KI als Kolonialismus

Und einen Tipp noch heute, auch wenn ich zu doof bin, das Video aus der ARD-Mediathek dazu einzubinden, hier also per Link: NANO Talk: Neuer Kolonialismus – Kampf um Macht in neuen Sphären

Der Kolonialismus von heute wütet auch im Internet, in der Tiefsee und im Weltall. Wie dabei dieselben Mechanismen wie früher greifen, darüber diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.

U.a. als Gäste dabei, Lena Ulbricht, Rainer Mühlhoff und andere. Eine lohnenswerte Diskussionsrunde, mit echtem Mehrwert.

Palantir als Weltmacht?

Palantir ist in aller Munde. Dabei sind seine Software und die Absichten schon länger bekannt. Aber seit einem Jahr oder sogeht es steilt, auch und nicht zuletzt, weil es immer weniger verhüllt, welche kruden Ideen sich bei den Lenkern finden lassen. Was so klingt wie aus Science-Fiction-Heftchen und Blockbustern dystopischer Omnipräsenzfantasien zusammengesponnen, ist real und bei der Power, die dahinter steht, auch eine reale Bedrohung. Heise hat dazu einen kleinen Artikel veröffentlicht, in dem gefragt wird, ob und wie sich Palantir anschickt anstelle eines Staates agieren zu wollen.

Es ist eher kein Zufall, dass mich das an die Tyrell Corporation aus Blade Runner erinnert. Unternehmen als Staat. Technologie als Staatsräson: Was Palantir mit seinem Manifest bezweckt, 26.4.2026. Dazu passt auch der Text von Markus Beckedahl zur Entkernung der Demokratie in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Die Entkernung der Demokratie. Wie wir die digitale Öffentlichkeit vor den Oligarchen retten können, 9/2025.

Anmerken möchte ich, dass dieses Thema eher nichts mit KI zu tun hat. Aber es dennoch der zweite Themenbereich ist, in dem Überwachung zunehmen zu finden ist. KI ist der andere. Über den Wandel der Diskurse und wie und was Überwachung eigentlich ist und welche öffentliche Rahmung des hat, denke ich gerade nach und schreibe in Kürze hier auch mal etwas dazu…

Öffentliche Daten, private Profit

Ich gebe zu, dass ich momentan zwar viele interessante Dinge zum Nachdenken im Netz finde, aber nicht nachkomme, darüber hier zu schreiben. Hier ist heute mal ein Artikel darüber wie öffentliche Daten von privaten Nutzern zum eigenen finanziellen Nutzen ausgebeutet werden.

Baykurt, B. (2025). Gov-tech as capture: public infrastructures under data capitalism. Information, Communication & Society28(15), 2795–2810. https://doi.org/10.1080/1369118X.2025.2479788

The study identifies three mechanisms of capture: grabbing and aggregating public datasets (data capture), reconfiguring public services into computable units (value capture), and transforming public data into market assets (regulatory capture). Drawing on insights from critical data studies and political economy, the paper demonstrates how gov-tech firms redefine state capacity and public accountability while examining the broader implications of embedding private interests in public governance under data capitalism.

Leider hinter einer Paywall, aber eine direkte Mail an mich und ich kann u.U. helfen... ;-)

Eugenik und die Billionäre

Fragte ich in meinem Kommentar gerade nach den unterliegenden Fantasien hinter KI und ihren Protagonisten in den Tech-Unternehmen, dann unterstreicht dieser Artikel hier genau mein Argument, der gar nicht so neuen Träume von Allmacht, rechten Fantasien des neuen Menschen und ganz banaler menschlicher Hybris, die vor allem deshalb so gefährlich ist, weil sie mit unvorstellbar viel Geld daher kommt. Die Frage ob das Geld die Männer dahinter gaga macht oder sie es ohnehin schon waren und daher dank Tech ihre feuchten SciFi-Fantasien, die bisweilen wie Abklatsch aus billigen Comicheften aussehen, in die Wirklichkeite – oder was sie dafür halten – umsetzen können. The billionaires‘ eugenics project: how Epstein infiltrated Harvard, muzzled the humanities and preached master-race science. Virgina Hoffmann 13.2.2026, in thenerve.news.

Das folgende Zitat aus dem Artikel bringt es beängstigend auf den Punkt:

Billionaires really like thinkers who see their exploitation of the weak as a good and natural thing

Faschismus, Überwachung und die KI

Nicht schon wieder, möchte man fast sagen bei diesem Thema. Es ist doch schon alles gesagt dazu. Ja und nein.

Rainer Mühlhoff, Philosoph und Mathemater aus Osnabrück mit einem sehr interessanten Intervie beim Deutschlandfunk: KI – Gefahr eines digitalen Faschismus? 22.3.2026. Er bringt die aktuell diskutierten Aspekte rund um diese Themen sehr schön auf den Punkt. Und auch wenn vieles davon nicht neu ist, so kann es nicht oft genug gesagt werden.

Neben den aktuellen Fragen allerdings, sollte (und muss) man sich auch damit beschäftigen, worum es denn jenseits der Technik eigentlich geht. Was macht die KI (vor allem ja momentan die LLMs) so beliebt, so attraktiv? Welche Sehnsüchte werden damit befriedigt, welche Träume scheinbar erfüllt?

Und schaut man sich nicht nur die Begehrlichkeiten der Tech-Unternehmen an, sondern auch die der Staaten und anderer Akteure, dann wird klar, dass der Wunsch nach Überwachung ungebrochen, ja gerade zu größenwahnsinnig ist. Das Vertrauen in die Bürger:innen ist gering – angesichts von Terror, Krieg und dem Versuch der Einflussnahme von autoritären Staaten wie klassischerweise Russland oder China, aber neuerdings auch den USA und anderen, ist manch eine Vorsichtsmaßnahme auch nachvollziehbar. Die Frage aber ist, ob der Wunsch der Abwehr nicht auch dazu genutzt wird, noch mehr Kontrolle über das Volk, die unbekannte Größe zu erlangen. Die Narrative der Rechten, dies- und jenseits der Technik lassen das stark vermuten. Und dann wieder sehen wir nichts neues, sondern das ewig alte Spiel.

Mir ist es aber wichtig darauf hinzuweisen, den bei allem Fokus auf die neue Technik geht verloren, dass die damit verfolgten Wünsche so neu dann doch nicht sind.

Wenn die KI mit der KI

Das Gerede über und um KI kann schon auch nerven, so wichtig das Thema in all seinen Facetten auch ist. Wenn es nicht gerade um das nächste Geschäftsmodell geht, oder die verpassten Chancen, wo KI um der KI Willen von Politikern und ihren Einflüsterern aus der Tech-Branche als der neueste und beste und überhaupt der lebensnotwendigste Schei…. angepriesen wird. Dass die KI nur so gut sein wird, wie die Energie, die sie antreibt und es eben dann doch keine lebenden Organismen sind, wird dabei leicht vergessen. Nun ja. Man sollte vielleicht weniger darauf schauen, was KI ethisch darf, als welche Kultur und Menschenbilder die KI umgeben und welche (und vor allem wessen) Sehnsüchte hier befriedigt werden.

Gut, so weit die kleine Einleitung zu einem Text vom geschätzten Adrian Lobe bei der taz vom 2.3.2026 mit dem Titel „Künstliche Intelligenz macht keine Impulskäufe“. Und da wären wir auch schon bei einem Problem, denn der Konsummarkt lebt genau davon. Das wollen die Anbieter von Konsumartikeln wirklich? Ich bezweifele das. Aber im Artikel geht es vor allem um die Entstehung von sozialen Normen durch KI, wenn sie miteinander agieren.

KI-Bilder – unsere Bilder der KI

Wenn es um die Bebilderung des Themas Überwachung geht, sind die gewählten Bilder häufig beschränkt – Augen, Kameras, Schlüsselöcher, Bildschirme, Nullen und Einsen. Ähnlich ist es bei der KI – weshalb es eine Initiative gibt, die sich um bessere Bilder von KI bemüht. Better Images of AI. Eine der Überlegung dabei ist, dass …

Images relating machine intelligence to human intelligence set unrealistic expectations and misstate the capabilities of AI. Images representing AI as sentient robots mask the accountability of the humans actually developing the technology, and can suggest the presence of robots where there are none.

Kameras und die Sicherheit – mal wieder

Im Dezember fand ein Weizenbaum-Forum zum neuen ASOG in Berlin statt. Da eine der Neuerungen die intelligente Videoüberwachung ist – oder die Möglichkeit dazu – war es letztlich auch eine Diskussion über Kameras. Mit dabei mein lieber Kollege Dietmar Kammerer sowie Jonas Botta. Von jedem von uns gibt es ein einzelnes Video.

Danke an das Weizenbaum-Institut für die Zusammenschnitte und die Veranstaltung überhaupt.

Digitaler Faschismus

Über die gefährlichen Ideologien der Tech-Blase und ihre Auswirkungen schreibt Rainer Mühlhoff bei Wissenschaft & Frieden. Das Thema ist nicht neu in diesem Blog, aber Rainer Mühlhoff ein interessanter Kollege und die Publikation wichtig und wichtiger denn je in diese Zeiten, wo Krieg zum neuen normal wird und Frieden geradezu subversiv wirkt – auch wenn jeder Krieg selbstverständlich nur dem Frieden dient wenn wir den Putins und seinen Kollgen auf der Welt Glauben schenken würden

Das Ende des freien Intenets?

Neben der Diskussion um Open Access in den Wissenschaften (dazu erscheint in Kürze eine Themenausgabe des Journal kommunikation@gesellschaft) tranportierte das Internet auch immer die Idee freie Informationen, insbsondere was Nachrichten angeht. Das Feld ist lange bereits umkämpft und mit dem Beginn der Kommerzialisierung des Netzes vor 25, vielleicht sogar 30 Jahren steht diese Idee immer schon zur Disposition, wenn sie nicht in Gefahr ist. Freie Zugänge und diese Idee werden im großen Maßstab u.a. von Wikipedia oder der Wayback Machine, dem Archiv des Internet, hoch gehalten. Letzteres scheint nun in Gefahr zu sein, wie The Conversation berichtet.

News sites are locking out the Internet Archive to stop AI crawling. Is the ‘open web’ closing? (5.2.2026)

Dass die freie Zugänglichkeit nicht ganz ohne Dilemmata ist, wird in dem Artikel klar. Ob aber die kommerzielle Schließung die Lösung sein wird, die dann die „freien“ sozialen Medien mit den vermeintlichen News für alle noch mehr zu den allverfügbaren Quellen von wenn schon nicht sklavisch „obhektiver“, vor allem aber faktenbasierter Berichterstattung machen würde, ist eine genauere Betrachtung wert. Muss es sein, die Ergebnisse dessen sieht man bereits jetzt.

Sehr passend dazu findet im September die Tagung Tagung „Utopien und Dystopien der digitalen Gesellschaft: 30 Jahre Forschung zu computervermittelter Kommunikation“ zusammen mit dem Weizenbaum-Institut statt.