Überwachung und Simulation

Jetzt einmal zu einem anderen Aspekt von Überwachung – Überwachung im Sinne von Übersicht schaffen. Das Max-Planck-Institut für Informatik hat eine Simulation zur Verbreitung von Ebola bzw. für Epidemien insgesamt erstellt.

Ein Interview mit dem Bioinformatiker  vom MPI kann man beim DeutschlandFunk (Luftexpress für Waren, Witze, Viren, Thomas Lengauer im Gespräch mit Arndt Reuning) finden – dort werden auch die Grenzen solcher Simulationen erklärt und die Hintergründe.

Wenn Kartierungen Teil von Überwachung sind, dann ist das hier ein sehr interessantes Beispiel. Im weitesten Sinne handelt es sich hier um eine Form des cognitive mapping zur Selbst und Fremdverortung in der Welt. Ein Blick lohnt sich!

Spitzel und Spione

In der Reihe die Story lief am 13.10.2014 ein Dokumentation über den Verfassungsschutz. Das Besondere daran: Mitarbeiter des Verfassungsschutzes äußerten sich offen oder verkleidet zu ihrer Arbeit und dem Dienst selbst. Ob hier eine neue Offenheit zu bestaunen ist oder nur eine verbesserte Pressearbeit ist auch nach dem Film offen.

Wenn man aber aufmerksam zuhört und das Gesagte als Material hört, dann bieten sich viele Ansatzpunkte der Kritik, der Analyse von Geheimdiensten und ihrer Mitarbeiter, die manchmal so tun als hätten sie Jobs wie andere Menschen auch. Was das grundsätzliche Problem von Geheimdiensten im Allgemeinen und des Verfassungsschutzes im Besonderen ist, wird nur zwischen den Zeilen deutlich, leider. Meine letzte Begegnun mit einem Beamten der Behörde war eher ernüchternd, was die Geisteshaltung und das Selbstverständnis angeht – auch da war es vor allem geschickte Pressearbeit. Aber vielleicht war der Film ja ein Anfang für weitere offene Kritik, die einen nicht gleich ins Visier der Schützer bringt muss…

Spitzel und Spione:
Ein Film von Egmont R. Koch und Holger Schmidt

WAKE UP : LOG ON

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WAKE UP : LOG ON – von Sebastian Jansen

Ein netter kleiner Film (den ich leider nicht einbinden kann), mit ein paar Soundschnipseln von der SSN Konferenz in Barcelona im April 2014 – sowie ein Essay.

 

Ergänzung: Datenschutz in Europa

Zum Eintrag zur Klage gegen geheime Überwachung, hier noch eine Ergänzung:

Data Breaches in Europe: Reported Breaches of Compromised Personal Records in Europe, 2005-2014

Center for Media, Data & Society

Rezension: Surveillance, Capital and Resistance

Rezension: zusammen mit Criminologia-LogoKopie

Michael McCahill & Rachel L. Finn (2014): Surveillance, Capital and Resistance. Theorizing the surveillance subject. London/New York: Routledge.

von Sylvia Kühne, Hamburg.

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Kongresse im Oktober: Netzpolitik und Überwachung

17.10 – Berlin: Das ist Netzpolitik!
netzpolitik.org wird zehn Jahre alt. Das soll mit einer Konferenz und einer Party gefeiert werden! Mit von der Partie sind viele Protagonisten und Weggefährten mit welchen über die Entwicklung von Netzpolitik in Deutschland und international diskutiert werden soll.

10. – 12.10 – Stuttgart: PrismCamp²
Die 2. Un/Konferenz zum Spionagekrieg “unter Freunden” und zur anlasslosen Überwachung der Zivilbevölkerung. Diskussionen, Vorträge, Workshops – damit sich was bewegt…

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Klage gegen geheime Überwachung

In Ungarn ist ohnehin eine Menge los, was die Meinungsfreiheit, die Medienkontrolle und die Überwachung von Opposition angeht. Nun haben zwei Rechtsanwälte das Land verklagt. Hier kann man den Fortgang verfolgen.

Szabo and Vissy v. Hungary – No Secret Surveillance Without Judicial Warrant

Two lawyers, Hungarian citizens have turned to the European Court of Human Rights in Strasbourg to challenge a Hungarian regulation that empowers the Counter-Terrorism Centre to spy on anyone without a court order by citing national security interests.

Werbung als Überwachung

Überwachung als Konsum – darüber habe ich hier und an anderen Stellen bereits geschrieben. Sascha Lobo hat in seiner aktuellen Kolumne dazu ein paar nette Einlassungen gemacht, ausgehend von Bruce Schneier, der feststellte, dass Überwachung das Business Modell des Internet ist.

Die Argumente sind alle mehr oder weniger bekannt, oft eher technisch, und dass Werbung Teil der kapitalistischen Einlullungsmaschine sind ist auch schon gesagt worden – persönliche Daten im Tausch für Annehmlichkeiten, Service usw. Doch so kommen die Argumente auch zu einem großen Publikum, und das ist dann doch erfreulich.

Die schließende These von Lobo – “Wenn Überwachung als Geschäftsmodell des Internet akzeptiert wird, fällt die Ablehnung der Überwachung als Machtmodell viel schwerer” – ist es wert weiter diskutiert zu werden. Es steckt dahinter auch ein wenig die Enttäuschung, dass wir uns nicht mehr wehren. Die Frage ist aber, ob das so stimmt oder der Umgang mit Überwachung je nach Kontext doch differenzierter ist. Und letztlich hat Macht immer etwas mit Überwachung bzw. Kontrolle zu tun, uumgekehrt mag aber das Verhältnis komplizierter sein.

Urbane Erkundungen in der Safe City

DIGITAL CAMERAVon Freitag 3.10. (bis 12.10.) an findet in Wien die ur5banize! statt – ein internationales Festival für urbane Erkundungen.

Thema 2014: Safe City. Vorträge, Performances und vieles mehr. Ein Blick auf die Webseite lohnt sich, für die Wiener bestimmt auch die Vorträge vor Ort.

Organisiert wird das Festival von der Zeitschrift dérive – Zeitschrift für Stadtforschung.

Panopticon Inn

Jail 01

Bild: http://www.miaojiaxin.com/pageviewer.html

Nicht mehr ganz neu, aber dennoch eine Bemerkung oder zwei wert: Das One-Dollar-Hotel in New York, genauer in Brooklyn. Dort kann man in NYC für 1 $ übernachten, was für diese Stadt ein irrer Preis ist. Dazu muss man sich allerdings eine zeitlang überwachen und bei Facebook beobachten lassen.

Bei NDR Info/N-Joy (eine Impression auch hier) kann man in einer Reportage nachhören, was den Künstler Miao Jiaxin dazu bewegt, so ein Angebot zu machen. Interessant sind seine Einlassungen durchaus – denn letztlich formuliert er nur Benthams Ideen von innerer Einkehr, des Bei-sich-seins, von-der-Welt-entfernt-zu-sein neu. Das ist durchaus interessant.

Dass diese Art der Überwachung, die Kunst, Konsum und die Hotelpreise in NYC ausnutzt anschlussfähig ist, zeigen die Besucherzahlen. 1$ ist ein Schnäppchen, für das man in einem Kunstprojekt gern mal mitmacht und sich überwachen lässt. Wäre das nicht auch ein echtes Modell für die Zukunft – Konsum durch Überwachung, oder sind wir da längst und hier wird dieser Zusammenhang nur auf wunderbare und eher klaustrophobische Weise deutlich.

Verfassungsschutz als Fan-Forscher

In der sehr guten Reihe Sport Inside beim WDR lief am 22.9. ein Beitrag, der darüber berichtete, wie der Verfassungsschutz als Wissenschaftler getarnt sich unter Fußball-Fans mischt. Abgesehen von der Frage, was der Vfs bei Fußball-Fans sucht, ist diese Art von Vorgehen ein Katastrophe für die Wissenschaft, deren Arbeit in prekären Bereichen damit erschwert wird, möglicherweise aufgebautes Vertrauen verliert oder erst gar nicht knüpfen kann. Eine emanzipierte Wissenschaft muss frei von Polizei und Geheimdiensten sein, insbesondere von verdeckt arbeitenden. Das heißt nicht, keinen Dialog suchen, mit der Polizei zu arbeiten, über sie oder mit ihnen – aber die Grenzen müssen klar sein und auch die Art der Zusammenarbeit. In diesem Film trifft die Art der Überwachung ins Mark wissenschaftlichen Selbstverständnisses –  zumindest was mich selbst angeht und ich hoffe auch darüber hinaus.

Enger Kontakt, ein Film von Fred Kowasch und Ralf Meutgens (22.9.2014, WDR)

Dänemark: Peilsender für Obdachlose

Hinweis auf einen Artikel auf Spiegel Online:

Pilot-Projekt in Dänemark: Peilsender für Obdachlose.

Im dänischen Odense tragen Wohnungslose neuerdings GPS-Peilsender. Jeder Schritt, jede Bewegung wird von den Behörden aufgezeichnet und analysiert. Totale Überwachung? Die städtische Behörde spricht von einer Hilfsmaßnahme.

Ist das noch “care” oder nur noch  “control”?