Die Kriminalität der Zukunft

Die zu kennen ist zu ihrer Verhinderung bestimmt wichtig. Wie aber schon häufiger berichtet haben Predictive Policing und andere Strategien so ihre Tücken.

Nun berichtet Marc Goodman, ein ehemaliger Polizist, bei einem TED talk, wieso die technologische Entwicklung eine Gefahr darstellt, denn auch die Bösen können sie nutzen. Mehr oder weniger unreflektiert breitet er hier ein Szenario aus, deren Argumentation mitreißend, aber letztlich lückenhaft bleibt. So hätten die Narcos in Mexiko eigene Handy-Netze – Verbrecher mit Technologie und das droht uns bald überall. Sieht man sich das spezielle Problem in Mexiko näher an, so sieht man, dass es sich hier um einen Staat im Staat handelt – und der alte Staat wohl auch bis zum Hals mit dem anderen in Personen verquickt ist, aber das ist alles nicht so wichtig hier.

Insgesamt trifft auch für diesen TED talk die Kritik zu, die ein Kolumnist des New Statesman bereits 2012 so schön formuliert hat:

In the cult of TED, everything is awesome and inspirational, and ideas aren’t supposed to be challenged, says Martin Robbins.

Gefahrengebiete verletzten Grundrechte

Der Hamburgische Datenschutzbeautragte hat ein Rechtsgutachten zu den Gefahrengebieten erstellt – und stellt wenig überraschend fest, dass hier Grundrechte verletzt worden sind.

Das Ding ist lang, aber lohnenswert.

Wunsch und Wirklichkeit der Videoüberwachung

Zwei Zahlenwerke erscheinen mir dieser Tage bemerkenswert:

78 Prozent der Fahrgäste sei es demnach wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Züge, U-Bahnen, Busse und Haltestellen mit Videokameras überwacht seien. (…) 63 Prozent sähen es gern, wenn Sicherheitspersonal mitfahren würde. 29 Prozent möchten sogar, dass Polizisten in Bahnen und Bussen anwesend sind.

(Quelle: sueddeutsche.de)

Nun ist Bahnfahren nicht immer nur Freude, insbesondere im Nahverkehr. Unangenehme Situationen wird jeder von uns schon mal erlebt haben, gar keine Frage. Doch eine unangenehme Situation kann letztlich völlig folgenlos verlaufen. Was bedeutet sie also, wenn (wie in den allermeisten Fällen) gar nichts passiert ist?

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Die Werte der NSA – in ihren eigenen Worten!

The mission of the National Security Agency (NSA) and its military component, the Central Security Service (CSS), is focused on saving lives, defending vital networks, and exploiting the foreign communications of adversaries. On behalf of the dedicated employees of America’s cryptologic organization, I appreciate your taking the time to learn about this unique national asset.

Eher amüsant und vielsagend denn tiefschürfend! NSA core values/ clear vision

Kleine Presseschau: Überwachung

Eigentlich geht es nur um 2 Publikationen, von denen eine zeigt, dass das Schlagwort Überwachung auch ein Verkaufsargument sein kann. Die erste ist das Manier de Voir 133 der französischen Le Monde Diplomatique vom Feb/Mar 2014 mit dem schönen Titel: Souriez vous êtes surveillés. (Lächle, Du wirst überwacht). Darin sind jede Menge Artikel versammelt, die in der LMD zum Thema in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, u.a. auch der lesenswerte Beitrag von Giorogio Agamben, der auch in der LMD auf Deutsch erschien: Die Geburt des Sicherheitsstaats.

Also nicht alles neu, aber eine schöne Sammlung. Vieles davon ist auf Deutsch erschienen, einfach mal im Archiv bei der LMD (taz.de) stöbern.

Ganz anders das Heft Globalisierung im Schatten der Überwachung. Und ich gebe zu es war der Titel, der mich am Bahnhof zum Kauf animiert hat. Allerdings hat das Heft fast nichts mit Überwachung zu tun, eher mit der Diskussion um das EU-US Freihandelsabkommen. Es geht um das Internet, Handel, Demokratie und wurde von der Initiative collaboratory gemacht – mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung. Noch ist mir nicht ganz klar, was die Stoßrichtung des Heftes und der Initiative ist, denn freies Internet, Demokratie, Transparenz sowie eine Portion Globalisierungskritik u.a. sind durchaus gute Themen. Ich vermute allerdings eher es geht um freien Handel, weniger Regulierung und um Lobbypolitik, aber genau kann ich es nicht erkennen. Ein Blick auf die Partner lässt zumindest Fragen nach Überwachung und Abhängigkeiten offen (Google, Fraunhofer, aber auch Wikimedia u.a.).  Mit Überwachung im Sinne kritischer Forschung hat das alles nichts zu tun. Aber als Verkaufsargument hat es gezogen.

Die Lust an der Selbst-Überwachung

“Zeig mir wie fit du bist” – war bisher ein Satz, der unter Sportlern fiel, unter Kindern beim gegenseitigen Kräftemessen oder als ermutigende Aufforderung, ein Spiel, ein Spaß unter Freunden oder Konkurrenten. Dank Smartphones & Co ist daraus ein gesellschaftlicher Imperativ geworden – einer, der weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen kann.

in der FAZ Sonntagszeitung stand dazu ein lesenswerter Artikel gleichen Titels (zumindest in der Printversion), der über die Entwicklung und datenschutzrechtlichen Fallstricke der quantified self-Bewegung (oder international) berichtet.

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Diskussion: Counter/Surveillance. Leben als Big Data

Am 7. Mai moderiere ich das Panel Counter/Surveillance. Leben als Big Data:

Wenn der »Big Brother« von den »Big Data« ersetzt wurde und Überwachung kein Gesicht und keinen Ort mehr hat: Von wo aus kann gegen diese Kontrolle noch Widerspruch eingelegt werden?

mit Harun Farocki, Constanze Kurz, John Goetz.

Wann: 7. Mai 2014, ab 17:00
Wo: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Wieviel: Eintritt Frei

Rezension: From Protest to Surveillance

Rezension: zusammen mit Criminologia-LogoKopie

Oliver Leistert: From Protest to Surveillance – The Political Rationality of Mobile Media. Modalities of Neoliberalism, 2013 New York / Frankfurt/M, Peter Lang

von Marta Brzezinska, Warschau

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Neuer Artikel und Rezension

Hier sind zwei neue Texte. Der erste am Rande zum Blogthema, der andere eine Rezension zu Social Media – in Ergänzung zur Rezension zum gleichen Buch hier im Blog.

  • Artikel: Die Vergegenwärtigung des Unbekannten: Von Karten, dem Cognitive Mapping und Weltbildern, in: Katharina Hoins, Thomas Kühn und Johannes Müske: Schnittstellen, Bd 7 der Schriftenreihe der Isa Lohmann-Siems Stiftung, Berlin, 2014 Reimer. Details
  • Rezension: Daniel Trottier: Social Media as Surveillance. Rethinking Visibility in a Converging World. 2012, Farnham: Ashgate, in: Kommunikation@Gesellschaft, Jg. 15, 2014.

Wer verdient an Doping-Kontrollen?

Am Doping verdienen viele mit – aber an den Kontrollen?

Das WDR Magazin Sport Inside (die bestimmt interessanteste Sportsendung im deutschen Fernsehen)  ist der Frage einmal nachgegangen. Denn auf dem Spiel steht dabei auch die Frage nach der Effizienz der Kontrollen vor dem Hintergrund der Eingriffe in die Privatsphäre – ein Umstand, der auch von verschiedenen Athleten und anderen Kritikern hervorgehoben wird.

Beitrag: Ein gutes Geschäft? von Fred Kowasch und Ralf Meutgens (17.3.2014, WDR)