Author: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Feminismus und Überwachung

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein Dossier zum Thema “Feminismus und Überwachung. Intersektionale Perspektiven” herausgegeben.

Auch Frauen*, Schwarze Menschen oder Menschen of Color müssen mit stärkeren Eingriffen in die (körperliche) Privatsphäre rechnen. Sei es beim Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung oder hinsichtlich der Bewegungsfreiheit, Stichwort Racial Profiling. Überwachung, ob staatlich oder privatwirtschaftlich, betrifft großflächig uns alle, wenn auch nicht im gleichen Maße. Trotzdem scheint sich kaum jemand betroffen, eingeschränkt oder gar eingeschüchtert zu fühlen. Woran liegt das?

Dass sie auch ein (pinkes) Kamerabild zur Illustration genommen haben, war wohl nicht zu vermeiden, auch wenn diese mit dem Thema wenig zu tun haben…. auf jeden Fall aber lesenswert!

Der automatisierte Mensch

Ich hatte ja neulich gesagt, dass ich mich frage, ob es noch wirkliches Neues in der Forschung zu Überwachung gibt – Theorien, Felder Anwendungen? Ich bin mir manchmal nicht sicher. Das Feld der Vorhersage, momentan vor allem im Hinblick auf polizeiliche Ermittlungen disktutiert, ist so ein Feld, das mir in den Sinn kommt.

Seit einiger Zeit macht die Harvard-Professorin Shoshana Zuboff mit ihrem Überwachungskapitalismus von sich reden (Eine Kritik des Buches folgt hier im März). Dabei ist vor allem ihr Gedanke zur Automatisierung des Menschen ganz interessant.

Corner-Surveillance + 24/7 Photography

Alexander Steig
Corner-Surveillance + 24/7 Photography
3-Kanal Closed-Circuit Videoinszenierung, Artothek München, 18.01. – 23.02.2018

Drei Überwachungskameras werden ihrer Funktion durch eine 180-Grad-Drehung enthoben; sie übertragen nun die Raumecken auf drei Projektionsflächen im Ausstellungraum. Das Bild wirkt geometrisch abstrakt und changiert optisch zwischen Zweidimensionalität und dreidimensionaler Konkavität und Konvexität. Dass durch die Echtzeitübertragung auch die vierte Dimension der Zeit ins Bild gesetzt wird, dehnt das einfache Sujet Richtung unendlich. Es handelt sich bei der Arbeit also um den Versuch, die Verschränkung von Malerei, Bildhauerei (Architektur) und Video in Bezug auf die Raumzeitachse und den Ortsbezug zu inszenieren.

Das Geheimnis

In der Reihe Forum am Sonntag (20.01.2019, NDR Info) lief der Beitrag “Ach, wie gut, dass niemand weiß…” über das Geheimnis, worin auch der Aspekt der Privatsphäre thematisiert wurde.

“Das Geheimnis ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit” schrieb der Soziologe Georg Simmel. Wie sieht es heute mit dem Geheimnis aus?

Der Überwachungsteil war leider nicht so erkenntnisreich, eher etwas verkürzt, der Beitrag aber insgesamt hörenswert.

Dabei stellte sich mir aber die Frage, was es überhaupt an neuen Theorien oder Ansätzen in dem Bereich Überwachung, Privatsphäre und Kontrolle gibt. Mir scheint, dass die Diskussion, wissenschaftlich und öffentlich, ein wenig stockt. Mehr dazu in einem nächsten Post.

Surveillance Studies-Preise 2019

Surveillance Studies-Forschungsnetzwerk vergibt Preise für journalistische und wissenschaftliche Arbeiten.

Preisträger Journalistenpreis: Timo Grossenbacher, Zürich

Preisträger Publikationspreis für Nachwuchswissenschaftler: Daniel Moßbrucker, Berlin

Extra-Preis der Jury für ein Team von netzpolitik.org