Category: Videoüberwachung / CCTV / BodyCams

Videoüberwachung in Hamburg gescheitert (?)

so titelt zumindest die WELT vom 30.9.2006. Die Kriminaltitätsrate sei gestiegen, die Kameras hätten ihren Zweck nicht erfüllt, Verbrechen würden nicht verhindert. Die Polizei hält dagegen, dass vor allem das Dunkelfeld aufgehellt wurde – und hat wohl damit ein wenig Recht. Aber selbst aus Polizeikreisen heißt es, wenn man mal konkret nachfragt, dass die Kameras vor allem zu Aufklärungszwecken gut sind, verhindert wurde damit noch nicht wirklich etwas. Wie auch immer, die Hamburger Polizeiführung hält natürlich daran fest und wird das Instrument in der Zukunft wohl auch noch an weiteren Plätzen in Hamburg ausbauen.

CCTV auf Sri Lanka

Auf der konfliktbeladenen Insel vor Indien hält jetzt auch moderne Technik zur Verbrechensbekämpfung Einzug. Die Diskussion, welche hier in Europa beinahe jede Kameras begleitet, scheint dort noch nicht angekommen zu sein. Noch wird in den Kameras ein Allheilmittel gesehen, um tatsächlich auch den tamilischen Tigern Einhalt zu gebieten, zumindest aber ihre Terroranschläge zu verhindern (!). Außer natürlich mit einer kompletten Ãœberwachung der gefährdeten Gebiete… und genau so liest sich der Plan ein wenig….

CCTV Cameras to beef up Sri Lanka security:

At least two cameras will be fixed at each main colour light junction while some will be fixed at other secret locations. A group of specialists of the Katubedda Engineering faculty are assisting the police in this effort. According to the proposed plan all cameras will be connected to one network and all data collected will be linked up to a control room at the Colombo City Traffic Police headquarters in Fort. The cameras will record video pictures 24 hours daily and a special police team will monitor them round the clock. If anything unusual is recorded, immediate action will be taken by the officials to send a Police 119 Emergency Mobile Unit to the scene.

Mir ist nicht ganz klar welches Sri Lanka die Webseite eigentlich repräsentiert: Die Selbstbeschreibung lautet – ” Our aim is to unite all Sri Lankans around the globe and to be the foremost source for latest and hot news on Sri Lanka and Sri Lankans wherever they live.” Da es auch eine London Column gibt, nehme ich an, dass es sich um eine Diaspora-Seite handelt und als Repräsentationsfläche für bestimmte Inhalte genutzt wird – oder die es aus politisch-gesellschaftlichen Gründen überhaupt erst gibt.

Kameras verhindern nicht Рaber sțren auch nicht!?

Eine australische Studie zu Videoüberwachung zeigt abermals, dass die Kameras nicht zur Kriminalitätsbekämpfung taugen. Immerhin wird so etwas auf einer Webseite der Sicherheitsindustrie abgedruckt (Security Park).

CCTV used in applications such as street surveillance and critical infrastructure protection, require constant video monitoring by human operators – and therein lies a problem – deploying preventative action is only possibly if the operator sees the incident.
In a study issued by the US National Institute of Justice it was reported that after only 20 minutes of watching video monitors the viewing attention of operators quickly degenerated to a level well below acceptable standards. This and other studies highlight the fact that monitoring video screens has a dulling effect on the senses, which leads to distraction.

Gegen die Hysterie der Politiker hat sich auch die Bahn entschieden – aus welchen Gründen auch immer – und nimmt nur einige Verbesserungen der Kameras vor, nicht aber einen massenhaften Ausbau – weiß aber auch, dass Video-Ãœberwachung ist den Bürgern lieb ist.

Am Bahnhof Erkner fällt das Urteil über die Video-Ãœberwachung im großen und ganzen einhellig aus: die Bürger sind dafür und hätten auch gegen eine Ausweitung nichts einzuwenden. Marina Baumann aus Erkner indes kritisiert, dass ihr trotz der Ãœberwachung auf dem Pendler-Parkplatz schon ein Fahrrad gestohlen worden sei. Andererseits hat sie Verständnis: “Die werden bei der Polizei ja auch nicht den ganzen Tag nur vor dem Bildschirm sitzen.” Mehr Sicherheit entstünde aus ihrer Sicht vor allem mit mehr Personal. “Die sollten öfter richtig hier langlaufen.” In Fürstenwalde sagt, zum Beispiel, Sandra Zeisig: “Mich würden Kameras im Zug und auf dem Bahnsteig beruhigen.”

Mein Eindruck, dass Videoüberwachung in den meisten Fällen eine Sicherheit verspricht, die sie nicht halten kann, bleibt bestehen – und wie die Ãœberraschung der Frau zeigt – ist der Schock und das Ärgernis noch größer wenn dennoch etwas mal passieren sollte. Das Gezeter nach den nächsten Kofferbomben will ich mir erst gar nicht vorstellen.

was es früher so gab und wer heute schon viel weiter ist

Wolfgang Schäuble im Interview mit dem DeutschlandFunk:

Da gab es ja früher so etwas alberne Debatten, als wäre es eine große Verletzung von Persönlichkeitsrechten, wenn Menschen auf öffentlichen Plätzen von Videokameras beobachtet würden.

Des weiteren gibt er bekannt, dass er plant, die Daten der Mautkontrolle entgegen den aktuellen gesetzlichen Restriktionen nicht nur zur Aufklärung von schweren Straftaten, sondern präventiv auch zu deren Verhinderung einsetzen zu wollen, “wenn sie dafür geeignet sein können.” Ich dachte, die Diskussion würde gerade noch über den ersten der beiden Punkte geführt? Schäuble ist da offenbar schon viel weiter. Außerdem ist die Rede davon, dass Sprengstoff aus der Luft per Hubschrauber zu erkennen sei. Ich bitte (ernsthaft) um technikkundige Kommentare, die mir erklären, wie so etwas funktonieren kann.

Es geht auch anders – Widerstand gegen Kameras

Nordirland ist weitgehend aus den Schlagzeilen, der Konflikt – oder was davon übrig ist – nicht mehr so präsent in den Medien, daher sind solche Szenen hierzulande auch eher unbekannt: Irish Republican Media – Surveillance Cameras. (gefunden bei youtube).

Ãœberwachung hat schon immer eine große Rolle in Nordirland gespielt – Kameras waren dabei bisher eher ein unbedeutenderer Teil. Dennoch speist sich ein Widerstand gegen Kameras und überhaupt jegliche Beobachtung durch den Staat in bestimmten Vierteln aus dem Verständnis der Bürger, welches sie von diesem haben. Und die Form des Widerstandes schließt auch an frühere Formen des Konfliktes an. Die Kameras hier stehen wohl in Ardoyne – einem Stadtteil von Belfast, u.a. Ort der Holy Cross Grundschule, die 2001 in den Schlagzeilen war. Ich empfehle keine Nachahmung, aber es gibt eben auch Menschen, die nicht lange diskutieren, sondern einfach mal machen.

Intelligente Videoüberwachung

In der Süddeutschen Zeitung schreibt Christiane Schulzki-Haddouti etwas zum Trend der intelligenten Videoüberwachung – nachdem nun die bisherige nicht ausreicht, um auch ein Teil der Anti-Terrordatei zu sein.

Aber kann diese Technik tatsächlich mehr leisten als die Täter im nachhinein dingfest zu machen? Das will das Bundeskriminalamt (BKA) demnächst mit einem Video-Gesichtserkennungsprojekt im Mainzer Hauptbahnhof herausfinden.

Ob das was bringen wird, oder nur wieder mehr Daten und Datenmüll erzeugt wird, bleibt abzuwarten.

Kameras helfen doch!

Na wer hätte das gedacht – Kameras helfen doch gegen Kriminalität.

In Mannheim ziehen die Stadt und Polizei eine positive Bilanz. Mich würde die Art und Weise der Evaluation schon interessieren. Mal sehen, ob ich da etwas rausfinden kann. Ansonsten bleiben wahrscheinlich nur so schöne Einzelfälle übrig, mit denen die Videoüberwachung generell gerechtfertigt wird.

Bei einem brutalen Überfall an einer Haltestelle konnte die Polizei das Leben des Opfers retten, weil sie sofort zur Stelle war. Die Täter wurden festgenommen, und die Kamerabilder gelten vor Gericht als klare Beweise. Fälle wie dieser wirken nach Einschätzung von Thomas Köber von der Polizeidirektion Mannheim abschreckend auf potenzielle Täter. Durch die Videoüberwachung sei die Polizei auch wesentlich schneller vor Ort.

… und ein Fazit, das dreister nicht hätte sein können.

Bei der Bevölkerung seien die Kameras größtenteils akzeptiert. Besonders jetzt nach den versuchten Bombenattentaten auf zwei Regionalzüge in Hamm und Koblenz seien die Proteste leiser geworden, hieß es.

Nachhilfeunterricht, Teil 2

Wie oft müssen wir in der so genannten “Sicherheitsdebatte” selbst bei kritischen Beiträgen noch lesen, es seien die unscharfen Bilder der Videokameras gewesen, mit deren Hilfe einer – oder gar beide – der Attentäter so unglaublich rasch “identifiziert” worden seien? Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, haben die “Feierabend-Attentäter” schon selbst dafür gesorgt, geschnappt zu werden:

Die Ermittler wussten früh, dass die Attentäter Verbindungen in den Libanon hatten, denn es fanden sich in den Koffern auch libanesische Telefonnummern, darunter sogar Nummern der Verwandtschaft E.H.s, dessen Vater dann abgehört wurde.

Kameras – ein taugliches Instrument?

Ein Kommentar im Hamburger Abendblatt (25.8.2006) verttritt die These, das Videoüberwachung ein taugliches Instrument im Kampf gegen den Terrorismus ist. Die Argumentation geht wie folgt:

In Deutschland heißt es, der Mann habe sich nach dem Druck durch die Öffentlichkeitsfahndung gestellt. Eins ist klar: Hätten die Ermittler keine Bilder vorliegen gehabt, hätten sie die beiden Tatverdächtigen nicht so schnell identifizieren können, wüssten vermutlich bis heute nicht, um wen es sich bei den Bahn-Bombern handelt. Die Videoüberwachung ist also bewiesenermaßen ein taugliches Instrument im Kampf gegen Terrorismus.

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll – aber gegen den Terrorismus haben die Kameras nun so gar nichts getan. Ich befürchte bei der ganzen Debatte werden viele Dinge verwechselt – nicht zuletzt weil sie nützlich ist, Maßnahmen durchzubringen, die ansonsten keine Mehrheiten hätten. Die Diskussion um Videoüberwachung geht also weiter – zumeist mit den bekannten Argumenten. Ein paar Beispiele:
Immer mal wieder gern gemacht – eine adhoc-Befragung (Spiegel Online)
Schäuble für mehr Videoüberwachung (d-radiokultur, 28.8.2006)
“Hamburg ist eine sichere Stadt” (HA, 25.8.2006)
Bitkom setzt sich für intelligente Videoüberwachung ein (Heise-News, 23.8.2006)

Von Kriminalitätsbekämpfung ist im Moment und auf absehbare Zeit wohl keine Rede mehr…

Siegeszug der Videoüberwachung

Ich würde gern über andere Aspekte von Ãœberwachung schreiben, aber im Moment scheint die Videoüberwachung alles andere zu überschatten… aus gegebenem Anlass daher hier eine Meldung aus Hamburg und wie toll die Verantwortlichen das neue Polizeigesetz finden und noch toller, die darin enthaltende Videoüberwachung.. NDR Online, 24.8.2006 Neues Polizeirecht: Innensenator zufrieden. Ist das wirklich alles so super? Oder werden hier nicht ein paar falsche Schlüsse zweckdienlich für die weitere Ausweitung der Kameras gestellt.

Dazu als indirekten Kommentar ein lesenwerter Artikel von Dietmar Kammerer bei der taz: Sie leben und sind doch tot.

Gute Informationen und Interviews sind auch im tagesschau.de-Dossier nachzulesen – u.a. ein Interview mit Leon Hempel.

Was können Kameras?

Christiane Schulzki-Haddouti hat eine informativen Artikel zu den technischen Möglichkeiten von Videoüberwachungs-Kameras bei Focus Online geschrieben – Verdächtige am Verhalten erkennen (23.8.2006)

In diesem Zusammenhang kann man sich auch mal bei den Herstellern selbst umschauen, was die so im Sortiment haben und was es alles so gibt – da bleiben wenig Wünsche offen.

Extreme CCTV – performance – whereever, whenever
Blueeyevideo – the Smart Video Sensor Company

Zapp: Fahndung mit Videos

Das Medien-Magazin des NDR mit mit einem Beitrag zur Video-Hysterie nach den Fahndungserfolgen.
Mittwoch, 23. August umd 23.00 Uhr im NDR Fernsehen.

Hintergründe auch bei tageschau.de (unsere Projektmitarbeiterin Ilka Kreutzträger hat dort die rechtliche Lage ein wenig zusammengefasst). Fie FAZ weiß über die Einigkeit bei der Ausweitung der Videoübewachung zu berichten. Ansonsten gibt es viel, aber nicht viel neues zu dem Thema – und dann noch mein Glossar zu Videoüberwachung bei Telepolis.