Tödliche Algorithmen?

Zugegeben, der Titel ist eher eine dubiose Schlagzeile, denn ein seriöse Überschrift. Dennoch, der Artikel aus der New York Times über Risikoeinschätzungen zu häuslicher Gewalt lassen diese Verbindung zumindest als Schlagzeile zu, wenn es auch so nicht stimmt. Algorithmen töten nicht. Ihre Bedeutung bei der Entscheidungsfindung allerdings erreicht zunehmend immer neue Bereiche, auch Bereiche, in denen es um sensible Einschätzungen gehen kann, wie hier im Fall von Sicherheit und Unsicherheit von Opfern häuslicher Gewalt – was dann bei falscher Einschätzung zu tödlichen Konsequenzen führen kann.

An Algorithm Told Police She Was Safe. Then Her Husband Killed Her. NY Times, 18. Juli 2024

Nun sind solche fatalen Einschätzungen nicht allein auf Algorithmen zu schieben. Auch Menschen können sich entsprechend irren, wenn man das so nennen mag, bzw. Entscheidungen treffen, deren Grundannahmen problematisch sind, weil man z.B. Frauen nicht glaubt, Vorwürfe häuslicher Gewalt für Hysterie hält oder dergleichen. Das scheint hier nicht der Fall zu sein – im Gegenteil besteht eine hohe Aufmerksamkeit für das Thema und mit einem Algorithmus will man diese noch verbessern.

Alles Doping, oder was?

Die ARD-Doping-Redaktion hat mal wieder eine schöne Geschichte aus der Rubrik wusste-ich-es-doch! Hier gibt der spanische Arzt Fuentes zu Protokoll wie er gedopt hat und seit wann – bereits 1992 zu den olympischen Spielen in Barcelona. So weit, so nicht überraschend.

Schatten über Olympia 1992. Fuentes beschreibt spanisches Doping-System. Tagesschau.de, 18.7.2024

Erschütternd? Eher nicht. Erschütternd ist eher, dass zu vermuten ist, dass es auch jetzt so weiter läuft, dass die entsprechend Verantwortlichen sich nicht darum kümmern oder Blödsinn erzählen und vor allem, dass das Doping-Kontroll-System nicht funktioniert. Es zwängt hingegen Sportler:innen in ein Korset, dass so nicht mehr verhältnismäßig erscheint. Bin ich für Doping?

Hygiene und das Auge der Überwachung

Vor zwei Wochen war ich im Hygienemuseum in Dresden (bei einer Tagung des Kolloqiums Polizeigeschichte), und habe mir, weil früh angereist, die Ausstellung im Museum angeschaut. Das war sehenswert. Aktuell gab es dort eine Ausstellung zum Museum in der DDR – VEB Museum.

Dabei fand ich im Shop eine Postkarte mit diesem Motiv – mal wieder eines mit dem allsehenden Auge. Und klar, die Geschichte der Hygiene ist, war eine der Überwachung, der Kontrolle, der Erziehung, und so schön deutlich war es dann auch auf dem Plakat zu einer Ausstellung von 1911.

auch zu finden hier:
https://www.dhm.de/lemo/bestand/objekt/internationale-hygiene-ausstellung-dresden-1911.html

Neom – the Concentration City?

Seit ich die ersten Berichte und dann Bilder von NEOM bzw. the Line aus Saudi-Arabien gesehen habe, geht mir eine Geschichte von J.G. Ballard nicht mehr aus dem Kopf: The Concentration City. Die Geschichte spielt in einer Stadt der Zukunft, die alles hinter sich lässt, was wir so kennen, bzw nur aus Filmen kennen. Wir in Trance bewegt man sich in der Geschichte durch die Stadt, in der es keinen Anfang und kein Ende zu geben scheint.

Die Geschichte beginnt mit der Zeile: “Noon talk on Millionth Street”. Der Protagonist hat die Addresse: “3599719 West 783rd St. Level 549-7705-KNI (local)” und landet am Ende mit dem Hinweis “take a westbound Green to 298th Stress, cross over at the intersection and get a Red elevator up to Level 237. Walk down to the station on Route 175, change to a 438 suburban and go down to 795th Street, turn left a the roundabout and – You’re back where you first started from. $Hell x 10n., wieder an seinem Ausgangspunkt.

Noch ein Podcast: Systemeinstellungen

Nach Spycops scheint es mir logisch, auch auf diesen Podcast der Kolleg:innen von netzpolitik.org hinzuweisen: Systemeinstellungen

In unserem neuen Podcast „Systemeinstellungen“ erzählen wir die Geschichten von Menschen, die plötzlich ins Visier des Staates geraten.

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Kameras und Bücher

Heute war die Vorstellung des Sammelbandes “Yes we’re open” auf der BiblioCon 2024 in Hamburg. Ich habe zu dem Band, der sich mit dem Konzept der Open Libraries beschäftigt, einen Beitrag zum Thema Kameras in Büchereien beigesteuert.

N. Zurawski: Dritte Orte und ihre Überwachung. Ein kritischer Blick auf den Einsatz von Kameras in Bibliotheken. In Sabine Wolf (Hrsg.) “Yes we’re open”. Open Libraries innovativ und praxisnah umsetzen. 2024 Wiesbaden: b.i.t. Online.

Überwachung weltweit

Im Panel Surveillance in Afrika & Afrikan Surveillance Studies, der SSN Working Group “Surveillance in the Majority World” auf der SSN 2024 Konferenz in Ljubljana gab es neben interessanten Diskussionsbeiträgen auch den Hinweis auf dieses Paper – frei zum Download.

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Ausstellung: SSN Arts Prize

Ich sitze gerade in Ljubljana bei der SSN 2024-Konferenz und genieße Stadt, Kolleg:innen und die vielen sehr guten Vorträge.

Jetzt sitze ich der Preisverleihung bei. Zur dem so genannten SSN Arts Prize gibt es eine Ausstellung und die wollte ich euch nicht vorenthalten. Schaut vorbei, es gibt ein Video und ihr könnt die aktuellen wie auch die vergangenen Gewinner:innen und ihre Kunstwerke ansehen.

Hier die spezielle Seite für den Preis.

Außerdem die Rubrik auf der Seite von SSN

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Was ist eigentlich diese Digitalisierung?

Diese Recherche und Analyse von Bianca Kastl hat sie die Webseiten der Ministerien und Behörden durchforstet, die sich mit Digitalisierung auf Landes- bzw. Bundesebene befassen. Die Analyse zeigt, u.a. mit sehr anschaulichen Bildern der Bubbles (wörtlich und bildlich zu verstehen), worüber da so genau gesprochen wird. Es ist ja immerhin ein Zukunftsthema, auch wenn die Zukunft seit 25 Jahren begonnen hat (wenn man großzügig rechnet, sonst länger), aber manches in der Politik und vor allem in der Verwaltung braucht halt länger.

Die Recherche sind auch ohne großen Kommentar so gut und bemerkenswert, dass ich hier nicht auf den Hinweis verzichten wollte.

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Wenn die KI eine KI datet …

… und für Dich die Partner:in wählt. Ernsthaft?

“There is a world where your dating concierge could go and date for you with other dating concierge … and then you don’t have to talk to 600 people,” she said during the summit.

NBC News, 10.5.2024

Damit man nicht selbst sich dem Stress des Datens oder Kennenlernen, Auswählens und des späteren Verliebens hingeben muss, kann das für einen eine KI erledigen, ein digitaler Concierge – so die Idee von Whitney Wolfe Herd, Gründerin von Bumble, einer Dating-App. Mal ganz abgesehen von der Zahl – wie datet die Frau und was meint Sie, wie das so funktioniert?

Wenn dann die KIs mit einander daten und auswählen, vielleicht stellen sie dann auch mal fest, dass sie ihre Menschen nicht mehr brauchen, die dann allein zu Hause bleiben, wenn die KIs heiraten und Zukunftspläne machen. Nicht meine Vorstellung einer neuen Welt, aber was weiß ich schon davon Wohl über die Menschheit zu bringen, um damit Geld zu verdienen – ganz im Sinn der Analyse von Eva Illouz und des Konsums der Romantik, jetzt ergänzt durch die schöne neue Welt der KI.

Verwildert das Internet!!

Man könnte sich durchaus fragen, was dieses Thema und das im Aufsatz geforderte Verwildern des Internet mit Überwachung und Kontrolle zu tun hat. Eigentlich alles. Geht es doch um die Kontrolle des Netzes durch die Kommerzialisierung, den Drang eine kommodifizierte Ordnung zu errichten, mit der die großen Tech-Firmen (Giganten?), vor allem die Marktförmigkeit und somit ihren Profit garantieren wollen. So klar ausgesprochen würden wir Internetnutzer das ja nicht wollen, daher wird es als Konsumspaß verbrämt annehmbar gemacht – wie ich ausführlich in Überwachen und Konsumieren ausgeführt habe.

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