Infos zu Vortrag: Management von Normen, Kontrolle der Zukunft

Nils Zurawski: Über das Management von Normen und die Kontrolle der Zukunft, 20.11.2017

Hinweise zu Literatur oder Ideen, die ich im Vortrag erwähnt habe.

Zitate aus “Ich” von Wolfgang Hilbig (1993, Fischer) zu den Gedanken zu predictive policing, Wirklichkeit und Simulation zur Kontrolle der Welt und ihrer Zukunft.

  1. Ich lebte in einer Welt der Vorstellung … immer wieder konnte es geschehen, daß mir die Wirklichkeit phantastisch wurde, irregulär, und von einem Augenblick zum andern bestand die Ruhe für mich nurmehr in einer unwahrscheinlich haltbaren Simulation. Dies war kein Wunder, wir lebten schließlich andauernd unter Druck, ein Verhalten in Betracht ziehen zu müssen, das womöglich gar nicht existierte. Es war ein Zwiespalt, in dem wir lebten: wir betrieben ununterbrochen Aufklärung, inwiefern sich die Wirklichkeit unseren Vorstellungen schon angenähert hatte … aber wir durften nicht glauben, daß unsere Vorstellungen wirklich wahr werden konnten. Nein, wir glaubten unseren Vorstellungen nicht, denn wir klärten ununterbrochen auf … für uns selber. (S. 45)
  2. “Und da praktischer jedes Subjekt für den Dienst als Mitarbeiter in Frage kam, war es die nicht-enden-wollende Aufabe des Apparates, Verhältnisse herzustellen, in denen prinzipiell für jedermann ein Reservoir strafwürdiger Faktoren bereitstand. Und wenn der utopische Zustand eintrag, in dem keine Vergehen mehr Vorkamen, oder kaum noch welche, dann mußte das Limit auf ein immer niedrigeres Maß gedrückt werden, so daß schließlich fast jede Handlung als ein Vergehen gewertet werden konnte.” (S. 79)

Zu den Singularitäten bei Andreas Reckwitz

Interview mit Andreas Reckwitz in der ZEIT, 4.10.2017: Wir Einzigartigen, von Alexander Cammann.

Buch: Andreas Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten, FfM: Suhrkamp 2017. Zu Bourdieu und der Distinktion gibt es so viel, dass ich es hier nicht aufführe, u.a. “Die feinen Unterschiede”, sonst einfach mal eine Bibilothek bemühen.

Erwähnt habe ich im Zusammenhang mit dem Internet der Dinge und der Distinktion auch Christoph Bartmanns “Die Rückkehr der Diener. Das neue Bürgertum und sein Personal” (2016 München: Hanser)

Zum Thema Consumerism oder Konsumismus gibt es von Zygmunt Bauman einige Texte, dieser hier ist online: The Self in a Consumer Society. Hedgehog Review Fall 1999.

Zum Surveillance Capitalism von Shoshana Zuboff

Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information Civilization

Es gibt auch einen Artikel in der FAZ (“Wie wir Googles Sklaven wurden”), in dem sie das Thema erklärt.

In Surveillance & Society vol 15, no.5. 2017 gibt ebenfalls einige Beiträge zum selben Thema.

Im Zusammenhang mit Technologie hatte ich eine afrikanische Technik-Aktivistin erwähnt und warum sie das Mobile-first-continent-Argument für Africa kritisiert: Africans need to grow technology, but on their own terms, by Nanjira Sambuli, 20.7.2017.

Contextual Integrity von Helen Nissenbaum

Privacy as Contextual Integrity, in Washington Law Review, vol 079 (2004),  119-158. (andere, ähnliche oder darauf aufbauende Texte von Nissenbaum lassen sich leicht per Google Scholar finden).

Und ich habe auch noch aus einem Text von Ulrich Herbert zu Erlösungsutopien aus der Taz zitiert. (Nach den Erlösungsutopien. Die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts sind Geschichte. Aber gibt es Fortschritt ohne Utopien?). Zu finden ist der Text als pdf im taz.de/archiv