{"id":2342,"date":"2023-02-28T11:28:37","date_gmt":"2023-02-28T09:28:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/?page_id=2342"},"modified":"2023-12-06T22:50:19","modified_gmt":"2023-12-06T20:50:19","slug":"friedensbildung-in-zeiten-des-krieges","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/?page_id=2342","title":{"rendered":"Friedensbildung in Zeiten des Krieges."},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gedanken zur Notwendigkeit einer akademischen Veranstaltung zum Thema Frieden<\/h3>\n\n\n\n<p>von Nils Zurawski, im Februar 2023<\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich ist schon der Titel dieses Textes irref\u00fchrend, suggeriert er doch einen besonderen Moment, n\u00e4mlich den des Krieges, der jetzt da ist und die Friedensbildung, von der ich ein Teil an der Universit\u00e4t Hamburg bin, in besonderer Weise ber\u00fchrt. Es klingt nach aktueller Dringlichkeit, die seit dem 24.2.2022 entstanden ist, seitdem Russland die Ukraine \u00fcberfallen hat. Diese Dringlichkeit besteht jedoch bei genauerem Hinsehen nicht, denn die Veranstaltung, von der ich spreche, existiert seit 13 Jahren und immer war irgendwo Krieg. Dieser Umstand allein war und ist nach wie vor ein Grund f\u00fcr ihre Existenz, f\u00fcr den curricularen Zusammenhang, der dahintersteht und der auch angesichts des Russland\u00fcberfalls und der damit ambivalenten Situation des Nachdenkens \u00fcber Gewalt, Frieden, politischen Notwendigkeiten, strategischen Entscheidungen und moralischen Dilemmata weiter besteht \u2013&nbsp;immer schon und jetzt sowieso.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Worum geht es?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2016 betreue ich an der <a href=\"https:\/\/www.zfw.uni-hamburg.de\/oeffentliche-vortraege\/programm-wise\/08-friedensbildung.html\">Universit\u00e4t Hamburg die Vorlesung \u201eFriedensbildung \u2013 Grundlagen und Fallbeispiele\u201c (hier Programm Ws 2022\/23).<\/a> Diese Veranstaltung findet innerhalb des so genannten Curriculums Peacebuilding\/Friedensbildung statt \u2013 einer Art Nebenfach-Studium, in dem die Studierenden Leistungspunkte und ein Zertifikat erwerben k\u00f6nnen. In den Seminaren und auch der Vorlesung geht es um Friedensbildung im weitesten Sinn. Urspr\u00fcnglich mit Geldern der schon lange abgeschafften Studiengeb\u00fchren entstanden, erfreut sich das Curriculum, an dem j\u00e4hrlich rund 35 Studierende teilnehmen, einer anhaltenden Nachfrage.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage, die sich also nach dem russischen \u00dcberfall stellt, ist, ob eine solche Veranstaltung mit einem derartigen Thema noch zeitgem\u00e4\u00df und relevant ist im Hinblick darauf, wie hier Frieden thematisiert und die weiteren Zusammenh\u00e4nge einordnet und behandelt werden? Oder sollte sie nicht viel eher, aus aktuellem Anlass gewisserma\u00dfen, ein weiteres Forum sein, den \u00dcberfall zu thematisieren, das pro- und contra von Waffenlieferungen zur Diskussion stellen und damit Gefahr laufen nur ein weiterer Auslass f\u00fcr die aus m.S. oft kurzfristigen Debatten rund um Krieg und Milit\u00e4rstrategien und -politik zu sein? Eigentlich gibt es daf\u00fcr genug Platz in der Welt der Medien und der Politikveranstaltungen \u2013 manches davon sehr informiert, manches nicht der Rede wert. Was leistet dennoch eine Veranstaltung, die in der aktuellen Form auch einen Schwerpunkt auch die Ukraine gelegt hat, aber eben grunds\u00e4tzlicher sein m\u00f6chte und dabei explizit auf das Konzept \u201eFrieden\u201c setzt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Davon spreche ich.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die von mir betreute Vorlesung besteht aus 13-14 Terminen, immer im Wintersemester, an denen verschiedene Referent:innen sehr unterschiedliche Vortr\u00e4ge mit einem Bezug zum Thema Frieden, Konflikt, Konfliktbearbeitung oder Sicherheit halten. Die Auslegung der Bez\u00fcge war und ist immer noch weit \u2013 und so werden Themen behandelt wie die rechtlichen Bedingungen der Seenotrettung, die nukleare Vernichtungsmacht durch Atomwaffen und deren Eind\u00e4mmung durch Vertr\u00e4ge, regionale Konflikte und potenzielle Friedensl\u00f6sungen, die Zusammenh\u00e4nge von Klima und Konflikt, die Bew\u00e4ltigung von Konflikten vor Ort durch alternative Modelle der Streitschlichtung, die neue Rechte oder M\u00e4nnlichkeitsbilder und Gewalt oder auch die Folgen und Kontinuit\u00e4ten des Kolonialismus. Geografisch geht es dabei rund um den Globus (der \u201eWesten\u201c, Afrika, S\u00fcdamerika, Naher Osten, Asien) \u2013 denn anschauliche Beispiele, sowohl f\u00fcr gelungene Friedensl\u00f6sungen als auch f\u00fcr andauernde Konfliktlagen oder sich anbahnende Eskalationen, gibt es leider reichlich. Auch wenn es einmal als eher politikwissenschaftliche Veranstaltung begonnen hat, so ist inzwischen eine disziplin\u00e4re Breite und Tiefe entstanden, die einen weiten Blick f\u00fcr das Thema \u00f6ffnen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Grundverst\u00e4ndnis der Veranstaltung und des Curriculums insgesamt ist pazifistisch und anti-militaristisch, was nicht bedeutet, dass man nicht \u00fcber Waffen und Bewaffnung Bescheid wissen sollte \u2013 mehr aber auch \u00fcber ihre Konsequenzen und die Gr\u00fcnde, Zusammenh\u00e4nge und vielf\u00e4ltigen Verwicklungen von Konflikt, Krieg und im besten Fall auch deren Beendigung, kurz: wie man Frieden schafft, h\u00e4lt oder bewahrt auf der einen Seite; auf der anderen wie Konflikte entstehen und welche Faktoren wichtig sind, ganz generell oder in dem einen oder anderen speziellen Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00dcberfall auf die Ukraine hat mich bei der Planung des gerade zu Ende gegangen Durchgangs im Wintersemester 2022-23 nicht unber\u00fchrt gelassen \u2013 und mich auch dazu gebracht meine eigenen Einstellungen zu Krieg, Frieden, Waffenlieferungen und der Frage, was zu tun ist, zu reflektieren. Allen voran stand dabei mein eigener Pazifismus, der hier wie schon zuvor auf die Probe gestellt wurde. Immer im Dilemma zwischen der Frage, soll man sich einmischen oder gew\u00e4hren lassen. Gleich ob es sich um Syrien, den Jemen, Mali oder die Ukraine handelt. Im letzten Fall mit weitreichenden Waffenlieferungen, die ich aus einen einfachen Grund unterst\u00fctzen kann: Der \u00dcberfall ging von Russland aus, das sich bereits seit 2014 Teile des Landes aneignet, weitgehend unwidersprochen. Russland ist der Bully, dem es entgegenzutreten gilt, auch oder gerade, weil es eine Atommacht ist \u2013 was gleichzeitig dahin gehende \u00c4ngste sehr nachvollziehbar macht. Der neue Zweifel an den Waffenlieferungen ist dabei durchaus verwunderlich. Denn die generelle Kritik an diesem Gesch\u00e4ft, wenn es denn nur ein Gesch\u00e4ft und nicht die so offensichtliche Notwendigkeit ist und die Ukraine darum bittet \u2013 aufgedr\u00e4ngt wurde da ja eher wenig \u2013 war bisher eher nur von einzelnen Stimmen zu h\u00f6ren, selten so vielstimmig. Dabei sind deutsche Waffen, besonders Kleinwaffen, aber auch der ein oder andere Panzer in vielen Konflikten das Mittel der Wahl, nicht zuletzt auf verschiedenen Seiten im Nahen Osten. Und auch die Vorlesung zur Friedensbildung, das muss ich kritisch anmerken, hatte die Ukraine als Thema, nach 2014 auch im Kontext des Krieges in der Ostukraine, aber immer auch im Lichte eines \u201ecaptured state\u201c der Eliten und diverser Oligarchen. Dass es andere Entwicklungen im Land selbst gibt und wie dort Kr\u00e4fte und zivilgesellschaftliche Akteure auch um eine andere Ukraine k\u00e4mpfen, davon konnte ich mich seit 2016 selbst \u00fcberzeugen. Im Rahmen von DAAD-Projekten im Rahmen des Programms Ost-West-Dialog war ich seit 2016 neun Mal in Odessa und Kiev und habe dort als Teil eines gro\u00dfen internationalen Teams Mediator:innen ausgebildet und gemeinsam mit unseren Kollegen an zivilgesellschaftlichen Alternativen f\u00fcr Konfliktbearbeitung gearbeitet. Der Krieg in der Ostukraine war dabei einer der Treiber, das Projekt selbst auch Teil der Vorlesung. Mit einem m\u00f6glichen weiteren Krieg dort haben wir uns bis 2022 nicht besch\u00e4ftigt. Der letzte Besuch datiert auf den September 2021 und war eher von Corona als von einem potenziellen \u00dcberfall Russlands gepr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2355\" srcset=\"https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/EasyOdessa_small-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 767px) 89vw, (max-width: 1000px) 54vw, (max-width: 1071px) 543px, 580px\" \/><figcaption>am Strand von Arcadia, Odessa im September 2021<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zur Frage der Relevanz einer Veranstaltung, die im Kern pazifistisch und anti-militaristisch ist. Ja, sie besitzt eine hohe Relevanz, sie ist wichtig, gerade weil Frieden ein prek\u00e4res Gut ist, sensibel, verletzlich und als Teil der Realpolitik eher Verhandlungsmasse denn ein leitender Aspekt. Dass jetzt \u00fcber die direkten Hilfen gesprochen wird, in allen Talkshows jeder ein Milit\u00e4rexperte ist, Journalist:innen zu Kriegsstrateg:innen werden und der Frontverlauf im t\u00e4glichen update besprochen wird, ist Teil der Aktualit\u00e4t und der Mediengesellschaft, in der wir leben. Dass andere Ursachen, Gr\u00fcnde und weitergehende Gedanken zum Krieg, zu diesem Krieg, zu Aggression, Konflikt und globalen Vernetzungen diesbez\u00fcglich nicht gleicherma\u00dfen besprochen werden \u2013 zumindest nicht in der Primetime oder den f\u00fchrenden und auch den alternativen Medien \u2013 ist tragisch und nachl\u00e4ssig. Es erinnert an die schon fast vergessene Corona-Pandemie, wo verst\u00e4ndlicherweise von Masken, Krankenhausbetten, Impfstoffen, Notfallpl\u00e4ne gesprochen wurde, davon wer besser war \u2013 Bundesland, Nation, Weltregion, autorit\u00e4re oder demokratische Staaten usw. \u2013 aber nicht, was \u00d6kologie und das menschliche Eingreifen in selbige m\u00f6glicherweise damit zu tun haben k\u00f6nnte und ob hier auch Dimensionen der Pr\u00e4vention f\u00fcr eine n\u00e4chste Pandemie liegen k\u00f6nnten. Und genau dazu soll diese Vorlesungsreihe beitragen, immer schon und auch im Fall des russischen \u00dcberfalls und des seit einem Jahr andauernden Krieges. Auch wenn Corona auf den ersten Blick kein \u201eFriedensthema\u201c scheint, so war die Pandemie 2020 und 2021 auch ein Bezugspunkt in so manchem Vortrag. Ob es in \u201eKlima und Konflikt\u201c einen wichtigen Punkt ausmachte oder in dem Vortrag zu Biowaffen auch \u00fcber Viren und das Coronavirus gesprochen wurde \u2013 das Thema war pr\u00e4sent. Denn die Pandemie war und ist ganz klar von Konflikten gepr\u00e4gt, sie hat Ungleichheiten aufgezeigt, Verwerfungen in der politischen und zivilgesellschaftlichen Landschaft, in unserem Verh\u00e4ltnis zur Natur und wie wir ganz lokal vor Ort mit diesen Aspekten umgehen, mit vermeintlicher Spaltung und gesellschaftlichen Konflikten und ihren L\u00f6sungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das kann es ein.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Friedensbildung hei\u00dft somit die differenzierte und m\u00f6glichst umfassende Besch\u00e4ftigung mit Frieden. Auch und gerade in Unfriedenszeiten, die es irgendwo auf der Welt immer gibt, nicht selten auch unter Beteiligung Deutschlands, der EU oder westlicher Demokratien im weiteren Sinne, ist es wichtig diese Hintergr\u00fcnde zu besprechen. Damit klarer wird, wieso Verhandlungen in Kriegen wichtig sind, auch wenn gegenw\u00e4rtig in der Ukraine viel dagegenspricht. Dass die meisten Kriege eben nicht durch einen Sieg einer Seite enden, sondern durch kompromissgeleitete Verhandlungsergebnisse, ist in der Debatte und zur Bewertung wichtig zu wissen. Allerdings gibt es zur Beendigung von Kriegen auch wenig systematische Forschung wie mein Kollege Wolfgang Schreiber (auch er engagiert in der Hamburger Friedensbildung) in der Online-Wochenzeitung Kontext zitiert wird. Auch wenn es gegenw\u00e4rtig nicht viel hilft und vereinfachte Forderungen f\u00fcr ein Zugehen auf Russland \u2013 wie sollte das bei aller Verhandlungssympathie gehen? \u2013 nachvollziehbar sind, ist ein differenziertes Wissen dar\u00fcber n\u00f6tig, um sich informiert eine Meinung zu bilden. Ein solcher Weg ist w\u00fcnschenswert, aber m\u00f6glicherweise auf gute Art sperrig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist wichtig zu wissen, welche Arten von Frieden es gibt, und was seine m\u00f6glichen politischen, sozialen, \u00f6kologischen und auch ideologischen Bedingungen sind. Oft habe ich seit einem Jahr auch geh\u00f6rt, wann immer der \u00dcberfall als das benannt wurde, was er ist: ein Verbrechen n\u00e4mlich \u2013, dass die USA doch nun auch schuld seien. Entweder als Antreiber der NATO oder weil sie auch nicht besser seien. Und, ja, es ist richtig, eine Aufz\u00e4hlung von Kriegen und Konflikten, die die USA gef\u00fchrt, angezettelt oder befeuert haben, wo sie ihren nicht immer zweifelsfreien Interessen nachgegangen sind, ist lang und aus dem Stegreif reichlich voll. Dennoch muss ein Einwand hier gestattet sein. Wann immer es einen Skandal gab, und die gab es seit Korea und insbesondere Vietnam reichlich, war es auch die US-Presse selbst, die daf\u00fcr gesorgt hat, dass nicht alles unter den Teppich gekehrt werden konnte. Die Pentagon Papers, Iran-Contra-Aff\u00e4re, der Irak und seine Weapons of Mass Destruction \u2013 es wurde berichtet und aufgekl\u00e4rt. Das macht die Aktionen nicht besser. In Russland jedoch war und ist all das aber ganz und gar nicht vorstellbar. Ob das auch in Zukunft so bleiben wird, dar\u00fcber l\u00e4sst sich streiten und zu <a href=\"https:\/\/www.surveillance-studies.org\/zurawski\/?page_id=1876\">meiner ambivalenten Haltung zu den USA habe ich an anderer Stelle geschrieben.<\/a> F\u00fcr oder gegen die USA oder aus alter Verbundenheit zu Russland (worin immer die bestehen soll, au\u00dfer in nostalgischem Sowjet-Kitsch oder ganz aktuell eher geldgierigen Gesch\u00e4ftsverbindungen): derartige Verbundenheit oder Antipathien sollten nicht die generelle Frage von Frieden, Solidarit\u00e4t, Konflikt und Analyse pr\u00e4gen. Eine differenzierte Betrachtung von Ursachen, Bedingungen und Hintergr\u00fcnden kann das verhindern und im besten Sinn f\u00fcr Aufkl\u00e4rung sorgen. Dazu z\u00e4hlt auch die Frage, ob und wie der Pazifismus ausgemustert wurde, aber dennoch unverzichtbar ist in Zeiten des Krieges, wie Corinna Hauswedell in den Bl\u00e4ttern f\u00fcr deutsche und internationale Politik schreibt (vgl. 2, 2023). Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine mag derzeitig alternativlos erscheinen, eine unreflektierte Euphorie \u00fcber die Wiederkehr von Kriegslogik und Waffeneinsatz ist es nicht und darf es nicht werden. Frieden ist eigentlich alternativlos, zu begreifen, warum wie die Zusammenh\u00e4nge sind, ohne eine Position f\u00fcr-oder-gegen-wen-auch-immer einnehmen zu m\u00fcssen, weil es ideologisch geboten scheint, geh\u00f6rt auch zur Friedensbildung. Und nein, das bedeutet nicht sich heraushalten, gar den Kopf einziehen. Aber es bedeutet, gerade im akademischen Umfeld, reflektiertes Wissen dazu zu Rate ziehen, zu diskutieren und eine Haltung entwickeln, keine Meinung. Darin liegt ganz klar die Notwendigkeit einer akademischen Veranstaltung zum Thema Friedensbildung, zu welcher in jedem Wintersemester rund 150 Zuh\u00f6rer:innen w\u00f6chentlich in den H\u00f6rsaal kommen (da die Vorlesung \u00f6ffentlich ist, kommen neben den Curriculumsstudierenden weitere Student:innen sowie andere interessierte Hamburger B\u00fcrger:innen ) und w\u00e4hrend der Pandemie bis zu 300 Personen online dabei waren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Und in Zukunft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es besteht auch in Zukunft ein Bedarf, ja eine Notwendigkeit f\u00fcr eine Vorlesung zur Friedensbildung, die nur ein Teil eines kleinen Studienangebots zu diesem Thema insgesamt ist. Angebote, die sich mit den kleinen und gro\u00dfen Konflikten, mit denen vor Ort, den regionalen und den globalen besch\u00e4ftigen und Student:innen dabei unterst\u00fctzen eine eigene Haltung zu dem Thema zu entwickeln. Frieden muss auch vom Frieden her gedacht werden, von den M\u00f6glichkeiten und Ambivalenzen eines Pazifismus, abseits tagespolitischer Diskussionen, die zu aufgeheizt und meinungsheischend sind, als das sie ein wirklich Orientierung bieten. Es bedarf der Aufkl\u00e4rung im besten Sinne, aber eben einer reflexiven, einer differenzierten und thematisch breiten Betrachtung, von der Geopolitik, \u00fcber alternative Konfliktbeilegungsstrategien und Mentalit\u00e4tsgeschichten des Patriarchats bis hin zu aktuellen Konflikten oder der (h\u00e4ufig mangelnden) Konfliktsensitivit\u00e4t der Sprache in vielen Medien. Friedensbildung ist also in den Zeiten des Krieges \u2013 und sie sind leider global gesehen immer \u2013 wichtig, notwendig und unverzichtbar, nicht nur an der Universit\u00e4t. Dort aber besteht die Chance viele Multiplikatoren zu erreichen, eine wissenschaftliche Haltung dazu zu finden und mit der n\u00f6tigen Differenzierung an das Thema ran zu gehen \u2013 immer wieder und immer wieder neu und auch in Reaktion zu neuen Konflikten, neuen Kriegen oder hin und wieder auch neuen Friedenschl\u00fcssen und der Beilegung von Konflikten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein paar Hinweise auf Vortr\u00e4ge, Texte oder Quellen von Referent:innen der letzten Jahre und ein paar weitere, die ich hier f\u00fcr relevant halte oder auf die ich  verwiesen habe. <\/strong>Diese Liste ist nicht ersch\u00f6pfend, gibt aber einen kleinen \u00dcberblick \u00fcber die Inhalte der Vorlesung.<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Wolfgang Sp\u00f6rrer:<\/strong> <a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/es-kommt-darauf-an-ob-man-den-krieg-von-oben-betrachtet-oder-von-unten-ukrainekrieg-eskalation-diplomatie-panzerlieferung-leopard-wolfgang-sporrer-interview\/\">Es kommt darauf an, ob man den Krieg von oben betrachtet oder von unten<\/a>. Jacobin Magazin,  6.2.2023. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wolfgang Schreiber <\/strong>zitiert in Kontext Wochenzeitung: <a href=\"https:\/\/www.kontextwochenzeitung.de\/debatte\/621\/das-wird-noch-dauern-8718.html\">Das wird noch dauern<\/a> von Oliver Stoetzel, 22.2.2023. Und in Wissenschaft &amp; Frieden 2022\/3: <a href=\"https:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\/artikel\/die-ukraine-wird-gewinnen\/\">Die Ukraine&nbsp;wird gewinnen. Einsch\u00e4tzungen aus der Forschung&nbsp;zu Kriegsbeendigungen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\"><strong>Wissenschaft &amp; Frie<\/strong><\/a><strong><a href=\"https:\/\/wissenschaft-und-frieden.de\">den<\/a>,<\/strong> seit 40 Jahren ein wichtiges Forum f\u00fcr die Friedenswissenschaft. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Corinna Hauswedell:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.blaetter.de\/ausgabe\/2023\/februar\/ausgemustert-aber-unverzichtbar-pazifismus-in-zeiten-des-krieges\">Ausgemustert, aber unverzichtbar: Pazifismus in Zeiten des Krieges<\/a>, in Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik, Feb. 2023. <\/p>\n\n\n\n<p>Der russische Krieg gegen die Ukraine (Podiumsdiskussion am 10. November 2022,u.a. mit Corinna Hauswedell<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Der russische Krieg gegen die Ukraine (Podiumsdiskussion am 10. November 2022)\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/wEGpA7AvpUQ?start=1&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><br><strong>Toni Tholen<\/strong>, Literaturwissenschaftler an der Uni Hildesheim \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.uni-hildesheim.de\/media\/fb3\/deutsche_sprache\/Mitglieder\/Tholen\/Maennlichkeiten-LAGEN-2021.pdf\">M\u00e4nnlichkeiten im Spannungsfeld von Transformation, Persistenz und Resouver\u00e4nisierung <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Volker Wei\u00df<\/strong>, Historiker und Publizist, Hamburg: Video : Die Neue Rechte und der Mainstream. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Volker Wei\u00df: Die Neue Rechte und der Mainstream (Schlaglichter N\u00b04)\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/rzRFdSZ8jFk?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Rezension zu <strong>Volker Wei\u00df&#8217; <\/strong>Studie <a href=\"https:\/\/www.glanzundelend.de\/Red15\/u-w15\/volker-weiss-autoritaere-revolte.htm\">\u00bbDie autorit\u00e4re Revolte\u00ab \u00fcber die Neue Rechte&nbsp;und der Untergang des Abendlandes. <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sigrun Rottmann<\/strong>, Dozentin an der TU Dortmund zu <a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/mediathek\/audio\/wdr5\/wdr5-toene-texte-bilder-interviews\/audio-sigrun-rottmann-medien-konstruieren-konflikt-bild-mit-100.html\">Konfliktsensitivem Journalismus<\/a>, im  Interview beim WDR<\/p>\n\n\n\n<p><strong>August Pradetto, <\/strong>Politikwissenschaftler an der Helmut-Schmidt-Uni in Hamburg, <strong> <\/strong>zur Ukraine. Der lange Marsch in den Krieg. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-karenina-de wp-block-embed-karenina-de\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/www.karenina.de\/russland\/geschichte\/der-lange-marsch-in-den-krieg\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Sicherheitshalber<\/strong>: Podcast zur Sicherheitspolitik, die Macher:innen waren 2021\/2022 G\u00e4ste in der Friedensbildung. <\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzend weise ich hier auch auf den Podcast des NDRs zum Thema hin: <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/podcast2998.html\"><strong>Streitkr\u00e4fte<\/strong><\/a><strong><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/info\/podcast2998.html\"> und Strategien,<\/a> <\/strong>eine langj\u00e4hrige Sendung, die sich nun sehr stark mit dem \u00dcberfall auf die Ukraine befasst. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-rich is-provider-soundcloud wp-block-embed-soundcloud wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Sicherheitshalber\" width=\"525\" height=\"450\" scrolling=\"no\" frameborder=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?visual=true&#038;url=https%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fusers%2F479331222&#038;show_artwork=true&#038;maxheight=788&#038;maxwidth=525\"><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>J\u00fcrgen Scheffran,<\/strong> Geograph und Friedensforscher an der Uni Hamburg, hier mit einem Text zur <a href=\"https:\/\/www.deutsches-klima-konsortium.de\/en\/about-us\/positions\/column-on-the-subject.html?expand=6731&amp;cHash=ce3a49c621887b54f60773a85f84a111\">Ukrainekrieg und Klimakrise<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/ifsh.de\/personen\/neuneck\">G\u00f6tz Neuneck<\/a>,<\/strong> Senior Fellow am IFSH, Hamburg, forscht und arbeitet zu Atomwaffen und R\u00fcstungskontrolle. Gemeinsam mit Michael Brzoska, einem anderen Senior Fellow des IFSH, ist er hier in einer Diskussion zu h\u00f6ren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Friedensforschung gefragt mit Prof. Michael Brzoska und Prof. G\u00f6tz Neuneck\" width=\"525\" height=\"295\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4Cvv8s9yU1s?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.znf.uni-hamburg.de\/personen\/mitarbeiter\/gunnar-jeremias.html\">Gunnar Jeremias<\/a> und Hares Sarwary<\/strong>, haben in der Friedensbildung Vortr\u00e4ge zu Biowaffen und deren Kontrolle gehalten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tilmann Br\u00fcck,<\/strong> \u00d6konom besch\u00e4ftigt sich u.a. mit der Frage, was Frieden kostet<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-isdc wp-block-embed-isdc\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\nhttps:\/\/isdc.org\/team\/tilman-brueck\/\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Malte Lierl<\/strong>, Giga-Institute, Hamburg war mit einem Vortrag zu <a href=\"https:\/\/www.giga-hamburg.de\/de\/das-giga\/team\/lierl-malte\">Konflikten im Sahel in der Friedensbildung<\/a> zu Gast. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Julia Grauvogel<\/strong>, ebenfalls vom Giga-Institue hat mehrere Vortr\u00e4ge zu <a href=\"https:\/\/www.giga-hamburg.de\/de\/das-giga\/team\/grauvogel-julia\">Regionalkonflikten und Friedensl\u00f6sungen in Afrika<\/a> gehalten. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hauke Friedrichs<\/strong>, Journalist und Historiker besch\u00e4ftigt sich vor allem mit Waffenexporten und Sicherheitsfragen.<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/autoren\/F\/Hauke_Friederichs\/index.xml\"> Einen \u00dcberblick \u00fcber seine Artikel findet man u.a. bei der ZEIT<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>St\u00e9phane Voell<\/strong> ist Anthropologe und Konfliktforscher und besch\u00e4ftigt sich u.a. <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/de\/konfliktforschung\/zentrum\/personenseiten\/dr-stephane-voell\">mit dem Kaukasus<\/a>, wohin er seit Jahren einen \u00fcber den DAAD finanzierten Austausch mit Studierenden hin organisiert. Davon erz\u00e4hlt er auch immer mal wieder in der Friedensvorlesung. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kim Magiera<\/strong> besch\u00e4ftigt sich mit <a href=\"https:\/\/www.soziale-strafrechtspflege.de\/attachments\/article\/433\/201223_Zeitschrift53_final.pdf\">Restorative Justice und dem T\u00e4ter-Opfer-Ausgleich als alternative Form der Konflktbearbeitung<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Achim Rohde <\/strong>besch\u00e4ftigt sich mit dem Nahen Osten, mit dem <a href=\"https:\/\/fu-berlin.academia.edu\/AchimRohde\">Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt und hat viel zu diesem Thema publiziert<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Elisabeth voh Hammerstein <\/strong>war mit ihrer Idee eines <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/272828\/ein-westfaelischer-frieden-fuer-den-nahen-osten\/\">Westf\u00e4lischer Frieden f\u00fcr den Nahen Osten?<\/a> ein paar Mal in der Vorlesung dabei. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tania Mancheno<\/strong> hat Vortr\u00e4ge zu Kolonialismus beigetragen, vor allem mit Hamburg Bezug. Hier ein paar ihrer <a href=\"https:\/\/kolonialismus.blogs.uni-hamburg.de\/author\/mancheno\/\">Arbeiten im Rahmen des Projektes Hamburgs (post-)koloniales Erbe. <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken zur Notwendigkeit einer akademischen Veranstaltung zum Thema Frieden von Nils Zurawski, im Februar 2023 Eigentlich ist schon der Titel dieses Textes irref\u00fchrend, suggeriert er doch einen besonderen Moment, n\u00e4mlich den des Krieges, der jetzt da ist und die Friedensbildung, von der ich ein Teil an der Universit\u00e4t Hamburg bin, in besonderer Weise ber\u00fchrt. 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