Kategorie: Karten/mapping

Einbrüche – überwachen mit Karten

kartescoutBei Karten ist ja immer die Frage, wer hat sie gemacht, was steht drin und wozu dienen sie?

Bei der Einbruchskarte von financescout24 kann ich einige der Fragen nicht beantworten, wohl aber beurteilen, was zu sehen ist und wo das Problem liegt. Kartieren ist überwachen – das habe ich bereits öfter hier festgestellt, so kann auch diese Karte gelesen werden. Aber was fange ich damit an?

Gerüchte und Aufklärung

Bildschirmfoto von http://hoaxmap.orgMan könnte es als Form der Gegenüberwachung, auf jeden Fall aber für einen Fall von Counter-Mapping ansehen: Die Hoaxmap.

DRadio Wissen hat einen schönen Bericht zu dem interessanten Projekt der Aufklärung mithilfe von Karten.

Übersicht ist der erste Schritt um besser zu verstehen und dem Unsinn entgegenzuwirken, der so erzählt und vor allem geglaubt wird. Und damit ist es auch eine Form der Gegenüberwachung, eben der Aufklärung, nicht der Verklärung, die eine Form der Kontrolle und Herrschaft darstellen kann.

Symposium: Kunstgeschichte und Überwachung

An der FU Berlin gibt es Anfang November eine sehr interessante Konferenz, allein schon, weil hier das Thema jenseits gegenwärtiger Diskurse liegt – Überwachung und Sicherheit mal aus ganz andere Perspektive

Sketching Prohibited!
Military Interdictions of Drawing and Artistic Practice in Europe from Early Modern Times to the Twentieth Century.

Wann: 5. November 2015
Ort: Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin
Koserstr. 20, 14195 Berlin, HÖRSAAL B

Counter Surveillance – Gegenüberwachung

defaultAuthPicAus aktuellem Anlass möchte ich hier einmal auf die vielleicht für einige längst bekannte Webseite Bellingcat hinweisen, die im Rahmen dieses Blogs betrachtet eine sehr anschauliche Form von Gegenüberwachung/sousveillance/counter surveillance darstellt. Die jüngsten Berichte zum Abschuss des Fluges MH17 lesen sich spanndender als jeder Thriller, wenn man etwas für diese Art der Forensik übrig hat.

Mehr als lesenswert!!

Kunst der Sichtbarkeit

Wenn Überwachung mit Sichtbarkeit zu tun hat, dann ist diese Installation eine Kunst der Überwachung.

Das Projekt On Broadway zeigt die 13 Meilen der legendären Straße in NYC in vielen ihrer Facetten – Sichtbarkeit, Übersicht, Orientierung, und damit die Grundvorraussetzungen für Überwachung. Außerdem sieht das extrem cool aus! Probiert es selbst mal aus…

Imaginäre Geografie und Sicherheit

Heft 3.2014 der kritischen berichte bieten eine Ausgabe zum Thema Karten. Die Aufsätze sind sehr verschieden, aber wenn Kartierung auch immer eine Form der Überwachung ist, dann passen die Beiträge hier wunderbar.

Mapping – an den Rändern von Ordnung und Wissen

  • Nils Güttler    Konjunkturen des Kartenwissens. Zur vermeintlichen Bildaffinität von Pflanzengeographie und Humboldtian Science
  • Andreas Christoph    Blicke auf den Planiglob – Kartographische Korrekturen und thematische Notationen
  • Christopher Rollen    Two Current Projects with Cartographic Interests
  • Kirsten Wagner    Karten des corps social. Zum grafischen Wissen von der Bevölkerung
  • Nils Zurawski    Kartographien des Risikos. Das Unbekannte und die imaginären Geografien der Sicherheit

Überwachung und Simulation

Jetzt einmal zu einem anderen Aspekt von Überwachung – Überwachung im Sinne von Übersicht schaffen. Das Max-Planck-Institut für Informatik hat eine Simulation zur Verbreitung von Ebola bzw. für Epidemien insgesamt erstellt.

Ein Interview mit dem Bioinformatiker  vom MPI kann man beim DeutschlandFunk (Luftexpress für Waren, Witze, Viren, Thomas Lengauer im Gespräch mit Arndt Reuning) finden – dort werden auch die Grenzen solcher Simulationen erklärt und die Hintergründe.

Wenn Kartierungen Teil von Überwachung sind, dann ist das hier ein sehr interessantes Beispiel. Im weitesten Sinne handelt es sich hier um eine Form des cognitive mapping zur Selbst und Fremdverortung in der Welt. Ein Blick lohnt sich!

Privatsphäre und Bewegung

In dieser Studie, die bei Nature vorgestellt wurde und die im Internet weit disktutiert (gigaom.com) wird, geht es um die Möglichkeiten Bewegungsdaten nachzuvollziehen. Unique in the Crowd: The privacy bounds of human mobility. Und wie es scheint ist allein aus den Mustern auf bestimmte Peronen zu schließen – also nicht die Daten bestimmter Personen sind interessant, sondern die gespeicherten Daten können zu den Profilen von Personen führen.

We study fifteen months of human mobility data for one and a half million individuals and find that human mobility traces are highly unique. In fact, in a dataset where the location of an individual is specified hourly, and with a spatial resolution equal to that given by the carrier’s antennas, four spatio-temporal points are enough to uniquely identify 95% of the individuals.

Karte zu Hamburger Gefahrengebieten

Dei Kampagne für Grundrechte (Links-Partei) hat ihre Karte zu den Gefahrengebieten in Hamburg aktualisiert. Eine sehr interessante und informative Spielerei, die kaum einen Bereich in der Hamburger Innenstadt unberührt lässt – nicht immer, aber immer mal wieder. Und natürlich die Dauerbrenner St. Pauli, Reeperbahn und Sternschanze.

Handys zum Countermapping und zur Überwachung

In der neuesten Le Monde Diplomatique gibt es den Artikel „Smart Power. Das Handy als politisches Instrument von Laurence Allard, in dem der Autor darlegt, welche Möglichkeiten des Countermapping durch Mobiltelefone, SMS Services und entsprechende Software – u.a. beim Erdbeben in Haiti 2009, wo eine in Kenia entwickelte Software half die Hilfe zu organisieren (Infos dazu bei tadias.com und Wikipedia). Der Artikel deutet aber auch an, wohin die durch amerikanische Philantropen geförderten Programme führen können – u.a. zur Überwachung der Menschen durch ihre Mobiltelefone. Noch nur zu wirtschaftlichen Zwecken, wann aber kriegen die Staaten das auch spitz. Die Ideen zum Countermapping sind auf jeden Fall inspirierend und sehr spannend zu lesen.

Auf jeden Fall lesenswert – noch am Kiosk, nächsten Monat auch online.