Kategorie: Forschung/Theorie

cfp: Konferenz „Surveillance, Form, Affect“

An der Education University Hong Kong findet im Dezember 2016 (7.-9. Dezember 2016) eine Konferenz mit dem Titel „Surveillance, Form, Affect“ statt. Dr. Jeffrey Clapp, der Organisator, bat mich, die Veranstaltung auch in der hiesigen Surveillance Studies Community bekannt zu machen, was ich natürlich gerne tue.

Alle weiteren Informationen und der CfP sind unter folgendem Link zu finden:

http://www.surveillance-form-affect.com/

Über Anonymität, Identität und Privatheit

Das Buch „Lessons from the Identity Trail. Anonymity, Privacy and Identity in a Networked Society, herausgegeben von Ian Kerr, Valerie Steeves & Carole Lucock versammelt eine ganze Menge von Artikeln zu dem Themenkomplex, von Autoren, die sich den so genannten Surveillance Studies zuordnen lassen. Eine gute Quelle, nicht zuletzt aufgrund der Menge und unterschiedlichen Perspektiven. Und es ist open access.

There have been few examples of interdisciplinary dialogue about the importance and impact of anonymity and privacy in a networked society. Lessons from the Identity Trail: Anonymity, Privacy and Identity in a Networked Society fills that gap, and examines key questions about anonymity, privacy, and identity in an environment that increasingly automates the collection of personal information and relies upon surveillance to promote private and public sector goals.

Überwachung und der Körper

Im Journal Body & Society ist in der Ausgabe Juni 2016 (online ist immer alles vor der Zeit!) eine Sondernummer zum Thema Körper und Überwachung erschienen:

Special Issue: Surveillance and Embodiment: Dispositifs of Capture
Guest editors: Martin French and Gavin JD Smith.

Einige Aufsätze sind dem kundigen Leser vielleicht bekannt, andere neu und mit frischen Themen oder Perspektiven.

Studie zu Privacy in USA und Canada

Ein Vergleich US-amerikanischen Datenrechtes mit dem kanadischen: Priscilla M. Regan, Colin Bennett & Robin Bayley: If These Canadians Lived in the United States, How Would They Protect Their Privacy? The Functional Equivalence of Privacy Redress Mechanisms in Canada and the US

Die Autoren garantieren für eine gute Analyse. Interessant ist bei dem Artikel ein Seitenaspekt, nämlich, dass das Social Science Research Network (SSRN) jüngst von Elsevier gekauft wurde. Also eine open access Plattform von einem der großen Publikationsheuschrecken in der Wissenschaft, die vielfach kritisiert wird, aber deren Geschäftsmodell wir alle mit dem Wunsch nach Publikationen und dem Bibliometrie-Unsinn mitmachen. Dazu gibt es zahlreiche kritische Kommentare, hier einer: SSRN has been captured by the enemy of open knowledge.

Mehr „chilling effects“ durch die NSA

Es gibt eine weitere Studie zu den so genannten chilling effects, die sich durch die Enthüllungen durch die NSA eingestellt haben sollen. Jon Penney: Chilling Effects: Online Surveillance and Wikipedia Use, in Berkeley Technology Law Journal, 2016.

Ich bin nach wie vor skeptisch bei diesen Ergebnissen, die einen, ja den Beweis gefunden haben wollen. Ich streite nicht ab, dass es Effekte geben kann, die Internet-Nutzer/innen dazu veranlassen, bestimmte Inhalte nicht zu suchen oder Begriffe nicht zu verwenden. Aber es sprechen ein paar Dinge dafür, sich zumindest kritisch damit zu befassen, u.a. der Zeitpunkt der Studie:

Journal: Big data: big power shifts?

In der Internet Policy Review, 5(1) ist gerade ein Themenheft zu „Big data: big power shifts?“  veröffentlicht worden. Herausgeber sind in diesem Fall Lena Ulbricht, Berlin Social Science Center (WZB) und Maximilian von Grafenstein, Humboldt Institute for Internet and Society (HIIG).

Die Unterstützung erfolgte durch das Vodafone Institute for Society and Communications. Das klingt zunächst einmal ungewöhnlich für ein wissenschaftliches Journal, muss aber nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, zumal ich das Institute auch nicht kenne.

In diesem Zusammenhang sei auch noch auf folgendes Journal verwiesen, über das ich neulich gestolpert bin und das bei transcript erscheint: Digital Culture & Society. Vol. 2, Issue 1/2016 behandelt z.B. das Thema Quantified Selves and Statistical Bodies. Die Einleitung ist als pdf zugänglich.

Kann ich mal in ihr Telefon schauen?

Netter kleiner Film einer Guerilla-Attacke auf die persönlichen Daten der Mitbürger – die nur dann beunruhigt sind, wenn sie den Übergriff persönlich merken, obwohl der Staat (hier: UK) und Unternehmen ständig nichts anderes machen. Hier könnten sich interessante Fragen nach Anonymität, Privatsphäre und ihrer Wahrnehmung und Konstitution anschließen. (Die Fragerin ist herrlich in ihrer gespielten naien Dreistigkeit!!)

Nachtrag: Studie zu Überwachung

Bei Telepolis hat Florian Rötzer einen sehr differenzierten Bericht zur Studie von Elizabeth Stoycheff veröffentlicht. Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt, auch wenn wir es gern anders hätten. Allein die Frage, warum die Überwachung zu einer Zensur bei Journalisten oder Schriftstellern führen soll, die eh öffentenlich publizieren, wie es der PEN mutmaßte, kann damit z.B. nicht beantwortet werden. Da wären Repressionen, wie in der Türkei oder anderswo geeigneter – und sind es ja auch.