Kategorie: Künstliche Intelligenz

Tech Bro Topia

Unter der Überschrift „Mit der roten Pille zur Macht“ beginnt die 1ste Folge des Podcasts bei Deutschlandfunk zu den Tech Bros, ein derzeit sehr angesagtes Thema, auch ich habe im Blog schon den einen oder anderen Beitrag dazu gepostet. Daher hier der Tipp: Tech Bro Topia, ein 6-teiliger Podcast bei DLF

Sommer 2025: Die USA vollziehen den Schwenk zum Autoritarismus. Mittendrin die Tech-Bros aus dem Silicon Valley. Sie wollen den Staat abschaffen und den Weltraum kolonisieren. Aber wie kommen sie auf solche Ideen?

Der Podcast beleuchte die Geschichte des Silicon Valley, von den Ideen der Hippies bis zu den Tech Bros, den Individuen, die mit ihrer Macht mehr Einfluss auf Politik und Gesellschaft ausüben, als das einmal vorstellbar war, auch und gerade weil sie etwas herstellen oder anbieten oder besitzen, das unser Leben auf dem Globus entscheidend mitprägt. Ob das Digitale auch der Weg raus aus dem Dilemma sein wird, wenn man z.B. an die Klimakrise denkt, dass muss sich erst noch erweisen. Momentan verbraucht der AI-Hype vor allem jede Menge Wasser und Energie.

Algorithmische Narrative und der Zeitgeist

Heute möchte ich auf den Aufsatz des Kollegen Rainer Rehak hinweisen, der sich der Narrative rund um KI angenommen hat. Der Artikel ist wirklich lesenswert, wenn auch notwendigerweise lang und ausführlich. Rainer Rehak nimmt sich darin prominenter Erzählungen zu KI – oder das was so mancher dafür hält – vor, u.a. Agency, Autonomie, Wissensverarbeitung, Vorhersage, Objektivität.

AI Narrative Breakdown. A Critical Assessment of Power and Promise, 23.6.2025, in FAccT ’25: Proceedings of the 2025 ACM Conference on Fairness, Accountability, and Transparency, Pages 1250 – 1260, https://doi.org/10.1145/3715275.3732083

Wer in der DB den vielen Business-Typ:innen mal so beim Telefonieren zuhört – immer ein großer Spaß für mich – der hört immer öfter auch etwas von KI, in nahezu jedem Zusammenhang. Rehak nennt das „Zeitgeist-KI“, ein wirklich charmanter, aber vor allem treffender Begriff

To characterize the regularly (too) vague use of the term artificial intelligence in societal discourse, I propose the term „Zeitgeist AI“ [96]. „Zeitgeist AI“ can mean anything from big data, algorithms, apps and statistics to software, robots, digital technology, all the way to the internet and digitalization in general. In political discourse, too, there is often a blanket reference to „artificial intelligence,“ 

Also, ein Lesetipp, denn die symbolische Bedeutung der Technologie KI ist bestimmt so groß, wenn nicht größer als ihre tatsächlichen Möglichkeiten. Hier gibt es ein paar interessante Gedanken und Erkenntnisse zu lesen.

KI und falsche Analogien

Der Kollege Roland Meyer nutzt Bluesky sehr gut für einige schlaue Gedanken, hier mal wieder zur Künstlichen Intelligenz und den falschen Vergleichen, mit unserer eigenen, menschlichen Intelligenz. Lesenswert, daher hier der Skeet einmal eingebettet.

Der Hinweis darauf, dass es sich bei KI um „large socio-technical apparatuses“ handelt, finde ich dabei zentral.

Most humanist critique of #genAI falls into the ideological trap of treating machine learning systems as less perfect quasi-human subjects, by claiming that human «creativity» or «intelligence» will always surpass machinic ones. That’s not the point, the comparison is flawed from the beginning1/

— Roland Meyer (@bildoperationen.bsky.social) 2025-06-30T05:27:09.609Z

KI als Religion

Über die symbolischen Bedeutungen von KI denke ich schon länger nach und je mehr ich lese was alles mit KI gemacht und dann vor allem besser sein soll, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass zu wenig über den symbolischen Gehalt von Technik nachgedacht wird, nicht unbedingt in der Wissenschaft, aber auch hier. Über das „wie“ wird viel nachgedacht, u.a. in der Ethik, aber über das „warum“ eher weniger. Und ich frage mich auch, welche (unerfüllten?) Bedürfnisse möglicherweise KI befriedigt, die in der Gesellschaft vorhanden sind. Da liegt es nicht weit auch einmal über KI als Religion nachzudenken.

Hier tut das Claudia Paganini beim Deutschlandfunk und ich fand das durchaus hörenswert.

Die Zukunft ohne Menschen

Nun ist die Vorstellung, dass eine Zukunft ohne Menschen dem Planeten, dem Klima und der Umwelt nicht unbedingt schaden würde, nicht tröstlich, aber doch eine Warnung, was wir als Spezies bereits alles verbockt haben. Die Ideen aus dem Silicon Valley zu dem Thema gehen allerdings in ganz andere Richtungen, haben quasi religiöse Züge mit KI als Gottheit (oder Götzen) und irgendwas mit digital. Wer weiß schon was passiert – aber warum die Tech-Freaks und Gurus aus Californien davon so begeistert sind und was das mit dem jetzt zu tun hat, diskutiert dieser Skeet auf Bluesky.

Silicon Valley is run by people who genuinely think the world as we know it is going to end in the next few decades. Many also WANT this to happen: they WANT the biological world to be replaced by a new digital world. They WANT „posthumans“ to take the place of humans. A ?:

— Dr. Émile P. Torres (@xriskology.bsky.social) 25. April 2025 um 21:58

Die neuen Faschisten

Ich bette hier einmal den Skeet von Roland Meyer ein, der die Süddeutsche zitiert mit wie ich finde sehr passenden Analysen, die zu den Post der vergangenen Wochen passen, was die Tech-Millardäre und ihre Agenden angeht.

«Das alte Betriebssystem des Staates, die Bürokratie, wird gegen ein neues ausgetauscht, die digitale Verwaltung. Die ist billiger, effizienter und vor allem ergebnisorientiert.» Das ist sie ganz sicher nicht. Aber der AI-Coup von Musk räumt die letzten Schranken gegen Willkür und Plünderung fort1/

— Roland Meyer (@bildoperationen.bsky.social) 2025-03-26T11:38:06.799Z

Wie dystopisch, aus demokratischer Perspektive, viele der Ideen sind, zeigt das Beispiel der „Freedom-Cities“, welche u.a. von Peter Thiel vorangetrieben wird. Städte ohne Regulierung, ohne Regierung im eigentlichen Sinne, geregelt mit KI – naja, ihr bekommt eine Idee. Hier ein Artikel dazu aus dem Standard: Tech-Milliardäre werben bei Trump für unregulierte „Freedom-Cities„

KI, dicke Dollars und Halluziationen

Dieser Text von Constanze Kurz und Stefan Ullrich ist eine echte Empfehlung. Vor allem, weil er eine sehr schöne Illustration zur symbolischen Bedeutung von KI in vielen gegenwärtigen Diskursen ist – was wollen wir sehen, worauf springen wir, die Wirtschaft, all die „Gläubigen“ an, die sich von KI das Heil erhoffen. Technologie als Symbol, vor allem aber als Marketing-Hype. Das Zitat aus dem Text bringt es auf den Punkt.

Wir müssen dringend kurz noch über diese „Halluzinationen“ sprechen. Es wird fälschlicherweise davon ausgegangen, dass die Maschine halluziniert. Es sind aber tatsächlich die Menschen, die Täuschungen unterliegen und die LLM-Ergebnisse schlicht überinterpretieren. Es ist ein bisschen so, wie wir Figuren in den Wolken zu erkennen glauben.

LSD, Hippies, Computer und die Welt von heute

„We create tools, then we mould ourselves to our use of them“ JZ Young zitiert* im Film The Net – the Unabomber, LSD and the Internet | Lutz Dammbeck [2003]

Der Film folgt den Spuren der Kybernetiker, den Hippies, dem Internet und warum Ted Kaczynski der Unabomber wurde. Hier liegen einige interessante Hintergründe für den Aufstieg der Ideen des Silicon Valleys… Ich bekam den Tipp von einem Zuschauer bei der Weizenbaum-Veranstaltung gestern, daher teile ich das hier gern. Es passt in das fortgeführte Bild und die Einträge zum Silicon Valley und der Technoelite, wie wir sie heute erleben….

*Zitiert von John Brockman, von dem inzwischen Verbindungen mit Jeffrey Epstein bekannt sind, die für dieses Zitat keine Rolle spielen.