Polemik mit dem Hammer: Angriff auf die Freiheit

Ein neues Buch zum Thema Überwachung drängt auf den Markt: Angriff auf die Freiheit. Verfasst haben es die Schriftsteller Juli Zeh und Ilija Trojanow, die gelernte Juristin Zeh hat dabei vor allem durch ihre Verfassungsklage gegen die Speicherung biometrischer Daten im Reisepass bereits Erfahrung in Sachen Bürgerrechte und ihre Gefährdung.

Spiegel Online rührt mit einem Interview und Auszügen aus dem Buch kräftig die Werbetrommel für die Neuerscheinung. Gelesen habe ich es noch nicht und kann daher nur auf die Rezension der Frankfurter Rundschau verweisen, nach der die Autoren ihrem Anliegen “durch Vereinfachungen, schiefe Bilder und überzogene Beispiele” einen schlechten Dienst erweisen.

Weshalb Kritiker der Überwachung glauben, ihre Botschaft nur mit der Holzhammer-Methode durchsetzen zu können, bleibt schleierhaft. Schon Wolfgang Sofskys “Verteidigung des Privaten” war ja als “Streitschrift” betitelt und navigierte ohne eigentliche Sachkenntnis knapp über Stammtischhöhe. Es schadet meiner Ansicht nach der Sache mehr als es nützt, die selben paranoiden Szenarien wie Schäuble & Co. zu entwerfen, oder, um Zeh & Trojanow zu zitieren: “Unwissenheit öffnet das Feld für bodenlose Behauptungen, Wirklichkeitsverdrehungen, propagandistische Irreführungen.

12. August 2009 - 21:56

5 Comments Write a comment

  • 1. Hans  |  13. August 2009 um 21:42

    Na dann empfehle ich das Buch des Staatsrechtlers Thomas Darnstädt, das gerade erschienen ist.
    Anderes Niveau, etwas schwerer zu lesen:

    “Der globale Polizeistaat – Terrorangst, Sicherheitswahn und das Ende unserer Freiheit” im Deutsche Verlags-Anstalt München 2009 erschienen.
    352 Seiten, 19,95 €

  • 2. Atomino2000  |  6. September 2009 um 21:40

    Nach dem Lesendes Buches kann ich die hier konstatierte Holzhammermethode nicht so recht nachvollziehen. Bis auf eine bislang nicht recherchierbare Quelle (satellitenortbare Chips bei Haustieren) konnte ich Belege für ziemlich allem Szenarien wiederfinden, die als Hinweise im Text vorkamen. Wichtig finde ich darüberhinaus, den Protagonisten der Diskurse zu folgen, die den einzelnen Interessensträngen vorangehen. Wenn also schräge Vögel wie Depenheuer es schaffen, die Innenpolitik einer demokratischen Gesellschaft maßgeblich zu beeinflussen, dann finde ich den Vergleich mit einer Streitschrift “ohne eigentliche Sachkenntnis knapp über Stammtischhöhe” ziemlich daneben. Dass der Terminus Alarmismus nicht völlig unzutreffend ist, mag ich konzedieren, aber der Abbau der Freiheitsrechte geht mit einem derartigen Tempo voran, dass man mit anschließender Autopsie wahrscheinlich nicht weit kommt.

  • 3. Surveillance Studies &raq&hellip  |  30. September 2009 um 19:41

    [...] Nachtrag zu diesem Posting. Inzwischen konnte ich das Buch Angriff auf die Freiheit selbst in Augenschein nehmen. Die gute [...]

  • 4. heintje  |  8. October 2009 um 03:18

    @Atomino2000

    “Bis auf eine bislang nicht recherchierbare Quelle (satellitenortbare Chips bei Haustieren) [...]”

    sowas? –> http://www.heise.de/newsticker/meldung/Dog-GPS-Tracking-fuer-den-kleinen-Liebling-159706.html

  • 5. Dietmar Kammerer  |  8. October 2009 um 11:56

    @Atomino2000: Es gibt mindestens eine Falschmeldung im Buch. Angela Merkel hat niemals den Satz geäußert: “Eigentlich läuft alles ganz prima, aber trotzdem brauchen wir mehr Überwachung.” (S. 98), also kann man ihn sich auch nicht “aufs Mousepad sticken” (ebd.). Tatsächlich stammt das Zitat von der heise.de-Redakteurin Angela Meyer, die ihn in ihrem Artikel zu einem Video-Podcast der Bundeskanzlerin verwendet hat:
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Merkel-plaediert-fuer-mehr-ueberwachung-trotz-hoher-Sicherheit-117137.html
    Der heise-Text markiert deutlich, dass es sich dabei nicht um ein wörtliches Zitat der Kanzlerin handelt, sondern um eine “saloppe Kurzfassung” des Podcasts. Das Original-Video findet man unter: http://www.bundeskanzlerin.de/nn_707282/Content/DE/Podcast/2006/2006-11-10-innere-sicherheit/2006-11-10-video-podcast-zur-inneren-sicherheit.html
    - wer dort den “ganz prima”-Satz findet, darf sagen, dass ich unrecht hatte.

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