Archiv für Kommentar

3 Fragen zu Überwachung

Im Newsletter der Uni Hamburg wurde über die Verleihung des Surveillance Preises berichtet und es wurden 3 Fragen zu Überwachung an mich gestellt.

Zu Über­wa­chung for­schen be­deu­tet häu­fig, sich in einem Span­nungs­feld zwi­schen his­to­ri­scher Ana­ly­se und ta­ges­ak­tu­el­ler Po­li­tik zu be­fin­den, auf der Suche nach den Kon­ti­nui­tä­ten und Dis­kon­ti­nui­tä­ten der Con­di­tio hu­ma­na, also der Be­din­gung des Mensch­seins.

Unsere Freiheiten…

Bei Tagesschau.de (21.12.2016): Mehr Überwachung auf allen Kanälen:

Einfachere Überwachung von Telefonaten, Kontrolle von Diensten wie WhatsApp, schärfere Gesetze für Flüchtlinge sowie eine Verzahnung von Geheimdienst und Polizei: Innenminister der Union fordern nach dem Anschlag in Berlin einen neuen Kurs in der Sicherheits- und Flüchtlingspolitik.

Wie kann da noch irgendein Politiker behaupten, wir lassen uns unsere Freiheiten nicht von den Terroristen verderben, unseren Lebensstil von ihnen einschränken. Es passiert seit mind. 15 Jahren (9/11), und wir sollten uns endlich damit offen beschäftigen, statt mantrahaft Durchhalteparolen zu wiederholen.

Kameras und Prävention

Wenn man erstmal ein Thema hat, dann wird man es nicht immer so leicht los. Bei mir sind es die Videokameras. Hier zwei Interviews bzw. Texte, in denen ich zum Thema befragt worden bin.

Wenn die Wanzen abgehört werden

Das amerikanische Magazin The Atlantic hat in der Novemberausgabe einen interessanten Artikel zum Thema verfasst: Even bugs will be bugged.

Darin sind neben den bekannten Argumenten und Szenarien auch einige neue zu finden – und auch eine Referenz an Gary T. Marx und seinen Buch Windows into the Soul (hier rezensiert).

Weiterlesen

Überwachung: Wer verändert was oder wen?

The Conversation hat vor ein paar Wochen einen Artikel zum ewigen Thema “Data surveillance is all around us, and it’s going to change our behaviour” publiziert.

Aber warum die Frage nicht einmal umdrehen: Ändert unser Verhalten nicht auch die Überwachung? Sonst sind wir nur die amorphen Anhängsel technologischen Entwicklungen und das wäre zu kurz gedacht und würde auch jede Alternative, Gegenwehr oder widerständiges Verhalten obsolet werden lassen.

Doping, Sport und Überwachung

Seit gut 5 Jahren forschen wir nun zu Dopingkontrollen und Privatsphäre, oft wurden wir dabei kritisch beäugt, vor allem von den Dopingschützern und den Leuten, die kritisch zu Doping berichten. Die Privatsphäre spielte oft keine große Rolle, Dopingkontollen als Überwachung zu sehen, war eher hinderlich im Kampf gegen und der Entrüstung wegen Doping. Spätestens seit dem Hack des ADAMS durch russische Hacker ist aber klar, dass die dort vorgehaltenen Daten unsicher sind, – z.B. Auch Daten deutscher Athleten gehackt (DLF, 15.9.2016).

Darüber, dass die Sportler überwacht werden, dass das System nicht perfekt ist und die gesammelten Daten zum Nachteil der Sportler sein könnten, darüber regen sich erstaunlich wenig Leute auf. Der Aufreger ist, dass nun rauskommt, was viele ahnten oder wussten: Sportler dopen legal. Besser: Sie nutzen Ausnahmegenehmigungen für auf der Dopingliste stehende Mittel. Nichts Neues, aber nun ein Aufreger.

Weiterlesen

Studie zu Privacy in USA und Canada

Ein Vergleich US-amerikanischen Datenrechtes mit dem kanadischen: Priscilla M. Regan, Colin Bennett & Robin Bayley: If These Canadians Lived in the United States, How Would They Protect Their Privacy? The Functional Equivalence of Privacy Redress Mechanisms in Canada and the US

Die Autoren garantieren für eine gute Analyse. Interessant ist bei dem Artikel ein Seitenaspekt, nämlich, dass das Social Science Research Network (SSRN) jüngst von Elsevier gekauft wurde. Also eine open access Plattform von einem der großen Publikationsheuschrecken in der Wissenschaft, die vielfach kritisiert wird, aber deren Geschäftsmodell wir alle mit dem Wunsch nach Publikationen und dem Bibliometrie-Unsinn mitmachen. Dazu gibt es zahlreiche kritische Kommentare, hier einer: SSRN has been captured by the enemy of open knowledge.

GPS gegen Fahrraddiebstahl?

In der taz vom 8. Mai gab es einen Artikel zu GPS als Mittel gegen Fahrraddiebstahl, eine Art Selbstversuch der Redakteure. Beschattung eines Fahrraddiebstahls. Fang den Dieb. Amüsant zu lesen, interessant aber war am Ende diese Bemerkung, die so in anderen Blättern nicht gestanden hätte bei solchen Themen, die sich dann eher an der Technik begeistern und dafür werben, mehr Kriminalitätskontrolle dieser Art zu installieren.

Auch wer Überwachungstechnik für die richtige Antwort auf Armutskriminalität hält und als Kind einen Detektiv-Club gegründet hat, wird seinen Spaß haben.

Schöner Satz und Fazit!

Mehr “chilling effects” durch die NSA

Es gibt eine weitere Studie zu den so genannten chilling effects, die sich durch die Enthüllungen durch die NSA eingestellt haben sollen. Jon Penney: Chilling Effects: Online Surveillance and Wikipedia Use, in Berkeley Technology Law Journal, 2016.

Ich bin nach wie vor skeptisch bei diesen Ergebnissen, die einen, ja den Beweis gefunden haben wollen. Ich streite nicht ab, dass es Effekte geben kann, die Internet-Nutzer/innen dazu veranlassen, bestimmte Inhalte nicht zu suchen oder Begriffe nicht zu verwenden. Aber es sprechen ein paar Dinge dafür, sich zumindest kritisch damit zu befassen, u.a. der Zeitpunkt der Studie:

Weiterlesen

Techie’s tourist dictionary for NSA

CgjQUEsWsAAsq8nLetzte Woche war ich in Barcelona auf der Surveillance & Society Konferenz. Wie immer interessant, aber leider zu viele Eindrücke, um sie hier kurz wiederzugeben. Ich versuche ein paar Eindrücke mit Hinweisen zu verbinden. Hier ist einer. Während ich einem spannenden Vortrag von Duncan Campbell lauschte, kam mehr oder weniger die Nachricht über den Ticker, von deren Enthüllung er gerade sprach. Spies’ ‘staggering’ data requests revealed, (BBC 21.4.2016)

Eine schöne Syncronität der Ereignisse. Auch wenn der Vortrag nichts akademisch Neues enthielt, so waren ein paar Infos doch sehr vielsagend – sehr schön das Glossar zur Sprache der NSA.

“Geheimdienste wittern Morgenluft”

Der verehrte Kollege Reinhard Kreissl im Interview zu den Sicherheits- und Überwachungsdiskussionen nach Paris (gilt aber auch nach Brüssel noch) mit den Filmemachern Clemens und Katja Riha (candoberlin).

Wir haben uns mit dem Wiener Kriminalsoziologen und Feuilletonisten der Süddeutschen Zeitung über die Reaktionen der Politik auf den Terror in Paris unterhalten. Er sagt, dass die Geheimdienste nun Morgenluft wittern und die Kritik an ihnen in Zukunft schwerer sein wird. Was bringt Sicherheit? Und warum ist es immer dasselbe Spiel – schärfere Gesetze, höhere Überwachung, Aufstockung der Etats für Polizei, Armee und Sicherheitsmaßnahmen.

(leider lässt sich das Video nicht einbetten)

Nachtrag: Studie zu Überwachung

Bei Telepolis hat Florian Rötzer einen sehr differenzierten Bericht zur Studie von Elizabeth Stoycheff veröffentlicht. Die Aussagekraft der Studie ist begrenzt, auch wenn wir es gern anders hätten. Allein die Frage, warum die Überwachung zu einer Zensur bei Journalisten oder Schriftstellern führen soll, die eh öffentenlich publizieren, wie es der PEN mutmaßte, kann damit z.B. nicht beantwortet werden. Da wären Repressionen, wie in der Türkei oder anderswo geeigneter – und sind es ja auch.