Archiv für U-Bahn

Wunsch und Wirklichkeit der Videoüberwachung

Zwei Zahlenwerke erscheinen mir dieser Tage bemerkenswert:

78 Prozent der Fahrgäste sei es demnach wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Züge, U-Bahnen, Busse und Haltestellen mit Videokameras überwacht seien. (…) 63 Prozent sähen es gern, wenn Sicherheitspersonal mitfahren würde. 29 Prozent möchten sogar, dass Polizisten in Bahnen und Bussen anwesend sind.

(Quelle: sueddeutsche.de)

Nun ist Bahnfahren nicht immer nur Freude, insbesondere im Nahverkehr. Unangenehme Situationen wird jeder von uns schon mal erlebt haben, gar keine Frage. Doch eine unangenehme Situation kann letztlich völlig folgenlos verlaufen. Was bedeutet sie also, wenn (wie in den allermeisten Fällen) gar nichts passiert ist?

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Umfrage: Videoüberwachung kein Problem

Ich habe länger nichts zur Videoüberwachung geschrieben. Das mag daran liegen, dass wenig Neues und Interessantes dazu veröffentlicht wird – dafür jede Menge Nachrichten, die nur davon berichten, wo es wieder neue Kameras gibt oder das jemand dagegen ist. Nun aber bin ich über eine Umfrage gestolpert, die zeigt, dass die Deutschen gar nichts gegen Kameras haben – Videoüberwachung in der Öffentlichkeit
Für die meisten Deutschen kein Problem.

Die meisten Deutschen (88 Prozent) finden den Einsatz von Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen wie Flughäfen, Bahnhöfen oder Kaufhäusern in Ordnung. Bei den befragten Frauen liegt der Anteil sogar noch etwas höher (90 Prozent).

Na, das ist doch super. Nur was sagt uns das? Das Kameras kein Daten, Privatsphären, Freitheits/Bürgerrechte, Geheimnis, Sicherheits-Problem mehr ist – also ruhig überalls stehen können, solange nur einer sagt, dass mit den Daten alles in Ordnung ist? Aber woher wissen wir das und woher wissen wir Bürger, wer das was wozu filmt? Das jetzt nach Berlin auch wieder mehr Kameras gefordert werden – bitte schön, in Berlin ist auch Wahlkampf, aber ich gebe zu bedenken, was in dem Interview mit meinem Kollegen Leon Hempel in der taz steht:

taz: Wächst nur das Gefühl oder tatsächlich die Sicherheit?
Hempel: Das kann ich nicht sagen. Das müsste man langfristig wissenschaftlich begleiten.
taz: Keine Kamera, nicht mal eine sprechende, kann einem Opfer vor Ort helfen.
Hempel: Deshalb muss es bei Videoüberwachung vorrangig darum gehen, die Einsatzzeiten bei Notfällen unter eine Minute zu bringen. Das passiert aber in der Regel gar nicht.

Mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Egal wieviele der Deutschen dafür sind. Die Umfrage bleibt was sie ist – eine Umfrage und keine wissenschaftliche Studie zur Akzeptanz. Wann Kameras auch zu einem Problem werden wird in dem Kommentar zut Privatisierung von Sicherheit aus der Stuttgarter Zeitung sehr elegant auf den Punkt gebracht.