Archiv für Konsum

Der digitale Hilfssheriff

Wie viele Daten sollen IT-Konzerne wie Google herausgeben, um den Behörden bei der Strafverfolgung zu helfen?

ein kluger Artikel von Adrian Lobe (FAZ, 22.6.2017) über die Macht der Maschinen, mit denen wir uns umgeben und den wir vertrauen als wären sie gute Bekannte….

Das Herrschaftswissen, das die Tech-Giganten mit ihren Maschinen aggregieren, könnte sich schon bald gegen ihre Nutzer wenden.

Ich würde argumentieren, der Wunsch nach den digitalen Domestiken und nach Distinktion, dem Zwang der Hypermoderne anzugehören, führt zu einem Trend in der ÜBerwachung (wenn auch nicht so genannt) zum Lifestyle wird. Ich werde dazu in Kürze nochmal ein paar Ausführungen machen.

Was wäre wenn schlaue Geräte Zeugen wären?

Der Künstler Luke Munn spielt mit der Idee, was wäre wenn Alexa oder ein ähnliches Ding tatsächlich als Zeuge für Geschehnisse zugelassen wäre, ein Blick in unsere digitale Zukunft des “guten Leben” wie es sich die Nerds aus dem Silicon Valley vorstellen. http://lukemunn.com/monitor/

© Luke Munn, Work: Monitor

Recently police in Arkansas issued a warrant for Amazon Alexa data in connection with a suspected homicide. Though the request was denied, this artwork acts as if it was accepted, using ‘smart home’ notifications to extrapolate from the evening’s events: a few friends, a few drinks, a floating body. In doing so, it explores the data these objects might possess and anticipates some of the ways it might be both used and abused.

Kleidung gegen Überwachung

Mode kann Trendsetter sein, aber auch eine Reaktion auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Beispiele in der Geschichte der Bekleidung sind vielfältig, vom Minirock, zur Krawatte, zu den Baggy-Jeans der Hiphopper (und der kleinen Jungs, die fast immer damit stolpern…). Also warum nicht auch Kleidung gegen die omnipräsente öffentliche Überwachung. Bei der BBC gab es dazu einen schönen kleinen Bericht mit Beispielen: How what you wear can help you avoid surveillance (21.4.2017).

The HyperFace print range features patterns suggesting eyes, noses and mouths to confuse facial recognition algorithms (Credit: Adam Harvey)

 

 

 

 

 

 

 

 

Tattoos als Datenspeicher?

Ich bin mir nicht sicher, ob die das toll finden oder hier eine kritische Betrachtung gemacht wird. Der Satz, “in the future, their potential use is virtually limitless” beunruhigt mich.

10 Jahre iphone und Überwachung

“Es ist nicht die Technik, vor der wir Angst haben” – ein Gespräch mit Shoshana Zuboff, Autorin von Surveillance Capitalism*.

Interessantes Gespräch zum 10-jährigen Jubiläum des iphones:

Sie warne nicht vor der Technologie als solcher, sagt Zuboff, emeritierte Harvard-Professorin. Ihr gehe es um den Kapitalismus, der dahinter stehe. Sie sei davon überzeugt, dass jede Anwendung, die für Überwachung und Kontrolle genutzt werden könne, auch als solche eingesetzt werde – wenn es keine funktionierenden Kontrollen gebe.

*Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information 
Civilization in Journal of Information Technology (2015) 30, 75–89.

Bericht zur Überwachungsindustrie

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Privacy International hat einen Bericht und Index zur Surveillance Industry online gestellt. Die Karte ist vielsagend: Da geht das Geld hin, gekauft wird das Zeug wohl rund um die Welt, oder haben nur wir so viel Angst? Eher nicht.

Uber und die Konsumdemokratie

Ein guter und interessanter Artikel, der sehr schön die Verquickungen und tückischen Verbindungen von Konsum und Demokratie als Versprechen des ersten dekonstruiert:

Uber’s Consumer Democracy. Uber uses the language of consumer choice to subvert the democratic process. in: Jacobin, 11. Mai 2016.

Die Überwachung der Konsumenten

Ich finde die Artikel von Sami Coll immer eine Bereicherung für die Diskussion. Sein Ausgangspunkt sind Kundenkartensysteme, aber er nutzt seine Forschung weit darüber hinaus um in theoretische Überlegungen zu Überwachung einzusteigen. Aktuell gibt es eine historische Perspektive.

Sami Coll (2016) Discipline and Reward: The Surveillance of Consumers through Loyalty Cards, Geschichte und Gesellschaft 42(1)

This article focuses on the most predominant modality of contemporary  surveillance—the surveillance of consumers, which tends to be hidden behind state surveillance. It presents empirical research done on the four major retail stores in Switzerland and their loyalty systems.

Die sprechende Barbie: Pressekonferenz

Eine herrliche Performance von digitalcourage.

*Hello Barbie* Pressekonferenz 26/01/2016 from Digitalcourage e.V. on Vimeo.

Mit Chip durch den Alltag

Was wäre es doch alles viel einfacher, wenn der Alltag sich uns anpassen würde, z.B. mit einem Chip, der Türen öffnet oder den Kopierer bedient. Den Vorstellungen sind keine Grenzen gesetzt. Schwedische Arbeitnehmer lassen sich Chip implantieren – freiwillig, so berichtet die FAZ (25.2.2015).

Im Zuge der totalen Vernetzung ist dieser Schritt nur folgerichtig. Neu ist das alles nicht. Bereits 2009 testete ein Forscher, wie es sich so lebt mit einem Chip im Körper. Was wie ein hippes Experiment wirkt, hat durchaus Bedeutung für Fragen von Körper und Technologie, Autonomie, Freiheit und Kontrolle.

Mark Gasson hat dazu zumindest ein paar interessante Fragen aufgeworfen. Im Sinne eines Konsum der Überwachung wird deutlich, das die Kontrolle immer subtiler in unseren Alltag eingewebt sind und letztlich mit diesem verschmelzen, inkl. der dazugehörigen Technik.

Konsum, Geschenke, Überwachung

Über Konsum und Überwachung habe ich ja schon vermehrt geschrieben, hier ist ein neues Interview mit Sami Coll, dem verehrten Kollegen aus der Schweiz, der sich mit dem Thema intensiv beschäftigt.

(Kleine) Geschenke als Gegenleistung für Kundendaten

Es schien mir auch nicht, dass sie rational kalkulierten, wie das die Marketing-Experten den Konsumenten oft unterstellen, indem sie sagen, die Kunden seien bereit, für gewisse Vergünstigungen einen Teil ihres Privatlebens zu verkaufen. Man nennt dies die Theorie des Kompromisses oder “trade-off”, der schwierig zu verifizieren ist. Denn wie kann man die Privatsphäre tatsächlich messen? Es ist schwierig, zehn Gramm davon gegen einen Liter Milch einzutauschen, zum Beispiel.

Das dazugehörige Buch lohnt sich bestimmt – aber auch ander Sachen von Sami Coll (bei Interesse hätte ich die Aufsätze hier, ebenso diesen hier: Nils Zurawski: Consuming Surveillance: Mediating Control Practices Through Consumer Culture and Everyday Life, 2014)

Werbung als Überwachung

Überwachung als Konsum – darüber habe ich hier und an anderen Stellen bereits geschrieben. Sascha Lobo hat in seiner aktuellen Kolumne dazu ein paar nette Einlassungen gemacht, ausgehend von Bruce Schneier, der feststellte, dass Überwachung das Business Modell des Internet ist.

Die Argumente sind alle mehr oder weniger bekannt, oft eher technisch, und dass Werbung Teil der kapitalistischen Einlullungsmaschine sind ist auch schon gesagt worden – persönliche Daten im Tausch für Annehmlichkeiten, Service usw. Doch so kommen die Argumente auch zu einem großen Publikum, und das ist dann doch erfreulich.

Die schließende These von Lobo – “Wenn Überwachung als Geschäftsmodell des Internet akzeptiert wird, fällt die Ablehnung der Überwachung als Machtmodell viel schwerer” – ist es wert weiter diskutiert zu werden. Es steckt dahinter auch ein wenig die Enttäuschung, dass wir uns nicht mehr wehren. Die Frage ist aber, ob das so stimmt oder der Umgang mit Überwachung je nach Kontext doch differenzierter ist. Und letztlich hat Macht immer etwas mit Überwachung bzw. Kontrolle zu tun, uumgekehrt mag aber das Verhältnis komplizierter sein.