Konsum, KI und J.G. Ballard

Es war ein LinkedIn-Beitrag von Adrienne Fichter, einer Schweizer Journalistin, die mich drauf gebracht hat. In dem Beitrag ging es um eine weitere Kollegin und ihren Beitrag auf der re:publica, in dem diese sagt, dass KI unsere Probleme nicht lösen wird. Ein Zitat von Fichter ist mir dabei aufgefallen:

„Und: Hao zeigt auf: Technologiegestaltung ist immer eine Folge von Entscheidungen, von Individuen, von Gruppen, von Konflikten, von Machtkämpfen und Machtspielen…“

UN-Studie zu Chilling Effects online

Ich habe über die so genanten chilling effects von Überwachung hier und da schon mal geschrieben. Hier kommt jetzt eine von der UN initiierte Studie, die von den Kolleg:innen Pete Fussey, Gina Romero und Daragh Murray. Gelesen habe ich sie noch nicht, werde das aber nochmal tun. Onilne und als pdf zum Runterladen, mit dem etwas sehr langen Titel:

„Pushed into the Shadows“: Evidencing Digital Surveillance Chilling Effects and the Erosion of the Rights to Freedom of Assembly and of Association.

Die Studie ist erschienen im Bereich der The United Nations Special Rapporteur on the Rights to Freedom of peaceful assembly and of association, was ich hier nicht übersetze, ist mir zu lang..

Die dunkle Welt der Aufklärer

Das Autorenpaar Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff, letzerte gerade überall in den Medien mit ihrem Buch Kybernetik und Kritik, welches beworben wird, wie etwas für die breite Masse, aber wohl eigentlich etwas für den akademischen Diskurs zum Thema Technik, Herrschaft, dem Digitalen und den Entwicklungen des Silicon Valley (meine sehr grobe Inhaltsangabe hier) ist. Die Theorie der Regierungskunst, so der Untertitel, ist ein massives Werk politischer Philosophie, in dem auch der Aspekt der Überwachung eine Rolle spielt.

Ich habe über die Tech-Bros und die Ideologie des Silicon-Valley, welches einem Evangelikalismus nicht nur zufällig nicht unähnlich ist, schon öfter geschrieben oder kluge Gedanken dazu verlinkt. Hier ist ein weiterer, dieses Mal von den beiden.

Willkommen in der Welt der «Dunklen Aufklärer» in dem schweizer Journal „Republik“, vom 9.5.2026. Sie beleuchten die ideologisch-philosopisch-theoretischen Grundlagen dieser Denkrichtungen, historisch und ideengeschichtlich, in für Leser:innen leichter verdaulichen Format, dennoch ebenso gehaltvoll.

Kameras, KI und ob’s was hilft

Im Interview bei netzpolik.org beantworten die Kollegen Philipp Knopp und Fabian de Hair Fragen zu ihren Ergebnissen aus dem Projekt zu den KI-gestützten Kameras am Hamburger Hansaplatz, in der Nähe des dortigen Hauptbahnhofes. Nicht verwunderlich finde ich, dass der Effekt der Kameras, also Prävention oder gar direktes Einschreiten eher gering ist, dafür das Material sehr gut zum Trainieren der KI eingesetzt werden kann und offensichtlich auch wird. Die erst kommende Überwachung und der ewige Traum von der Polizei-Technologie zur Beherrschung des öffentlichen Raums. Kameras können, sollen, machen … wenig davon hat empirische Evidenz, auch wenn die selbstgemachten Evaluationen immer ein positives Ergebnis bescheinigen. Ein Link in den (teilweise dürftigen) Kommentaren verweist auf interessante Einschätzungen https://marx.wtf/2024/12/24/der-hansaplatz-versuch-war-kein-erfolg/

Menschen, die für KI arbeiten

KI nimmt die Arbeitsplätze weg – es scheint viel eher so zu sein, dass KI jede Menge Menschen braucht um zu lernen, zu funktionieren und künstliche zu erscheinen, wie dieser Artikel bei Brand Eins mutmaßt.

Die unsichtbare Belegschaft (2026). Die KI, die angeblich unsere Jobs übernimmt, braucht Millionen von Menschen, die für sie arbeiten. Und die meisten davon wissen es nicht einmal.

Das ist jetzt nicht superneu und es gibt dazu eine Menge an Berichten, da ich aber gerade von Berit Glanz Rman „Automaton“ geschrieben habe, erschien es mir doch passend, das hier auch zu verlinken. Die Clickworker sind ja auch schon Thema von Filmen geworden, unser dazu tun, der KI zu helfen ist ebenfalls gut beschrieben. Dazu passt auch der Artikel von Wolf Lotter aus der taz vom 1.4.2026. Er beschreibt dort die „künstliche Intelligenz“ als ein Trick der Extraklasse – Digital Erwachsen: Die digitale Transformation ist ein Werkzeug zum Machterhalt und zum Diebstahl von Kreativität, meint Wolf Lotter. Eigentlich zieht die alte Industriewelt in den Computer um. Zeit für Emanzipation.

Klar, die Technologie ist schon beeindruckend, ihre Folgen gewaltig, aber dennoch ist der Hype, die Hoffnungen und die symbolischen Bedeutungen eben auch immer einen Blick wert. Das versprochene Paradies und die pubertäre Weltherrschaftsfantasien der Tech-Bros liegen eben nach beieinander, wobei letztere vor allem an dem Geld, weniger an der Innovation interssiert sind, wie Karl Bode in dem sehr hörenswerten Podcast „Tech won’t safe us“ in der Folge vom 23.4.2026 sehr kenntnisreich ausführt.

Das Eliza-Project

Eliza hieß bekanntlich der erste Chatbot, entwickelt von Joseph Weizenbaum. Auf der Mailing-Liste AOIR-L haben ein paar der Nutzer dort verschiedene Links dazu gepostet, ein eher nerdiges Thema, das aber auch hier einen guten Blogeintrag macht: Das Eliza-Project

Bild: https://sites.google.com/view/elizaarchaeology/home

Die in dem Thread ebenfalls erwähnten Klone von Eliza sind hier zu finden: https://sites.google.com/view/elizagen-org/eliza-clones. Das alles hat viel mit der Geschichte des Internet zu tun, die eben nicht nur technisch zu sehen ist. Ein in dem Thread erwähnter ARtikel kann hierzu Auskunft geben.

Jones, Steve, & Latzko-Toth, Guillaume. (2017). Out from the PLATO cave: uncovering the pre-Internet history of social computing. Internet Histories, 1(1–2), 60–69. https://doi.org/10.1080/24701475.2017.1307544 (wenn ihr nicht dran kommt, gern eine Email an mich)

Um den ganzen Verlauf des Gespräches zu lesen, müsst ihr ins Archiv der Mailingliste gehen, Adresse oben, erstes Posting war am 29.4.2026) Viel Spaß

KI als Kolonialismus

Und einen Tipp noch heute, auch wenn ich zu doof bin, das Video aus der ARD-Mediathek dazu einzubinden, hier also per Link: NANO Talk: Neuer Kolonialismus – Kampf um Macht in neuen Sphären

Der Kolonialismus von heute wütet auch im Internet, in der Tiefsee und im Weltall. Wie dabei dieselben Mechanismen wie früher greifen, darüber diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.

U.a. als Gäste dabei, Lena Ulbricht, Rainer Mühlhoff und andere. Eine lohnenswerte Diskussionsrunde, mit echtem Mehrwert.