Autor: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Gesichtserkennung doch mit Bias?

Die Vermtung, dass Gesichtserkennung diskriminierend wirkt, ist so alt, wie die Technik. Jetzt hat der geschätzte Kollege Pete Fussey (der „Expert“ in dem Artikel) der MET Police widersprochen, dass eine Studie mit dieser Annahme aufräumen soll: Expert rejects Met police claim that study backs bias-free live facial recognition use, Guardian 23.8.2025

Vor allem geht es bei der Kritik um die Größe des Samples in der besagten Studie – ein nicht seltenes Problem bei Evaluationen, auch, aber nicht nur bei der Polizei. Was hier vor allem diskutiert wird, ist die Sicht auf wissenschaftliche Ergebnisse, bei denen Statistiken eine Rolle spielen, aber eben auch Wünsche und Hoffnungen an Technik, die letztlich auch Wundermittel sein sollen, um meistens soziale Problem zu lösen.

WiFi als Überwachungstechnik

Ich habe nicht ganz verstanden, wieso hier von der Technologie von einer „robust and privacy-preserving biometric modality“ gesprochen wird, denn über die WiFi-Wellen Menschen zu erkennen, quasi eineindeutig

Researchers in Italy have developed a way to create a biometric identifier for people based on the way the human body interferes with Wi-Fi signal propagation,

ist nur auf eine Weise Privatsphäre fördend, aber nur wenn es dazu dann keine Abgleiche möglich sind mit dem entsprechenden Muster, das man dann ja auch irgendwie speichern können muss….

Humans can be tracked with unique ‚fingerprint‘ based on how their bodies block Wi-Fi signals, The Register, 22.7.2025

Überwachung zum Wohle aller

Das ist ja kein ganz neues Versprechen, aber einer der Tech-Millardäre glaubt halt auch jetzt und wieder dran. Zu Recht? Eher nein, auch wenn aus seiner Sicht das ganz bestimmt Sinn ergibt.

Larry Ellison predicts rise of the modern surveillance state where ‘citizens will be on their best behavior’. (Fortune 17.9.2024) Ob man immer darauf hören soll, was diese Menschen so voraussehen – ich denke nicht, aber Geld und damit verbundene Macht suggeriert nicht nur jetzt Weisheit, auf die es zu hören gelte. Was ein Unsinn. Auch wenn diese Leute mit ihrem Geld leider in der Lage sind, die technologischen Voraussetzungen für solche Systeme zu schaffen – und dann auch noch Geld daran verdienen.

AI is all around

Man und frau muss nicht technophob sein, um kritisch über AI nachzudenken. Gerade mit einem Faible für Technik scheint es mir, ist das genaue Hinsehen auf die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wichtiger denn je. Insbesondere, und hier vor allem meinem Interesse geschuldet, wenn es um die symbolischen Bedeutungen der Technologie(n) geht, die mit dem Kürzel KI/AI verbunden sind –und nicht selten einfach ein Verkaufsargument darstellen, denn irgendeinen Mehrwert in der Praxis für irgendwen oder gar die Gesellschaft als Ganzes haben. Der Begriff wird dann recht schnell recht leer und beliebig. Die Beschreibung, die mein geschätzter Kollege David Murakami Wood für AI, gefunden hat, finde ich dabei noch immer sehr auf den Punkt:

In other words, they produce patterns, which sometimes (increasingly frequently) appear good enough to fool pattern-recognizing brains like our own. 

Palantir und kein Ende

Unter dem Titel „Palantir unter Druck – Europäische Alternativen rücken in den Fokus“ Heise fasst die Diskussion in Deutschland über die maximal umstrittende Software Palantir zusammen und diskutiert mögliche Alternativen. Zu Palantir, so möchte man meinen, ist bereits alles gesagt – doch es finden sich immer noch Perspektiven darauf. Hier eine kleine Sammlung, die es wert zu lesen ist (und wenn nur um meine Macke nach Vollständigkeit nachzukommen, vergeblich in diesem Fall…)

Es gibt darüber hinaus nicht erst seit kurzem eine Reihe von Beiträgen zur Einführung von Palantir bei Deutschen Polizeibehörden, z.B. bei Heise (24.3.2025) oder im Deutschlandfunk (9. 12. 2023 Breitband)

Die Polizei und der Überwachungsstaat

Das neue Bundespolizeigesetz enthält eigentlich nicht viel Neues. Es vereint viele Vorstellungen der letzten Jahre, was zumindest die technischen Möglichkeiten angeht, die nun auch rechtlich abgesichert werden, um eingesetzt zu werden. Ich hoffe, da wird dann doch noch einiges vor Gerichten gestoppt, aber wenn ich mir die letzten 25 Jahre so anschaue, dann hat der feuchte Traum der Sekurokraten sich davon nicht aufhalten lassen.

Auch wenn es nicht beruhigend ist, wenn wir damit nicht allein sind, hier ein Beispiel wie Überwachungstechnologien an den Grenzen (The American Prospect, 5.8.2025) getestet werden – gegen die Migranten, die vermeintliche Bedrohung aller heimischen Ordnung – langsam und stetig nach innen kriechen. Auch das ist hierzulande zu sehen und keine Seltenheit. Nichts was mal getestet wird, verschwindet so einfach, egal ob es wirksam ist oder nicht.