Nicht nur die Politik benutzt Angst zur Durchsetzung ihrer Überwachungs- und Kontrollfantasien – auch die IT-Branche macht sich die Unübersichtlichkeit des Feldes zu Nutze, um ihre Produkte an den Kunden zu bringen. Das ist spektakulär, aber ob es immer auch wirklich nützlich ist, bezweifelt ein Artikel in der ZEIT: „Datendiebe gesucht“.
Kategorie: Datenschutz
Datenschutz, English entry, Forschung/Theorie, Videoüberwachung / CCTV / BodyCams
Surveilling Europe
With „The most spied upon people in Europe“ the BBC tries to give an overview of European countries and the level of surveillance their respective citizens have to cope with. Germany, Britain, France, Denmark, Greece and Italy, which to my surprise the authors claim is the most surveilled country of those six.
Italians are among the most spied upon people in the world. That’s the conclusion of the authoritative German scientific think-tank, the Max Planck Institute, which reports that Italy leads the world with 76 intercepts per 100,000 people each year.
Funny enough it was a German research institute from the Max Planck network that did the study – though they do not say which it was.
Datenschutz, Internet/social media, Kommentar
Was die anderen Ländern so machen
Die Financial Times Deutschland listet passend zur Urteilssprechung des Verfassungsgerichtes mal schön auf, wie die anderen Länder so mit den Überwachungsmaßnahmen umgehen, was in Frankreich oder Skandinavien so Usus ist und zitiert Jörg Ziercke, den Chef des Bundeskriminalamtes zu den Zuständen im Vereinten Königreich.
Das Ausmaß der Videoüberwachung entspräche allerdings nicht Zierckes „Vorstellung von einem demokratischen Rechtsstaat“, hatte der BKA-Chef einmal dem Wochenmagazin „Stern“ gesagt.
Zum Urteil empfehle ich die einschlägigen Quellen – Zeit – tagesschau.de – Spiegel
Dass Schäuble trotzdem so tut las wäre nichts gewesen und die Onlinedurchsuchungen jetzt doch durchsetzen will – wie vieles andere auch, überrascht nicht. Bleibt die Frage, worum es eigentlich wirklich geht? Um eine Demonstration staatlicher Macht? Um die Paranoia eines einzelnen Mannes (die allerdings auch Otto Schily bereits teilte)? Oder um die Erzeugung von Angst, mit der sich bekanntlich besser regieren lässt? Ich finde das schon lange jedes Maß in der allgemeinen Diskussion um Sicherheit, Terrorismus und die entsprechenden Gegenmaßnahmen verloren gegangen sind.
Datenschutz, Karten/mapping, RFID, Satelliten/Space/GPS
RFID und GIS
Da tun sich ganz neue Perspektiven auf – eine Studie des Center for Geoinformation (CEGI) im Auftrag des Forschungsinstituts für Telekommunikation (FTK):
So führt die Untersuchung die Anwendungskompetenzen der beiden Querschnittstechnologien in Nordrhein-Westfalen auf und zeigt anhand von Best-Practise-Beispielen wie im Umfeld der Gefahrgutverfolgung oder des „Kiddy-Trackings“ in Vergnügungsparks, dass verschiedene verbindende Wertschöpfungsketten denkbar sind. In einer Expertenbefragung unter vierzig Vertretern beider Branchen eruiert die Studie, wie weit Vorteile aus einer Kombination beider Technologien bekannt sind und welche Potentiale sich für zukünftige Anwendungen daraus ergeben.
Und wenn es um RFID im Konsumbereich geht, scheinen sich viele Kunden gar nicht so genau damit auszukennen und auch noch skeptisch zu sein, was ihre Daten angeht, so eine Studie der RWTH Aachen.
Datenschutz, Innere Sicherheit / Terrorismus, Kommentar
Nur mal nebenbei….
Ein alter Araber lebt seit mehr als 40 Jahren in Essen. Er würde gerne in seinem Garten Kartoffeln pflanzen, aber er ist allein, alt und schwach. Deshalb schreibt er eine E-Mail an seinen Sohn, der in Paris studiert.
“Lieber Ahmed, ich bin sehr traurig weil ich in meinem Garten keine Kartoffeln pflanzen kann. Ich bin sicher, wenn du hier wärst, könntest Du mir helfen und den Garten umgraben. Dein Vater.†Prompt erhält der alte Mann eine E-Mail: “Lieber Vater, bitte rühre auf keinen Fall irgendetwas im Garten an. Dort habe ich nämlich ‘die Sache’ versteckt. Dein Sohn Ahmed.â€
Keine sechs Stunden später umstellen Bundeswehr, Polizei und der Verfassungsschutz das Haus des alten Mannes. Sie nehmen den Garten Scholle für Scholle auseinander, suchen jeden Millimeter ab, finden aber nichts. Enttäuscht ziehen sie wieder ab. Am selben Tag erhält der alte Mann wieder eine E-Mail von seinem Sohn: “Lieber Vater, ich nehme an, dass der Garten jetzt komplett umgegraben ist und du Kartoffeln pflanzen kannst. Mehr konnte ich nicht für dich tun. In Liebe, Ahmed.â€
Biometrie, Datenschutz, Kommentar, Videoüberwachung / CCTV / BodyCams
Gentests per Google?
Deutschlandradio Kultur hatte heute ein längeres Gespräch mit einem Mediziner zu Nutzen und Gefahren von billigen Gentests, wo die Geschäftsidee wohl er ist
einen privaten Gentest mit der Suchmaschine Google zu verbinden, sagte Gassen. Er warnte davor, dass betreffende Unternehmen die Daten an die Pharmaindustrie weitergeben könnten (Genforscher Hans-Günter Gassen)
Das würde die Transparenz von Menschen und die Möglichkeiten der Überwachung neue Wendungen geben, wenn nicht eine neue Dimension. Konsequent zu Ende gedacht, wäre erscheint eine halbwegs verschlüsselte Gesundheitskarte als ein harmloses Kinderspielzeug. Ob es tatsächlich eine „traumhafte Geschäftsidee ist“ wie Gassen voller naturwisschenschaftlicher Forscherbegeisterung meint, bleibt abzuwarten. Mein Genom auf dem Internet würde mir so ziemlich jede noch vorhandene Privatspäre nehmen, die mir noch geblieben ist. Zusammen mit anderen Datenbanken, Spuren usw. ist das eine albtraumhafte Vorstellung.
Weiß jemand mehr darüber?
Datenschutz, Videoüberwachung / CCTV / BodyCams
Überwachung am Arbeitsplatz
Microsoft plant offensichtlich eine Software, mit der sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz überwachen lassen (Spiegel Online). Es wird wohl demnächst zum Patent angemeldet und beinhaltet eine lückenlose Überwachung der Arbeit – welches bisher nur für Piloten und andere ähnliche Berufsgruppen galt, die einem besonderen Risiko ausgesetzt waren oder riskante Jobs ausfüllten (Times Online).
Wie das ganze funktioniert erklärt Times Online auf ihrer Technologie Seite.
The systems work not only through desktop or laptop computers but even through mobile phones or handheld PCs, meaning that even out of the office the employee can still be monitored. In its most advanced format, the system will monitor users’ private interests
Dazu passt auch diese Meldung, die nicht den Arbeitsplatz, aber wohl britische Schüler betrifft. Es wundert nicht das diese Idee so in Großbritannien umgesetzt werden soll. (Spiegel Online)
Wenn es piept, wird die Tasche durchsucht: Großbritanniens Innenministerin Jacqui Smith will Metalldetektoren ans Schultor stellen. Die Jugendlichen sollen vor allem ihre Messer zu Hause lassen, damit der Schulhof nicht zum Kampfplatz für Jugendgangs wird.
Als wenn eine Gang allein aus Waffen gemacht wird und nicht auch durch Angst und andere Mechanismen, die es zuerst abzuschalten gelte.
Datenschutz, Veranstaltung
Veranstaltung: Vorratsdatenspeicherung
Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (AK Vorrat) veranstaltet vom 08. bis 10. Februar 2008 in Kassel einen Strategiekongress.
Dort soll sowohl über die Organisationsstruktur des AK Vorrat, als auch über die weiteren Perspektiven und Strategien in der Zusammenarbeit für mehr Demokratie und den Schutz der Bürgerrechte diskutiert, sowie gemeinsame Kampagnen und Projekte geplant werden.
Dazu laden wir Sie bzw. einen Vertreter Ihrer Organisation recht herzlich nach Kassel ein.
Datenschutz, Forschung/Theorie
Impact of Surveillance and Data Collection
Vergangenes Jahr hat der Verfassungsauschuss des britischen Parlaments Experten gebeten, Stellungnahmen einzureichen über The Impact of Surveillance and Data Collection upon the Privacy of Citizens and their Relationship with the State. Der Bericht ist noch nicht erschienen, dafür sind die eingegangenen knapp vierzig Expertenmeinungen hier veröffentlicht. Unter anderem enthält die Liste den Bericht des Surveillance Studies Network.
Dazu ergänzend die Meldung auf heise.de, wonach Graeme Gerrard von der ACPO bei einer parlamentarischen Anhörung eingeräumt hat, dass Videoüberwachung Gewaltverbrechen und spontan begangene Straftaten nicht verhindern kann und dass die Öffentlichkeit über die Effizienz von CCTV „in die Irre geführt“ worden sei. Ergänzend siehe auch die Meldungen hier und hier.
Buch-Tipp/Veröffentlichung, Datenschutz
Buch: Nach Feierabend – ein Buch über Daten
Es geht um Daten in diesem Buch, wie sie gesammelt werden, wie aus Fakten Daten werden und umgekehrt. Der Klappentext sagt dazu folgendes:
Die Beiträge zum thematischen Schwerpunkt »Daten« fragen nach den informationstechnologischen Bedingungen der Wissenszirkulation, nach ihrer Form und ihren Implikationen im Alltag. Sie beleuchten verschiedene Aspekte von Wissens- speicherungs- und Distributionstechniken und stellen die damit einhergehenden gesellschaftlichen und technischen Veränderungen in einen historischen Kontext.
David Gugerli, Michael Hagner, Michael Hampe, Barbara Orland, Philipp Sarasin, Jakob Tanner (Hg.) 2007: Nach Feierabend.
Zürcher Jahrbuch für Wissensgeschichte, Bd. 3, Zürich:
diaphanes. 232 Seiten, Broschur,
ISBN 978-3-03734-016-5, € 25,00 / CHF 39,00
Datenschutz, Forschung/Theorie
Liberty veröffentlicht Privacy Report Britain
Datenschutz, Forschung/Theorie, Kommentar
Zwei Analysen zu Überwachung
Nicht zuletzt durch die U-Bahn-Überfälle, das Vorratsdatenspeicherungsgesetz und andere Maßnahmen erfreuen sich das Thema Überwachung und Datenschutz vermehrter journalistischer Betrachtung. Es ist ein Dauerthema mit stetig wachsendem Interesse seit dem 11. September. Hier noch mal zwei Artikel, die nicht allzu Neues zusammenfassen und eine Einordnung versuchen, die aber gut geschrieben sind und in ihrer Wirkung auf die allgemeine Diskussion wohl doch von den Verantwortlichen ungehört bleiben.
Hans Leyendecker Die Kinder des großen Bruders bei dradio.de
Katharina Iskandar Überwachung immer und überall bei der FAZ
