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Rezension: Film und Überwachung

Rezension: zusammen mit Criminologia-LogoKopie

  • Sebastian Léfait: Surveillance on screen: Monitoring contemporary films and television programs. Lanham: The Scarecrow Press 2013
  • Martin Blumenthal-Barby: Der asymmetrische Blick. Film und Überwachung. Paderborn: Wilhelm Fink 2015
  • Garrett Stewart: Closed circuits. Screening narrative surveillance. Chicago, London: University of Chicago Press 2015
  • Catherine Zimmer: Surveillance Cinema. New York: New York UP 2015

Von Dietmar Kammerer, Marburg

Buchneuerscheinung: Der asymmetrische Blick

Als Ergänzung zu diesem Posting, ein Hinweis auf eine Neuerscheinung:

Martin Blumenthal-Barby: Der asymmetrische Blick. Film und Überwachung. Paderborn: Fink 2016.

Martin Blumenthal-Barby interpretiert Filme, die Überwachung auf so verschiedenen Gebieten wie dem städtischen Leben, der militärischen Kriegsführung, der Erziehungspraxis und der religiösen Lehre behandeln. Doch sind es nicht allein diese thematischen Diskurse, die die behandelten Filme für eine Sondierung des Themas Überwachung prädestinieren. Überwachung stellt sich nicht als bloßes Thema dar, das von einer sicheren Betrachterposition aus zu erörtern wäre, sondern als Sichtweise, die wir selbst einnehmen, als Erfahrung, die wir selbst machen.

Screening Surveillance – Überwachung im Film


Screening Surveillance – An interpretive chronology by Steve Anderson, examining the depiction of surveillance in Hollywood from Charlie Chaplin to Edward Snowden
Hier ein ausführlicher Kommentar dazu. Hier ein (älterer) Text von mir. Hier und hier Listen von Überwachungsfilmen, und zwei aktuelle Publikationen zum Thema:

Filmtipp: “Terrorgefahr!” und Internetserie: “Do not track”

Arte zeigt am 24.3. die Doku-Reportage Terrorgefahr! Überwachung total? von Alexandre Valenti zu Überwachung, Big Data, Terrorbekämpfung und Whistleblowing:

Die Attentate in Frankreich haben die Debatte über die Überwachung der Bürger neu entfacht. Der Dokumentarfilm stellt sich den aktuellen Fragen. Reicht die bisherige Datenkontrolle aus? Wie kann sich der Bürger gegen komplette Durchleuchtung schützen? Wie profitieren globale Konzerne von den Daten der Verbraucher? Und: Kann ein Überwachungsstaat Terror verhindern?

Presseinfos zum Film hier. Trotz des reichlich reißerischen Titels sicher ein sehenswerter Beitrag! Wiederholungen am 30.3. (8:30 Uhr) sowie auf Arte+7.

Außerdem, und ebenfalls von Arte (sowie BR, NFB) produziert, startet ab 14. April die interaktive Internetserie Do Not Track! von Dokumentarfilmer Brett Gaylor.

Do Not Track ist eine personalisierte Web-Serie über das Geschäft mit unseren Daten. Wenn Sie sich bei uns registrieren, sagen wir Ihnen, was das Internet über Sie weiß.

In dieser Doku-Reihe zeigen wir Ihnen, wie Informationen über Sie gesammelt und genutzt werden. Alle zwei Wochen veröffentlichen wir eine personalisierte Folge und erklären darin, wie das Internet zu dem geworden ist, was es heute zunehmend ist: Ein Instrument der Überwachung, das aufzeichnet, was wir klicken, was wir schreiben, worüber wir uns unterhalten.

Auch hier gilt (wie immer), dass Medien gerne zu viel versprechen: Was “das Internet” über mich weiß, weiß keine Web-Serie und nicht einmal “das Internet” (was immer das sein soll) selbst. Aber sei’s drum, auch das ist ein Medientipp!

Drei Überwachungsfilm-Klassiker im Vergleich

Als “Überwachen” noch bedeutete, sich hinter Büschen zu verstecken, um spazierenden Pärchen mit Mikrofonen und Fotoapparaten nachzustellen: “Blow Up” (Michelangelo Antonioni 1966); “The Conversation” (Francis Ford Coppola 1974) und “Blow Out” (Brian de Palma 1981) sind drei Klassiker des Paranoia-Thrillers. Der Filmwissenschaftler Drew Morton hat alle drei Filme in einem sehenswerten Video-Essay zusammengebracht: CROSS-CUT.

Filmreihe: Kino der Geheimdienste

Vom 24.11. bis 17.12. läuft im Zeughauskino, Berlin, die Filmreihe “Kino der Geheimdienste”, kuratiert von Karin Fritzsche, Barbara Wurm und mir.

Gezeigt werden vor allem Filme aus dem Archiv der BStU, d.h. Stasi-Lehrfilme, Oberservationsmaterial, Propaganda, interne Feierstunden, u.a. Alles von lächerlich über absurd bis grausig. Außerdem werden an zwei Abenden geheimdienstliche Filme aus Ungarn und der (Tschecho-)Slowakei zu sehen sein. Viele der Filme waren nie zuvor auf einer Kinoleinwand zu sehen, manche werden überhaupt zum ersten Mal öffentlich vorgeführt.

Vergesst “Das Leben der Anderen”. Wer wissen will, wie die Stasi wirklich getickt hat, muss diese Filme gesehen haben. Ein kommentiertes Filmprogramm findet ihr hier. Vor jedem Programm gibt es eine kurze Einführung. Der Eintritt ist frei.

Filmtrailer: Echelon Conspiracy

Der Trailer für einen neuen High-Tech-Paranoia-Thriller ist online verfügbar. In “Echelon Conspiracy” geht es offenbar um ein Handy im iPhone-Style, das alles weiß und alles kann. Wer es besitzt, knackt im Casino den Jackpot, vermeidet Flugzeugabstürze und kriegt die gutaussehenden Frauen. Der Nachteil: Man wird ständig beschossen, verfolgt, von U-Bahnen überfahren. Und eifersüchtig ist das Mobiltelefon auch noch. Schaltet man es ab, droht es mit freundlicher Stimme damit, einen umzubringen.

Oscarnominierung für Überwachungsfilm

Die Nominierungen für die 81. Verleihung des Academy Award of Merit, besser bekannt als “Oscar”, sind bekannt gegeben worden. Einer der Anwärter in der Kategorie Bester Kurzfilm ist Auf der Strecke (On the Line) des Schweizer Filmemachers Reto Caffi. In dem 30minütigen Film, der schon zahlreiche Preise auf Filmfestivals abgeräumt hat, hat ein Warenhausdetektiv heimlich ein (elektronisches) Auge auf eine Verkäuferin geworfen und beobachtet sie mit Hilfe des hauseigenen Videoüberwachungssystems. Den Trailer gibt es hier zu sehen.