Author: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Corona und der Surveillance-Preis

Informationen zum Surveillance Studies-Preis 2021

Angesichts der derzeitigen Lage der Welt, die verschleppte Planungen, thematische Verschiebungen und unklare Zeitpläne sowie persönliche Belastungen ist auch der Surveillance Studies-Preis wie bisher in diesem Jahr nicht durchzuführen. Was bedeutet das und welche Überlegungen gibt es?

Mit Karten die Welt machen

Eine Ausstellung der Geographie in Hamburg, zu sehen online

Die Karten nehmen das Territorium vorweg – so kann man Jean Beaudrillard ungefähr übersetzen. Und auch Karl Schlögel sah, dass jede Karte irgendwann in der Welt ankommt, für die sie gemacht worden ist. Und da kartieren in diesem Sinne auch immer Überwachung und vor allem Kontrolle bedeutet und dabei eine mächtige Technolologie, die Karte, eingesetzt wird, will ich auf diese dazu sehr passende und interessante Ausstellung aufmerksam machen.

geografisch-postkolonial. Wie aus Karten und Bildern Welt entsteht, zur Zeit online zu sehen.

Verdacht und die Domestiken des Alltags

Was wie ein verlockener Titel eines Aufsatzes klingt, ist in Wahrheit der Versuch einer zusammenfassenden Überschrift um auf zwei Aufsätze von mir aufmerksam zu machen.

Kürzlich erschienen sind von mir diese beiden Aufsätze (konträr zu dem, was die Heftnummern vermuten lassen).

  • N. Zurawski: Der totale Unterhaltungsstaat. Überwachung im digitalen Zeitalter. Über Konsum, KI und nicht nur digitale Domestiken, in Zeitschrift für Semiotik, Band 40/2018 (erschienen im Mai 2020)
  • N. Zurawski: Verdacht und Muster. Geheimdienstliche Logik und Überwachung im digitalen Alltag. In: Spitzel, Spione, Geheimdienste. Indes. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft 2019, Heft 04 (erschienen im Mai 2020)

Da beide nicht online zu finden sind, zumindest nicht so ohne Weiteres oder komplett, könnt ihr euch gern an mich wenden, wenn ihr da mal reinlesen wollt. Ich schicke euch die Aufsätze gern zu.

Corona-Bilder

Ich bin mir sicher, jeder hat irgendwelche Bilder von absurd anmutenden Situationen, die sich aus den Regeln der Corona-Beschränkungen ergeben haben. Nun da diese Beschränkungen langsam wieder aufgehoben werden, sind manche Bilder nur mehr Erinnerung.

Eine davon ist dieser Spielplatz bei mir um die Ecke, eigentlich nur eine Schaukel und eine Rutsche, die von ein paar wirklich kleinen Kindern genutzt werden. Das war kein Hotspot kindlicher Freizeitbeschäftigung, sondern eine versteckte Ecke für ein paar U4-Kinder, um mal ein wenig in Bewegung zu kommen. Aber da ein Hausmeister hier das Sagen hat, war zack-zack ein Absperrband drumgezogen. Absurd. Aber zum Glück vorbei.

Die Anatomie eines KI-Systems

Der Aufsatz Anatomy of an AI von Kate Crawford and Vladan Joler aus dem Jahr 2018 ist nicht zuletzt wegen der absoluten faszinierenden Karte lesenswert.

Ihre Analyse ausgehend von Amazons Echo zieht im Stile einer Latour’schen Actor-Netzwerk-Analyse die Verbindungen von einer simplen Bestellung über das smart device auf dem heimischen Wohnzimmertisch hin zu den Minen der Rohstoffe, die die digitale Welt so dringend benötigt um zu funktionieren – und die hinter dem Anschein intelligenter, autonomer Geräte, mit denen wir unseren Alltag gestalten und organisieren, sowohl Komplexität vortäuschen, als diese gleichzeitig verbergen. Der Untertitel des Aufsatzes ist dabei schon bezeichnend:

Überwachung, Körper und Corona

Gedanken zu Tracing-Apps, Volksgesundheit und biologistischen Vergleichen

Es sind viele verschiedene Aspekte, die von dem berührt werden, was wir derzeit als Corona-Krise irgendwie in seiner Totalität zu fassen versuchen. Über Raum habe ich schon etwas geschrieben. Über den Körper aber findet man auch einen Zugang um die Situation oder einige Aspekte der Situation zu betrachten. Das betrifft insbesondere den Aspekt der Überwachung des Viruses, so muss man es wohl reichlich prosaisch, aber dennoch unzureichend schreiben. Denn nicht der Virus wird überwacht, sondern dessen Träger, die Menschen. Das bringt in Bezug auf die Räume bereits Probleme. Mehr noch allerdings wenn man auf die Körper schaut und eben diese als Gefahr erkennt und ebenso behandelt.

Zur Selbstbeobachtung der Gesellschaft…

Überwachung durch Selbstbeoachtung – oder umgekehrt?

Es gibt derart viele Beiträge zur gegenwärigen Situation, dass eine Auswahl oft schwerfällt. Viele sind interessant, manche regen an, über bestimmte Aspekte ein wenig weiter nachzudenken. Bei manchen habe ich das Gefühl, die könnten hier im Blog von Interesse sein. So auch dieser hier von Armin Nassehi, der gerade sehr präsent in den Medien ist.

Ein Aspekt, den er dabei sehr gern und immer wieder betont ist der von der Selbstbeobachtung der Gesellschaft – das gilt in Bezug zur Digitalität der Gesellschaft, als auch hinsichtlich Corona. Und klar hat jeder so seine Argumente und theoretischen Spielfiguren. Bei Nassehi sind es halt oft systemtheoretische. In einem Artikel in der Frankfurter Rundschau kommt dann auch mal beides zusammen.Armin Nassehi: „Es ist eine digitalisierte Selbstbeobachtung der Gesellschaft“ (FR, 24.4.2020)

Online-Kurs zu Security und Desinformation

This interdisciplinary course, framed under the CRESCEnt project (Mind the Gap in media coverage and strategic communication in case of security threats), co-funded by the Erasmus+ Programme of the European Union, addresses the challenge of building awareness and developing resilience to disinformation, fake news, and hostile information influencing campaigns.

Ihr könnt euch hier anmelden und mehr über den MOOC-Kurs erfahren.

Pandemie und Raum

Gedanken und Texte

Die Bilder unten zeigen meinen lokalen Supermarkt im Kassenbereich. Auf dem Foto sieht es gar nicht so beeindruckend aus, aber vor Ort hatte ich dort, und auch in anderen Geschäften, den Eindruck, ich befinde mich im Sicherheitsbereich eines Flughafens. Es mag am Material gelegen haben, oder an der ungewohnten Gesamtoptik – klar ist aber, dass die Corona-Pandemie, oder genauer die verfügten Maßnahmen und was wir daraus machen, Raum und die Nutzung sowie die Gestaltung des Raums verändern. Ob nachhaltig bleibt abzuwarten (siehe auch den Text zu den Einkaufsorten hier).