Category: Videoüberwachung / CCTV / BodyCams

Polizei mit Erfolgsmeldungen

Die Hamburger Polizei wird nicht müde ihre Videoüberwachung der Reeperbahn als großen Erfolg darzustellen. Jede Begebenheit, bei der die Kameras helfen, wird als Argument für die Kameras genutzt… auch in eigenen Pressemitteilungen (26. Juni 2006). Eine Evaluation – unabhängig und zieloffen – sollte dann auch untersuchen wieviel ihnen wohl durch die Lappen gegangen ist … und ob es sich tatsächlich um eine angemessene Einschränkung der Rechte auf das eigene Bild und die Datensicherheit des Einzelnen handelt.

Beamte in der Polizeieinsatzzentrale beobachteten gegen 05.00 Uhr
auf dem Videoüberwachungsmonitor zwei Männer, die einen Bauwagen mit
Farbspray besprühten. Die Davidwache wurde umgehend informiert und
entsandte einen Funkstreifenwagen.

Videoüberwachung von Kassiererinnen

Ver.di hat sein Schwarzbuch zum Discounter Lidl ja schon bereits vor einiger Zeit veröffentlicht – nun aber gibt es eine europäische Version und darin wohl einige Stellen, bei denen man sich nur noch an den Kopf fassen kann – wenn es bisher nicht schon geschehen ist… so werden in einigen Ländern die Mitarbeiter auch per Videokameras überwacht – und aus ihnen per Generalvedacht Diebe gemacht.

Infos dazu bei Spiegel Online und der Financial Times Deutschland.

Als besonders skandalös kritisierte die Gewerkschaft Videoüberwachung in französischen Filialen. Damit würden alle Mitarbeiter per se unter Diebstahlverdacht gestellt. Agnes Schreieder von Ver.di verwies darauf, dass es im Lager einer Filiale im französischen Nantes mehr Videokameras als im örtlichen Gefängnis gebe. Zudem ist laut Ver.di der Leistungsdruck bei Lidl so hoch, dass die Vorgaben kaum zu schaffen seien.

Wie absurd muss es denn noch werden…?!

Videoüberwachung macht Helden

Die Welt (26. Juni 2006) berichtet in einem Artikel von einem Ãœberfall in England, der durch Kameras aufgezeichnet wurde. Zwei Jugendliche wurden angegriffen – einer von ihnen starb durch einen Messerstich. Für seine Mutter ist Daniel ein Held, da er sich bevor er selbst verletzt wurde, vor seinen Freund stellte und diesen zu verteidigen versuchte. Das Band wurde in England im Fernsehen ausgestrahlt – zur Abschreckung und um zu zeigen, dass Täter mit Videoüberwachung gefasst werden können. Daniel hilft das alles nicht mehr. Er ist ein fragwürdiger Held und die Rolle der Videoüberwachung scheint mir hier doch sehr überzogen dargestellt zu sein. Daraus Rückschlüsse auf den Erfolg der Kameras zu ziehen, ist unredlich, für die Polizei und andere Befürworter aber nur eine Bestätigung für ihre Wirksamkeit – leider nicht bei der Verhinderung solcher Taten.

“Es war eine schwere Entscheidung”, sagt sie [die Mutter]. “Wir wurden von der Polizei darum gebeten, um zu zeigen, wie CCTV kriminelle Aktivitäten überwachen kann. Dieses Video zeigt die harte Realität der Messerüberfälle in diesem Land. Es war eine grundlose Attacke, und es hätte jeden treffen können.” Als sie das Filmmaterial zum ersten Mal sah, so Pollen weiter, wollte sie ihren Sohn einfach nur am Leben sehen. “Den Ãœberfall zu sehen und zu wissen, ihn nicht stoppen zu können, war das schrecklichste überhaupt.”

Es wäre obszön angesichts dieser Tat für eine Ausweitung der Kameras zu plädieren, das die Gründe für die Gewalt nicht gelöst werden, einzig die Täter gefasst werden konnten. Wenn es dass ist, was die Polizei hauptsächlich will, dann hat sie – und mit ihr die Politiker – ihre Aufgabe grundlegend verfehlt. Sicherheit ist etwas anderes.

Die kleinen Erfolge der Kameras

Wie das Hamburger Abendblatt (13. Juni 2006) berichtete scheinen die Kameras auf der Hamburger Reeperbahn doch zu kleinen Erfolgen zu führen…. Immerhin konnte ein Mann über den Umweg über das Opfer, welches den Kamerawächtern aufgefallen war, dingfest gemacht werden. Ich hoffe die Polizei verkauft das in Zukunft nicht als “den” Erfolg um Kameras weiter auszubauen.

Bild-Verschlüsselungen für Kameras

Ein Entwicklung einer schweizer Firma verschlüsselt alle Personen auf den Bildern einer Videokamera. Nur Befugte mit dem entsprechenden Zugangsschlüssel können sich diese Bilder dann ansehen…. es würde auf jeden Fall das spannen und bloße Beobachten der Kameraoperateure erschweren oder gar verhindern, wenn auch das generelle Problem der Kamerapräsenz im öffentlichen Raum (oder sonstwo) nicht beseitigen… aber es scheinen doch auch Techniker sich der Folgen und Auswirkungen von Kameras bewusst zu sein und kleine Abhilfen gegen allzu grobe Versuchungen und Mängel der Kameras schaffen… auch wenn dabei noch jede Menge Fragen offenbleiben… wer hat die Schlüssel, was passiert damit… und was bedeutet so eine Verschlüsselung für die Zukunft der Videoüberwachung… demokratischer, verschlossener – haben wir auch einen Zugriff darauf… ???

The New Scientist, 5. Juni 2006

“If the system works as described, it’s certainly a big improvement over video surveillance systems that allow arbitrary monitoring of people’s behaviour,” says Ian Brown of Privacy International and the Foundation for Information Policy Research in London, UK.

Neues aus der Industrie…

… auf Platform – das Neueste aus Industrie und Anwendung oder wie sie sich selbst beschreiben…

Platform is the redesigned and refocused version of CCTV Today that will offer the best editorial on networked and integrated security systems, in a fresh and vibrant magazine. Platform is targeting a pan-European readership of 9,500 installers, integrators, security & network managers and end-users and is the ideal opportunity to reach the people who make and influence purchasing decisions in this growing security market.

Auch das sollten wir beobachten…. folge dem Geld sozusagen.

Kameras in Dar es Salaam

Die Polizei in Dar es Salaam hat eine Autoschieber/klauerbande in der tansanischen Hafenstadt dingfest gemacht… offensichtlich mit Hilfe von Kameras. Zum einen erstaunlich ist dass die Verbrecher so schön dämlich waren… oder nicht? Denn immerhin konnten sie eine Weile ihre Geschäfte machen – unter Aufsicht der Kameras.

What was is interesting to note is that the syndicate operated in an area where closed circuit television (CCTV) was installed.

Zum anderen wird deutlich: Kameras sind nicht nur hier ein Thema. Auch in Afrika setzt die Polizei darauf und sie werden offensichtlich als probates Mittel der Wahl eingesetzt.

African News Dimension, 1. Juni 2006

Mobile Autokennzeichen-Erkennung

Die Hamburger Polizei hat begonnen ihre Fahrzeuge mit einer Kamera zu Identifizierung von Autokennzeichen auszustatten
Beruhigend ist, dass die Polzei (noch?) nicht darüber nachdenkt, das Ganze flächendeckend einzuführen:

NDR Online, 1. Juni 2006

Zunächst will die Polizei zwei Geräte bei Verkehrskontrollen oder beim Objektschutz einsetzten. Vorbild der Aktion ist Großbritannien. In London gebe es zahlreiche festinstallierte Lesegeräte in der gesamten Stadt, die von einer Einsatzzentrale gesteuert werden. Dies solle in der Hansestadt allerdings nicht eingeführt werden, so die Hamburger Polizei.

Big Brother schaut zu

Das Handelsblatt hat in seiner Ausgabe vom 31. Mai einen Artikel zu Videoüberwachung und unserer Forschung hier in Hamburg veröffentlicht. Die Autorin Eva-Maria Schnurr hat einen sehr schönen und runden Artikel geschrieben, der die Forschung gut auf den Punkt bringt und die Diskussion um Videoüberwachung insgesamt gut darstellt.

Und auch die Kollegen aus Oldenburg mit dem Projekt “Kontrolle und öffentlicher Raum kommen darin vor… und sie haben dabei ähnliches zu berichten wie wir auch.

Allerdings machen Videokameras Orte im Bewusstsein der Menschen bisweilen auch erst gefährlich. Das zeigte eine Studie im Rahmen des DFG-Projekts „Kontrolle und öffentlicher Raum“ am Institut für Soziologie der Universität Oldenburg.

Bürgerwehr per SMS

Das ist doch mal was.. der Bürger sagt den Kontrolleuren, wohin sie ihre Kamerasaugen richten müssen – Cambridge enables public to text crime warnings to its CCTV control centre

There are only 158 cameras in Cambridge, Ely and Soham but potentially there are something in the region of 170,000 pairs of eyes living, working and playing in these areas – who can see a lot more than the police or CCTV cameras ever can.

Englischer Film mit CCTV Thematik

Der Film Red Road – Wettbewerbsbeitrag in Cannes – nutzt das Thema Videoüberwachung für einen Film, den der Spiegel zwar für nicht gelungen hält, der aber nach Aussage der BBC einen Anstoß für eine Debatte über Videoüberwachung in England liefern kann

“Red Road” erzählt die Geschichte einer verhärmten Frau, die Glasgows übelste Ecken mit sogenannten CCTV-Kameras überwacht. Wie ein zur Untätigkeit verdammter Gott sieht sie den Menschen auf Dutzenden von Monitoren zu, zoomt sich hier mal eine kuriose Szene heran, bespitzelt dort mal den netten Mann mit der kranken Bulldogge. – aus dem Spiegel Online

The British director of CCTV movie Red Road has said the future of 24-hour surveillance of society needs to be debated.

Die englische Polizei: hat besseres zu tun

Die schönsten Aufnahmen nützen wenig, wenn die Polizei keine Zeit hat, sie auszuwerten, wie ein interessanter Artikel im Telegraph zeigt. Dem Bericht zufolge beschweren sich Laden- und Geschäftsinhaber zunehmend über den Unwillen der Polizei, Aufnahmen aus ihren hauseigenen Überwachungsanlagen zu sichten, nachdem in die Geschäfte eingebrochen wurde.

Ein Sprecher der Londoner Polizei wird wie folgt zitiert: “If there is no clear indication that there is a good picture of the subject or incident on the CCTV camera, we have to consider the amount of hours that would be taken up by officers, and if it is the best use of their time.”

Eine Umfrage der Zeitung ergab, dass neun von 52 befragten Polizeiwachen “nicht notwendigerweise” auf Bänder zurückgreifen würden, wenn ein nächtlicher Einbruch stattgefunden hat.