Auch Polizei stellt Videos bei Youtube ein

Viel Hoffnung haben Protestierende in die Möglichkeiten der Gegenüberwachung gesetzt, um bspw. Polizeigewalt aufzudecken. Spektakuläre Fälle, wie der von Rodney King in Los Angeles oder der Vorfall auf der Freiheit-Statt-Angst-Demonstration in Berlin 2009 nährten die Erwartungen in die “accountability 2.0” (Eijkmann 2011). Dieser Logik folgt immer öfter auch die Polizei. Verschiedene Polizeibehörden in den USA, so ein ausführlicher AP-Bericht, stellen vermehrt Videos auf Youtube ein, um ihre Seite der Geschichte zu erzählen.  Es geht ihnen dabei oft um das Vorfeld der von Protestierenden gezeigten Polizeiübergriffe oder auch darum im Fall von offensichtlichem Fehlverhalten zu beteuern, dass dieses auch zur Entlassung des polizeilichen Gewalttäters geführt hat. Der Artikel stelt keinerlei kritische Fragen darüber, was es bedeutet, wenn nun noch mehr Instanzen Bilder von Demonstrationsteilnehmer/innen veröffentlichen.

Die Tatsache jedoch ist ein erneuter Beleg dafür, dass Gegenüberwachung in Ãœberwachungsgesellschaften eben auch zur “surveillant assemblage” beiträgt, wenn auch unintendiert. Dies ist verschiedentlich schon als Ãœberwachungsspirale thematisiert worden (Fernandez/Huey 2009): Ãœberwachung – Gegenüberwachung – Gegen-Gegenüberwachung; ein Prozess dauernden Antizipierens und taktischen Adaptierens, aber keiner raus aus der Ubiquität von Ãœberwachung.

Eijkman, Q., 2011. Police technology and human rights. A new quest for accountability? Journal of Police Studies 20, 195 ff.

Fernandez, L.A., Huey, L., 2009. Is Resistance Futile? Thoughts on Resisting Surveillance. S&S 6, 199–202.

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