeln und Herumreisen einer konkreten Person ermöglicht, hat der Grünen-Politiker Malte Spitz seine Vorratsdaten aus dem Zeitraum August 2009 bis Februar 2010 veröffentlicht. Die ZEIT hat die Daten in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

What’s wrong with Video Surveillance

Kürzer, genauer und gründlicher kann man diese Frage nicht beantworten als David Wood in seinem Blog. Für alle, die es leid sind, immer wieder danach gefragt zu werden und immer die gleichen Antworten zu geben: am besten ausdrucken und verteilen.

Summary: Video Surveillance, particularly fixed CCTV,  is expensive, inefficient and has all kinds of negative social side-effects. Public money would be better spent on improved street lighting, schemes for community involvement and economic regeneration.

Pariser Polizei legt Plan zur Videoüberwachung vor

Die Polizeipräfektur von Paris hat Pläne vorgestellt, wonach die Zahl der Kameras im öffentlichen Raum der Hauptstadt von aktuell 293 polizeilich betriebenen Kameras auf  1302 aufgestockt werden soll. Zudem sollen rund 13.000 weitere öffentliche und private Kameras zur Polizei aufschaltbar werden.

Auf interaktiven Karten kann man die Gegenwart und die geplante Zukunft der Videoüberwachung in Paris betrachten.

via netzpolitik

Barbie ist eine Kamera

Spielzeug mit eingebauten Kameras ist ja grundsätzliches nichts neues. Wie offensiv hier Werbung für eingebaute Spionagetechnik gemacht wird, hat mich dann aber doch überrascht. (Eine drahtlose Übertragung ist bei „Barbie“, anders als beim Bären-Babyphone, allerdings offenbar nicht möglich.)

Barbie ist eine Kamera

Und natürlich war David Wood mal wieder schneller.