Archiv für Karten/mapping

RAND-Studie zu Predictive Policing in Chicago

Predictive policing: “funktioniert nicht”? Das ist noch nicht einmal die wichtigste Erkenntnis der RAND-Studie zu der “Strategic Subject List” der Chicagoer Polizei. Sondern, wozu und in welcher Weise das Instrument, entgegen den Ankündigungen, tatsächlich eingesetzt worden ist:

  • “It unnecessarily targets people for police attention”;
  • “CPD was using it as a way to target people for arrest”;
  • “The list essentially served as a way to find suspects after the fact”.

wie THE VERGE die Studie kommentiert: Chicago’s predictive policing tool just failed a major test. Da hilft auch die Rechtfertigung der CPD wenig, dass die Software, die der Evaluation zugrunde lag, mittlerweile auf Version 5 hochgeschraubt worden sei.

Race and Surveillance

Da sich der Begriff race nicht ganz passend mit Rasse übersetzen lässt (zumindest nicht in der Verwendung), bleibe ich beim Englischen. Die Zusammenhänge zu Überwachung sind vielfältig, aber immer noch eher ein Seitenaspekt der surveillance studies.

Oft geht es dabei um die diskriminierende Beobachtung bestimmter ethnischer Bevölkerungsgruppen, insbesondere der afro-amerikanischen in den USA. Dort ist genau dieses Verhältnis auch viel diskutiert, wie eine Konferenz im April 2016 nahelegt: Government Surveillance and Race. (Pressemitteilung zur Konferenz; Videos von der Tagung). Hier geht es vor allem um Themen wie Polizei(gewalt), Strafjustizsystem, Überwachung von Aktivisten usw.

Siehe auch die Besprechung von Simone Brownes Dark Matters

Die Diskussion über die Probleme bei der digitalen Identifizierung bestimmter ethnischer Gruppen, vor allem aufgrund der Hautfarbe sind nicht neu, aber immer wieder ein Thema: Machine Bias. There’s software used across the country to predict future criminals. And it’s biased against blacks.

Zu Künstlicher Intelligenz und den latent diskriminierenden Eigenschaften der Algorithmen berichtet auch der Artikel Artificial Intelligence’s White Guy Problem. (NYT 25.6.2016)

Die Zusammenhänge sind aber nicht nur willkürlich und allein rassistisch, sondern haben ihre Ursprünge in den historischen Strukturen der Gesellschaft, zu denen auch eine räumliche Dimension gehört…..

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Einbrüche – überwachen mit Karten

kartescoutBei Karten ist ja immer die Frage, wer hat sie gemacht, was steht drin und wozu dienen sie?

Bei der Einbruchskarte von financescout24 kann ich einige der Fragen nicht beantworten, wohl aber beurteilen, was zu sehen ist und wo das Problem liegt. Kartieren ist überwachen – das habe ich bereits öfter hier festgestellt, so kann auch diese Karte gelesen werden. Aber was fange ich damit an?

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Gerüchte und Aufklärung

Bildschirmfoto von http://hoaxmap.orgMan könnte es als Form der Gegenüberwachung, auf jeden Fall aber für einen Fall von Counter-Mapping ansehen: Die Hoaxmap.

DRadio Wissen hat einen schönen Bericht zu dem interessanten Projekt der Aufklärung mithilfe von Karten.

Übersicht ist der erste Schritt um besser zu verstehen und dem Unsinn entgegenzuwirken, der so erzählt und vor allem geglaubt wird. Und damit ist es auch eine Form der Gegenüberwachung, eben der Aufklärung, nicht der Verklärung, die eine Form der Kontrolle und Herrschaft darstellen kann.

Symposium: Kunstgeschichte und Überwachung

An der FU Berlin gibt es Anfang November eine sehr interessante Konferenz, allein schon, weil hier das Thema jenseits gegenwärtiger Diskurse liegt – Überwachung und Sicherheit mal aus ganz andere Perspektive

Sketching Prohibited!
Military Interdictions of Drawing and Artistic Practice in Europe from Early Modern Times to the Twentieth Century.

Wann: 5. November 2015
Ort: Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin
Koserstr. 20, 14195 Berlin, HÖRSAAL B

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Counter Surveillance – Gegenüberwachung

defaultAuthPicAus aktuellem Anlass möchte ich hier einmal auf die vielleicht für einige längst bekannte Webseite Bellingcat hinweisen, die im Rahmen dieses Blogs betrachtet eine sehr anschauliche Form von Gegenüberwachung/sousveillance/counter surveillance darstellt. Die jüngsten Berichte zum Abschuss des Fluges MH17 lesen sich spanndender als jeder Thriller, wenn man etwas für diese Art der Forensik übrig hat.

Mehr als lesenswert!!

Karte der Überwachungsforschung

surveillanceresearchmap_stillEin kleines Projekt, das eine Übersicht in einer oft unübersichtlichen wissenschaftlichen Landschaft bieten soll.

Und es ist zum Mitmachen! Mehr erfahrt ihr durch die Karte! (oder hier)

Kunst der Sichtbarkeit

Wenn Überwachung mit Sichtbarkeit zu tun hat, dann ist diese Installation eine Kunst der Überwachung.

Das Projekt On Broadway zeigt die 13 Meilen der legendären Straße in NYC in vielen ihrer Facetten – Sichtbarkeit, Übersicht, Orientierung, und damit die Grundvorraussetzungen für Überwachung. Außerdem sieht das extrem cool aus! Probiert es selbst mal aus…

Imaginäre Geografie und Sicherheit

Heft 3.2014 der kritischen berichte bieten eine Ausgabe zum Thema Karten. Die Aufsätze sind sehr verschieden, aber wenn Kartierung auch immer eine Form der Überwachung ist, dann passen die Beiträge hier wunderbar.

Mapping – an den Rändern von Ordnung und Wissen

  • Nils Güttler    Konjunkturen des Kartenwissens. Zur vermeintlichen Bildaffinität von Pflanzengeographie und Humboldtian Science
  • Andreas Christoph    Blicke auf den Planiglob – Kartographische Korrekturen und thematische Notationen
  • Christopher Rollen    Two Current Projects with Cartographic Interests
  • Kirsten Wagner    Karten des corps social. Zum grafischen Wissen von der Bevölkerung
  • Nils Zurawski    Kartographien des Risikos. Das Unbekannte und die imaginären Geografien der Sicherheit

Überwachung und Simulation

Jetzt einmal zu einem anderen Aspekt von Überwachung – Überwachung im Sinne von Übersicht schaffen. Das Max-Planck-Institut für Informatik hat eine Simulation zur Verbreitung von Ebola bzw. für Epidemien insgesamt erstellt.

Ein Interview mit dem Bioinformatiker  vom MPI kann man beim DeutschlandFunk (Luftexpress für Waren, Witze, Viren, Thomas Lengauer im Gespräch mit Arndt Reuning) finden – dort werden auch die Grenzen solcher Simulationen erklärt und die Hintergründe.

Wenn Kartierungen Teil von Überwachung sind, dann ist das hier ein sehr interessantes Beispiel. Im weitesten Sinne handelt es sich hier um eine Form des cognitive mapping zur Selbst und Fremdverortung in der Welt. Ein Blick lohnt sich!

Die Welt der Spionage-Firmen

Ob es mehr ist als nur eine Spielerei, müsst ihr selbst rausfinden. Die Karte der Spyfiles bei Wikileaks.

(Screenshot von der Seite)

Privatsphäre und Bewegung

In dieser Studie, die bei Nature vorgestellt wurde und die im Internet weit disktutiert (gigaom.com) wird, geht es um die Möglichkeiten Bewegungsdaten nachzuvollziehen. Unique in the Crowd: The privacy bounds of human mobility. Und wie es scheint ist allein aus den Mustern auf bestimmte Peronen zu schließen – also nicht die Daten bestimmter Personen sind interessant, sondern die gespeicherten Daten können zu den Profilen von Personen führen.

We study fifteen months of human mobility data for one and a half million individuals and find that human mobility traces are highly unique. In fact, in a dataset where the location of an individual is specified hourly, and with a spatial resolution equal to that given by the carrier’s antennas, four spatio-temporal points are enough to uniquely identify 95% of the individuals.