Anhörung zu Videokameras

Nun hat auch Brandenburg sich Expertenmeinungen zu BodyCams und Videoüberwachung (ein Protokoll konnte ich nicht finden) eingeholt. In einem Fachgespräch am 11.5. waren 5 von ihnen geladen – einer davon ich selbst. Solche Fachgespräche sind verregelte Gespräche, keine Diskussionen, mit Fragen der Abgeordneten.

Dennoch ist hier und da Widerspruch und so was wie eine Auseinandersetzung auszumachen. Allein der Vertreter von Bosch und seine Jubelarien auf die Technik und was man alles damit verhindern kann waren einen schönen Blick auf die Szenarien, mit denen sich die Hersteller in den Markt und an die Politik und Polizei schmeißen. Die Vertreter der Polizei waren sehr moderat in diesem Gespräch. Eine Art Zusammenfassung gab es in der Märkischen Onlinezeitung vom 11.5.2017.

Das mit den Prozentzahlen und der 99% Wahrscheinlichkeit allerdings haben die Kollegen von der Presse falsch verstanden… Vor dem Hintergrund des nun erlaubten Zugriffs auf Passfotos von überall, gewinnen solche eher unwichtig scheinenden Sitzungen an Bedeutung, denn die Ausweitung der Videoüberwachung ist dann die fehlende Verbindung zu einer auch räumlich sichtbaren Überwachung mit Konsequenzen, nicht zuletzt, da es hier nicht nur um Konsum, sondern auch um die öffentliche Ordnung geht.

Von Karteikärtchen zu Code

Die Ausgabe 1/2017 des Max Planck Forschung-Magazins widmet sich in einem Schwerpunkt dem Thema Big Data.

Dabei ist insbesondere der Artikel “Daten zum Stapeln” (Autorin: Tina Heidborn, ab S. 26) lesenswert, über die Geschichte der Statistik.

Für Wissenschaftshistoriker ist Big Data kein neues Phänomen. Auch im 18. und 19. Jahrhundert sammelten Wissenschaft und staatliche Stellen enorme Datenmengen. Und schon damals war es eine Herausforderung, sie sinnvoll auszuwerten.

Algorithmen, Kommunikation und Gesellschaft

Gerade erschienen bei Kommunikation@Gesellschaft, die Themenausgabe zu “Algorithmen, Kommunikation und Gesellschaft”, herausgegeben von Jan-Hinrik Schmidt, Katharina Kinder-Kurlanda, Christian Stegbauer und Nils Zurawski.

Mit Beiträgen zur Soziologie des Algorithmus; Algorithmische Selektion im Internet; Filterblasen – Ausgangspunkte einer neuen, fremdverschuldeten Unmündigkeit?; „Online-Audiences“Zur Publikumsvermessung im Internet u.a.m.

Rezension: Doping als Konstruktion

Rezension: zusammen mit Criminologia-LogoKopie

Marcel Reinold: Doping als Konstruktion. Eine Kulturgeschichte der Anti-Doping-Politik. 2016 Bielefeld: transcript.

von Marcel Scharf, Köln

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Neue Forschungsprojekte: PredPol und Polygraph

An der Universität Hamburg gibt es zwei neue Forschungspojekte, die im weiteren und engeren Sinne auch dem Thema Überwachung und Kontrolle zugeordnet werden könne. Beides beschäftigen sich sowohl mit neuen Technologien als auch mit zentralen Fragen von Kontrolle und Vorrauschau.

Eines beschäftigt sich mit Predictive Policing, das zweite mit dem Lügendetektor im weiteren Sinne.

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Crowdfunding-Aufruf für Kater Demos

Die Zeitschrift Kater Demos ruft zu einer Crowdfunding-Aktion auf – Sie wollen ihr nächstes Heft zum Thema Überwachung damit bezahlen, promoten, publizieren. Gute Inhalte, so weit ich das sehen kann. Vielleicht ist der ein oder andere Euro ja wert, dort investiert zu werden.

Kater Demos schaut in seiner vierten Ausgabe zum Schwerpunktthema “Überwachung” hinter die Fassade unserer überwachten Gesellschaft, um herauszufinden, ob unsere Freiheit zukünftig noch Chancen hat. Und das im Jahr 2017, in dem ausgerechnet Orwells “1984” wieder an die Spitze der Bestsellerlisten kletterte. Seit Snowden wissen wir zwar, dass wir alle anlasslos und massenhaft von Geheimdiensten überwacht werden: Doch hat sich etwas zum Besseren verändert?

Big Brother Awards: Verleihung heute!

https://bigbrotherawards.de/stream

Surveillance, Privacy and Security

Das Buch ist quasi der Endbericht von mehreren EU-Forschungsprojekten (EU-FP7: PRISMS, SurPRISE und PACT), womit es einen guten Überblick über eine bestimmte Art der Forschung bietet, mit vielen Daten zu Sichtweisen von Bürgern, zu Ethik und Datenschutz, was immer das genau meint sowie auf einer sehr breiten Basis fußt.

Surveillance, Privacy and Security. Citizens’ Perspectives.
Edited by Michael Friedewald, J. Peter Burgess, Johann Cas, Walter Peissl and Rocco Bellanova.

Recent revelations of mass surveillance programmes clearly demonstrate the ever-increasing capabilities of surveillance technologies. The lack of serious reactions to these activities shows that the political will to implement them appears to be an unbroken trend.

This volume examines the relationship between privacy, surveillance and security, and the alleged privacy–security trade-off, focusing on the citizen’s perspective.

Das Buch ist als open access erhältlich im pdf-Format. Das lohnt sich allemal.

Was ist Zivilcourage?

Der Frage geht die Journalistin Daniela Remus in ihrer sehr interessanten und gut recherchierten Reportage “Zivilcourage. Der Mut des Bürgers” nach. BR2, 16.3.2017.

Darin stellt sie implizit auch die Frage, ob Zivilcourage nicht manchmal auch in Überwachung abdriften kann, auf der anderen Seite aber durchaus ein Heldentum fördert, dass den Kampf gegen Ungerechtigkeit auf sich nimmt.

Überwachung neu denken!?!

Philosophy and Technology, volume 30, Issue 1, March 2017:
Rethinking surveillance: theories, discourses, structures and practices.

Issue Editors: Samantha A. Adams, Nadezhda (Nadya) Purtova.

Auf den ersten Blick in eine paar der Aufsätze (frei erhältlich), sehe ich nicht so viel neues, viel Panopticon und Diskussionszusammenfassung. Aber ein Blick mehr lohnt bestimmt.

Überwachung in Schleswig-Holstein

Die Arbeit von freiheitsfoo wurde hier im Zusammenhang mit den BodyCam-Anhörungen in Niedersachsen schon mal angesprochen. Nun hat die Gruppe auf ihrem Wiki die Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine der Bürgerrechtsinitiative zur Landtagswahl veröffentlicht, aus denen, so die Piratenpartei im Bundesland, hervor geht, dass nach der Landtagswahl eine verstärkte Überwachung in Schleswig-Holstein geplant ist.

Einen Blick ist diese Arbeit auf jeden Fall wert. Die Idee von Transparenz und Offenheit ist zu begrüßen und passend für diesen Blog.

Kameras am Körper und überall…

Was als Seitentechnologie begann, BodyCams, weitet sich immer mehr aus. Nicht überraschen, werden die meisten Leser des Blogs jetzt rufen. Nein ist es nicht. Dennoch einen Blick wert. Dazu sind mir drei Artikel über den Weg gelaufen, die sehr umfassend Problematik, Folgen und Richtung der Ausweitung aufzeigen. Themen dabei sind Kameras nicht nur bei der Polizei, sondern in diesem Fall bei Lehrern einer Schule (irre!); die Verbindung mit Gesichtserkennung (eine Frage der Zeit); sowie die komplette Ausweitung (zu erwarten).

Ava Kofman in the Intercept, 22.3.2017: “Real-time face recognition threatens to turn cops body cameras into surveillance machines.”

Peter J. Walker in the Guardian, 8.2.2017: Two UK schools trial use of police-style bodycams for teachers

The Conversation, 14.3.2017: If surveillance cameras are to be kept in line, the rules will have to keep pace with technology.