Geheimsache Doping – der Podcast

Der Podcast Geheimsache Doping ist nicht besonders neu, ich habe aber gerade durch Zufall die neueste Folge gehört, zum Fall Vuskovic, dem HSV-Fußballer, der eine Doping-Sperre absitzt und möglicherweise noch ein Strafverfahren wegen Dopings durchmachen muss. Ich möchte nicht bewerten, ob er die Wahrheit sagt, was er genommen hat, wenn denn dann überhaupt und ob das gut, schlecht oder dämlich gewesen sein könnte. Hörenswert ist der Podcast, weil er zum einen sehr gut recherchiert ist, wie die Sachen von Hajo Seppelt meistens, zum anderen weil hier wie in vielen anderen Folgen vor allem klar wird, was für ein System der Kontrolle, der Bestrafung, der Verfolgung im Kampf gegen das Doping aufgefahren wird, wie wenig darin die Kontrolleure beaufsichtigt und welche moralischen Setzungen dort vorgenomen werden. Das allein sollte die Zeit wert sein.

Wir hatten mit unserem kritischenBand zum Anti-Doping-Kampf bereits 2019 nicht ganz falsch gelegen: Zurawski / Scharf (Hrsg): Kritik des Anti-Doping, 2019, open access.

Dystopie und Utopie – systemabhängig?

Auf Golem fragt sich Tim Reinboth, ob es nicht seltsam seie, „dass Science-Fiction-Klassiker aus dem kapitalistischen Westen meistens Dystopien sind, während sozialistische Autoren eher Utopien erträumten?“.

Wo die Utopien wachsen, Golem 27.12.2025

Und die Frage scheint bereichtigt, aber die Antwort nicht so klar, wie es scheinen möchte. Und weitergedacht ließe sich durchaus darüber nachdenken, was die gegenwärtige Welt einen für Zukunftsvorstellungen bereithalten lässt – angesichts der technofaschistischen Ideen und vermeintlichen Utopien von besseren Welten so ganz ohne Menschen bzw. diese nur als Bioware für die selbstdenkenden KI und ihre selbsternannten Herrscher. Utopie für die einen, Knechtschaft für alle anderen? Hatten wir alles schon, scheint aber weiterhin ansprechend zu sein, zumindest als hyperkapitalistische Idee.

Der Untertitel des erwähnten Beitrages „Die Zukunftsvisionen der Ost- und West-Science-Fiction waren vielseitiger als eine Geschichte von zwei Systemen.“ kann so auch für die aktuelle Situation gelesen werden – es bleibt vielseitig (nicht nur komplex…..).

Der Zustand der urbanen Sicherheit

Im ständig fortgeschriebenen Dossier „Innere Sicherheit“ der Bundeszentrale für politische Bildung, wurde im Dezember 2025 ein Beitrag zur Urbanen Sicherheit veröffentlicht. Autor ist der Wuppertaler Kollege Tim Lukas.

Dass das Dossier mit dem obligaten Bild einer Überwachungskamera versehen ist, ist nicht unbedingt zwingend, aber so wird dieses Thema eben auch gesehen. Die Beiträge darin sind dann allerdings doch sehr vielfältig zu Polizei, Kriminalität, Sicherheitsbegriff und vieles dazwischen und daneben.

ps. Videoüberwachung kommt als eigener Beitrag übrigens nur in einem älteren Text von 2012 vor, in dem es dann hauptsächlich um TKÜ geht, nicht um Kameras.

Surveillance Assemblage revisited

Die aktuelle Ausgabe von Surveillance & Society hat einen Debattenteil zum Konzept der „Surveillance Assemblage“ (Haggerty & Ericson 2000), wo auch die Autoren selbst nochmal zu Wort kommen.

Vol. 23 No. 4 (2025): Global Futures of Digital Confinement, mit der Debattenrubrik zu „Revisiting the “Surveillant Assemblage”“

Editorial zur Dialogue-Rubrik „Revisiting the “Surveillant Assemblage” von Bryce Newell & Lizzie Hughes

Polizei und immer mehr Befugnisse

… und warum das keine gute Idee ist. In diesem Post auf Bluesky wird deutlich, was auch passieren kann, wenn Polizei oder andere staatliche Sicherheitskräfte zu viele Befugnisse und zu viel Technologie besitzen und diese entsprechend nutzen, auch entgegen ihrer ursprünglichen Intention.

Die Debatte über das Berliner Polizeigesetz (ASOG, hier verschiedene Artikel bei netzpolitik.org) ist genau deshalb wichtig. Wer weiß, welche Polizei wir einmal haben werden, bzw. wer diese für welche Zwecke missbraucht.

ICE has long used the latest spy tech to pursue immigrants — but now it’s also targeting anti-ICE protesters.

Brennan Center (@brennancenter.org) 2025-12-12T20:23:21.002Z

Vom Äußeren auf das Innere schließen….

und natürlich soll auch das KI (AI) tun können. Warum auch nicht, kann doch auch sonst fast alles. Mich hat der Bluesky-Thread vor allem wegen des Kommentars angesprochen: Phrenology. Eine Pseudowissenschaft im 19 Jahrhundert (Wikipedia, allerdings recht oberflächlich, was die kritische Einschätzung angeht)

Computer scientists: "So with machine learning we can extract subtle patterns from massive datasets. What shall we do with it?"Business school professors, every single time: "You know, I think phrenology got a raw deal in the late 1800s."

Carl T. Bergstrom (@carlbergstrom.com) 2025-12-11T19:36:35.138Z

Schriftenreihe zu Sicherheit

Die Schriftenreihe ist jetzt nicht ganz neu, aber nach einiger Zeit gibt es jetzt eine neue Publikation, an der auch mein sehr geschätzter Kollege Lars Gerhold beteiligt war:

Gerhold, L., Sterl, S., Glunz, E., Stelzmann, D., Karge, J. (Hrsg.): Psychosoziale Lage im Bevölkerungsschutz – Grundlagen, Daten und technische Umsetzung : Ergebnisse aus dem Forschungsverbund PsychoKat.

Das spezielle Thema hat erstmal nicht so viel mit Überwachung zu tun, aber für die Themen des Blogs, zu denen auch Sicherheit gehört, ist diese Schriftenreihe und auch die neueste Veröffentlichung, eine exzellente Quelle mit interessanten Themen.

Digitaler Raum und Autoritarismus

Die Sonderausgabe von Dialogues on Digital Society „Authoritarianism in the digital age“ versammelt eine große zweistellige Zahl (66) von Artikeln zu dem Thema.

Soweit ich das sehen kann, sind alle open access. Das Editorial von Jarret, Kitchin, Steele, gibt einen ersten Überblick.

Authoritarianism is far from being a new phenomenon, but, as the papers in this edition describe, its contemporary form is being reshaped, facilitated, and potentially challenged by the ready availability of diverse digital technologies and infrastructures. From smart, state systems that mediate citizenship and manage populations; to social media and its capacity to spread information both supportive and hostile to political regimes; to biometric, datafied, surveillance systems weaponised against foreign and internal ‘enemies’, the digital is firmly rooted in the contemporary realisation of autocratic and illiberal politics and how human rights and social and economic relations are being recast around the world.