Tagung zu empirischer Polizeiforschung

Herausforderung empirische Polizeiforschung: Methodische und forschungsethische Perspektiven auf ein polarisiertes Forschungsfeld

Roundtable mit Christiane Howe (Humboldt-Universität zu Berlin), Fabien Jobard (CESDIP, Paris), Lars Ostermeier (Freie Universität Berlin), Peter Ullrich (Technische Universität Berlin)

Moderation: Andrea Kretschmann

25.01.2019, 17:00 – 18:30 Uhr, Centre Marc Bloch, Friedrichstraße 191, 10117 Berlin, Georg-Simmel-Saal (3. Stock)

Gegenwartsbezogene empirische Polizeiforschung ist eine Herausforderung – mit vielfältigen erkenntnistheoretischen Implikationen. Die politische und soziale Bedeutung des Forschungsgegenstandes für die Gesellschaft, die öffentlichen Auseinandersetzungen um das Auftreten der Polizeien, die wachsenden polizeilichen Anstrengungen proaktiver Medienarbeit, polizeiliche Geheimhaltungsbedürfnisse und anderes mehr bilden eine schwierige Gemengelage, durch die Forschende navigieren und in der sie sich wissenschaftlich positionieren müssen.

Polizeiforscher*innen haben das Kunststück zu meistern, sich zwischen unterschiedlichen Ansprüchen und Anrufungen nicht zerreiben zu lassen, bewegen sie sich doch in einem polarisierten Feld, in dem organisationale Repräsentationsansprüche auf der einen und eine kritische Öffentlichkeit auf der anderen Seite jeweils einen von vorn herein parteilichen Umgang einfordern. Kurzum: Die Polizei als sozialwissenschaftlicher Gegenstand gehört zu jenen Themen, die recht klar zwischen „Forschung für“ und „Forschung über“ unterscheiden. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist der Zugang zum Feld hochgradig selektiv und bleibt selbst noch in der Phase der empirischen Untersuchung vielfach unsicher. Vor diesem Hintergrund stellen sich zum einen forschungsethische Probleme, etwa wenn zu erwarten ist, dass die Position der Polizei und jene der Forschenden im Bereich der Abwägungen über die Effekte der Forschung weit auseinanderliegen. Zum anderen können sich methodisch unintendierte Effekte ergeben, u.a. durch organisationale Ansprüche einer genauen Offenlegung der Forschungsfragen und anvisierten Ergebnisse.

Der Roundtable diskutiert in interdisziplinärer Runde darüber, welche besonderen Probleme das Forschungsfeld Polizei aufwirft, welche Ambivalenzen ausgehalten werden müssen und welche Umgangsweisen Forschende diesbezüglich gefunden haben. Welches Verhältnisses bedarf es etwa zwischen Forschungsfeld und Forschenden und inwieweit passen Forschende ihre Forschungsinteressen gegebenenfalls den Interessen der Institution Polizei an, um Zugang zum Feld zu erhalten? Welche Forschungshaltung brauchen Polizeiforscher*innen? Wie kann mit emotionalen, rechtlichen oder ethischen Grenzerfahrungen im Rahmen der Forschung, beispielsweise bei Konfrontationen mit Gewalt, Illegalität u.a., umgegangen werden? Und nicht zuletzt: Wie lassen sich die unerwünschten Effekte vermeiden oder zumindest gering halten?

Eine Veranstaltung des Arbeitskreises „Soziale Bewegungen und Polizei“ des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) in Kooperation mit dem Centre Marc Bloch im Rahmen des Workshops „Selektivität im Protest Policing II“, Organisation Andrea Kretschmann (CMB) und Peter Ullrich (ZTG, TU Berlin; ipb)

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