Author: Nils Zurawski

Dr. habil. Nils Zurawski, ist Soziologe und Ethnologe und Initiator des Forschungs-Netzwerkes Surveillance-Studies. Er arbeitet als Wissenschaftler am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg sowie als freier Mediator/Moderator/Konfliktberater. Hier gibt es mehr Informationen zu seiner Arbeit: https://www.surveillance-studies.org/zurawski

Über Vorbeugung, Prävention, Viren und Kipppunkten

Der Kollege Jonas Grutzpalk schreibt in seinem Block hin und wieder längere Artikel, Essays oder wie er es nennt “Gedankensprünge”. Und da er hier Polizei, Prävention und Corona in einem interessanten Zusammenhang stellt, erlaube ich mir auf diesen Gedankensprung einmal hinzuweisen.

Der hier ist zwar schon etwas her, aber die Geschichte mit dem Kipppunkt ist immer noch und immer wieder eine Lektüre wert, insbesondere weil nach 20 Monaten Pandemie das damit vorgegebene Bild für andere Sachen in Zukunft bestimmt wieder mehr zur Anwendung kommen wird – so wie in der Vergangenheit die Epidemie für Straftaten und andere soziale Verwerflichkeiten.

Podcast Polizei und Demokratie

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Podcast Polizei und Demokratie, Teil 1

Der Podcast illustriert demokratische Grundwerte und -prinzipien zum Teil anhand des deutschen Grundgesetzes; die Aussagen zur Polizei beziehen sich allerdings nicht speziell und alleine auf die deutsche(n) Polizei(en), sondern behandeln die Beziehung von Polizeiarbeit und Demokratie allgemein.

Insgesamt sind es 3 Teile, produziert und gemacht vom Kollegen Michael Fischer, für die sich die Zeit lohnt.

Kartografie des Risiken, jetzt open access

Mein Artikel Kartografien des Risikos. Das Unbekannte und die imaginären Geografien der Sicherheit, erschienen 2014, ist seit kurzem auch als open access zugänglich. Die Zeitschrift Kritische Berichte hat einen open access-Auftritt umgesetzt und viele Artikel sind darauf nun frei als CC-Lizenz zugänglich. Leider nicht alle, aber doch schon viele und das ist absolut begrüßenswert.

NIls Zurawski: Kartografien des Risikos. Das Unbekannte und die imaginären Geografien der Sicherheit. Kritische Berichte, Bd. 42, Nr. 3, 2014.

Die Welt von morgen – vor 50 Jahren

“heute ist morgen vorüber, morgen ist heute vorbei” – ich erinnere mich an einen Songtext, der so oder ähnlich ging, mit dem Refrain “auf der Reise”, leider finde ich den Song nicht mehr. Das Video aber gibt einen solchen Einblick, aus einer Zukunft, die vor 50 Jahren erdacht wurde und seit 20 Jahren vorüber ist. Ein vergnüglicher Einblick, der viel auch über 1972, aber auch über heute aussagt. Auch heute stellen wir uns die Zukunft vor, wollen sie vorhersagen, vorhersehen und meinen technisch endlich in der Lage zu sein.

Klar ist aber, dass Vorhersagen über die Zukunft mehr über uns heute aussagen, als einen Blick nach morgen ermöglichen – und, dass sie auch das heute (im Sinne einer unmittelbaren Gegenwart) verändern.

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Überwachung am Arbeitsplatz

Auch wenn diese Story weithin Aufmerksamkeit in der Presse hatte, so verlinke ich die verschiedenen Beiträge hier dennoch einmal, da ich zum einen die Recherchen gut finde, aber vor allem begrüße, dass dieser Bereich einmal intensiver beleuchtet wird.

Neu ist das alles ja nicht – die Kontrolle der Arbeit am Arbeitsplatz ist alt und hat sich mit immer neuen Mitteln und Möglichkeiten technologisch weiterentwickelt bzw. den veränderten Arbeirtsplätzen angepasst – von dem Aufseher der Fabrikarbeiter, wie sie in der frühen Industrialisierung und wahrscheinlich zuvor in Arbeitshäusern und Manufakturen stattgefunden hat, bis hin zur Überwachung im Home Office mit ganz eigenen Dynamiken und politischen Dimensionen, da hier die Trennung von Privat und Arbeit weitgehend eingerissen wird, so wie sie mit der Durchdringung mobiler Kommunikation bereits vorher löchrig geworden war.

9/11 – Überwachung nach 20 Jahren

Vor 20 Jahren flogen zwei Flugzeuge in die Twin Towers in New York, ein weiteres ins Pentagon und noch eines zerbarst auf einem Feld in Pennsylvania. Mehr als 3.000 Menschen starben bei diesem multi-sited Terroranschlag. Die USA und mit ihr die Welt befand sich seither in einem Krieg gegen den Terror. George W. Bush wollte Rache und suchte Bin Laden in Afghanistan. Wie das ausgegangen ist, erleben wir gerade dieser Tage (ob der Einsatz so je sinnvoll war, ist eine andere Debatte und soll hier nicht geführt werden)

Der Islamische Terror ist seither ein Begleiter der Weltpolitik sowie nationaler, europäischer und globaler politischer Diskurse. Eine Steinzeitideologie, die seither weitere Zerstörung, Leid und Verzweiflung gebracht hat.

Rezension: Book of Anonymity

Rezension: zusammen mit 

Anon Collective: The Book of Anonymity. 2020 by punctum books, Earth, Milky Way

rezensiert von Gary T. Marx.

Eine Anmerkung zu dieser Rezension:

Dieses ist die längste Rezension, die hier im Blog jemals veröffentlicht wurde. Es ist eigentlich auch mehr als nur eine Besprechung des Buches. Der Autor hat anhand des Buches weitere Gedanken zu Anonymität, zu Identität, der Soziologie von Informationen und andere Aspekten entwickelt und  reflektiert. Das Ergebnis ist ein Artikel, der für sich steht. Gary T. Marx war Professor für Soziologie am MIT, hat zu Polizei, Anonymität und Überwachung geforscht und zählt für mich zu einem der kreativsten Soziologen auf diesen Gebieten. 

Wer solche Texte lieber anders lesen möchte, für den gibt es hier eine pdf-Ausgabe. 

Macht im digitalen Zeitalter

Weil Diskussionen zu Überwachung auch einen theoretischen Unterbau brauchen, hier ein Hinweis auf die neueste Ausgabe des Behemoth

Futures of Critique. Theorising Governmentality and Power in the Digital Age, hg. von Janosik Herder, Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff

Bereits in der Einleitung stellen die Herausgeber:innen dabei diese Frage, die sichso oder anders formuliert immer wieder stellt, wenn es um das Digitale und die Möglichkeiten der Computer geht.

Vor diesem Hintergrund stellt sich vielleicht mehr denn je die Frage, ob wissenschaftliche Hypothesen und theoretische Reflektionen – wie auch jene von Anderson selbst – in einer Gegenwart ubiquitären Dataminings und automatisierter algorithmischer Auswertung (vgl. Rouvroy 2013) zu bloßen Wiederholungs- bzw. kybernetischen Feedbackschleifen einer umfassenden, evidenzbasierten Echtzeitanalyse degradiert oder – im Sinne eines „end of theory“ – sogar einfach überflüssig geworden sind.[

Ob das so ist, können die Leser:innen herausfinden in den sieben Aufsätzen, die die Ausgabe versammelt hat.

Alles ist 1, außer der 0

Ein Film zum Chaos Computer Club startet am 29.7. in den deutschen Kinos (was in diesen Tagen ein eher unsicheres Vergnügen bedeutet, vor allem für die Kinobetreiber).

Die Webseite des Films hat alle Informationen, der Werbung für den Film ist das hier zu entnehmen:

ALLES IST EINS. AUSSER DER 0. erzählt mit der Geschichte des CCC eine Geschichte digitaler Subversion: vom exklusiven Club zu einer Instanz, die heute bei allen Fragen der Netzpolitik zu Rate gezogen wird. Der Dokumentarfilm von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf setzt der bekanntesten deutschen Hackervereinigung ein stilsicheres, kraftvolles und würdiges Denkmal. Selten hat man ein so eindringliches Portrait über Zeitgeist-Pioniere gesehen, deren Weitblick für die Gegenwart so beeindruckend wie bereichernd ist.