Kategorie: Buch-Tipp/Veröffentlichung

Lesetipp: Max Frisch und der Staatsschutz

Im Nachlass des Schriftstellers Max Frisch (1911-1991) befand sich ein zu Lebzeiten unveröffentlichtes Manuskript, das nun von Forschern der ETH Zürich veröffentlicht wurde. Darin setzt sich Frisch mit dem so genannten Fichenskandal von 1989/1990 auseinander, bei dem öffentlich wurde, dass der Schweizer Staatsschutz jahrzehntelang Akten und Dossiers über rund einhundertfünfzigtausend Bürgerinnen und Bürger angelegt hatte, unter anderem von ihm selbst. In der (unvollendeten) Publikation montiert und kommentiert Frisch seine eigenen Akten.

Weiter Informationen: Artikel „Staatsschutz Ahoi!“ (NZZ); die Publikation bei Suhrkamp; Beitrag zum Buch auf 3Sat.

 

Neues von Gary Marx

Gary T. Marx, amerikanischer Soziologie und einer der Wegbereiter der Surveillance Studies, stellt dankenswerter Weise seine Publikationen immer allen zu Verfügung, hier die neuesten:

Interpol und politische Fahndung

Aus aktuellem Anlass – es geht um den Fall des l-Dschasira-Journalisten Ahmed Mansur (Zeit 20.6.2015) – fiel mir eine Geschichte aus dem Süddeutschen Magazin von vor wenigen Monaten wieder ein, in dem die Problematik von Interpol ausgestellter Haftbefehle thematsiert wird: Der viel zu lange Arm des Gesetzes (SZ Magazin, 03/2015, Autorin: Lena Kampf).

Es geht dort, wie wohl auch hier um den Missbrauch von Interpol durch autoritäre Staaten, die sich des Instrumentes Int. Haftbefehl bedienen und damit auch demokratische Staaten über deren Rechtsordnung zu Mithelfern ihrer zweifelhaften Rechtspraktiken und ganz offener Verfolgung von Dissidenten oder Kritikern machen. Lesenswert, gerade in diesem Fall

Hypertrophie von Geheimdiensten

Ein recht interessanter Vortrag von Thomas Krüger mit dem Titel „Überwachen in Demokratien und in Diktaturen / Surveillance in dictatorships and democracies“, welchen er am Goethe Institut am 26. Februar 2015 in New York gehalten hat, ist online (Teile davon hätte auch ich schreiben können… ;-)).

Dazu passend auch diese abstruse, beängstigende, aber nicht überraschende Geschichte aus Deutschland: Der doppelte Spion (tagesschau.de, 3.03.2015)

Internet, Daten und Politik

Dieses ist eine Leseempfehlung: Nicht alles trifft auf meine Zustimmung, aber der Artikel in Interviewform in der New Left Review ist einen Blick wert.

Der Internet-Skeptiker Morozov sagt einige Kluges und gegen Ende des Textes so im letzten Drittel auf ein paar interessante Gedanken zu Big Data.

Evgeny Morozov, Socialize the data centres, New Left Review 91, January-February 2015.